Hallo Jorge,
vielen Dank für Deine Offenheit.
Ganz offensichtlich hast du keine direkten Erfahrungen mit
AD(H)S.
Ich habe es nur bei Freunden miterlebt. Sie haben sich auch für Ritalin entschieden.
Aber du machst dir Sorgen wegen des Medikaments.
Sehr sogar.
Nach meinen
Informationen sagt sogar die WHO, dass bis zu 8% der Kinder
diese Erkrankung haben.
Heftig finde ich, dass einige Ärzte viel zu leichtfertig mit der Diagnose umgehen.
Das Problem ist nach meiner Meinung nicht das Medikament,
sondern der inkompetente Arzt, der es verschreibt und der so
dazu beiträgt, dass es in Verruch kommt.
Mangelnde Aufklärung oder mangelndes Wissen ist leider allzu oft die Wurzel allen übels. Deshalb hatte ich auch gleich in meinem ersten Artikel geschrieben, dass wir nicht direkt davon betroffen sind, ich mir aber sehr viele Gedanken zu dem Thema mache.
Sei mir nicht bös,
Bin ich überhaupt nicht :o)
aber ich vermute, dass du dir nicht
vorstellen kannst, wie eine Familie leidet, die mit einem
AD(H)S Kind „geschlagen“ ist, wenn die Familie zerfällt, wenn
alles in Scherben liegt.
Wenn das Kind zu einem Außenseiter
wird, wenn der Lehrer dir sagt, das etwas mit deinem Kind
nicht stimmt.
Das ist einer weiteren Bekannten von mir passiert. Sie hat gekämpft. Die Lehrer wollten dieses „gestörte“ Kind abschieben, in der Klasse war sie nicht akzeptiert, eben alles, was Du schreibst. Mittlerweile ist sie auf einer anderen Schule (Hauptschule) und kommt dort gut zurecht. Ist in die Klasse integriert und kann ein einigermaßen normales Leben führen.
Wenn ich abends nach 10 Stunden Arbeit
heimkomme und mein Frau „abhaut“, weil sie,
verständlicherweise, die „Schnauze voll hat“.
*lächelt* Ich kann es nachvollziehen. Auch im normalen Ablauf geht es mir manchmal so. Zwillinge können sich streiten, da fliegen die Fetzen! Abends hat man einen Kopf wie ein Rathaus und muß einfach mal raus.
Mein Mann hat auch einen 10 Stunden Tag. Wobei er dann eher froh ist, erst mal abschalten zu können, wenn er nach Hause kommt.
Jedoch kann ich die Problematik bei Euch gut verstehen.
Das alles ist
fürchterlich. Mein persönlicher Anteil ist, dass die Scheidung
von meiner Frau damit zusammenhängt.
Ist es Dir recht, wenn wir per Mail Kontakt haben?
Und dann ist es einfach nicht damit getan, „Stressabbau“ zu
versuchen. Mit Sport oder ähnlichem.
Wie Stefanie schreibt, ist ein Medikament nicht zwingend. Bei
AD(H)S gibt es sone und sone Formen.
Wenn man es verantwortungsvoll machen will, sucht man sich
jemand Erfahrenen (KuJP oder, wie in meinem Fall, eine
spezialisierte Psychogin, die einen umfangreichen
schriftlichen Test gemacht hat, 2 Elterngespräche und einen
3-stündigen Kontakt mit dem Kind). Dann kam bei meinem Sohn
eine 2-jährige Verhaltenstherapie.
Leider gibt es zu viele Fälle, in denen der Arzt nur durchs anschauen die Diagnose stellt.
Meine Erfahrung ist, dass Mütter ( ich habe noch keine Mann
dazu schreiben gesehen!) mit oder ohne emotionale Erfahrung
mit dem Thema, eher dazu neigen, diese Erkrankung nicht wahr
haben zu wollen, weil sie etwas mit dem Gehirn zu tun hat.
Ich habe die andere Seite kennengelernt. Das Kind verhält sich nicht wie gewünscht, also hat es mit Sicherheit ADS! Daher auch meine Skepsis bezüglich dieses Themas.
Mir fällt es da, weil beruflich
„vorbelastet“ einfacher, weil ich ständig mit Psychotikern,
Manikern oder „endogenen“ Depressiven zu tun habe. Ich habe es
akzeptiert und versuche, das Beste für meinen Sohn und für uns
daraus zu machen.
Weißt Du dass ich a) Deine Offenheit unwarscheinlich toll finde und b) es ganz große Klasse finde, dass Du so hinter Deinem Sohn stehst?! :o))
Mein Sohn nimmt es strikt nicht an
Wochenenden und in den Ferien.
Das finde ich genial.
Er hat inzwischen unter dem
Medikament so viel gelernt, dass es für mich und uns
erträglich ist. Und : in unserer Klinik wird unter der Hand
mit allem gehandelt, was einen Kick verspricht. Ritalin o . ä.
gehört eindeutig nicht dazu. Damit lässt sich definitiv keinen
Umsatz machen!
Wie ist es denn nach lanjähriger Einnahme mit der Abhängigkeit?
Ich hoffe, ich habe dazu beigetragen, dass du ein
differenzierteres Verhältnis zu AD(H)S und zu „Ritalin“
entwickeltst.
Auf jeden Fall. Weißt Du, ich bin einfach der Meinung, dass „Leben“ bedeutet, ständig dazuzulernen, für Probleme eine Lösung zu finden und auch mal alternative Methoden in Betracht zu ziehen. Das heißt jedoch nicht, dass ich mich logischen Folgerungen verschließe und meine Meinung nicht auch einmal ändere. Ich bin lernfähig :o)) (und froh, was die Krankheit ADS betrifft, jetzt etwas klarer zu sehen. Danke)
Noch ein schönes Wochenende.
Ebenfalls
LG,
Nixe