In einigen Internetquellen steht, dass ADHS angeboren und eine bestimmte „Genvariante“ dafür verantwortlich sei.
Meine Frage an jeden, den es interessiert oder der mehr weiß:
Warum kann man nicht einfach einen Gentest machen, um herauszufinden, ob jemand ADHS hat (da es ja angeboren sein soll)? Wozu dann noch die Überprüfung von Items?
Wie argumentieren Wissenschaftler, die die Gen-These vertreten?
Worauf stützen sie sich?
In der Grundschulklasse eines Knaben aus meiner Bekanntschaft waren ALLE Jungen mit ADSH diagnostiziert. Wenn das genetisch bedingt ist, müssen ja die Eltern und (Ur/Ur/Ur) Großeltern wechselseitig fremdgegangen sein, um alle ihre hyperaktiven Gene vorausschauend auf diese Klasse zu konzentrieren.
Ganz einfach
Weil es vermutlich nicht nur auf e i n e m Gen liegt.
Mal ganz abgesehen davon, dass es schon immer Menschen gab, xdie nervöser, unruhiger und unkonzentrierter waren als andere. Das hat Vor- und Nachteile und ist eben so, wie es auch blonde, braune und schwarzhaarige Leute gibt.
Gruß,
Branden
„in einigen internetquellen“ lässt sich der übelste quatsch finden. in unserem wissens-forum müssten wir also eher mit konkreten quellen, z.b. studien, arbeiten, um gut weiterzukommen.
in bezug auf die vererbarkeit von ADHS gibt es hinweise auf leichte auffälligkeiten, konkrete hinweise oder gar ein bestimmtes gen fehlen aber bislang gänzlich (quelle: esser-lehrbuch KJP-psychiatrie 2004).
überhaupt wird die suche nach monokausalen erklärungen („da haben wir den bösewicht“!) übertrieben, ein gen für ein ganzes syndrom?
die kriterien der F 90 -diagnose sind noch so unkonkret und zusammenfassend, dass man froh sein kann, dass es eine ausschlussdiagnose ist (siehe ärztliche leitlinien).
umgekehrt zeigen sich aber signifakant nachweisbare wirkfaktoren der übertragung von symptomen von eltern auf kinder:
a. dysfunktionales vorbild (zu wenig handlungsplanung, zu starke impulsivität, chaotisches verhalten, …)
b. bindungsaspekte, die bei dysfunktional-pathologischem bindungsverhalten entsprechend ADHS-typische verhaltensweisen bei kindern hervorrufen.
es ist nicht alles ADHS, was so aussieht.
es ist nicht immer ein gen, wenn eltern und kinder ähnliches tun.
mir ist klar, dass meine Quellenangabe unzureichend ist, aber es gab in Bamberg vor etwa zwei Jahren ein großes Symposium zum Thema ADHS, mit anschliessender Diskussion im Fernsehen. Vertreten waren die führenden Köpfe auf diesem Gebiet, unter anderem zwei Deutsche, ein Amerikaner und eine Schweizerin.
Essenz: Man geht zwar davon aus, dass es eine genetische Disposition für ADHS gibt, dass aber das soziale Umfeld, die Art des Tagesablaufs, sowie die Enährung einen mindestens ebenso großen Einfluss auf das Auftreten und die Ausprägung von ADHS ausübt.
Ich denke auch, dass bei jeder „verhaltensauffälligen“ Störung unbedingt der Blick auf das Elternhaus und die Umgebung gerichtet werden muss, in der das betroffene Kind aufgewachsen ist. Es ist aus meiner Sicht ein fataler Irrtum würde man das Verhalten der Eltern außer Acht lassen.
Ruhe, Struktur, Geduld und Geborgenheit sind unerlässlich in einer „Erziehung“ (das Wort mag ich eigentlich nicht).
Ich würde ganz klar auf eine Entwicklungsstörung ausgelöst durch die Umwelt (Erziehung und Gesellschaft) hinweisen wollen.
Wenn sich Eltern, Verwandte, Lehrer, Erzieher und Psychologen wieder mehr darauf konzentrieren könnten, was die wirkliche Ursache ist, müsste man nicht nach einem modernen Mythos und Sündenbock („die Gene sind halt Schuld“) schreien, um sich selbst behaglich zurücklehnen zu können und die Sache einfach weiterzugeben. Womöglich noch an die Pharmalobby, die sich an den Medikamenten eine goldene Nase verdient.
Schade, dass ich selbst noch keine Bewertungspunkte geben kann!
Viele Artikel, so wie auch dieser hier von „Alpha“, haben mir sehr geholfen! Im Gegensatz zu manch anderen Beiträgen, habe ich ihr eine strukturierte Antwort vorgefunden, die den Horizont öffnet, um sich weiter mit der Materie zu beschäftigen. Quellenangabe ist auch vorhanden, so dass der Nachweis gesichert ist. Dadurch hebt sich der Artikel von einer reinen Meinungsäußerung ab. Oder von solchen Beiträgen wie „jeder Mensch hat eine andere Haarfarbe - also haben auch einige ADHS und andere Nicht“. Die Haarfarbe ist nicht durch die Umwelt abhängig, die Symptome von ADHS schon. Das Denksystem ist viel komplexer und wird nicht so einfach generiert wie eine Haarfarbe. Der Mensch ist in seinem Werden auf die Interaktion mit der Umwelt angewiesen und prägt ihn entscheidend.
das ist jetzt kein persönlicher Affront gegen dich (auch nicht gegen Betroffene), also nicht missverstehen. Aber zum Thema ADHS allgemein, den Diskussionen, den Halb- und Unwahrheiten fiel mir dies hier auf:
Vertreten waren die führenden Köpfe auf diesem Gebiet, unter
anderem zwei Deutsche, ein Amerikaner und eine Schweizerin.
So fängt ein Witz an.
Essenz: Man geht zwar davon aus, dass es eine genetische
Disposition für ADHS gibt, dass aber das soziale Umfeld, die
Art des Tagesablaufs, sowie die Enährung einen mindestens
ebenso großen Einfluss auf das Auftreten und die Ausprägung
von ADHS ausübt.
So lautet die Pointe.
So unbeabsichtigt es deinerseits gemeint war, (zu)treffender kann man es kaum beschreiben.
ich habe in einem expertenforum einen sachverhalt geschildert, den ich vor zwei jahren im tv gesehen hab. da ist ein kleiner dämpfer nicht ganz unangebracht