Hallo,
mein Bruder hat vor zwei Jahren zusammen mit seiner Frau ein Kind adoptiert. Jetzt sind beide überfordert. Er ist auf Montage, ihr ist alles zuviel. Sie drohen dem 8-Jährigen damit, ihn wieder abzugeben, wenn Stress ist. Er kommt aus dem Ausland, ist von dieser Aussicht total eingeschüchtert.
Ich erfahre das leider nur über dritte, mir gegenüber wird so getan, als sei alles bestens.
Wenn ich die Sache offen ansprechen würde, wäre klar, wer mir alles erzählt hat - und damit würde wahrscheinlich auch zu dieser Person nichts mehr durchdringen.
Mache mir Sorgen, um den Jungen.
Er ist bereits in Therapie, wegen Verhaltensauffälligkeiten in der Schule, bekommt aber daheim eingetrichtert, was er sagen darf. Und natürlich hat er Angst.
Gibt es eine Beratungsstelle, an die ich mich als nicht direkt betroffene wenden kann, um zu besprechen, wie dem Jungen zu helfen ist?
Hallo,
vielleicht kannst Du Dich mal hier hin wenden:
http://www.jugendserver-hamburg.de/?RUB_ID=0&STAND_I…
http://www.kinderundjugendtelefon.de/
Dort kannst Du die Sachlage erstmal anonym schildern und fragen wie man reagieren könnte…bzw sollte, denn wenn sich da wirklich Handlungsbedarf herauskristallisiert, egal in welcher Form, solltest Du hinter Deiner Entscheidung stehen und die Sache durchziehen.
Gruß
Maja
man kann auch erstmal den jungen beruhigen, er kann nicht wieder weggeschickt werden aus deutschland!
(nur wenn er es will!)
kinderheim kann schon passieren…
Hallo,
wenn Du Überforderung siehst, überleg Dir gut, wie Du helfen kannst.
Ich sehe spontan für Dich mehrere Möglichkeiten:
- Es ist Dein Bruder.
Wenn das Verhältnis einigermaßen O.K. zwischen Euch ist, würde ich mich mit Ihm treffen und reden.
So in der Art, dass es O.K. ist und es sein darf, dass Probleme da sind.
Biete Verständnis und ein offenes Ohr und, wenn irgend möglich, tatkräftige Unterstützung/ Begleitung an.
z.B.: „Max, wir zwei beiden haben schon damals immer gewusst, wenn irgendwas nicht gut lief, in der Schule oder mit den Kumpels.
Jetzt sehen wir uns ja weniger, Dein Scheißjob lässt Dir ja kaum noch Zeit für schöne Sachen. ich habe ganz schön Hochachtung vor Dir, was Du malochst, damit Ihr drei Euer Auskommen habt.
Aber Max, ich merke auch, dass es Euch dreien seit längerem miteinander nicht so gut geht. Vielleicht möchtest Du mir ein bisschen von dem erzählen, was Dich bedrückt, vielleicht können wir zusammen eine Möglichkeit finden, das es Euch besser miteinander geht…“ Irgendwie so in der Art könnte ich mir das vorstellen. - wenn Du besser mit der Frau reden kannst, dann rede mit ihr, in ähnlich annehmender Weise.
Wenn der Familie Verständnis und Hilfsangebote an Stelle von Vorwürfen entgegengebracht werden und man sie nicht als „erziehungsunfähig“ an den Pranger stellt, sind sie sicher eher bereit, Unterstützung anzunehmen und/ oder einzufordern.
Vielleicht kannst Du auch Zeit anbieten, in der das Paar sich miteinander und Du Dich mit dem Kind beschäftigst…
- Es gibt seitens der Jugendämter normalerweise regelmäßige Gespräche mit den Pflege/ Adoptiveltern. Die sollten Bruder und Schwägerin als Hilfe, nicht als Überwachung nutzen.
Oft werden auch Gruppen angeboten, in denen sich die Adoptiv/ Pflegeeltern miteinander über ihre ganz speziellen Themen austauschen können.
Nutzen sie solche Angebote? Wissen sie überhaupt davon?
Es gibt wie überall im Leben, auch in der Pflegekinder- und Adoptionsvermittlung gute und schlechte Mitarbeiter. Die Fallzahlen sind viel zu hoch, viele Mitarbeiter sind überfordert.
Das sollte aber die Eltern und Kinder nicht davon abhalten, sich die ihnen zustehende Unterstützung zu holen.
Notfalls spricht man mit einem anderen Kollegen, mit dem Jugendamt in einer anderen Stadt, wo jemand mehr Zeit hat, oder mit dem man meint, besser zu können…
Auch Du selbst könntest Dir beim Jugendamt Unterstützung holen.
Wenn Du wirklich helfen möchtest, kannst Du Dich dort ebenfalls beraten lassen.
Bitte hol Dir einen Termin und lass Dich nicht abweisen. Du kannst die Situation dort auch ganz ohne Benennung des konkreten Falls schildern. Wenn Du es ernst meinst und wirklich helfen möchtest, dann schickt Dich bestimmt auch keiner weg.
->
Alle Pflege und Adoptiveltern stehen vor vielfältigen Problemen.
Ein fremdes Kind zu sich zu nehmen und es in seiner Art anzunehmen, ist eine der schwersten Aufgaben, die es gibt. Viele Menschen scheitern daran, weil sie versuchen, dieses Kind zu Ihrem Eigenen zu machen. Das führt i. d. R. zu großen Problemen. (Dazu gibt es vielfältige Literatur, Webseiten, Selbsthilfegruppen…
http://www.moses-online.de/
http://www.adoption.de/
http://www.pfad-bv.de/
Auch zum Spezialthema Auslandsadoption gibt es viel lesenswertes …)
Es ist keine Schande, sich die schwierige Situation einzugestehen.
Und dann sollte man sich auch Hilfe holen. Und davor zögern leider viele zu lange.
…weil sie denken, dass man ihnen das Kind wegnimmt, weil sie denken, versagt zu haben und viele Gründe mehr…
Das Wissen, das es anderen ähnlich geht; das oft nie endende Gefühl der Überforderung, sich mit dem Kind und seinem Päckchen an Lebenserfahrung auseinandersetzen zu müssen, kann vielen Pflege/ Adoptiveltern helfen.
Es gibt die Möglichkeit, sich familienergänzende Hilfen zu holen, Therapie, Beratung…
Und wenn es manchmal wirklich nicht mehr geht, ist auch eine Trennung der Familie sinnvoll und verantwortungsbewusst.
Zum Wohle des anvertrauten Kindes und auch im Sinne der Erwachsenen.
ot: Ich stelle mir vor, ich wäre an Stelle Deines Bruders oder seiner Frau. Wenn ich dann noch Hoffnung und den Wunsch und Glauben auf Veränderung unseres Familienlebens hätte, dann würde ich kämpfen wollen.
Und zwar für Beides:
Sowohl für die vor mehr als zwei Jahren getroffene Lebensentscheidung, mich einem Kind in der Elternrolle anzubieten,
als auch für meine Ehe.
Ich wünsche Dir Mut, die Sachen, die Du als problematisch siehst, in annehmender Weise anzusprechen.
Kind und Eltern wünsche ich baldmöglichste Entlastung und Unterstützung,
Finjen
Hallo,
ein Adoptivkind ist immer eine Herausforderung, die über die Grenzen hinausgehen und es steckt immer eine tragische Geschichte dahinter. Wenn das Kind auch noch aus dem Ausland kommt, kommen noch mehr Probleme hinzu (es hat vielleicht eine andere Hautfarbe, auf jeden Fall eine andere Sprache und eine andere Kultur). Mit all diesen Dingen setzen sich die Adoptivelter VOR der Adoption auseinander und dennoch werden sie (wie alle anderen Eltern auch) mit den „normalen“ Quälereien des Alltags und des Heranwachsens konfrontiert werden. Und noch eine Anmerkung zu einem Vorposter: ein Adoptivkind IST ein eigenes Kind und ist auch so behandelt zu werden. Und zwar ohne die Vergangenheit zu verleugnen.
Die Adoptiveltern haben sich verpflichtet sich um das Kind zu kümmern. Wenn sie es nicht schaffen, dann müssen sie zusehen dass sie Hilfe von Außen bekommen. Dem Kind in einer Stresssituation zu sagen, dass es wieder zurückgeschickt wird ist eine handfeste Drohung, sprich eine seelische Ohrfeige, die vor Gesetz sogar als Missachtung von Schutzbefohlener unter Strafe gestellt werden kann.
Wie kannst Du helfen? Zunächst einmal in dem Du nicht wegschaust. Dir selbst ein Bild machen. Vielleicht kannst Du dort mal zu Besuch kommen, vielleicht mal was mit dem Jungen unternehmen. Beobachten, ohne zu urteilen und zu kommentieren. Das urteilen machst Du dann hinterher, für Dich allein. Da stellst Du Dir einfach die Frage: Ist der Junge dort gut aufgehoben? Kannst Du die Frage mit nein beantworten, dann wende Dich an das Jugendamt und lasse Dich von denen beraten.
Du musst selber wissen, ob Du in der Lage bist vorher mit Deinem Bruder im Vertrauen zu reden.
Viel Kraft
Hallo Chili,
an einer Stelle sprichst Du mich an, da fühle ich mich missverstanden, möchte mich kurz erklären, O.K.?
…Und noch eine Anmerkung zu einem Vorposter: ein
Adoptivkind IST ein eigenes Kind und ist auch so behandelt zu
werden.
Nein, Chili, das sehe und erlebe ich ganz anders.
Ein Adoptivkind ist kein eigenes Kind.
Ja, es wird an Kindes Statt aufgenommen.
Ja, es sollte so behandelt, umsorgt, beschützt, versorgt und geliebt werden, wie man es als verantwortungsvolle, liebende Eltern mit seinem leiblichen Kind auch machen würde.
Aber es ist nicht das „eigene“ Kind; es kann höchstens werden wie das eigene Kind.
Das Kind wird, wenns positiv verläuft, gute Beziehungen aufbauen und gefühlsmäßig von den Eltern bestimmt so geliebt werden, wie ein leibliches Kind. Es gleicht sich vielleicht auch der neuen Familie so stark an, dass man meinen könnte, es sei ein leibliches Kind (oft gleichen sich angenommenes Kind und annehmende Eltern tatsächlich ja auch optisch irgendwann, nicht blutsverwandt, sehen sie sich trotzdem immer ähnlicher…)
Das Pflege-/ Adoptivkind ist und bleibt aber sein Leben lang
geprägt
nicht nur durch die Liebe und Fürsorge der annehmenden Adoptiv-/Pflegeeltern,
sondern eben auch zu allererst
durch die Menschen, die es gezeugt haben und durch die Erfahrungen, die es bereits vorgeburtlich und in seiner frühesten Kindheit, bevor es in der neuen Familie angenommen wurde, gemacht hat.
Genau darum geht es, wenn man ein Kind adoptiert:
–> Es anzunehmen,
mit dem, was es mit sich bringt…
…und es eben nicht nach dem eigenen Bild zu einem „mir eigenen Kind“ zu machen.
Es ist ein eigenständiger Mensch, mit eigener Ursprungsfamilie und einem Riesenbündel an eigener, zu akzeptierender Geschichte.
-und mit dem Bedürfnis nach neuen, heilenden Erfahrungen.
Und zwar ohne die Vergangenheit zu verleugnen.
Und ab da gehen wir wieder völlig konform 
Gruß von Finjen
*hoffe, Du verstehst jetzt besser, wie ich das meinte*
Hallo Finjen,
danke für Deine Antwort! Ich stimme Dir zu und ich denke es war sehr wichtig, dass Du das so ausführlich geschrieben hast. Sicher geht es nicht aus einem Adoptivkind ein leibliches Kind zu machen. Vor allem das Kind wird (vorausgesetzt es ist darüber informiert, dass es adoptiert ist) immer eine andere Wurzel haben, die es auch, wenn alles gut verläuft, irgendwann ergründen möchte. Denn jeder Mensch möchte wissen wo er her kommt um in allen Facetten seines Seins zu erfahren wer man wirklich ist. Wenn dieser Wunsch nicht besteht und man eine gewisse Intelligenz voraussetzt, dann wird dieser Mensch mit größter Wahrscheinlichkeit auch nicht oder erst sehr spät den Wunsch erfahren selbst Kinder haben zu wollen. Es fehlt das Urvertrauen. Das sind die Sorgen der Adoptivkinder und ich finde sie gravierend. Die Sorgen der Adoptiveltern können sicher auch sehr gravierend sein, nur sollen sie sie nicht dem Kind noch aufbürden. Ihre Aufgabe ist es sie zu stärken und ihnen Vertrauen zu schenken, damit sie ein Gefühl dafür bekommen irgendwo angekommen zu sein und angenommen zu sein. Ich kenne viele Fälle, wo das nicht der Fall war und die Folgen sind entsetzlich.
Auch wenn diese Schilderung von einer Aussenstehenden kommt, so habe ich doch den Eindruck, dass sie dem Kind helfen sollte. Vielleicht erstmal indem sie den Eltern hilft.
Viele Grüße
Sie drohen dem 8-Jährigen
damit, ihn wieder abzugeben, wenn Stress ist.
Dafür habe ich absolut kein Verständnis…tztz *aufreg*
Sie drohen dem 8-Jährigen
damit, ihn wieder abzugeben, wenn Stress ist.Dafür habe ich absolut kein Verständnis…tztz *aufreg*
tja das kind als wegwerf produkt…wenn nimmer nettes spielzeug wird es weggeworfen…wie ein haustier oder ein tamagochi