Hallo Allerseits,
Woran kann ich Zweifelsfrei erkennen ob ich ADS habe?
GrußTim
Hi,
ADS ist eine Störung im Kindesalter, Beginn der Störung meistens in den ersten fünf Lebensjahren.
Wenn du erwachsen bist oder ein reifer Jugendlicher, dann hast du kein ADS.
Zur Abgrenzung nimmt man folgende diagnostische Kriterien:
Symptomengruppe Unaufmerksamkeit (hier sollen sechs oder mehr Symptome zutreffen):
- Unaufmerksamkeit gegenüber Details, viele Flüchtigkeitsfehler bei Schularbeiten bzw. außertschulischen Aktivitäten
- Aufmerksamkeit bei Aufgaben un beim Spielen kann nicht aufrecht erhalten werden
- scheinbares Überhören, wenn ihnen etwas mitgeteilt wird
- Unvermögen, Erklärungen zu folgen und Schularbeiten oder andere Aufgaben zu erfüllen (nicht jedoch Unwilligkeit aus Trotz oder Opposition)
- Mangelnde Fähigkeit, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren
- Vermeidung und Ablehnung von Arbeiten, die Durchhaltevermögen erfordern
- häufiges Verlieren von Sachen
- leichte Ablenkbarkeit durch externe Stimuli
- Vergesslichkeit
Symptomengruppe Überaktivität (mindestens drei Symptome):
- Zappeln mit Händen und Füssen, nicht still sitzen können
- Verlassen des Platzes bei Situationen, bei denen Sitzenbleiben erwarten wird (zB während Schulaufgaben)
- höufiges Herumlaufen und exzessives Klettern in unpassenden Situationen
- unnötig lautes Verhalten beim Spielen
- anhaltendes Muster exzessiver motorischer Aktivitäten
Symptomengruppe Impulsivität (mindestens ein Symptom):
- herausplatzen mit Antworten, bevor Frage beendet ist
- Unvermögen, zu warten bis sie an die Reihe kommen
- häufiges unterbrechen und stören anderer Kinder, die sich beschäftigen oder reden
- häufiges exzessives Reden ohne Berücksichtigung des sozialen Kontextes
Beginn vor dem 7. Lebensjahr und längeres Andauern und Auftreten der Symptome unter verschiedenen Umfeldbedingungen ist auch noch gefordert.
Gruß
Yoyi
Hallo Allerseits,
Woran kann ich Zweifelsfrei erkennen ob ich ADS habe?
GrußTim
Hallo Allerseits,
Woran kann ich Zweifelsfrei erkennen ob ich ADS habe?
GrußTim
um ADS sicher diagnostizieren zu können, sind diverse tests bei einem neurologen nötig.
es gibt kein leitsymptom, woran man ADS eindeutig festlegen kann.
ramona
Hi,
richtig ist der Kinderpsychiater, nicht der Neurologe. ADS ist ein psychiatrisches Syndrom.
Gruß
Yoyi
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Hallo!
ADS ist eine Störung im Kindesalter, Beginn der Störung
meistens in den ersten fünf Lebensjahren.Wenn du erwachsen bist oder ein reifer Jugendlicher, dann hast
du kein ADS.
Entschuldige, aber die obigen Aussagen sind falsch! ADS-ler kommen mit ihrem ADS zur Welt, und nur bei einem Teil der ADS-Betroffenen verliert sich die Störung im Erwachsenenalter (max. 1/3).
Richtig ist aber, dass sich bei einem Großteil z.B. die Hyperaktivität verliert, nicht jedoch das Chaos im Kopf, die Unkonzentriertheit etc. etc.
Eine ADS-Diagnose kann sowohl ein Psychologe als auch Neurologe stellen, leider gibt es für Erwachsene relativ wenig Anlaufstellen.
Wenn Du magst, schick mir eine mail. ([email protected])
Das Thema ADS ist bei uns seit mehr als 12 Jahren präsent, und wir haben es sehr erfolgreich in den Griff bekommen.
Angelika
Im Brett Kinder und Eltern findest Du in den FAQs eine ganze Liste mit Adressen etc.
Infolink zu Erwachsenen-ADS
Hi,
also kurz nochmal:
Weltgesundheitsorganisation: Taschenführer zur Klassifikation psychischer Störungen; Mit Glossar und Diagnostischen Kriterien, ICD-10: DCR-10, Bern u.a. (Huber) 1999
Hab ich immer in meiner Kitteltasche, da hab ich auch nachgekuckt, denn alles hab ich ja auch nicht vollständig im Kopf
, und da steht es so.
OK, aber ein Blick ins Regal:
Barkley, R. A.: Attention Deficit Hyperactivity Disorder, A Handbook for Diagnosis and Treatment, New York (Guilford Press) 2. Aufl. 1998
Also „Der Barkley“ als Standardwerk schreibt auch nur von Kindern und Jugendlichen, wenn ich das jetzt mal superflüchtig durchsehe. Mehr hab ich aber grad nicht zur Hand, außerdem gibts den Barkley inzwischen in Neuauflage, aber die hab ich nicht.
Wenn Erwachsene eine solche Symptomatik bieten, dann klassifizieren wir das meist anders, zB als dissoziale bzw. antisoziale Persönlichkeitsstörung. Trotzdem mag ich nichgt ausschließen, das es teilweise dieselbe Krankheit ist, denn im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie habe ich keine Erfahrungen, ich bin Psychiater und behandel insofern nur Erwachsene.
Natürlich kann die Diagnose auch durch einen Neurologen gestellt werden, genauso durch einen Kinderarzt oder Allgemeinmediziner oder einen hausärztlich tätigen Internisten, es ist „offiziell“ eine psychiatrische Diagnose, aber heutzutage tendiert man mehr dazu, es in den Bereich der Neurologie einzuordnen. Aber es gibt ohnehin recht wenige niedergelassene Psychiater, und Kinder- und Jugendpsychiater sind noch seltener, deswegen werden solche Störungen auch oft von Neurologen behandelt.
Beste Grüße
Yoyi
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Hi! Sorry, aber Ausgaben von 1998/99 sind in Bezug auf ADS asbach-uralt-lavendel! *g* Angelika
Hi!
Naja, ich hab schon einen Überblick über die Psychiatrie (berufsbedingt, bin halt Psychiater), und einen groben Überblick über die Kinder- und Jugendpsychiatrie, auch wenn ich grad nicht in der Bibliothek sitze sondern in meinem Arztzimmer und manche meiner Bücher auch schon bis zu zehn Jahre alt sind.
Dennoch lasse ich mich gerne belehren, denn es kann ja auch immer sein, daß bestimmte Dinge meiner Aufmerksamkeit entgehen. Aber als Beleg akzeptiere ich eher ein fünf Jahre altes Standardwerk denn eine heute aktualisierte Internetseite. Wenn ich alles glauben würde, was im Internet veröffentlicht wird, hätte ich schon lange meine Approbation verloren.
Also, nenn mir die Stellen aus dem aktuellen Barkley oder andere wissenschaftliche Literatur, statt mit Totschlagargumenten („asbach-uralt-lavendel)“ zu arbeiten. Ich nenne Belege, du nennst nur Schlagworte.
Trotzdem beste (und streitbare) Grüße
Yoyi
Hi! Sorry, aber Ausgaben von 1998/99 sind in Bezug auf ADS
asbach-uralt-lavendel! *g* Angelika
Hallo,
ich hab ja auch länger auf der Kinder- und Jugenpsychiatrie gearbeitet (nur als Krankenschwester), aber mir erscheint Yoyips Argumentation eher schlüssiger. Du erinnerst mich (entschuldige bitte, aber das muß jetzt raus) so an die Art von Müttern, bei denen jeder denkt „kein Wunder, daß das Söhnchen dieser Mutter ein ADS hat, den so eine aufgescheuchte Mutter läßt ihrem Sohn keine andere Chance, als über auffälliges Verhalten auf sich aufmerksam zu machen!“.
Kopfschüttelnde Grüße
Julia
Hi! Sorry, aber Ausgaben von 1998/99 sind in Bezug auf ADS
asbach-uralt-lavendel! *g* Angelika
Hallo Tim,
ausgerechnet heute, wo Du ne Frage stellst, kriegst Du statt Antworten nur Streitereien. Es gibt hier zwei sehr intelligente, informierte & nette Leute im Brett, einer Psychologe, einer Vater eines betroffenen ADSlers, die hoffentlich Deinen thread noch sehen, und Abhilfe beschaffen.
Dass ADS 1. nur im Kinderalter vorkommt, und 2. ADS ein psychatrisches, nicht neurologisches, Problem ist, ist natürlich vollkommener Unsinn. Es gibt sowohl Kinder mit ADS, die da später rauswachsen, als auch solche, die dies nicht tun (wobei ich behaupten möchte, dass diese zweiten die häufigeren sind).
Bei den meisten Kindern in den letzten Jahrzehnten (Jahrhunderten) wurde ADS nicht erkannt, weil es weder den Begriff, noch Untersuchungen zu diesem Phänomen, gab. Soll heissen, wenn Du heute erwachsen bist, und meinst, ADS zu haben, ist es höchst unwahrscheinlich, dass es bei Dir jemand im Kindes- oder Jugendalter festgestellt haben sollte.
Wie Du ‚zweifelsfrei‘ erkennen kannst, ob Du ADS hast, kann ich Dir nicht sagen. Du hast weder Krebs, noch bist Du schwanger, was man relativ zweifelsfrei feststellen könnte. Selbst wenn Dich jemand als ADSler diagnostiziert, besteht immer noch die Chance, dass er sich geirrt hat, und umgekehrt, falls die Diagnose negativ ausfällt.
Es gibt aber mittlerweile recht gute Tests. Soll heissen, beim Irrtum irrt sich nicht der Arzt, sondern die Tests sind noch nicht gut genug entwickelt. Da es sich um eine hauptsächlich psychisch bemerkbare Störung handelt, sind viele der Testfragen eben Fragen zum Verhalten. Und diese ehrlich und objektiv beantworten zu können ist für den subjektiven Patienten vielleicht auch nicht so einfach.
Auf jeden Fall sollte die Person, zu der Du zwecks Diagnose gehst, jemand sein, der sowohl als Neurologe als auch Psychater ausgebildet ist. Wie Du siehst, kamen einige postings von einem Psychater, der sich aber überhaupt nicht mit ADS auskennt. Genauso gibt es viele Neurologen, die genauso wenig Ahnung davon haben.
Oder Du findest einen ADS-Spezialisten - der würde Dir bei der Diagnose helfen. Ich hatte mal ne Adresse von jemandem in Heidelberg oder so ähnlich. Man muss sich ja nicht von ihm behandeln lassen, wenn man nicht in der Nähe wohnt. Sondern lässt sich jemanden in seiner eigenen Gegend empfehlen.
Falls Du noch Fragen hast, die ich Dir beantworten kann, kannst Du mich auch direkt anmailen.
Gruss, Isabel
Hallo Allerseits,
Woran kann ich Zweifelsfrei erkennen ob ich ADS habe?
GrußTim
Hilfe! yoyipeifgatjortotipp war bisher eine meiner
Lieblingsautorinnen hier, aber das strotzt ja vor Fehlern und ich
würde dringend empfehlen, den Kittel zu entstauben und sich
vielleicht ein oder 2 Fachbücher zu gönnen. Vielleicht von Krause und
Krause : ADS bei Erwachsenen aus dem Schattauer-Verlag? Oder
wenigstens die Konsensusempfehlungen von einigen ADHS-Experten, die
vor wenigen Wochen im Nervenarzt veröffentlicht wurden?
Als Eigenwerbung dann vielleicht meine Internetseite unter
www.adhs.ch und die (leider nicht mehr aktualisierte Seite
www.hyperaktiv.de).
Besonders schmerzhaft ist die Fehldiagnose als dissoziale
Persönlichkeitsstörung. Zwar ist es richtig, dass ADHS als
biologische Prädisposition für die spätere Entwicklung einer
antisoziale PS diskutiert wird, doch spielen hier viel eher Störung
des Sozialverhaltens bzw. Störung mit oppositionellem Trotzverhalten
als kinderpsychiatrische Störungen eine Rolle.
ADHS bei Erwachsenen ist sicher dadurch gekennzeichnet, dass der
Beginn in der Kindheit liegt. Erwachsenenpsychiater erkennen aber nur
selten dieses Störungsbild, da die motorische Unruhe bei Erwachsenen
meistens fehlt bzw. es eben auch den rein unaufmerksamen Typus gibt.
Daher wird nach der Empfehlung der Experten nach den amerikanischen
DSMIV - Kriterien die Einteilung gemacht (obwohl man es mit einigem
Wohlwollen natürlich auch im ICD klassifizieren kann). Wesentliches
Kennzeichen von ADHS ist eine Störung der sog. Exekutivfunktionen
(Handlungsfunktionen der Selbstorganisation, Gedächtnis,
Handlungsplanung) zusammen mit Aufmerksamkeitsstörungen und
Ablenkbarkeit sowie Impulsivität und eben fakultativ motorische
Unruhe.
Neurologen können mit ADHS nun überhaupt nichts anfangen (obwohl es
eine neurobiologische Störung ist). Inzwischen gibt es sehr wohl eine
Reihe von Ärzten, die sich auf die Diagnostik auch von Erwachsenen
spezialisiert haben.
thank you! (owt)
.
Hallo Tim,
Woran kann ich Zweifelsfrei erkennen ob ich ADS habe?
leider kannst Du nicht zweifelsfrei erkennen, ob Du ADS hast. Allerdings können Fachleute (Ärzte, Psychologen) einschätzen, ob jemand an ADS leidet. Die ADS-Diagnose ist jedoch im Vergleich zur Diagnose anderer Störungen mit relativ großer Unsicherheit behaftet. Das Problem ist nämlich, daß es bis heute noch keine so guten Methoden zur Erkennung dieser Störung gibt, wie sie für andere psychische Störungen existieren. Die Kriterien zur Diagnose von ADS wurden bereits genannt. Als Information, welche Probleme ADSler haben, kannst Du sie Dir anschauen. Ich möchte aber davor warnen, daß Du diese Liste als Grundlage benutzt, um zu entscheiden, ob Du ADS hast oder nicht. Um eine psychische Störung zu diagnostizieren, ist nämlich mehr nötig als eine solche Liste.
Was ADS im Erwachsenenalter anbelangt, so besteht heute die Auffassung, daß ADS im Erwachsenenalter fortbestehen kann, wenn auch in veränderter Form. Früher dachte man dagegen, daß sich die Störung sozusagen herauswächst. Wichtig zu wissen ist, daß die Störung ADS jedoch nur diagnostiziert werden kann, wenn der Patient bereits vor dem 7. Lebensjahr einige typische ADS-Symptome aufwies. Das macht die Sache bei einem Erwachsenen natürlich problematisch, was jedoch nicht heißen soll, daß es keine erwachsenen ADSler geben kann, bei denen die Störung im Kindesalter aus unterschiedlichen Gründen nicht diagnostiziert wurde.
Gruß,
Oliver Walter
Vielleicht erstmal den ganzen thread lesen?
Hallo Julia! Bevor Du mit dem Holzhammer ausholst, solltest Du vielleicht doch mal den ganzen thread lesen. Und noch etwas: ADS ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vererbbar! Bevor Du mich persönlich angreifst, um nicht zu sagen beleidigst, verrätst Du mir sicher, wie lange Du Dich mit dieser Materie beschäftigst? MfG Angelika
@Martin
Hallo Martin! Schön, Dich hier auch zu treffen! Hatte Deine Seiten auch schon empfohlen, sie sind einfach prima! Angelika
Hallo Oliver,
was genau ist ADS eigentlich für eine Erkrankung? Wenn ich so die Symptome lese, würde ich glatt auf Unterforderung tippen, mehr nicht. Ich denke aber mal, mit ADS sind organische Schäden gemeint, oder?
Des weiteren erstaunt mich, dass 10-15% aller Kinder dieses haben sollen, geht denn das?
fragt sich:
Frank
Hallo Allerseits,
Ich bedanke mich bei Euch für die vielen Antworten.
Hallo Rechtschreibvehler!
Solltest Du noch auf einer kinder- und jugendpsychiatrischen Station arbeiten, würde ich eine team- oder klinikinterne Fortbildung zum Thema ADHS auf die Empfehlungsliste setzen. Das ist übrigens überhaupt keine Schande, wenn man um- oder dazulernen kann. Ich habe bis vor wenigen Jahren (1997) auch nichts von ADHS gewusst und wenn mir damals jemand erzählt hätte, dass man Kinder mit Stimulantien („Appetitzügler“) behandeln sollte, hätte ich ihn nicht ernst genommen. Bis mich eine Erzieherin (selber eine Patientin bei uns) über ADHS aufklärte bzw. wir dann überhaupt erst feststellten, welche Bedeutung diese kinderpsychiatrische Diagnose für die spätere Entwicklung hat. Damals war es nicht üblich, dass ein Kinderpsychiatiater über das 18. oder maximal 25. Lebensjahr hinausblickte. Also gab es schlicht ADHS bei Erwachsenen nicht (bis auf ein Buch von Paul Wender und dann von Hallowell und Ratey „zwanghaft zerstreut“).
Leider herrschen in vielen deutschen Kliniken mit psychoanalytischer oder systemischer Grundprägung noch recht bedenkliche Überzeugungen zu ADHS vor. Da ADHS die häufigste kinder- und jugendpsychiatrische Störung ist, die zu einer stationären Aufnahme führt (aber eben häufig mit Begleitstörungen wie Störung des Sozialverhaltens bzw. Störung mit oppositionellem Trotzverhalten) ist die genaue Diagnostik und eine nach den heutigen Erkenntnissen der multimodalen Therapie durchgeführte Behandlung sinnvoll.
Ich habe leider immer wieder Berichte von Patienten gelesen, die monatelang pädagogisch bzw. sozialpsychiatrisch in KJP -Kliniken beobachtet (aber letztlich nicht behandelt wurden). Der Hammer ist dann, wenn sie dort oder aus weiterführenden betreuten Wohneinrichtungen wegen Disziplinproblemen rausgeschmissen werden. Ich könnte Dir mindestens 10 solcher Fälle nennen, die für mich aus heutiger Sicht (nicht aus der Sicht von vielleicht 1980) unterlassene Hilfeleistungen darstellen würden. Wenn Eltern sich an eine KJP erwarten, sind Vorwürfe an die Eltern nun wirklich unangebracht. Wir wissen, dass die Familie eine Rolle spielt. Aber eher dadurch, dass eben häufig auch ein mitbetroffenes Elternteil (bei der genetischen Veranlagung für ADHS) eine Rolle spielt (häufig beide Partner bzw. weitere Geschwister). Das führt dazu, dass normale Erziehungsmethoden bzw. die guten Ratschläge von Freunden und auch Lehrern nicht fruchten. ADHS-Kinder haben viel grössere Probleme, mit unterschiedlichen pädagogischen Konzepten (wechselnde Lehrer) klar zu kommen.
Die individuell abgestimmte (titrierte) und kontrollierte Medikation stellt für viele ADHS-Kinder die wesentliche Grundbedingung für einen Therapieerfolg dar. Sie sollte durch ein Elterntraining bzw ggf. eine verhaltenstherapeutich abgestimmte Psychotherapie unterstützt werden, wobei Informationsvermittlung über ADHS die wesentliche Grundlage ist.
Nur um es klarzustellen : ich bin eigentlich Psychotherapeut und alles andere als ein Freund von Medikation. Aber im Bereich ADHS habe ich eine ganz klare Position, die sich auf die internationale Forschung (u.a. sog. MTA-Studie zum Vergleich von Medikation, Verhaltenstherapie und psychosozialer Therapie) stützt.
Ohne dich angreifen zu wollen : Es geht hier nicht um „schlüssiger“, oder um den gesunden Volksglauben. Wenn es danach geht, würden die Medien weiter die ADHS-Eltern vorverurteilen. Eine Fachfrau wie Du sollte eigentlich soweit über den Tellerrand blicken und ein wenig über Bildzeitungsniveau oder Skandalmagazinen im Fernsehen blicken können… Tip : http://www.ag-adhs.de
Schönes Wochenende
Martin
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Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung
Hallo Frank,
was genau ist ADS eigentlich für eine Erkrankung?
die Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung ist eine Störung, die höchstwahrscheinlich erblich bedingt ist. Wissenschaftliche Quellen sprechen von einer Vererbbarkeit, die in der Höhe der Vererbbarkeit der Körpergröße liegt. Die genetischen Defekte wirken sich vermutlich auf das Dopamin-System im Gehirn aus, was zu Defiziten bei der Aufmerksamkeit und / oder Störungen der allgemeinen motorischen Aktivität des Betroffenen führt. Dies stellt besonders im Bereich der Leistung (Schule, Beruf) und des sozialen Umganges eine Problemquelle dar. Vor allem unter solchen sekundären Problemen leiden die Betroffenen.
Wenn Du davon sprichst, daß Dich die Symptome an Unterforderung erinnern, dann liegst Du richtig. Aber nur insofern, als daß Unterforderung eben ähnliche Symptome wie ADS (ADHD) hervorrufen kann. Deshalb müssen andere mögliche Ursachen sorgsam bei der medizinisch-psychologischen Untersuchung für die Symptome von Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität ausgeschlossen werden. Zu diesen anderen möglichen Ursachen gehören u.a. andere psychische oder rein körperliche Störungen, Minderbegabung, Hochbegabung und auch Unterforderung.
Des weiteren erstaunt mich, dass 10-15% aller Kinder dieses
haben sollen, geht denn das?
Mich erstaunt das auch. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, daß die Zahl der *wirklichen* ADS-Fälle so hoch liegt. ADS ist gerade en vogue und die Ritalin-Verschreibung ebenso. Aber daß es eine höchstwahrscheinlich erblich bedingte Störung ADS gibt, daran glaube ich schon.
Als zusätzliche Informationsquelle die internationale Konsensus-Erklärung von führenden Wissenschaftlern zu ADS von Januar 2002:
http://www.opti-mind.de/news/konsensus_09_12_02.html
Gruß,
Oliver Walter