Abtreibung? JA / NEIN

Hallo
Meine Frau (24 Jahre 8 Monate alt) hat das sog. First-Trimester-Screening durchgeführt.
Ergebnis ist: 1:369 , adjustiert 1:1048 !!!.
Unsere Frauenärztin sagt es besteht ein Risiko für Trisomie 21 und
Wir müssen dringend weitere Untersuchungen durchführen dann kann sie eine endgültige Aussage geben!!!
Jetzt fragen wir uns:
Wie genau ist dieser Test ?
Was bedeuten diese Werte?
Unabhängig von den Ergebnissen der Weiteren Untersuchungen ist eine Abtreibung das sinnvollste?

Bitte um Rat.

Hallo, ich hab lang überlegt ob ich hier schreiben soll, oder offline oder erst mal abwarten wer noch was schreibt,
Zur Genauigkeit der Untersuchungen kann/will ich nichts sagen, da ich keine Ahnung von den neuesten Methoden hab und nicht weiß, was die Ärztin eigentlich machen möchte.

Allerdings kann ich sagen, nur weil zB. nach einer Chromosomenzählung aus dem Fruchtwasser „eindeutig“ eine Trisomie 21 herauskommt, heißt das nicht, dass das Kind nicht lebensfähig wäre. Die Bandbreite der potentiellen Behinderung reicht von rein optischen Erscheinungen (Augenform, immer leicht offener Mund) über die geistige Behinderungen (und auch hier von „ein bisschen Langsam“ über „bisschen doof“ bis hin zu „hochgradig geistig behindert“) bis hin zu Problemen mit inneren Organen (va. Herzfehler, Darmprobleme ).
Wie stark die Ausprägung bestimmter Symptome nun speziell bei eurem Kind ist kann man bis auf einzelne Dinge (va. die Organschäden), vor der Geburt nicht eindeutig festlegen.
Ich möchte euch die Entscheidung nicht abnehmen, wenn ich selbst davor stehen würde, würde ich evtl wieder ganz anders reden, und ich möchte definitiv eure Entscheidung über eine evtl. Abtreibung verdammen.
Aber eine Trisomie 21 ist nicht der Weltuntergang, damit lässt sich meist vergleichsweise gut leben. Eine Trisomie 18 zB. wäre da schon schwerwiegender.
Ich bin mit dieser 1:irgendwas Rechnung nicht firm, aber selbst wenn eine 50% Chance besteht, dass das Kind Down hat, besteht auch eine 50%Chance dass es das nicht hat. Und selbst wenn die Diagnose eindeutig zu sein scheint, kann es immer noch sein, dass es einfach ein übermässig liebes Kind (auch ein typisches Downsymptom) werden wird :wink:
Also drum mein Vorschlag, macht euch mit der Krankheit vertraut und fragt euch lieber, ob ihr glaubt, damit klarkommen zu können.
Der Wikiartikel ist ein schöner Einstieg, dazu vielleicht noch mal ein paar Seiten von Selbsthilfegruppen. http://de.wikipedia.org/wiki/Down-Syndrom

Wie gesagt die endgültige Entscheidung will und kann ich euch nicht abnehmen, von mir gibts nur den Rat, das Pferd evtl mal von der anderen Seite aufzuzäumen. Was wäre, wenn ihr unverhofft zu einem Down Kind gekommen wärt, wär das so schlimm? Wo lägen in dem Fall die wirklichen Probleme?

Auch gebe ich zu bedenken, dass manche invasive Pränataldiagnostik-Methoden auch das Kind gefährden könnten, fragt auch dazu die Gyn.
Und gibt es ausser Down noch andere bzw. mehr Krankheiten und durch ein Verfahren mitausgeschlossen/bestätigt werden können. Dazu v.a auch die Frage, gibt es noch weitere Krankheiten, die derzeit zur Diskussion stehen könnten, von der FÄ aber noch nicht weiter erwähnt wurden um euch nicht zu verunsichern (so besteht zB. bei erhöhtem Alter der Mutter auch ein erhöhtes Risiko zu anderen Trisomien, Down lässt sich nur besser bereits nichtinvasiv diagnostizieren, als andere Chromosmenfehler)Also bei der Entscheidung über ein weiteres Untersunungsverfahren eine knallharte Nutzen -vs. Risiko-Analyse, auch wenns grad schwerfällt.

Gruß Susanne

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Atef,

bevor Ihr Euch entschieden habt, diese Untersuchung durchführen zu lassen, habt Ihr Euch doch bestimmt ein paar Gedanken gemacht „was wäre wenn“. Wie habt Ihr denn zu diesem Zeitpunkt über mögliche Behinderungen gedacht? Was hat sich seitdem in Euren Gedanken/Gefühlen verändert?

Ich selbst habe keine Erfahrung mit Down-Kindern, ich kenne sie nur von Erzählungen von Bekannten, die früher mit Behinderten gearbeitet haben. „Downies“ waren und sind immer ihre Lieblinge, sagen sie, weil sie einen tollen, trockenen Humor haben, weil sie immer sagen, was sie denken und weil sie furchtbar liebe, lebensfrohe Menschen sind. Ich bin von den Berichten meiner Bekannten immer sehr beeindruckt und finde es schon fast schade, keinen Betroffenen zu kennen.

Ich glaube, wir nicht-Behinderte haben tatsächlich einfach zu viel Angst vor dem Unbekannten, vor den „komischen Sachen“, die Behinderte machen, vor uns selbst, weil wir nicht wissen, wie wir uns verhalten sollen. Behinderte und nicht-Behinderte werden in dieser Gesellschaft leider immernoch ziemlich getrennt, so dass wir einen normalen Umgang gar nicht erlernen.
Der Mann meiner Mutter ist blind, oh je, hab ich am Anfang als ich ihn kennenlernte immer Angst gehabt, was falsch zu machen. Ein „man sieht sich“ zum Abschied - Horrorvorstellung. In MEINEM Kopf. Heute ist er ein normaler Mensch für mich, einer von dem ich viel lernen kann, einer mit dem man sogar Witzchen über seine Behinderung machen kann („Legen wir Dir ein paar Reiskörner auf den Tisch, dann haste auch was zu lesen“). Es sind nicht die Behinderten, die das Problem sind, die nicht-Behinderten sind es.

Und da schließt sich eben die nächste Frage an - und die ist wahrscheinlich gravierender: Seid Ihr in der Lage mit einem behinderten Kind in dieser Welt zu bestehen? In einer Welt, in der man zu Euch sagt: „Mensch, so ein Kind muss doch heute nicht mehr passieren“ oder „so ein Kind muss man doch heute nicht mehr bekommen“. Wenn Ihr selbst schon Probleme mit der Behinderung Eures Kindes hättet, würde die Belastung durch die Außenwelt mit Sicherheit massiv verstärkt.

Was ich in Eurer Situation tun würde (und ich bin selbst grad schwanger): Ich würde Kontakt zu Down-Eltern suchen, da gibt es ja eine Menge Vereine und Selbsthilfegruppen, die man dafür kontaktieren kann. Und dann würde ich mit denen reden, wenn ich dürfte, zu ihnen zu einem Kaffee kommen - so oft wie möglich, damit das Krankheitsbild kennen lernen und Alltags-Erfahrungen aus erster Hand sehen und anhören. Aus meiner Sicht wäre jede Entscheidung vor dieser Erfahrung zu früh.

Ich wünsche Euch ganz viel Kraft und Mut, die kommende Zeit gemeinsam zu meistern und die richtige Entscheidung für Euch zu finden!!!

Muecke

Hallo,

zunächst mal sollte man auf erste Tests nicht zuviel geben. Nicht unmsonst wird ja weiter getestet. Wenn ich mir überlege, was man uns alles zu unserem Sohnemann erzählt hat, dann weiß ich heute noch nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Eine Urlaubsvertretung war nicht mal in der Lage ein Ultraschallbild vernünftig auszumessen, und schickte uns mit dem unguten Gefühl, der Embryo sei zu klein, zum Fachmann. Der stellte dann fest, dass eher das Gegenteil der Fall sei, und Sohnemann aktuell eher an der Obergrenze liegen würde. Also zunächst mal versuchen, kühlen Kopf zu behalten, bis mehr Klarheit herrscht.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, kann ich nur aus eigener Erfahrung sagen, dass dies für meine Frau und mich sicher kein Grund für eine Abtreibung wäre. Ich habe staatlich verordnete 21 Monate mit geistig behinderten jungen Erwachsenen verbracht, und mir waren die Trisomie-Betroffenen immer die Liebsten. Einfach Pfundskerle, die ihr Leben in vollen Zügen genießen, sich über jeden Blödsinn freuen können, und unglaublich anhänglich und liebesbedürftig sind. Im Durchschnitt treudoof, kontaktfreudig, immer fröhlich und herzenzgut im besten Sinne. Und wenn Eltern „normaler“ Kinder sich ständig beklagen, dass die Zeit viel zu schnell vorbei geht, dann können Eltern von Trisomiekindern darüber nur lachen. Ihre Kleinen bleiben recht lang in kindlicher Gemütsverfassung.

Mit passender Förderung können viele ein selbständiges und erfülltes Leben führen, ein Bildungsniveau erreichen, was eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht, und sind oft Mittelpunkt der Familie. Große berufliche Karriere ist nicht zu erwarten, aber wenn jemand damit glücklich ist eine Aufgabe zu haben, jeden Tag die Kollegen zu sehen, und darin aufgeht, z.B. Zeitschriften zu kommissionieren, dann ist das mehr, als viele „Normale“ erreichen. Aufpassen muss man nur mit dem oft nicht vorhandenen Sättigungsgefühl, was gerne mal zu Übergewicht führt. Und gelegentlich muss man ab einem bestimmten Alter auch mit dem Liebensbedürftnis etwas vorsichtig sein.

Natürlich bedeutet das Leben mit einem behinderten Kind auch eine besondere Herausforderung. Es ist nicht jeden Tag eitel Sonnenschein. Es gibt ggf. Begleiterkrankungen, die behandelt werden müssen. Aber machen wir uns nichts vor, auch ein genetisch gesund geborenes Kind kann von heute auf morgen ernsthaft erkranken und entsprechenden Aufwand bedeuten. D.h. dieses Risiko trägt man mit jedem Kind, und jedem Menschen für den man Verantwortung übernimmt. Ein befreundetes Ehepaar wurde vor ein paar Jahren mit der Diagnose MS bei der Frau konfrontiert, und auch die wurde nicht notgeschlachtet oder verlassen, sondern wird heute liebevoll von ihrem Mann umsorgt, der voll im Leben steht, und sicher auch ursprünglich eine andere Lebensplanung hatte.

Auch solltet Ihr bei einer ggf. anstehenden Entscheidung berücksichtigen, dass viele Partnerschaften nach einer Abtreibung zerbrechen, weil die damit einhergehende Belastung sich im Nachhinein doch als größer herausstellt, als ursprünglich gedacht. D.h. offenbar können viele Betroffene eben doch nicht mit dem Thema so leicht abschließen.

Gruß vom Wiz

Diese Fragen sollte eigentlich der Arzt beantworten und weitere Untersuchungen solltet ihr auch machen lassen.

Ansonsten würde ich wegen Trisomie 21 wohl nicht abtreiben, aber das muss jeder selbst wissen und es macht keinen Sinn ein Kind zu bekommen, dass man nicht haben will.

Hallo Atef,

Vorab: Absolut niemand ist heutzutage in der Lage Euch zu sagen, welchen Grad von Down-Syndrom ein ungeborenes Kind haben wird!!

Das gesagt, möchte ich nur auf eine Frage eingehen, nämlich:

Unabhängig von den Ergebnissen der Weiteren Untersuchungen ist
eine Abtreibung das sinnvollste?

Diese Frage kann/darf/wird niemand für Euch antworten. Ihr muß das selbst entscheiden denn Ihr allein werdet mit dieser Entscheidung (egal für oder gegen) mitleben müssen.

An dieser Stelle könnten 1001 Geschichten und Erzählungen geben von Frauen die abgetrieben haben und ihr jetzigen Umgang damit und auch von den 1001 Eltern, die ein Kind mit Down-Syndrom hat.
Ich werde mich auf eine einzige beschränken, weil es in meinem engsten Freundenkreis stattgefunden hat. Eine Freundin von mir, nennen wir sie mal Karin, war zum dritten mal schwanger. Sie hatte bereits 1 Tochter, 1 Sohn und erwartete einen Sohn. Es würde ihr noch nicht geborener Sohn Down-Syndrom diagnostiziert. Soviel stand fest. Wie ich oben erwähnt habe, konnte niemand Karin und Ihr Mann sagen, wie ausgeprägt dieses Syndrom sein würde. Nach langer Überlegungen und hin und her („schließlich haben wir schon zwei und wir können ja noch weitere in Zukunft haben“ -so ihre Gedanken) entschieden sie sich, das Kind auszutragen und darauf ankommen zu lassen. Gesagt, getan. Als das Kind auf die Welt kam, hatte er an alle Extremitäten jeweils SECHS Fingern bzw. Zehen: Am Fuß hatten diese sogar Knochen! Also, noch im Krankenhaus wurde dem Kind die jeweiligen 6en Finger (es war nur Fettgewebe) geschnitten, im Lokalnarkose. Und am Fuß bekam es eine klitze kleine OP. Ansonten war von Down-Syndrom absolut nichts mehr zu sehen. Ich glaube das Kind ist jetzt so um die 12 Jahre alt.

Und noch ein Gedanke: Zu Bedenken wär noch, daß die Schwangerschaft schon etwas weiter fortgeschritten ist und somit eine Abtreibung > vonstatten geht, wie am Anfang einer Schwangerschaft (rein physiologisch betrachtet!).

Bitte um Rat.

Ich hoffe es war einen. Ich habe versucht sachlich zu bleiben.

Alles Gute und toi, toi, toi und ich wünsche Euch die für Euch beste Entscheidung, welche auch immer.

Liebe Grüße,
Helena

Trisomie ist doch der klassische Fall für den man die jahrelange Ethikdiskussion um die Abtreibung geführt hat und dann die Indikationslösung (Straffreiheit bei Abtreibung) eingeführt hat. Es bleibt eine persönliche Gewissensfrage. Dein Kind lebt länger als Du. Du kannst Dich also nicht ewig um es sorgen, auch wenn Du das wolltest. Ihr könnt nach einer Abtreibung Kinder haben. Nach einigen Jahren wird das zurück liegende Ereignis wie ein böser Traum erscheinen.
Udo Becker

Ja eben, ein böser Traum und das bleibt böse.
Es gibt hier kein JA oder NEIN, kein FALSCH oder RICHTIG. Es gibt hier nur Grauzone und eine Menge Emotionen.
Das man für sein Kind evtl nicht mehr sorgen kann, da man evtl vor ihm stirbt ist auch eines meiner Hauptgedanken, der mir gar nicht gefällt.
Sprecht mit Eurer Ärztin! Jetzt müsst Ihr um so alles durchdenken und Euch in alle möglichen Richtungen informieren.
Und hier sind ja schon einige gute Antworten dabei!
Viel Glück!

Kathy

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Udo,
nein gerade Trisomie 21 war nicht der Grund. Eine so verhältnismäßig leichte Behinderung sollte gerade kein Grund für eine Abtreibung mehr sein, darum wurde die embryopathische Indikation ja gestrichen.
Das vor allem Trisomie 21 heute der Topseller unter den Begründungen für Abbrüche nach der 14 Woche ist wird von allen damaligen Verantwortlichen als komplett ungewollte Fehlentwicklung bezeichnet.
Gruß
Werner

1 „Gefällt mir“

Hallo,
obwohl ich dir in der Grundfrage sogar zustimme,

Diese Fragen sollte eigentlich der Arzt beantworten und
weitere Untersuchungen solltet ihr auch machen lassen.

muss ich dir hier wiedersprechen. Der Arzt kann die Frage ob man abtreiben soll oder nicht überhaupt nicht beantworten. Das ist eine Ethische Entscheidung die nur die Betroffenen fällen können. Der Arzt kann nur etwas über die statistischen und medizinischen Fakten - so es denn welche sind - sagen. Was das für den Einzelnen bedeutet kann er nicht wissen.

… es macht keinen Sinn ein
Kind zu bekommen, dass man nicht haben will.

Auch hier kommt eine seltsame Haltung durch. So gehe ich an einen Versandhauskatalog heran. Da bestelle ich nichts was ich nicht will. Hier sind wohl doch noch ein paar Aspekte mehr zu bedenken.

Gruß
Werner

4 „Gefällt mir“