Adoption

Hallo zusammen…

bin zurecht in ein anderes Forum verwiesen worden… Nun meine Geschichte:

Ich habe eine uneheliche Tochter, deren leiblicher Vater grausam ermordert wurde, als sie 4 Monate alt war. Damals hat sich mein bester Freund um uns gekümmert und uns weiter geholfen, mit dem ich nun verheiratet bin, denn aus Freundschaft wurde Liebe…

Meiner Tochter konnte ich bis jetzt von dem allen nichts erzählen, weil es halt so grausam war, und sie hält meinen Mann für ihren Vater. Sie ist nun schon 9 Jahre alt. Nun ist es der sehnlichste Wunsch meines Mannes meine Tochter zu adoptieren. Im Jugendamt habe ich aber erfahren, das dies nicht möglich sein wird, weil sie nicht die Wahrheit kennt… Gibt es denn keine Möglichkeit dies zu umgehen, denn NOCH kann ich ihr die Wahrheit nicht zumuten, erst wenn sie größer ist…

Für eure Antworten/ Erfahrungen bin ich sehr dankbar…

Gruß

Hai, ajlav,

ich bin grad ein wenig durcheinander - da Dein Kind vor der aktuellen Ehe entstand, müsste sie doch einen anderen Namen tragen, als ihr (Lebens-)Vater, oder?

Damit müsste sie doch schon wissen, daß ihr (Gen-)Vater ein anderer ist, oder?

Mit neun Jahren dürfte sie groß genung sein, zu erfahren, daß ihr (Gen-)Vater nicht einfach weg, sondern tot ist - Du musst ihr ja nun nicht alle Details erzählen, „ist gestorben“ ist völlig ausreichend.

Da (soweit ich weis) in Deutschland eine neun-jährige bei einer Adoption auch gefragt wird, ob sie will, ist es naheliegend, daß Ihr vorher erklären müsst, wo ihr (Gen-)Vater abgeblieben ist - stell Dir vor, wie es bei der Kleinen ankommen würde, wenn sie das von einem ihr wildfremden Richter erfährt…

Meine Meinung: sagt ihr, daß ihr (Gen-)Vater tot ist und das ihr jetzt endlich aus ihrem (Lebens-)Vater auch rein rechtlich ihren Vater machen wollt, weil er es vor dem Gesetz eben noch nicht ist, was aber kein Problem in Eurer Familie, sondern nur eine Legalitäts-Geschichte ist.

Gruß
Sibylle

Hi!

Meiner Tochter konnte ich bis jetzt von dem allen nichts
erzählen, weil es halt so grausam war, und sie hält meinen
Mann für ihren Vater. Sie ist nun schon 9 Jahre alt. Nun ist
es der sehnlichste Wunsch meines Mannes meine Tochter zu
adoptieren. Im Jugendamt habe ich aber erfahren, das dies
nicht möglich sein wird, weil sie nicht die Wahrheit kennt…
Gibt es denn keine Möglichkeit dies zu umgehen, denn NOCH kann
ich ihr die Wahrheit nicht zumuten, erst wenn sie größer
ist…

Na ja, ich wäre sehr stinkig auf meine vermeintlichen Eltern, wenn sie es mir alleine schon bis zu meinem 9. Lebensjahr vorgegaukelt hätten. Auch ein 4 jähriges Kind versteht es, dass die Mama einen Mann ganz doll lieb hat und der das Kind ganz doll lieb hat und der richtige Papa im Himmel ist und auf das Kind aufpasst. Man muss es nur richtig verpacken. Die Umstände des zu Tode kommens brauchst du ihr ja nicht in allen Einzelheiten zu schildern. Aber ich finde schon, dass ein Kind das Recht drauf hat zu wissen, wer sein Vater ist. Aber es kommt da wohl auch auf die Emotionale Reife des jeweiligen Kindes an. Auch ein 18 jähriges Kind wird womöglich heulen und erst mal sich distanzieren um alles zu verarbeiten. Das wirst du wohl nicht verhindern können. Allerdings ist ein Kind mit 18 dann volljährig und kommt womöglich nicht mehr zurück.
Auch sollte man Kinder ( besonders in der Pubertät ) nicht unterschätzen. DIe finden mehr Dinge heraus als einem lieb ist.

Alles in allem ist es deine Entscheidung und ich konnte dir hier nur meine Sicht der Dinge vermitteln. Ein Patentrezept für diese Situation gibt es wohl nicht. Aber für ein Kind ist es wichtig geliebt und akzeptiert zu werden und dann ist es auch recht egal von wem.

Tara

Hallo ajlav,

so wie ich das lese, hat eine Person mit der Geschichte ein Problem, nämlich Du!
Du traust Dich nicht mit Deinem Kind darüber zu sprechen und schiebst die arme, ach so verletzliche Seele Deines Kindes vor.
Wenn ich in der Lage des Kindes wäre, und ich erst halb erwachsen erfahren würde, was passiert ist, wäre ich (zurecht?!) ziemlich stinkig und würde meiner Mutter in Zukunft eher nicht mehr so doll trauen.

Auch in unserer Familie gibt es Geheimnisse, die erst nach und nach uns Kindern bekannt wurden.
Auch hier wurde unsere verletzliche Seele als Vorwand genommen um sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen. Wir haben es über Umwege erfahren und ich bin meinem Vater, der mittlerweile einige Jahre tot ist, immer noch einigermaßen böse, daß er mich so behandelt hat, meinen Geschwistern geht es ähnlich.

Nimm Dir ein Herz, warte eine günstige Gelegenheit ab (aber nicht zu lange warten!!!) und sprich mit Deiner Tochter darüber. Vielleicht ist es noch nicht zu spät.

Gandalf

Hallo zusammen…

Hallo Aylav,

Ich habe eine uneheliche Tochter, deren leiblicher Vater
grausam ermordert wurde, als sie 4 Monate alt war. Damals hat
sich mein bester Freund um uns gekümmert und uns weiter
geholfen, mit dem ich nun verheiratet bin, denn aus
Freundschaft wurde Liebe…

Wurde der Mann in Russland ermordet oder in Deutschland?
Damit könntest du anfangen, deinem Kind die Geschichte zu erzählen, (auch gut als Auftakt, warum ihr jetzt in Deutschland lebt).

Meiner Tochter konnte ich bis jetzt von dem allen nichts
erzählen, weil es halt so grausam war,

Du kannst dir kaum vorstellen, was Kinder alles verdauen können! Sie verarbeiten Schicksale anders als Erwachsene, sonst würden viele Kinder Grausamkeiten des Lebens nicht überleben.

Sieh dich um und höre dir Schicksale aus Russland, Afrika und anderen Teilen der Welt an, in welchen Kinder zu grausamsten Dingen gezwungen werden (Kindersoldaten in Afrika, Mafiazwang/Killerzwang in Russland, Klaubanden aus Rumänien und nicht zuletzt pädophiler Mißbrauch überall auf der Welt, auch bei uns in Deutschland.)
Kinder überleben idR diese Grausamkeiten, die das Leben schreibt oder Erwachsene ihnen zufügen, einige wenige können trotzdem auch noch ein positives Weltbild erleben und sich gut entwickeln.

Und dabei hilft ihnen, das sie eine Möglichkeit durch ihre Phantasie haben, die Dinge anders zu sehen als wir Erwachsene. Wenn du ihr z.B. vermitteln könntest, das die Seele ihres Vaters immer da ist und sie beschützt, er ein guter Mensch war, und es sich lohnt, ihn zu mögen, auch wenn sie ihn nie kennengelernt hat, wird sie verstehen und damit umgehen können. Natürlich wird er dann ein aktiver Teil eures Lebens werden und ihr werdet euch mit dem „Geist“ auseinander setzen müssen. Doch auch dein Mann kann positiv Einfluß nehmen, indem er erzählt, wie er ihren Vater kennen- und schätzengelernt hat und er sich freut, dass er die Ehre hat, die Tochter seines Freundes aufzuziehen und es schön für ihn ist, seinen Freund in ihr weiterleben zu lassen ( und dadurch auch die Erinnerung an den Freund nicht verliert). Er wird dadurch einen besonderen Stellenwert erhalten und wenn ihr es geschickt anstellt, wird sich die Beziehung zwischen den beiden sogar noch intensivieren.

und sie hält meinen

Mann für ihren Vater. Sie ist nun schon 9 Jahre alt.

Betrachte sie nicht als kleines Kind (das ist sie nicht mehr, meine ist auch 9, die wissen genau, was los ist in der Welt), sondern als gleichwertigen Familienpartner, der natürlich auch das Recht auf eine eigene Lebensgeschichte hat.

Ich würde das so anfangen, das ich sie an einen gemeinsamen Tisch hole, an welchem ihr zusammen sitzt und erklärt, dass ihr ihr jetzt etwas wichtiges zu sagen habt. Ihr glaubt, dass es nun Zeit ist, ihre Lebensgeschichte zu erfahren, weil sie inzwischen so groß ist, dass sie es verstehen kann und IHRE Meinung und Gedanken/Gefühle wichtig sind.
So wichtig, dass ihr sie in diese Entscheidung der Adoption auch einbeziehen möchtet. Es geht um das Wohl des Kindes und um IHRE Rechte! Glaubst du, das nur dein Mann das Recht hat auf eine Legitimation der Geschichte hat, nicht auch deine Tochter? Glaube mir, du wirst mit einer Lebenslüge nicht glücklich und ich glaube, das du dein Kind liebst, und darum wirst du ihr nicht ihr Recht aberkennen, die Wahrheit ihres Lebens zu erfahren.

Zeige ihr Bilder von ihrem Vater, erzähle, wie ihr euch kennengelernt habt, wie ihr euch ineinander verliebt habt, was euch verbunden hat, nämliich sie, in Liebe entstanden!

Erzähle ihr, dass er zu Tode kam und dass er euch damit die 2. Liebe, nämlich die Liebe zu ihrem PAPA ermöglicht hat. Damit hat sie 3 Menschen, die sie lieben und auf sie aufpassen. Ihr Vater ist ihr Schutzengel geworden, der immer auf sie aufpasst, und wenn sie in ihrem Zimmer aus dem Fenster schaut, wird sie einen ganz besonders hellen Stern sehen, einen der besonderen Glanz hat, und auf dem ist ihr Vater jetzt zuhause und kann von dort aus jederzeit für sie da sein. In ihren Gedanken kann sie immer mit ihm reden und er wird ihr antworten können, wenn du ihr die Grundlage gibst, nämlich schöne und positive Geschichten aus eurem Leben.

Nun ist es der sehnlichste Wunsch meines Mannes meine Tochter zu
adoptieren.

Das ist schön, sehr lobenswert! Aber er wird nicht glücklich werden, wenn diesem Wunsch das Anlügen eurer Tochter zugrunde liegt.

Damit werdet ihr letztendlich das Kind verlieren. Stell dir mal vor, deine Mutter und dein Vater würden das mit dir machen. Glaubst du, du würdest beiden weiter vertrauen? Im Gegenteil, die Folge kann sein, dass sich euer Kind von euch abwendet (was ich verstehen würde).

Im Gegenteil werdet ihr feststellen, dass das Vertrauen eurer Tochter größer wird, weil sie sich ernstgenommen fühlt und auch die Bestätigung erhält, dass sie von euch als gleichwertige Person in der Familie betrachtet wird und nicht nur das kleine Anhängsel ist, das ihr umsorgt.

Im Jugendamt habe ich aber erfahren, das dies

nicht möglich sein wird, weil sie nicht die Wahrheit kennt…
Gibt es denn keine Möglichkeit dies zu umgehen, denn NOCH kann
ich ihr die Wahrheit nicht zumuten, erst wenn sie größer
ist…

Stell dir mal vor, deine Tochter heiratet später mal und erfährt durch die Urkunde, dass sie einen Vater hatte und adoptiert ist. Sie wird dann den Schock ihres Lebens erfahren und du mußt dich dann erklären, was du nicht kannst. Denn dafür gibt es einfach keine Endschuldigung. Sie wird auf die Suche gehen nach ihren Wurzeln, und sie wird euch dann nicht glauben, dass ihr Vater tot ist, denn ihr habt sie in dem wichtigsten Punkt ihres Lebens ihr Leben lang angelogen. Diesen Vertrauensbruch kannst du nie wieder gut machen!

Im Rahmen unseres Adoptionsseminares haben wir über dieses Thema viel gesprochen und viel gelernt. Wenn wir ein Kind adoptieren dürfen, werden wir auf jeden Fall mit offenen Karten spielen, denn die Liebe wird dadurch nicht kleiner sondern eher größer, denn es ist ein Vertrauensbeweis ohne Ende, den man dem Kind entgegen bringt, wenn es die Wahrheit weiß.

Könnte es sein, dass du DIR die Auseinandersetzung mit eurer Lebensgeschichte noch nicht zumuten kannst? Ich kann dir nur raten, dich mit dem Jugendamt diesbezüglich auszutauschen. Betrachte es als Partner, der dir hilft, in einer Krisensituation Oberwasser zu behalten. Im Jugendamt können sie dir sicher eine Adresse nennen, welcher Psychologe euch helfen kann, diese schwierige Situation zu meistern. Wir haben im Rahmen unserer Adoptionsgeschichte auch eine Therapeutin durch das Ja. kennengelernt, welche im Bedarfsfalle immer zur Verfügung steht.

Es wird viele Tränen geben, DU wirst dich an vieles erinnern, was dir weh tut und du wirst den Verlust eines geliebten Menschen nochmal durchleben, aber letzten Endes werdeet ihr alle davon provitieren. Es gibt vieles aufzuarbeiten und es ist sicher nicht leicht, aber mit Mut und Zusammenhalt könnt ihr diese Hürde nehmen!

Für eure Antworten/ Erfahrungen bin ich sehr dankbar…

Ich wünsche dir viel Kraft!!!

Gruß

Liebe Grüße
Sabine

ich bin grad ein wenig durcheinander - da Dein Kind vor der
aktuellen Ehe entstand, müsste sie doch einen anderen Namen
tragen, als ihr (Lebens-)Vater, oder?

Ja, sie hat schon wegen des Nachnamens nachgefragt, aber das lies sich einfach erklären, denn wir haben erst vor 3 Jahren geheiratet

Mit neun Jahren dürfte sie groß genung sein, zu erfahren, daß
ihr (Gen-)Vater nicht einfach weg, sondern tot ist - Du musst
ihr ja nun nicht alle Details erzählen, „ist gestorben“ ist
völlig ausreichend.

Das haben wir uns auch schon mehrmals so überlegt, aber sie wird doch nachfragen, wie und warum, und dann möchte ich ihr nicht wieder die Unwahrheit erzählen… Ich weiß auch selbst, das ich mit meiner Verschwigenheit schon einiges angetan hab…

Hai, ajliav,

Ja, sie hat schon wegen des Nachnamens nachgefragt, aber das
lies sich einfach erklären, denn wir haben erst vor 3 Jahren
geheiratet

Das wäre natürlich die Gelegenheit gewesen, ihr zu sagen, daß ihr (Gen-)Vater leider schon tot ist…

Das haben wir uns auch schon mehrmals so überlegt, aber sie
wird doch nachfragen, wie und warum, und dann möchte ich ihr
nicht wieder die Unwahrheit erzählen…

Natürlich auf gar keinen Fall Lügen erzählen. Aber Du musst mit der Sprache rausrücken. Erzähl es ihr Häppchenweise („Er ist tot“ - „Warum?“ - „Er wurde umgebracht“…) - solange sie weiter fragt, will sie es genauer wissen - wenn es für Dich dann zuviel wird, dann sag ihr das und zwar genau so. Also kein „Dafür bist Du noch zu klein“, sondern „Ich kann darüber immernoch nicht reden, weil es für mich zu schwer ist“

Wenn sie fragt, warum ihr das nicht früher gesagt habt, dann verkneif Dir jegliches „Wir wollten Dich schützen“ „Du warst noch zu klein“ oder Ähnliches - sag, wie es ist: „Wir haben uns nicht getraut…“

Es kann Dir übrigens passieren, daß sie die Information ziemlich emotionslos aufnimmt und sogar nach klinischen Details fragt, die Dir, als Erwachsene, das kalte Grausen den Rücken runterschickt. Das liegt dann nicht daran, daß Dein Kind in irgendeiner Weise komisch reagiert, oder gar gestört ist - es liegt daran, daß sie diesen Mann ja überhaupt nicht kennt, also in dem Fall bitte nicht überreagieren, weil Du ihn doch kanntest und liebtest.

Ich weiß auch selbst,
das ich mit meiner Verschwigenheit schon einiges angetan
hab…

Es ist Zeit, das zu korrigieren.

Gruß und viel Stärke Euch Großen
Sibylle

12 „Gefällt mir“

Hallo,

Du lebst auf einem ganz gefählichen Pulverfass, denn mit jedem Tag steigt die Gefahr, dass Deine Tochter von Dritten auf die Sache angesprochen wird / selbst durch einen dummen Zufall auf die Sache stößt, …

Und dann wäre wirklich Holland in Not, denn der damit einhergehende Vertrauensverlust wäre dann nur schwer und langwirig wieder aufzuarbeiten.

Sicherlich ist es verständlich, dass man solch furchbare Geschichten Kleinkindern vorenthält und ebenfalls ist es verständlich, dass Eltern immer eine „bessere Gelegenheit“ suchen um Dinge zur Sprache zu bringen. Allerdings kommt man dann schnell an einen Punkt, wo man feststellt, dass man den optimalen Zeitpunkt verpasst hat und schlimm wird es dann, wenn Dritte einem die Bestimmung des Zeitpunkts aus den Händen nehmen. So gab es im Bekanntenkreis den Fall, dass zwei als Babys adoptierte Kinder durchaus zeitig von der Adoption erfahren sollten, es dann aber dummerweise schon zu Kindergartenzeiten herauskam, während die Eltern immer vorhatten, die Sache ca. zur Einschulung anzusprechen. Die Kinder wurden somit vollkommen unvorbereitet und ohne Beisein der Eltern mit der Sache konfrontiert und die Geschichte hat sie sicherlich deutlich mehr mitgenommen, als wenn man ihnen auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt reinen Wein eingeschenkt hätte. Sicherlich mag man darüber streiten können, ob in diesem Alter Gespräche über solche Themen sinnvoll sind, aber besser als die so entstandene Situation wäre es sicher gewesen.

Wenn Du es jetzt geschafft hast, die Sache bis zum Alter von neun Jahren unter dem Teppich zu halten, dann wird die Luft jetzt aber verdammt dünn, dass die Sache nunmehr anderweitig rauskommt, und dem solltest Du auf jeden Fall zuvor kommen. Dabei ist natürlich Fingerspitzengefühl gefragt, und wenn Du hiervor große Angst hast - was man sicherlich verstehen kann - würde ich auch nicht davor zurückschrecken mir professionelle Hilfe zu holen. D.h. ggf. die Situation vorab mit einem Kinderpsychologen durchzusprechen um sich Anregungen für den Aufbau eines entsprechenden Gesprächs und den Umgang mit den sich daraus ergebenden Reaktionen zu holen. Ein solcher Fachmann würde dann außerdem auch gleich zur Verfügung stehen, wenn sich in der Verarbeitung der Thematik bei Deiner Tochter Schwierigkeiten ergeben sollten, die über das erwartete und allein durch die Eltern abzufangende Maß hinausgehen.

Sicherlich ist die momentane Ferienzeit, in der man mehr Zeit füreinander hat, sehr gut geeignet, die Situation zu klären.

Gruß vom Wiz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

wenn ich könnte…
…würd ich Dir 100 Sternchen für diese Antwort geben :wink:

*wink*

Petzi

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Hallo,

ich kann mich den anderen nur anschließen: Kinder sind oft stabiler als man gemeinhin denkt.

Deinem Kind selbst ist in gewisser Hinsicht nichts grausames passiert - sie war zu klein, als Ihr biologischer Vater starb und es gab immer eine Bezugsperson für sie.

DIR ist etwas grausames passiert - und DU bist die, die letzthin das verdrängt!

Ich kann nur von einer Freundin berichten - bei weitem nicht so schlimm wie bei Dir - nur der klassische Fall, daß der biologische Vater sind noch vor Geburt aus dem Staub gemacht hat. Aber die Kleine wußte immer, daß es ihn gibt. Sie hat ihn sogar ein oder zweimal gesehen. Er hat kein Interesse an ihr. Es gibt aber ihren Papa - und das ist der Mann, den Mama geheiratet hat, der immer da ist und der sie liebt.

Für sie ist das alles absolut kein Thema - sie ist inzwischen 14 und ich hatte niemals den Eindruck, als ob es ein Familiengeheimnis gibt. Die Dinge sind einfach so. Heute gibt es bei vielen so verschiedenen Familienkonstellationen - Kinder nehmen die einfach hin, sofern das von Erwachsenen nicht dramatisiert wird. Bei uns heißt das: Ein Fall von „Isso“…

Je mehr „Gewese“ Du darum machst, desto geheimnisvoller und schwieriger wird alles.

Ich wünsch Dir die richtigen Worte - bald!

Wendy

Hallo Ajlav,

ich wollte mich den anderen anschliessen und
noch ein bisschen Erfahrungen mit fremdadoptierten
Kindern machen. Da gibt es manchmal ganz schoen
schlimme Geschichten zu erzaehlen (die Vor-Geschichte
der Kinder eben, z.B. bei Auslandsadoptionen, dass
das Kind auf einer Muellhalde gefunden wurde usw.).
Das sind Sachen, die Kindern an die Nieren gehen
koennen, weil es sie direkt betrifft. Trotzdem
darf man den Kindern das nicht vorenthalten (wobei
man natuerlich schon altersentsprechend die Info
mitteilt). Aber deine Tochter weiss sich ja geliebt:
von dir, von deinem Mann und von ihrem Bio-Vater (wenn
sie es dann weiss). Das ist fuer sie leichter zu
verkraften, als z.B. die Situation, wenn der Bio-Vater
sich aus dem Staub gemacht hat und sich nicht mehr
um sein Kind kuemmert.

Von daher: nimm dir den Mut und lass dich von
deiner Tochter ueberraschen.

Wahrscheinlich ahnt sie sowieso, dass irgendetwas
anders ist (Kinder haben die feinsten Antennen) und
meist ist das, was Kinder sich dann zusammenreimen
viel schlimmer und belastender als die Wahrheit.

Machs gut,
Elke

meine eigene Erfahrung
Hallo ajlav,
Meine Vorredner haben es schon mehrfach gesagt - sprecht mit ihr so schnell ihr könnt und dann lasst sie in Ruhe und lasst sie alles fragen!

Aber die Nummer mit dem Vater auf dem Stern - die lasst lieber bleiben - kann böse ausgehen, sie kann sich verraten fühlen, das man ihr das so lange verheimlichte und ihr Vater „auf dem Stern“ vergeblich so lange auf Antwort warten musste. Schuldgefühle könnten also kommen.
Ihr muss klar sein, dass ihr Papa DER Papa ist und sie schon seit Babyzeit mit seiner Liebe aufgezogen hat. Sie hat nur die „Bausteine“ von einem anderen Menschen, der nun leider nicht mehr lebt.
Berichtet von der Möglichkeit mit der Adoption, dass ihr Papa gern auch vom Gesetz her für sie „richtig“ die Verantwortung unterschreiben möchte - mit dem Herzen tut er es eh schon.

>Nähkästchen aufklappNähkästchen zuklapp

Hi Du,

ich hab mir die anderen Antworten nicht durchgelesen.

Aber ich wollte nur sagen, dass die TATSACHE, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist, keineswegs grausam ist.

Es reicht in ihrem Alter doch sicherlich, ihr insofern die Wahrheit zu sagen, dass ihr leiblicher Vater nicht mehr lebt.

Ob er durch einen Unfall, oder eine Krankheit (oder…) verstorben ist, ist quasi Nebensache.

Klar sollte sie älter sein, bevor sie die Umstände seines Todes erfährt.

Aber wenn sie mit 16 erfährt, dass sie adoptiert wird, ist das ein viel grösserer Schock, als wenn sie bis dahin eben schon viele Jahre Zeit hat, dies als normal zu empfinden.

Tips, wie Du Deine Tochter durch Geschichten etc darauf vorbereiten kannst, also ihr das Thema ‚leibliche Eltern‘ vs ‚Eltern‘ nachezubringen, sind Dir sicherlich schon in den anderen Antworten gegeben worden.

gruss, isabel

Vielen Dank für Eure Antworten und Wünsche. Ich muss mir noch mal alles durch den Kopf gehen lassen, und dann kann ich eine Entscheidung treffen.

Gruß und schönes Wochenende
ajlav