Adorno

Hallo!

Neulich stieß ich auf ein Zitat von Adorno, dessen Herkunft mir nicht bekannt ist, und dies zu finden sich mir auch als nahezu unmöglich erweist (ich möchte nicht erst auf die Adorno-Volltext-Version warten).
Es lautet folgendermaßen:
„Wahr sind nur die Gedanken, die sich nicht selbst verstehen.“

Wer weiß was?
Für anregende oder gar weiterbringende Gedanken und Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Schöne Grüße,
Lydia Naumann

Hallo Lydia,

„Wahr sind nur die Gedanken, die sich nicht selbst verstehen.“

der Satz steht in den „Minima moralia“ (die genaue Stelle kann ich im Moment leider nicht nennen) und ist so zu verstehen, dass philosophisch abgeschlossene Systeme von sich her unwahr sein müssen, weil sie nicht mehr die Offenheit haben, ihre Ergebnisse an der Wirklichkeit zu überprüfen. Wahrheit in Systemen ist bei Adorno nur noch Konsenswahrheit der in diesem System Denkenden, nicht aber die Übereinstimmung von „Denken und Gegenstand“, wie es in der klassischen Wahrheitstheorie gefordert wurde.

Ein naheliegendes Beispiel wäre die Behauptung, dass grundsätzlich alles deterministisch verlaufe (Hallo, Frank, schönen Dank für dies Beispiel!), weil nach Adorno eine solche Aussage nicht mehr als an der Wirklichkeit überprüfbare, sondern nur noch als von der Wirklichkeit zu bestätigende, angesehen wird. Dies nennt Adorno auch Dialektik, weil die Aussage zwar prinzipiell innerhalb des Systems richtig ist, aber nicht mehr in Frage gestellt wird: die Aussage ist also zwar einerseits wahr (von innen), andererseits aber auch unwahr - jedenfalls möglicherweise (von außen betrachtet).

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Lydia,

„Wahr sind nur die Gedanken, die sich nicht selbst verstehen.“

der Satz steht in den „Minima moralia“ (die genaue Stelle kann
ich im Moment leider nicht nennen) und ist so zu verstehen,
dass philosophisch abgeschlossene Systeme von sich her unwahr
sein müssen, weil sie nicht mehr die Offenheit haben, ihre
Ergebnisse an der Wirklichkeit zu überprüfen. Wahrheit in
Systemen ist bei Adorno nur noch Konsenswahrheit der in diesem
System Denkenden, nicht aber die Übereinstimmung von „Denken
und Gegenstand“, wie es in der klassischen Wahrheitstheorie
gefordert wurde.

Ein naheliegendes Beispiel wäre die Behauptung, dass
grundsätzlich alles deterministisch verlaufe (Hallo, Frank,
schönen Dank für dies Beispiel!), weil nach Adorno eine solche
Aussage nicht mehr als an der Wirklichkeit überprüfbare,
sondern nur noch als von der Wirklichkeit zu bestätigende,
angesehen wird. Dies nennt Adorno auch Dialektik, weil die
Aussage zwar prinzipiell innerhalb des Systems richtig ist,
aber nicht mehr in Frage gestellt wird: die Aussage ist also
zwar einerseits wahr (von innen), andererseits aber auch
unwahr - jedenfalls möglicherweise (von außen betrachtet).

Damit bestätigst du meine Determinismuslösung vortrefflich!!! Vielen Dank Thomas.
Wenn du sie nämlich mal gelesen hättest, wüßtest du, dass sie nicht geschlossen ist. Durch den sich addierenden Zufall bleibt sie stets offen. Das liegt an unserer prinzipillen Erkenntnisfähigkeit, schliesst aber Determinismus nichtaus sondern fordert ihn sogar!
http://kds-nano.dyndns.biz/physik-live/physik/der%20…

beste Grüße
Frank

Fleurs du mal :smile:
Hallo Frank,

Durch den sich addierenden Zufall bleibt sie stets offen.

jaja, ich verstehe, dass du das so verstehst …

Herzliche Grüße

Thomas Miller

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Hallo Thomas,

Durch den sich addierenden Zufall bleibt sie stets offen.

jaja, ich verstehe, dass du das so verstehst …

du kannst nicht kurzerhand einen sich ereignenden Zufall im System zum geschlosenen System erklären. Das System hat einen stabilen Kern und ist durch die Möglichkeit des Zufalls offen. Es gibt keine Notwendigkeit ohne Zufall. Mit diesem Denkschlüssel lässt sich sogar die Verletzung der CP-Symmetrie werklären.
Oder was hast du daran zu meckern?

Gruß
Frank

ach :smile:
Hallo Frank,

du kannst nicht kurzerhand einen sich ereignenden Zufall im
System zum geschlosenen System erklären. Das System hat einen
stabilen Kern und ist durch die Möglichkeit des Zufalls offen.
Es gibt keine Notwendigkeit ohne Zufall.

jaja, ich weiß schon, dass du so einen merkwürdigen Zufallsbegriff hast - aber ich habe (meine ich) schon mehrfach betont, dass ich das nicht mehr diskutiere.

Mit diesem Denkschlüssel lässt sich sogar die Verletzung der
CP-Symmetrie werklären.

Sehr verräterisch, das „w“ vor dem „erklären“ … Wolltest du vielleicht „wegerklären“ schreiben? Das würde passen, denn genau das tun geschlossene Systeme in der Regel.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

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Hallo Thomas,

Mit diesem Denkschlüssel lässt sich sogar die Verletzung der
CP-Symmetrie erklären.

Sehr verräterisch, das „w“ vor dem „erklären“ … Wolltest du
vielleicht „wegerklären“ schreiben? Das würde passen, denn
genau das tun geschlossene Systeme in der Regel.

Unsinn. Ich beschreibe die ganze Zeit Bewegungsabläufe in Systemen. Damit ist ein „Zufall“ nicht statisches, sondern ein vorab nicht vorherzusehendes Ereignis. Notwendigkeit ein vorab geplantes (erwartetes) Ereignis.

Gruß
Frank

Hallo Lydia!

Thomas hat recht, jedenfalls was die Minima Moralia angeht. Das Zitat steht dort unter Monogramme (122). Allein für sich ohne jeden Kontext.
Mein Favorit aus diesen Monogrammen lautet etwas off topic:
Wir sagen und Ich meinen ist eine von den ausgesuchtesten Kränkungen.

Gruss
Uwe

Neulich stieß ich auf ein Zitat von Adorno, dessen Herkunft
mir nicht bekannt ist, und dies zu finden sich mir auch als
nahezu unmöglich erweist (ich möchte nicht erst auf die
Adorno-Volltext-Version warten).
Es lautet folgendermaßen:
„Wahr sind nur die Gedanken, die sich nicht selbst verstehen.“

Wer weiß was?
Für anregende oder gar weiterbringende Gedanken und Hinweise
wäre ich sehr dankbar.

Schöne Grüße,
Lydia Naumann

Hallo Thomas!

„Wahr sind nur die Gedanken, die sich nicht selbst verstehen.“

der Satz steht in den „Minima moralia“ (die genaue Stelle kann
ich im Moment leider nicht nennen) und ist so zu verstehen,
dass philosophisch abgeschlossene Systeme von sich her unwahr
sein müssen, weil sie nicht mehr die Offenheit haben, ihre
Ergebnisse an der Wirklichkeit zu überprüfen.

Das impliziert doch lediglich ein Manko in der Beweisführung aber ist doch kein Indikator für „unwahr“?!? Oder anders gesagt, die Wirklichkeit könnte analog oder gar homozentrisch eine monovalente Überprüfung zulassen…

Sei gegrüßt
Uwe

Hallo Uwe,

„Wahr sind nur die Gedanken, die sich nicht selbst verstehen.“

der Satz steht in den „Minima moralia“ (die genaue Stelle kann
ich im Moment leider nicht nennen) und ist so zu verstehen,
dass philosophisch abgeschlossene Systeme von sich her unwahr
sein müssen, weil sie nicht mehr die Offenheit haben, ihre
Ergebnisse an der Wirklichkeit zu überprüfen.

Das impliziert doch lediglich ein Manko in der Beweisführung
aber ist doch kein Indikator für „unwahr“?!? Oder anders
gesagt, die Wirklichkeit könnte analog oder gar homozentrisch
eine monovalente Überprüfung zulassen…

das sehe ich auch so, aber Adorno sieht es meines Wissens anders. :smile:

Herzliche Grüße

Thomas


Lieber ThM.,

Gedankenspiele sind keine Philosophie.
Minimale Soziologen keine Philosophen.

Der Satz „Wahr sind nur die Gedanken, die
sich nicht selbst verstehen“ ist allenfalls
Lyrik.

Wenn Sie sich schon als Adorno-Enkel positio-
nieren, dann bitte eindeutig:
-egozentistisch
-ästhetizistisch (!!)
-lebensfremd-theoretisch
-im Sinne des 21. Jhd.: Kleinbürgerlich

Was interessiert Adorno Wahrheit? - Sowe-
nig wie ihn Heidegger interessiert.
Jemanden der ständig das Thema wechselt,
um auf keine Aussage festgelegt zu werden
nennt man wie? …

Ich weiß ja nun um Deinen Lehrer -und?

Du wirst schon wissen warum?!
(Irgendwann lerne ich auch…?!?)

x-nada

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo x-nada,

(Irgendwann lerne ich auch…?!?)

ich fürchte, das stimmt nicht ganz, denn du scheinst nicht bemerkt zu haben, dass ich Adorno nur referiert, keineswegs aber verteidigt habe, ja sogar ausdrücklich gesagt habe, dass ich das nicht unterschreiben würde.

Merkwürdig, das …

Könnte es sein, dass du meine Posting in bestimmter Absicht liest?

Herzliche Grüße

Thomas Miller