Abzokke konservativer Anleger?

Hallo,
folgender Fall:
ein sehr konservativer Anleger kauft bei der Deutschen Bank einen Fonds. Der Fond, so der Anlageberater der Bank, sei extrem sicher und ohne Risiko. Das war Anfang 2008. Ein dreiviertel Jahr später ruft die Bank bei dem Anleger an, das der Fonds nun um 50% im Wert gefallen sei.

Welche Verpflichtung hat eine Bank seinem Kunden gegenüber, der als sehr konservativer Anleger eingestuft ist, wenn der Fonds um 50% innerhalb eines dreiviertel Jahres fällt?

Welche Chancen hat man seine verlorenen Gelder wieder zu bekommen?

So ist es einer mir bekannten Rentnerin ergangen, die gerade einmal 600€ Rente im Monat erhält. Ihr verstorbener Ehemann hat durch seine Firma ein wenig Geld hinterlassen, von dem sie im Alter leben wollte. Nun ist ein Großteil weg. Die Lebenssituation der Rentnerin war der Bank bekannt. Die Deutsche Bank weiß heute von nichts und stellt sich stur.

Hallo

Hallo,
folgender Fall:
ein sehr konservativer Anleger kauft bei der Deutschen Bank
einen Fonds. Der Fond, so der Anlageberater der Bank, sei
extrem sicher und ohne Risiko. Das war Anfang 2008. Ein
dreiviertel Jahr später ruft die Bank bei dem Anleger an, das
der Fonds nun um 50% im Wert gefallen sei.

Welche Verpflichtung hat eine Bank seinem Kunden gegenüber,
der als sehr konservativer Anleger eingestuft ist, wenn der
Fonds um 50% innerhalb eines dreiviertel Jahres fällt?

Welche Chancen hat man seine verlorenen Gelder wieder zu
bekommen?

vermutlich gar keine

So ist es einer mir bekannten Rentnerin ergangen, die gerade
einmal 600€ Rente im Monat erhält. Ihr verstorbener Ehemann
hat durch seine Firma ein wenig Geld hinterlassen, von dem sie
im Alter leben wollte. Nun ist ein Großteil weg. Die
Lebenssituation der Rentnerin war der Bank bekannt. Die
Deutsche Bank weiß heute von nichts und stellt sich stur.

das machen alle so, wenn sie alles zurückabwickeln wollten, wären sie alle pleite. Das ist doch ein ganz einfaches Spiel :wink: und ausserdem haben das Fonds eben so an sich ob nun konservativ oder nicht so sehr…

Wallflower

Leider war diese Vorgehen bei vielen Bankberatern gang und gäbe. Die internen Vorgaben und der Leistungsanreiz (Boni) haben solche Extreme hervorgerufen. Gerade ältere Leute sind oft in diese Falle gelaufen, weil sie den Beratern vertraut haben.

Wenn eine gütliche Einigung keine Erfolg hat, dann müsste man den Rechtsweg einschlagen. Da hat man dann vermutlich wiederum die Beweispflicht. Das kann sich ziehen und es könnte jede Menge Geld kosten.

Am Besten wäre es natürlich, wenn man etwas schriftlich hat. Also eine Art Beratungsprotokoll.

Hallo,

es gibt ein Beratungsprotokoll (WphG-Bogen). Wenn dieses auch die defensive Ausrichtung belegt, dann würde ich erstmal zur Verbraucherzentrale gehen und ggf. einen Anwalt einschalten.
Wenn die Rentnerin sich allerdings hat belabern lassen und eine entsprechende Risikoeinstufung unterschrieben hat, dann hilfts nix.

Gruß vom Money-Schorsch

Guten Tag skessen,
in Ihrem ersten Satz haben Sie das Problem bereits genau beschrieben.
Ein konservativer Anleger auf der einen Seite und der Begriff „Fonds“
auf der anderen sind unvereinbare Gegensätze. Solange die Dame nicht
unter Vormundschaft steht, dürfte vermutlich alles legal sein.
Ein Nachweis über das gesprochene Wort ist nicht zu führen und
ein Ergebnisprotokoll, das unterschrieben wurde läßt sich beliebig in alle Ecken ziehen, die man gerade haben will. Wenn dem nicht so wäre,
so wären Fonds und Konsorten (Aktien, Optionen, Derivate und andere
Abseitigkeiten) unverkäuflicher Schrott.
Gruß
Günther

Hi,

ich sehe es auch wie Günther, als konservativer Anleger wähle ich keinen Fond. Das Wort „sehr sicher“ und der Ausdruck „ohne Risiko“ haben auch in Verbindung mit Fond eine andere Bedeutung. In mehr oder weniger guten Zeiten mit normalen Schwankungen gibt es eine WErtsteigerung, die um den einen oder anderen Prozentpunkt schwankt. Aber sie wird größer sein als auf dem Sparbuch. und wenn geringe Schwankungen erwartet werden, dann heißt das - sehr sicher.
Für die höheren Zinsen als auf dem Sparbuch hat man aber ein größeres Risiko als beim Sparbuch, und das gilt für jeden Fond: Aktienwerte können auch fallen, und auch große Krisen sind möglich. Wenn die Dame das geld nicht sofort braucht (ich weiß ja nciht, wie alt sie ist und wie genau sie das Geld verwenden will), wird der Fond auch wieder deutlich mehr wert sein, auf genau dieselbe magische Weise, wie er jetzt an Wert verloren hat.
Das weiß sogar ich junger Mensch, der in der DDR völlig ohne Aktien aufgewachsen ist, daher gilt zu vermuten, dass es die Dame auch wissen.
Ansonsten, wie gesagt, schließe ich mich Günther an (mögliche Fehlberatung, Beweislage, …).

Die Franzi,
deren zwei fondsgebundene priv. Rentenversicherungen nach 4jähriger knapp 3stelliger Einzahlerei einen Rückkaufswert von unter der Abwrachprämie haben.

Hallo,

Ein konservativer Anleger auf der einen Seite und der Begriff
„Fonds“
auf der anderen sind unvereinbare Gegensätze.

Aussagen wie diese waren jetzt hier des öfteren zu lesen. Man muss ja schon dankbar für die richtige Schreibweise (mit „s“) sein.
Davon wird die Aussage an sich aber nicht richtig.
Die Rechtsform „Fonds“ sagt doch mal noch gar nichts über das Risiko der Anlage aus. Entscheidend ist das, was drinnen ist.
Das Risiko eine Aktienfonds entspricht eben nun mal dem einer Aktienanlage.
Das des Rentenfonds dem von „Zinspapieren“ usw… .

Es gibt sehr viele sehr konservative Fonds.

Was nicht heißen soll, dass jeder Fonds für jeden Anleger richtig ist. Das wäre genauso ein Quatsch.

Nix für ungut. Der Money-Schorsch

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Ich danke erstenmal allen für ihre Beiträge.

Ich kann der Rentnerin also nur raten von Fonds für die Rentenvorsorge die Finger zu lassen. Ob sich der Fond in 5 Jahren wieder an dem Punkt befindet an dem er vor einem Jahr war, ist bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage auch nicht zu vermuten.

Ihr Geld wird sie wohl nicht wiedersehen, ein Beratungsprotokoll hat sie natürlich nicht.
Sie sagte mir schon, dass sie ihr Geld jetzt festlegen wollte.

Übrigens, der Fonds hat, so Broschüre, nur zu einem ganz geringen Teil Aktien enthalten.

Ich frage mich nur, wozu Banken fragen ob man konservativer Anleger oder eher risikobewust ist. Sie lassen es sich ja sogar unterschreiben. Wozu dass, wenn letztendlich dann doch alle ihr Geld verlieren und die Banken die etwas empfehlen nicht zur Rechenschaft gezogen werden können.

nochmal über Fonds
Hallo an alle,

wie MoneySchorsch schon richtig bemerkte, macht Ihr alle einen Denkfehler: Fonds ist nihct gleich Aktienfonds oder gar Beteiligungsfonds. Fonds an sich ist wegen der immanenten Streuung sogar per se etwas sicherer als die entsprechende Direktanlage.

Wenn die Bank z.B. einen Geldmarkfonds verkauft hat, dann ist das theortisch so sicher wie Festgeld etc. Das „theoretisch“ hätte ich vor zwölf Monaten sogar weggelassen. Dummerweise, und das ist nun mal das gegenwärtige Problem, sind zuletzt sogar Geldmarkt- oder Rentenfonds (wohlgemerkt OHNE Aktien oder Dollarbezug) abgestürzt, obwohl es dafür keinen objektiven Gründe gab. Diese Fonds haben aber realistischerweise eine höhere Chance, sich schneller wieder zu erholen.

Kurz: Eine Falschberatung ist der Bank zuzutrauen und wäre dann nachzuweisen, es kann aber tatsächlich auch eine Folge der Finanzkrise sein.

Gruß,
Andreas

Ihr Geld wird sie wohl nicht wiedersehen, ein
Beratungsprotokoll hat sie natürlich nicht.

Hallo,
wenn es keine Dokumentation gibt, dann hat sie gute Chancen. Die Bank muss das Gespräch dokumentieren.
Kann natürlich sein, dass die Dame das Protokoll nicht mehr hat, die Bank aber schon, das würde ich mal antesten.

Gruß vom Money-Schorsch

P.S: um welchen Fonds geht es denn? Kannst Du die WKN einmal hier reinsetzen?

Guten Tag Andreas,
das mutet schon etwas seltsam an. Ich meine den Hinweis, doch ja sehr genau zu differenzieren, was es alles für spezialisierte Fonds gibt.
Und dann noch zu berücksichtigen, dass ein Rückgang der Fondswerte
auch an der Finanzkrise liegen kann.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr meine ich, dass das so
ja noch überhaupt nie einer gesehen hat. Diese Erkenntnis verblüfft.

In der Tat gibt es hundertüppsundneunzig verschiedene Fondstypen mit
Spezialisierungen, die dermaßen speziell sind, dass weder die Kunden
die Namen ihrer Fonds fehlerfrei aufschreiben noch grob schildern können, was denn das Kennzeichnende für diese speziellen Spezialisten
ist. Aber auch das ist nachgerade wurscht, denn es spiegelt einfach nur wieder, wie sich die Fangemeinde zusammensetzt.
Spezialisierung hin, Differenzierung her: Die vermeintlich sicheren
Fonds - solche die Rentenwerte einkaufen - wackeln in der Krise
auch nur mit den Ohren, weil die dermaßen sachverständige Kundschaft
eben nicht differenziert und alles gerne in einen Topf schmeißt.
Werden die Anteilscheine bündelweise zurückgegeben und kaum jemand möchte die Dinger erwerben, passiert eben das, was passiert: Die
Kurse fallen.
Im vorliegenden Fall ging es nicht um das Schönreden von Fonds und die damit verbundenen guten Chancen auf gute Chancen und noch bessere Ertragsmöglichkeiten für chancenreiche Renditen und immerwährendes Glück. Es ging darum, dass eine Frau eine sichere Anlage gesucht hat und mit einem Fondsgewürge wieder aus der Bank kam.
Gruß
Günther

Werden die Anteilscheine bündelweise zurückgegeben und kaum
jemand möchte die Dinger erwerben, passiert eben das, was
passiert: Die
Kurse fallen.

Warum? Der Wert eines Fondsanteils bestimmt sich ja nicht nach Angebot und Nachfrage, sondern nach dem Fondsvermögen.

Grüße,
Sebastian

Werden die Anteilscheine bündelweise zurückgegeben und kaum jemand
möchte die Dinger erwerben, passiert eben das, was passiert: Die
Kurse fallen.

Das wäre mir neu… denn der Fondspreis wird nach dem Fondsvermögen berechnet.
Es hätte allerdings die Folge, dass Fonds Positionen im grossen Stil liquidieren müssten, weswegen die Basiswerte fallen würden, was den Kursverfall des Fonds als solches beschleunigen würde.

Im schlimmsten Fall könte der Fonds die Rücknahme von Anteilen aussetzen. Allerdings passiert (und ist passiert) dies eher bei Immobilienfonds, weil deren Vermögen nicht so schnell veräusserbar ist.

Hallo,

es ist wohl eine Eigenart des Menschen, dass er dazu neigt, für oder gegen an sich neutrale Dinge zu sein.
So gibt es hier offensichtlich Experten, die generell was gegen Fonds haben, so wie der 60er-Fan gegen die Bayern, der BVBler gegen Schalke und der Besserverdiener gegen Lafontaine … :wink:
Ich will gar nicht spekulieren, woran das liegen mag. Es geht mit nur darum, die Dinge als das zu sehen, was sie sind. Im Falle von Fonds sind es Instrumente, um in Segmente oder Märkte zu investieren, in welche der Anleger aus bestimmten Gründen nicht direkt investieren kann oder will.
Das Konstrukt Fonds kann gar nichts dafür, wenn diese Märkte oder Segmente Verluste erzielen. Auch, wenn diese wie im Falle der Renten und des Geldmarktes überraschend kommen.
Ein direktes Investment in diese Papiere hätte das gleiche Ergebnis gebracht.
Der Teufel ist im Pudel, nicht in der ganzen Tierwelt… (Vorsicht: Metapher! :wink:)

Vielleicht saß der Teufel in diesem Fall auch hinterm Bankschreibtisch. Ich weisses nicht.

Der Money-Schorsch vom Fondsschutzbund…

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Chapeau !
Guten Tag Money-Schorsch,
das mit dem Fondsschutzbund ist erste Sahne. Hiermit verleihe ich Ihnen
den Februar-Award für Innovation und Schlagfertigkeit.
Und einen Stern.
In menschlicher Verbundenheit und sachlicher Fehde

Gruß Günther

Hallo Günther,

dann möchte ich mich mal artig bedanken und hier nicht den Reich-Ranicky spielen… :wink:

Gruß vom Money-Schorsch

Ja ja, die Banken. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht, wie hier beschrieben wurde. Die Banken sind eben in erster Linie daran interessiert, ihre eigenen Produkte zu verkaufen.

Wegen der schlechten Beratung seitens der Bank habe ich mich nach Alternativen umgesehen. Ich nehme meine Geldanlage seit einiger Zeit selbst in die Hand und kaufe Fonds online über einen sogenannten Fondsshop. Die Konditionen sind da wesentlich günstiger als bei einer Privat- oder Direktbank. Ich bekomme dort Fonds ohne Ausgabeaufschlag und ohne versteckte Kosten. Beim Anbieter PROfinance-direkt (http://www.profinance-direkt.de) werde ich sogar mit einer Treueprämie an den Vergütungen der Fondsgesellschaften beteiligt. Ein echter Mehrwert in meinen Augen.

Und sollte ich mit meiner Fondsauswahl falsch liegen, habe ich es selbst zu verantworten. Andererseits gibt es über Fonds genügend Informationen in Fachzeitschriften. Und Selbstberatung lohnt sich: Keine Kaufgebühren bedeutet automatisch eine höhere Rendite, unabhängig von irgendwelchen Versprechungen.

Hi,

Und sollte ich mit meiner Fondsauswahl falsch liegen, habe ich es selbst zu verantworten.

Ach, echt? Und wenn Du Dich bei der Bank (Finanzberater, Sparkasse etc.) beraten läßt, nicht? Gibst Du Deinen freien Willen da an der Tür ab?

Die Franzi