'ACS' versus 'Verdacht HI'

Hallo,

nach jahrzehntelanger Abstinenz vom Rettungsdienst besuchte ich mal wieder „meine“ alte Rettungswache.

Dabei fiel mir auf, dass bei Voranmeldungen der gute alte „Verdacht HI“ (Verdacht Herzinfarkt) verpönt ist, sondern statt dessen das „aktue Koronarsyndrom“ als Arbeitsdiagnose mitgeteilt wurde.

Ebenso neu war für mich, dass „mit ST Hebung“ oder „ohne“ gemeldet wurde.

Nun geht es ja lediglich darum, dass man das Krankenhaus darüber informieren will, dass ein Patient mit potenziell lebensbedrohlicher Erkrankung kommen wird, der evtl. einen HI (oder doch „nur“ eine Angina pectoris) hat.

Mir ist nicht ganz klar, warum man nicht mehr „Verdacht HI“ sagen soll und was es für die zentrale Notaufnahme des Krankenhauses für einen Unterschied macht, ob man auf dem Monitor (schon) eine ST-Strecken-Hebung sehen kann oder nicht. Gibt es da Unterschiede, wie sich die ZNA auf den anrauschenden RTW vorbereitet?
So nach dem Motto: „Keine ST Hebung, das kann der Assistenzarzt machen und wir lassen den Kardiologen schlafen.“

Hallo,

Hallöchen!

nach jahrzehntelanger Abstinenz vom Rettungsdienst besuchte
ich mal wieder „meine“ alte Rettungswache.

Muss wohl ein Schock gewesen sein …

Dabei fiel mir auf, dass bei Voranmeldungen der gute alte
„Verdacht HI“ (Verdacht Herzinfarkt) verpönt ist, sondern
statt dessen das „aktue Koronarsyndrom“ als Arbeitsdiagnose
mitgeteilt wurde.

Kommt immernoch drauf an wo du fährst. Hier in HH gibt es z.B. nur das Alarmstichwort Herzbeschwerden/ICD. Im Kreis Segeberg wiederhin das Alarmstichwort Herzinfarkt.

Das „ACS“ ist eben einfach ein Moderner Begriff der 3 Arten eines HI’S zusammenfasst.

STemi
NonStemi
Akute Angina Pectoris

Ebenso neu war für mich, dass „mit ST Hebung“ oder „ohne“
gemeldet wurde.

Verstehe ich nicht? Wie kann in der Depesche oder auf dem Melder schon stehen, wenn der Pat. zuhause ist, ob er eine ST-Strecken Hebung oder eben keine hat?

Nun geht es ja lediglich darum, dass man das Krankenhaus
darüber informieren will, dass ein Patient mit potenziell
lebensbedrohlicher Erkrankung kommen wird, der evtl. einen HI
(oder doch „nur“ eine Angina pectoris) hat.

Naja, irgendwie ja schon.

Mir ist nicht ganz klar, warum man nicht mehr „Verdacht HI“
sagen soll und was es für die zentrale Notaufnahme des
Krankenhauses für einen Unterschied macht, ob man auf dem
Monitor (schon) eine ST-Strecken-Hebung sehen kann oder nicht.

Das einzige was sich mir da als Erklärung einschleichen würde, wäre der Unterschied das man ja eben bei einer AP keine ST-Strecken Hebung hat. Und eine AP „nur halb so wild“ wie ein richtiger Myokardinfarkt ist, da sie sich nach einer bestimmten Zeit wieder lösen sollte.

Gibt es da Unterschiede, wie sich die ZNA auf den
anrauschenden RTW vorbereitet?

Naja, kommt auf die ZNA an, manche Krankenhäuser haben schon eine Chest Pain Unit, und da wird denke ich mal das volle Programm mit Gefäßchirurgie, Kardiologie usw. gefahren.

So nach dem Motto: „Keine ST Hebung, das kann der
Assistenzarzt machen und wir lassen den Kardiologen schlafen.“

Eher nicht…

Grußlos :smiley:

der Schma

Jetzt nehm ich deinen Thread mal als Aufhänger :wink:

Wird „bei euch anderen“ alles mit Wörtern durchgegeben?

Oder per (Zahlen-)Code?

„Bei uns“ gibts bei der Meldung z.B. Unterscheidung für

-Herz-Kreißlauf
-Herzinfarkt
-Reanimation

Weiter differenziert wird dann bei der Rückmeldung an die LS bzw. natürlich bei der Anmeldung in der Klinik…

Netter Aufhänger :smile:

Deutschlandweit wird Üblicherweise der Zahlencode verwendet, ich persönlich kenne Ihn aber nur aus Schleswig Holstein im Kreis Segeberg.

Da steht z.B. die 115 für Reanimation und die 105 für Kreislaufdysregulation.

In Hamburg wiederrum ordnet sich das ganze dann wieder in 2 Teile. Einmal praktisch gesehen was Vorliegt bzw. Alarmiert wird. Und dann was das Problem am Pat. ist.

Z.B. NOTF NA = Notfall mit Notarzt
Unklares geschehen (Hilflose Person)

Lg

der Schma

Hi!

Dabei fiel mir auf, dass bei Voranmeldungen der gute alte
„Verdacht HI“ (Verdacht Herzinfarkt) verpönt ist, sondern
statt dessen das „aktue Koronarsyndrom“ als Arbeitsdiagnose
mitgeteilt wurde.

Das ist eben die neuere und genauere Einteilung, wie Schmarotzer schon schrieb. Unter „Verdacht auf Herzinfarkt“ wurden und werden uns viele andere verkannte Krankheitsfälle gebracht, z.b. Gallenkolik, Blutdruckentgleisung, Lungenembolie usw - diese verursachen zwar ähnliche Beschwerden wie ein Herzinfarkt, sind aber eben keiner. Da ist es schon hilfreich, wenn der Notarzt mit der konkreteren Bezeichnung „ACS“ sich anmeldet, weil er die Diagnose praktisch schon gestellt hat.

Ebenso neu war für mich, dass „mit ST Hebung“ oder „ohne“
gemeldet wurde.
[…]
Gibt es da Unterschiede, wie sich die ZNA auf den
anrauschenden RTW vorbereitet?

  1. Mit ST-Hebung geht prinzipiell direkt ins Herzkatheterlabor (sofern die Diagnose des Notarztes stimmt…*hust*), alles andere kann je nach Fall meist etwas warten und z.b. erst am kommenden Morgen in aller Ruhe drankommen.
  2. Auch kann ein Nicht-Hebungsinfarkt oder Angina Pectoris vorerst in ein anderes Krankenhaus gefahren werden, wenn die Klinik mit einem Herzkatheterlabor aktuell keine Kapazität hat. Für einen Hebungsinfarkt wird notfalls jederzeit noch Kapazität geschafft, z.b. indem man einen anderen Intensivpatienten in eine andere Klinik verlegt - auch nachts. Da das erheblichen Aufwand und Kosten verursacht, tut man das natürlich nicht gerne bei einem „Verdacht“, der sich eben später nicht bestätigt…

Am besten ist, der Notarzt faxt das EKG vorab an die Klinik, dann kann der Kardiologe das besser, nämlich selbst *g*, beurteilen. Die EKGs vom Rettungsdienst sind nämlich meist nicht gut auswertbar, zumal oft noch nicht mal ein 12-Kanal-EKG möglich ist - und die Notärzte eben keine Kardiologen sind, und selbst Internisten vertun sich schon mal mit der korrekten Interpretation … *hust*

Nun geht es ja lediglich darum, dass man das Krankenhaus
darüber informieren will, dass ein Patient mit potenziell
lebensbedrohlicher Erkrankung kommen wird, der evtl. einen HI
(oder doch „nur“ eine Angina pectoris) hat.

Vergleich das doch mal mit der Meldung, es käme ein „Autounfall“ rein - das kann das schlimmste bedeuten oder eben nur paar Prellungen. Es ist hilfreicher, wenn man vorab in etwa weiß, was der Patient hat. Mir ist es oft lieber, die Notärzte kündigen den Patient mit konkreten Beschwerden an (z.b. Brustschmerz oder Atemnot), als mit einer Verdachtsdiagnose. Die kann nämlich oftmals völlig falsch sein.

Gruß,
Sharon

Deutschlandweit wird Üblicherweise der Zahlencode verwendet,
ich persönlich kenne Ihn aber nur aus Schleswig Holstein im
Kreis Segeberg.

Ich habe den noch nie kennengelernt.

Die Einsatzstichworte sind dort, wo ich fuhr, eher einfach.

Im Prinzip gab es die hier:
„Innerlich“ (kann alles sein)
„Herz“ (kann auch so ziemlich alles sein)
„Bewusstlos“
„Atemnot“
„Krampf“
„VP“ (veretzte Person)
„HP“ (hilflose Person, in der Regel volltrunken, in der Regel mit der Folge, dass Fahrzeug gereinigt werden darf)
„VU“ (Verkehrsunfall)
„psychisch“ (meine ganz besonderen "Lieblings"einsätze, damals)
„Apoplex“
„Schlauchboot“ (Verdacht Oberschenkelhalsfraktur, gemeint ist die Vakuummatraze)
„Intox“

Wobei eigentlich das Stichwort egal war. Man nahm als RTW sowieso immer Koffer, Monitor und O2-Brett mit hoch. Ausnahme: Intox, Entbindung oder Kindernotfall.

Dazu kam dann manchmal bei besonderen Situationen noch mehr Info.
Ich erinnere mich noch sehr gut an „vermutlich mehrere schwerverletze Kinder hinter verschlossener Wohnungstür“. Da hätte ich mir gewünscht, weniger Details auf der Anfahrt gewusst zu haben. Am Ende war es der Versuch eines „erweiterten Suizids“, der aber bei der Täterin und ihren beiden Kindern erfolglos blieb. An der Rettung waren über 50 Einsatzkräfte beteiligt.
(Zwei Löschzüge, einer für Türöffnung, einer für Absperrung des Heli-Landeplatzes, drei RTW, drei NEF, Baby-NAW, Hubschrauber, mehrere Batallione der Polizei…)

Das müssen aber ziemlich primitive Zeiten gewesen sein … „o2Brett“…

Die Einsatzstichworte erinnern mich da mehr an Grausame Zeiten der Schnellen Hilfe…

Schon länger her wa?

Das müssen aber ziemlich primitive Zeiten gewesen sein …
„o2Brett“…

Medumat variabel, Absaugeinheit und 2l Pulle.
Die waren aber durchgängig auf allen Fahrzeugen drauf, vom NEF zum KTW.

Die Einsatzstichworte erinnern mich da mehr an Grausame Zeiten
der Schnellen Hilfe…

Die Stichworte ergeben sich wohl aus dem Leitstellensystem.
Und wie gesagt: Wenn du als RTW zum Notfall geschickt wirst, dann kann dir eigentlich egal sein, ob du Apoplex, Herz oder „innerlich“
als Stichwort bekommst. Drei Mann, drei Teile zum Schleppen.
Nur halt die Besonderheiten Kind/Intox/Entbindung sollten einem genannt werden, da dann ja zusätzliche Koffer benötigt werden.
Wobei „Kind“ nicht immer das ist, was man denkt.
Da hat mal die über 80jährige Dame einen RTW für ihren Sohn (ca. 50) bestellt, der die Treppe herunter gefallen war. „Kind nach Treppensturz, bewusstlos“, hieß es. Na, der Kindernotfallkoffer durfte da zu bleiben.

Gab es was Besonderes, dann hat der Call-Taker schon selber die Besatzungen instruiert. Ansonsten hat man halt den den Disponenten dran, der nur das sieht, was der Call-Taker vorher eingetippt hat.

Das Ganze war in der Mitte der 90er in einer deutschen Großstadt im östlichen Ruhrgebiet bzw. westlichen Westfalen. Mann, was mussten wir oft Umwege fahren, um nicht durch Herne West fahren zu müssen…

Primitiv und grausam war das eher nicht. Ganz ehrlich, das war damals schon nicht schlecht. Gut, heute gibt es fast 50% mehr RTWs für die selbe Stadt und vom „NAW-System“ hat man sich nun vollständig verabschiedet.
Die Fahrzeuge sind schon schnieke, wobei wir zu der Zeit schon nur die großen 5-Tonner Merceds Transporter hatten, wo es anderswo 2,8-Tonner gab, in denen man kaum stehen konnte.