Adelstitel als 'Belohnung'?

Hiho,

wir haben hier gerade einen Streitfall. :wink:

Konnte man im Mittelalter einen Adelstitel erhalten, um für besondere Dienste o.Ä. „entlohnt“ zu werden? Z.B., weil man der Krone einen großen Dienst erwiesen hatte?

Fragt Euch
Nike

Konnte man im Mittelalter einen Adelstitel erhalten, um für
besondere Dienste o.Ä. „entlohnt“ zu werden? Z.B., weil man
der Krone einen großen Dienst erwiesen hatte?

Aber ja doch, Nike.

Ich lese grad die Geschichte der Familie Fugger aus Augsburg.

Als Weber fingen die an, stiegen in den Warenhandel und ins Geldgeschäft ein und wurden die Finanziers mehrerer Kaiser.

Zwei Zweige dieser Familie wurden geadelt: „Die Fugger vom Reh“ und „die Fugger von der Lilie“.
Letztere wurden Reichsgrafen und drei Linien derer existieren noch. Das ist eigentlich schon Spätmittelalter, aber das gab es vorher auch schon.

Es gab den Unterschied zwischen „persönlichem Adel“ und „Erbadel“.

Goethe und Schiller wurde auch adelig gequetscht, damit sie in Gesellschaft bei Herzogens erscheinen konnten.

Fritz

Ich vergaß zu erwähnen, dass auch Rangerhöhungen möglich waren.

So wurden die Grafen vom Wirtemberg zu Herzögen gemacht. Graf Eberhard (im Bart) V., der Gründer der Universität Tübingen, wurde 1495 als Eberhard I. Herzog.

Und Herzöge konnten Kurfürsten werden.

Fritz

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Es gab den Unterschied zwischen „persönlichem Adel“ und
„Erbadel“.

Goethe und Schiller wurde auch adelig gequetscht, damit sie in
Gesellschaft bei Herzogens erscheinen konnten.

„Es gibt drei Arten des Adels: Erstens persönlicher Adel, das ist wenn jemand etwas Bedeutendes geleistet hat; zweitens Briefadel, das ist wenn irgend ein Vorfahr mal etwas Bedeutendes geleistet hat; drittens Uradel, das ist wenn man weder selbst etwas geleistet hat noch ein Vorfahr - und das ist natürlich das Vornehmste.“

Th. Th. Heine 1899 im Simplicissimus. Die zugehörige Zeichnung kann ich hier leider nicht posten :wink:.

Freundliche Grüße,
Ralf

Konnte man im Mittelalter einen Adelstitel erhalten, um für
besondere Dienste o.Ä. „entlohnt“ zu werden? Z.B., weil man
der Krone einen großen Dienst erwiesen hatte?

Ja. Die soziale Mobilität war höher, als heute oft angenommen wird, wobei persönlicher Dienst bei einem ‚Großen‘ das entscheidende Karrieresprungbrett war. Interessanterweise stammt ein bedeutender Teil des niederen und mittleren Adels im Spätmittelater sogar von unfreien Dienstmannen ab - den sog. Ministerialen.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallihallo,

ok, danke. Die weiterführende Frage ist nun: Seit wann? Denn

Goethe und Schiller wurde auch adelig gequetscht,

Sind ja nun sicher kein mittelalterliches Beispiel. :wink: Die Fuggers natürlich schon. :smile:

Aber soweit ich meine Sekundärliteratur verstehe, dürfte das doch eher im HoMi aufgekommen sein, oder?

Liebe Grüße,
Nike

Hi Ralf,

„Es gibt drei Arten des Adels: Erstens persönlicher Adel, das
ist wenn jemand etwas Bedeutendes geleistet hat; zweitens
Briefadel, das ist wenn irgend ein Vorfahr mal etwas
Bedeutendes geleistet hat; drittens Uradel, das ist wenn man
weder selbst etwas geleistet hat noch ein Vorfahr - und das
ist natürlich das Vornehmste.“

Danke, interessant, nur

1899

wr natürlich auch kein Mittelalter mehr, und nur darum ging es mir. Die Frage ist, ob diese Unterteilung auch schon im Mittelalter gegolten hat oder nicht. Ähm, mir ist natürlich klar, daß sie ironisch gemeint ist, nur: Ab wann war so etwas überhaupt möglich?

Wir erinnern uns der Zeit, als ein Ritter jemand war, der einfach nur ein Pferd besaß, um in den Feldzug zu ziehen …

Liebe Grüße,
Nike

Hiho,

wir haben hier gerade einen Streitfall. :wink:

Konnte man im Mittelalter einen Adelstitel erhalten, um für
besondere Dienste o.Ä. „entlohnt“ zu werden? Z.B., weil man
der Krone einen großen Dienst erwiesen hatte?

Hallo,
man unterscheidet Leistungsadel und Erbadel.
Der Leistungsadel ist, das liegt in der Natur der Sache, der ältere, ursprüngliche; er konnte erblich sein, so dass dann die Nachkommen auch ohne entsprechende Leistung adelig waren.
Daneben gibt es den nicht vererbbaren Adelstitel, möglich als Auszeichnung für Verdienste, aber manchmal auch als Voraussetzung für eine bestimmte herausgehobene soziale Stellung (z. B. die Verleihung eines Adelstitels an einen Kleriker bürgerlicher Herkunft, der zum Bischof berufen wurde)

Hallo !

Vielleicht ist es auch ganz gut zu wissen, wie der Adel überhaupt entstand.
Am Beispiel Niedersachsens.

Die sächsischen Eroberer, die aus dem Norden kamen und das Land (heute Niedersachsen) in Besitz nahmen, gehörten einer Kriegerkaste an, die das Land beherrschte und deren Mitglieder „Edelinge“ oder „Nobiles“ wurden (in dem eroberten Gebiet).

Einen Teil des gewonnenen Landes gaben sie an ihre Freunde ab, die ihnen möglicherweise bei der Eroberung geholfen hatten. Dies waren oftmals Franken, die den zweiten Stand, die „Liberi“ oder „Freien“, bildeten.

Die sächsischen Edelinge gaben einen weiteren Teil des Landes an die Freigelassenen, die den Stand der „Frilingi“ bildeten. Diese Freigelassenen waren vorher Leibeigene in dem von den Sachsen erobertem Land. Auch dieser dritte Stand besaß eine persönliche Freiheit, wenngleich er nur ein Teil Eigentum an Grund und Boden besaß. Dieses Grundeigentum war allerdings nicht frei. Alle Angehörigen dieses Standes waren Bauern. Die ersten Angehörigen dieses Standes hatten von den Sachsen nach der Besitzergreifung Nordthüringens 531 von den Eroberern die persönliche Freiheit und auch Grundeigentum erlangt. Beides vererbten sie an ihre Nachkommen weiter, und diese konnten, wenn sie mit in den Kampf zogen, bei neuen Gebietserwerbungen abermals Eigentum an Boden erlangen. Dies waren jene Pflegschaften, die der Munt eines Herrn unterstanden. Sie waren an die Scholle gebunden und damit festgelegt. Diese Stellung unter die Munt, die schützende Hand des Herrn, war im germanisch-sächsischen Recht verwurzelt.

Eine Untergruppe dieser Pflegschaften bildeten die Bergilden, die abgabepflichtig waren. Wer sich von der Bindung an die Scholle ablösen wollte, der gab als Entgeld für diese Loslösung den Zins und war damit Bergilde geworden. Damit hatte er die Möglichkeit erhalten, sein Gut auch zu verkaufen und nicht für alle Zeiten darauf sitzenbleiben zu müssen. Trotz ihrer Zinspflichtigkeit wurden auch die Bergilden als Frilinge angesehen.

In der etwa gleichen Position mit den Pflegschaften und Bergilden standen die freien Lansassen, die zwar persönliche Freiheit, aber kein Grundeigentum besaßen. Sie waren Bauern auf gepachtetem Land.

Die noch im Land sitzende Urbevölkerung wurde zu „Laten“ oder „Liten“, zu Hörigen gemacht.
Sie bestellten als Hörige den Acker.

Während der weiteren Verschiebung des sächsischen Stammesbesitzes nach Westen, brachten die Sachsen in der Mitte des 6. Jahrhunderts ihre seit über 100 Jahren bestehenden Standesverhältnisse mit und schufen auch im Westen ihres Herrschaftsbereichs die gleichen Standesverhältnisse.

Die nach Ansehen und Besitz an vorderster Stelle stehenden Edelinge wurden als Gauvorsteher gewählt, die Lebuin in seiner Vita „Fürsten“ nennt.
Neben den Herzögen, die im Kriegsfall gewählt wurden, gab es für Westfalen, Engern und Ostfalen noch jeweils einen besonderen Herzog, der als „Fürst“ seinen Bereich im Frieden verwaltete.

Das war der Beginn des Adels. Aus Kriegern, die ein Land unterwarfen wurden Edelinge (Adelige) .
Unter diesen mußte es dann natürlich Führer geben, diese wurden als Herzöge vor Kriegen gewählt und irgendwann blieb man es.
Da dieser Titel und weitere später, erblich waren, wuchs der Adel und durch Heirat untereinander wurden sie immer mehr und immer mächtiger. Gab es dann zwei befreundete Herzöge, mußte jemand her, der über sie gebot, also gab es irgendwann den König und schließlich, als Herrscher über sie, den Kaiser.

mfgConrad

Hallo Nike,

ich schliesse mich Conrad erst mal an und es geht aber auch noch weiter. In der Zeit zwischen Völkerwanderung und Frühmittelalter gab es noch die Leibeigenschaft, also die Freien, die waren natürlich besser dran und die Unfreien, ein Überbleibsel des antiken Sklaventums. Und auch bei den Sklaven wie bei den Unfreien kann man sich hocharbeiten. Mancher Sklave und Unfreie war mächtiger als sein Herr und einflussreicher. Das wohl bekannteste Beispiel bildet Joseph der Traumdeuter aus dem alten Testament, der von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde und zum Schluss als Sklave der Stellvertreter des Pharaos wurde - für treue und loyale Dienste - und genauso mächtig. Irgendwann wurde er auch aus der Leibeigenschaft entlassen.

So blieb es bis ins Frühmittelalter. Damals setzten viele Reichen Stellvertreter aus ihrem Kreise der Leibeigenen ein, wenn sie ihnen vertrauten. Es ist damals wie heute, sie machten Karriere. Und sie bekamen Stellungen wie den Kämmerer, den Stellvertreter des Königs, Truchsess, Marschall und was es da sonst noch alles gab.

Liebe Grüsse, Sanni