Hi Desperado,
daß der medizinische Ausruck „form fruste“ offiziell auf ADD angewendet wird, habe ich persönlich noch nicht gehört. Er bezeichnet normalerweise eine Krankheit, die in einem noch nicht vollentwickelten Stadium stehen bleibt.
Gemeint sein könnte eben das von dir Beschriebene damit:
… welche es normal intelligenten Personen unmoeglich macht normal fordernden
Aufgaben nachzugehen
Das ist nämliche eine der Komponenten, die zu der Signatur der sog. „ADD“ gehören, und die oft, besonders bei Erwachsenen auch als isolierte Eigenschaft zu finden ist. Insofern könnte „form fruste“ schon passn.
Das Problem besteht dann darin, Arbeiten verrichten oder Pflichttätigkeiten nachkommen zu müssen, deren Struktur völlig durchschaut und beherrscht wird, und die daher keinerlei Reize des Neuen, keinerlei unvorhergesehene Herausforderungen mehr erwarten lssen. Dadurch wird bei bestimmten Persönlichkeitsstrukturen die Frustrationstoleranz sehr schnell überschritten. Das kann bei manchen sogar panikartige Zustände zur Folge haben.
Die Reaktion ist dann die intensive Suche nach Auswegen, die größere intellektuelle oder ästhetische Reize versprechen - und die Arbeit bleibt liegen oder verzögert sich, selbst wenn man sich der ggf. katastrophalen sozialen Folgen voll bewußt ist.
(stupide Aufgaben wie Fliessbandarbeit
sollen moeglich sein weil man sich da auf etwas anderes
konzentrieren kann).
Das ist völlig richtig. Bei extrem monotonen Tätigkeiten, bei denen die Arbeitsgänge rein mechanisch wiederholt sind, die man sozusagen „im Schlaf“ beherrscht, können die Gedanken und die Phantasie gleichzeitig eigene Wege gehen. Im Gegenteil ist dieser tranceartige Zustand beim Arbeitsprozess, wenn er erst einmal überhaupt in Gang gekommen ist, sogar förderlich.
Genaugenommen ist das dann kein Aufmerksamkeitsdefizit, sondern im Gegenteil eine erhöhte Aufmerksamkeitsbereitschaft, die aber frustriert wird, sobald der Gegenstand nicht mehr neu und ungewohnt genug ist, um Aufmerksamkeit zu fordern.
Gruß
Metapher