Hallo zusammen…
Hallo Aylav,
Ich habe eine uneheliche Tochter, deren leiblicher Vater
grausam ermordert wurde, als sie 4 Monate alt war. Damals hat
sich mein bester Freund um uns gekümmert und uns weiter
geholfen, mit dem ich nun verheiratet bin, denn aus
Freundschaft wurde Liebe…
Wurde der Mann in Russland ermordet oder in Deutschland?
Damit könntest du anfangen, deinem Kind die Geschichte zu erzählen, (auch gut als Auftakt, warum ihr jetzt in Deutschland lebt).
Meiner Tochter konnte ich bis jetzt von dem allen nichts
erzählen, weil es halt so grausam war,
Du kannst dir kaum vorstellen, was Kinder alles verdauen können! Sie verarbeiten Schicksale anders als Erwachsene, sonst würden viele Kinder Grausamkeiten des Lebens nicht überleben.
Sieh dich um und höre dir Schicksale aus Russland, Afrika und anderen Teilen der Welt an, in welchen Kinder zu grausamsten Dingen gezwungen werden (Kindersoldaten in Afrika, Mafiazwang/Killerzwang in Russland, Klaubanden aus Rumänien und nicht zuletzt pädophiler Mißbrauch überall auf der Welt, auch bei uns in Deutschland.)
Kinder überleben idR diese Grausamkeiten, die das Leben schreibt oder Erwachsene ihnen zufügen, einige wenige können trotzdem auch noch ein positives Weltbild erleben und sich gut entwickeln.
Und dabei hilft ihnen, das sie eine Möglichkeit durch ihre Phantasie haben, die Dinge anders zu sehen als wir Erwachsene. Wenn du ihr z.B. vermitteln könntest, das die Seele ihres Vaters immer da ist und sie beschützt, er ein guter Mensch war, und es sich lohnt, ihn zu mögen, auch wenn sie ihn nie kennengelernt hat, wird sie verstehen und damit umgehen können. Natürlich wird er dann ein aktiver Teil eures Lebens werden und ihr werdet euch mit dem „Geist“ auseinander setzen müssen. Doch auch dein Mann kann positiv Einfluß nehmen, indem er erzählt, wie er ihren Vater kennen- und schätzengelernt hat und er sich freut, dass er die Ehre hat, die Tochter seines Freundes aufzuziehen und es schön für ihn ist, seinen Freund in ihr weiterleben zu lassen ( und dadurch auch die Erinnerung an den Freund nicht verliert). Er wird dadurch einen besonderen Stellenwert erhalten und wenn ihr es geschickt anstellt, wird sich die Beziehung zwischen den beiden sogar noch intensivieren.
und sie hält meinen
Mann für ihren Vater. Sie ist nun schon 9 Jahre alt.
Betrachte sie nicht als kleines Kind (das ist sie nicht mehr, meine ist auch 9, die wissen genau, was los ist in der Welt), sondern als gleichwertigen Familienpartner, der natürlich auch das Recht auf eine eigene Lebensgeschichte hat.
Ich würde das so anfangen, das ich sie an einen gemeinsamen Tisch hole, an welchem ihr zusammen sitzt und erklärt, dass ihr ihr jetzt etwas wichtiges zu sagen habt. Ihr glaubt, dass es nun Zeit ist, ihre Lebensgeschichte zu erfahren, weil sie inzwischen so groß ist, dass sie es verstehen kann und IHRE Meinung und Gedanken/Gefühle wichtig sind.
So wichtig, dass ihr sie in diese Entscheidung der Adoption auch einbeziehen möchtet. Es geht um das Wohl des Kindes und um IHRE Rechte! Glaubst du, das nur dein Mann das Recht hat auf eine Legitimation der Geschichte hat, nicht auch deine Tochter? Glaube mir, du wirst mit einer Lebenslüge nicht glücklich und ich glaube, das du dein Kind liebst, und darum wirst du ihr nicht ihr Recht aberkennen, die Wahrheit ihres Lebens zu erfahren.
Zeige ihr Bilder von ihrem Vater, erzähle, wie ihr euch kennengelernt habt, wie ihr euch ineinander verliebt habt, was euch verbunden hat, nämliich sie, in Liebe entstanden!
Erzähle ihr, dass er zu Tode kam und dass er euch damit die 2. Liebe, nämlich die Liebe zu ihrem PAPA ermöglicht hat. Damit hat sie 3 Menschen, die sie lieben und auf sie aufpassen. Ihr Vater ist ihr Schutzengel geworden, der immer auf sie aufpasst, und wenn sie in ihrem Zimmer aus dem Fenster schaut, wird sie einen ganz besonders hellen Stern sehen, einen der besonderen Glanz hat, und auf dem ist ihr Vater jetzt zuhause und kann von dort aus jederzeit für sie da sein. In ihren Gedanken kann sie immer mit ihm reden und er wird ihr antworten können, wenn du ihr die Grundlage gibst, nämlich schöne und positive Geschichten aus eurem Leben.
Nun ist es der sehnlichste Wunsch meines Mannes meine Tochter zu
adoptieren.
Das ist schön, sehr lobenswert! Aber er wird nicht glücklich werden, wenn diesem Wunsch das Anlügen eurer Tochter zugrunde liegt.
Damit werdet ihr letztendlich das Kind verlieren. Stell dir mal vor, deine Mutter und dein Vater würden das mit dir machen. Glaubst du, du würdest beiden weiter vertrauen? Im Gegenteil, die Folge kann sein, dass sich euer Kind von euch abwendet (was ich verstehen würde).
Im Gegenteil werdet ihr feststellen, dass das Vertrauen eurer Tochter größer wird, weil sie sich ernstgenommen fühlt und auch die Bestätigung erhält, dass sie von euch als gleichwertige Person in der Familie betrachtet wird und nicht nur das kleine Anhängsel ist, das ihr umsorgt.
Im Jugendamt habe ich aber erfahren, das dies
nicht möglich sein wird, weil sie nicht die Wahrheit kennt…
Gibt es denn keine Möglichkeit dies zu umgehen, denn NOCH kann
ich ihr die Wahrheit nicht zumuten, erst wenn sie größer
ist…
Stell dir mal vor, deine Tochter heiratet später mal und erfährt durch die Urkunde, dass sie einen Vater hatte und adoptiert ist. Sie wird dann den Schock ihres Lebens erfahren und du mußt dich dann erklären, was du nicht kannst. Denn dafür gibt es einfach keine Endschuldigung. Sie wird auf die Suche gehen nach ihren Wurzeln, und sie wird euch dann nicht glauben, dass ihr Vater tot ist, denn ihr habt sie in dem wichtigsten Punkt ihres Lebens ihr Leben lang angelogen. Diesen Vertrauensbruch kannst du nie wieder gut machen!
Im Rahmen unseres Adoptionsseminares haben wir über dieses Thema viel gesprochen und viel gelernt. Wenn wir ein Kind adoptieren dürfen, werden wir auf jeden Fall mit offenen Karten spielen, denn die Liebe wird dadurch nicht kleiner sondern eher größer, denn es ist ein Vertrauensbeweis ohne Ende, den man dem Kind entgegen bringt, wenn es die Wahrheit weiß.
Könnte es sein, dass du DIR die Auseinandersetzung mit eurer Lebensgeschichte noch nicht zumuten kannst? Ich kann dir nur raten, dich mit dem Jugendamt diesbezüglich auszutauschen. Betrachte es als Partner, der dir hilft, in einer Krisensituation Oberwasser zu behalten. Im Jugendamt können sie dir sicher eine Adresse nennen, welcher Psychologe euch helfen kann, diese schwierige Situation zu meistern. Wir haben im Rahmen unserer Adoptionsgeschichte auch eine Therapeutin durch das Ja. kennengelernt, welche im Bedarfsfalle immer zur Verfügung steht.
Es wird viele Tränen geben, DU wirst dich an vieles erinnern, was dir weh tut und du wirst den Verlust eines geliebten Menschen nochmal durchleben, aber letzten Endes werdeet ihr alle davon provitieren. Es gibt vieles aufzuarbeiten und es ist sicher nicht leicht, aber mit Mut und Zusammenhalt könnt ihr diese Hürde nehmen!
Für eure Antworten/ Erfahrungen bin ich sehr dankbar…
Ich wünsche dir viel Kraft!!!
Gruß
Liebe Grüße
Sabine