Ads

Hallöchen!

was genau ist ADS eigentlich für eine Erkrankung? Wenn ich so
die Symptome lese, würde ich glatt auf Unterforderung tippen,
mehr nicht.

tja… Ist ADS überhaupt eine Erkrankung??? Ich erlebe „ADS-diagnostizierte“ Kinder nicht als Aufmerksamkeits-defizitär, sondern im Gegenteil: Nichts entgeht ihrer Aufmerksamkeit! Diese Kinder nehmen unglaublich viele Reize gleichzeitig wahr.
Alle Welt redet vom rasanten technischen Fortschritt und keiner hat Zeit, sich über die Weiterentwicklung des Menschen Gedanken zu machen. Vergleichen wir mal ein Kind, das 1900 geboren wurde mit einem Kind, das im Jahr 2000 geboren wurde. Wie viele Reize nahm ein Kind vor hundert Jahren auf, wie viele hat es jetzt zu verarbeiten? Wann gab es je so viel Fortschritt wie in den letzten hundert Jahren? Die Kinder sollen aber so bleiben, sich so verhalten und bewegen wie es immer (?) war! Wie sollen sie dann diese Reizflut bewältigen?
Vielleicht ist es an der Zeit, über not-wendige (!) soziale Veränderungen nachzudenken…

Des weiteren erstaunt mich, dass 10-15% aller Kinder dieses
haben sollen, geht denn das?

…oh, ich denke, es werden noch mehr sein…
*malandersgedacht*
gruss engelsauge

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…die „Mehr-Bewegung“ der Kinder zeigt ganz deutlich: Hier werden (meist visuelle) Reize körperlich verarbeitet, muskulär umgesetzt.
*gruss an die kinesiologen*
gruss engelsauge

Hey Engelsauge!

Mein Dad hat genauso gedacht wie Du!
Und er hat mir irgendwanneinmal erzählt, daß er gelesen hat, daß sich das menschliche Gehirn in einer Umstrukturierung befindet und man das in den nächsten 40 Jahren messen und auch sehen kann…das ist allerdings schon ein Weilchen her und ich kann ihn leider auch nicht mehr fragen, wo er das her hatte…schade :frowning:

was genau ist ADS eigentlich für eine Erkrankung? Wenn ich so
die Symptome lese, würde ich glatt auf Unterforderung tippen,
mehr nicht.

Viele Hochbegabte Kinder leiden an ADS mit oder ohne Hyperaktivität…

tja… Ist ADS überhaupt eine Erkrankung??? Ich erlebe
„ADS-diagnostizierte“ Kinder nicht als
Aufmerksamkeits-defizitär, sondern im Gegenteil: Nichts
entgeht ihrer Aufmerksamkeit! Diese Kinder nehmen unglaublich
viele Reize gleichzeitig wahr.

Ja das stimmt…aber sie können den Reizen keine Prioritäten zuordnen und können sich auch nicht lange einem Reiz widmen, weil schon die nächsten Reize mit aller Macht über sie hereinströmen.

Und obwohl diese Erkrankung neutzeitlich zu sein scheint, ist das Zappelphillipsyndrom schon ganz lange bekannt…

Heute vermutet man, dass ADS neben einer genetischen Disposition auch viele nahrungsmittelbedingte Begünstiger haben kann, unter anderem Phosphate und Azo-Farbstoffe

…oh, ich denke, es werden noch mehr sein…
*malandersgedacht*

Und mehr -für den heutigen Stand der Dinge- Hochbegabte. Ja Du hast Recht…nicht die Kinder gehören in bestehende Formen gepresst auf Teufel komm raus, sondern die Formen müssen den Kindern einigermassen angepasst werden.

Grüße Maja

en vogue
Hallo Oliver,

danke für Deine Ausführungen zum Thema :wink:

Eine Frage habe ich aber noch:

Mich erstaunt das auch. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, daß
die Zahl der *wirklichen* ADS-Fälle so hoch liegt. ADS ist
gerade en vogue und die Ritalin-Verschreibung ebenso.

Als Mutter von ADHS-Kindern und im übrigens selbst betroffene Erwachsene (die gibt es wirklich) stolpere ich natürlich immer wieder über solche Aussagen. Gerade Lehrkräfte scheinen dieses als Grundwissen zu betrachten, denn ein elterlicher Erstverdacht ist besonders bei der „Träumervariante“ natürlich nichts als Überbesorgnis, eine Diagnose wird dann zwar offiziell nicht angezweifelt, da wir eine bekannte ADS-Spezialistin in unmittelbarer Nähe haben, andererseits, „bei DER haben ja immer alle Kinder ADHS“.

Ich kenne nur eine ausführliche Diagnostik durch die Kinderpsychologin, die Verschreibung der Medikamente (nur eines meiner Kinder bekommt eine niedrige Dosis, zusätzlich VT) erfolgt durch die Kinderärztin. Die Kinderärztin sagt ganz klar, im Rahmen einer normalen Kinderarztpraxis sei eine seriöse ADHS-Diagnostik mangels Zeit und Fachwissen nicht möglich.

Woher kommen dann die angeblichen Fehldiagnosen ? Gibt es dazu Zahlenmaterial ? Vielleicht wenigstens zu der Frage, wer Ritalin und Co. verscheibt ? Angeblich bekommt man es in Einzelfällen sogar beim Zahnarzt, wenn man gewissen Gazetten glaubt.

Oder ist das nicht, sorry, nur ein Eindruck, der entsteht durch den momentanen Medienhype ? Kommt ja auch gut, Kinder unter Drogen, erziehungsunfähige Eltern, die eine Pseudokrankheit vorschieben *grmpf*.

Übrigens kenne ich die Zahl von ca. 5 % AHDS-Kranken pro Jahrgang, und das erscheint mir durchaus realistisch.

Fragende Grüße,

Sylvia

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Dafür einen Stern *heftigzustimmendnickt* (o.T.)

Hallo Sylvia,

als Mutter von ADHS-Kindern und im übrigens selbst betroffene
Erwachsene (die gibt es wirklich)

würde ich auch nicht bestreiten :smile:

Gerade Lehrkräfte scheinen dieses [die Annahme einer recht großen
Häufigkeit von ADS] als Grundwissen zu betrachten,

Vorsicht ist manchmal besser als Nachsicht, denn wenn man sich bei der Diagnose nur auf die Schulsituation stützen würde, dann kämen solche großen Häufigkeiten an ADS heraus, wie Frank sie berichtete.

denn ein elterlicher Erstverdacht ist besonders bei
der „Träumervariante“ natürlich nichts : als Überbesorgnis,

Das ist selbstverständlich problematisch, weil man damit von einem Extrem („alles ist ADS“) ins andere Extrem („Ach, die übertreiben nur“) gelangt. Ein Mittelweg scheint mir gerade bei ADS vonnöten zu sein. Daß er aber offensichtlich so schwer zu erreichen ist, zeigt wiederum, daß die Diagnose von ADS mit starker Unsicherheit behaftet ist.

eine Diagnose wird dann zwar offiziell nicht angezweifelt, da wir
eine bekannte ADS-Spezialistin in unmittelbarer Nähe haben,
andererseits, „bei DER haben ja immer alle Kinder ADHS“.

Wenn ADS tatsächlich eine erblich bedingte Störung ist, so wie es aussieht, dann ist es doch nicht seltsam, wenn es gehäuft in Familien auftritt. Die Leute, die sagen, „bei DER haben ja immer alle Kinder ADHS“ kennen sich offensichtlich nicht gut genug aus und schwätzen deshalb so dumm daher. Ärgere Dich nicht darüber.

Die Kinderärztin sagt ganz klar, im Rahmen einer normalen
Kinderarztpraxis sei eine seriöse ADHS-Diagnostik mangels Zeit und
Fachwissen nicht möglich.

Ja, das kann sein.

Woher kommen dann die angeblichen Fehldiagnosen ?

Weil anscheinend trotzdem Kinderärzte, die sich nicht gut genug auskennen, ADS-Diagnosen stellen.

Gibt es dazu Zahlenmaterial?

Ich kenne folgende Zahlen: 12,8% der Kindergartenkinder werden von Erzieherinnen global als hyperaktiv bezeichnet. In Studien, in denen die Beurteilung eines Kindes als unaufmerksam und hyperaktiv nur anhand einer Informationsquelle (Lehrer oder Eltern) in einer Situation (Schule oder Elternhaus) getroffen wurde, liegen die Häufigkeiten von „ADS“ bei bis zu 17%. Bei mehreren Informationsquellen (Lehrer und Eltern) in mehreren Situationen (Schule und Elternhaus) liegt die Häufigkeit der Diagnose bei ca. 5%.

Vielleicht wenigstens zu der Frage, wer Ritalin und Co.
verscheibt ? Angeblich bekommt man es in Einzelfällen sogar beim
Zahnarzt, wenn man gewissen Gazetten glaubt.

Ich habe dazu ein bißchen recherchiert, wobei es wirklich mühsam war, sich durch diesen Wald voller verschiedener Informationen zu kämpfen, die mir oftmals ziemlich einseitig, reißerisch und daher unseriös vorkamen:

Die Drogenbeauftrate der Bundesregierung, Frau Caspers-Merk, sagte kurz nach ihrem Amtsantritt wohl: „Ein großer Teil der Methylphenidat-Verordnungen wird nicht von Kinderärzten oder Kinderpsychiatern vorgenommen, sondern vor allem von Hausärzten, Laborärzten, HNO-Ärzten, Frauenärzten, Radiologen und sogar von Zahnärzten.“
Quelle: http://www.ritalin-kritik.de/Artikel/Artikel_5/artik…

Es gab daraufhin anscheinend eine Sitzung der Bundesärztekammer, auf der diese Behauptung nicht belegt werden konnte.
Quelle: http://www.ads-ev.de/archiv/bmg20020205.html

Prof. Glaeske, der ein Kritiker der Ritalin-Verordnungspraxis ist, schreibt, „daß nur 18% der Verordnungen von den zuständigen Fachärzten, nämlich den Nervenärzten und Psychiatern ausgestellt werden, 51,5% dagegen von Kinderärzten und immerhin 21,6% von allgemeinärztlichen tätigen Hausärzten. Ritalin-Verordnungen sind spezielle und unter Umständen auch problematische Verordnungen.“
Quelle: http://www.wernerschell.de/Rechtsalmanach/Arzneimitt…

Nach dem Deutschen Ärzteblatt wurden 1999 0,70 Millionen Tagesdosen Methylphenidat verordnet.
Quelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=2…

2001 sollen es nach einer anderen Quelle bereits 0,87 Millionen Tagesdosen gewesen sein:
Quelle: http://www.epsy.de/ritalin.htm

Oder ist das nicht, sorry, nur ein Eindruck, der entsteht durch den
momentanen Medienhype? Kommt ja auch gut, Kinder unter Drogen,
erziehungsunfähige Eltern, die eine Pseudokrankheit vorschieben
*grmpf*.

Genau, das scheint mir auch ein wichtiger Aspekt des Themas ADS zu sein. Journalisten können eine reißerische Geschichte aus der Sache machen und sie gut verkaufen, wenn sie schreiben, daß man heutzutage aufgrund von Zeitmangel die Vielfalt des kindlichen Verhaltens einschränken wolle, weil sie zu viel Mühe mache, und daher die Kinder, die ein bißchen lebhafter sind, ruhigstelle. Psycho-Gurus können auf dieser Welle schwimmen und mit ein paar salbungsvollen Worten den schnellen Euro machen.

Dann gibt es noch diese Übertreibung, als ob *alle* ADS-Kinder hochbegabt seien. So etwas schmeichelt Eltern natürlich besonders das Ego, wenn man ihnen erzählt, daß ihr Problemkind eigentlich nur so problematisch ist, weil es hochbegabt ist, und die Lehrer, Mitschüler und Freunde es einfach nicht schaffen, mit der Genialität des Kindes richtig umzugehen. Wobei es nicht heißen soll, daß es keine hochbegabten Kinder gibt, die unaufmerksam oder hyperaktiv sind, aber es sind halt nicht *alle* ADS-Kinder hochbegabt.

Übrigens kenne ich die Zahl von ca. 5 % AHDS-Kranken pro Jahrgang,
und das erscheint mir durchaus realistisch.

Ja, 5% ist die Häufigkeitsangabe, die sich auch im Diagnostischen und Statistischen Manual psychischer Störungen (DSM-IV) findet. Im DSM-IV werden vergleichsweise niedrige Kriterien für ADHD verwendet. ICD-10 verwendet strengere Kriterien, so daß die Häufigkeit danach nur 1,7% beträgt. Die hohen Zahlen von 10-15% kommen meinen Informationen eben dadurch zustande, daß nur eine Informationsquelle (Lehrer oder Eltern) bzgl. einer Situation (Schule oder Elternhaus) verwendet wird. ADS zeigt sich aber in mehreren Situationen.

Beste Grüße,

Oliver Walter

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Mea culpa, habe mich geirrt
Hi,

du hast Recht, ich habe übers Wochenende nochmal nachgelesen, mea culpa. Ich kenn mich im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht besonders gut aus, und im Bereich der Akutpsychiatrie ist mir diese Diagnose noch nicht begegnet. Aber ich bin Kliniker und ADS ist wohl meist ein Fall für die niedergelassenen Kollegen.

Besonders schmerzhaft ist die Fehldiagnose als dissoziale
Persönlichkeitsstörung. Zwar ist es richtig, dass ADHS als
biologische Prädisposition für die spätere Entwicklung einer
antisoziale PS diskutiert wird, doch spielen hier viel eher
Störung
des Sozialverhaltens bzw. Störung mit oppositionellem
Trotzverhalten
als kinderpsychiatrische Störungen eine Rolle.

Naja, in der Diagnose von allen Cluster 2-Geschichten bin ich sehr sicher, besonders dissoziale Persönlichkeitsstörung kenne ich sehr gut. Ich habe nicht gesagt, ich würde bei vorliegender Symptomatik so diagnostizieren, ich sagte, das wäre eine mögliche Diagnose. Mir würden da auch noch andere Diagnosen einfallen, aber ich möchte nicht zu weiteren Mißverständnissen Anlaß geben.

Ich spreche nur von erwachsenen Patienten, also normalerweise mindestens 22 Jahre alt, da wir in Deutschland eigentlich alle Fälle bis 21 in die Kinder- und Jugendpsychiatrie abgeben.

Zum Thema Neurologen vielleicht so viel, in Deutschland gibt es leider sehr wenige niedergelassene Psychiater, deswegen übernehmen sehr häufig Neurologen die Behandlung von psychiatrischen Diagnosen, nicht immer optimal, aber meist doch besser als die Behandlung durch die Hausärzte.

Jedenfalls freu ich mich, wenn ich hier auch was dazulerne :smile:

Gruß

Yoyi

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