Hallo,
wir möchten für unsere kleine Familie ein Haus bauen. Wir hatten auch schon einige Gespräche mit einem Archtikten. Aber keinen Vertrag unterzeichnet und auch über das Honorar wurde nie gesprochen. Wir sollten nur unsere Wünsche und Vorstellungen außern. Auch auf meine Fragen nach den zu erwartenden Kosten erhielten wir keine Antwort. Erst nach dem 3. oder 4. Gespräch wurden uns fertige vermessene Entwürfe und ein Honorarangebot vorgelegt, welches unseren Kostenrahmen absolut sprengt.
Jetzt bekommen wir Rechnungen über eine Abschlagszahlung und Mahnungen über eine fast fünfstellige Summe (noch keine Genehmigungsplanung und Statik).
Das kann doch nicht in Ordnung sein?
Wie sollen wir uns verhalten?
Wäre dankbar für Tipps.
Hallo Frau Bauer,
immer die bösen Architekten 
Ich versuche Ihnen zu helfen.Frage hat der Architekt eine „nachvollziehbare“ Rechnung nach HOAI gestellt? Also nachprüfbar? Wenn nicht anfordern. Tatsache ist wohl, dass sie ihn beauftragt haben sich für Sie Gedanken zu machen, d.h. wohl er hat Ihre Gedanken zu Papier gebracht und die Machbarkeit auf Ihrem Grundstück geprüft.Also es bestand - wenn auch nicht schriftlich - ein Vertrag. Die Kostenermittlung (wahrscheinlich „nur“ eine Kostenschätzung) hat er wohl anhand des Entwurfes vorgenommen. Aus den ermittelten voraussichtlichen Herstellungskosten ergibt sich eine Honorarforderung aus: Grundlagenermittlung, Vorplanung und Entwurfsplanung (x, y und z Punkte, Teile davon oder überhaupt nicht). Daraus wieder ermittelt sich aus der Gebührenordnung in Relation zu den Herstellungskosten das Honorar. Es würde zu weit führen wenn ich das hier im Einzelnen aufführen würde. Ob die Abschlagszahlung angemessen ist, kann ich aus Ihren Angaben nicht beurteilen. Wenn Sie daranzweifeln, ob überhaupt ein Vertrag zustande gekommen ist, dann müssten Sie das von Juristen prüfen lassen.Ich schlage vor Sie wenden sich mit der „prüfbaren“ Rechnung an die Architektenkammer Ihres Bundeslandes. Die helfen Ihnen weiter. Dann könnten Sie auch die Rechnung auseinander nehmen, darauf hin prüfen ob die Mindestansätze genommen wurden, „runter handeln“ auf das, was Ihnen gerade noch als angemessen erscheint. Berücksichtigen Sie dabei auch den geschätzten Zeitaufwand, der für den Architekten erstanden sein könnte.
Nebenbei: Ein Architekt erstellt im Normalfall keine Statik. Und Genehmigungsplanung ist ein weitere Stufe von Architektenleistung.
Ich hoffe Ihnen ein wenig geholfen zu haben. Denken Sie nicht schlecht von Architekten, diese Auskunft ist kostenlos
)
Mit freundlich Gruß Bertram Vogt (Freier Architekt)
Danke für die schnelle Antwort.
Ich denke nicht schlecht von Architekten.
ABER ich habe Pläne für ein zu großes Haus, dass wir uns nicht leisten können und für diese Pläne sollen wir jetzt bezahlen. Sicherlich gab es Wünsche bei ersten Gespräch, die wir geäußert haben. Aber es gab immer die Bereitschaft „abzuspecken“ wenn es nicht geht. Und dazu stellte ich immer die Frage nach den Baukosten. Sicherlich hat der Architekt gute Arbeit geleistet und einen tollen Plan entwickelt aber hätten wir gewusst, dass das Haus so groß wird und solche Baukosten verursacht, hätten wir doch nach dem zweiten Gespräch sofort überlegt, auf welche Wünsche wir verzichten können. So hat er alles realisiert, das fertige Produkt vor uns hingelegt und erst da sahen wir sein Honorarangebot und die Baukostenschätzung nach DIN 276. Hier ist genau deklariert, dass der Wohnraum mit 300 €/m³ angerechnet wird usw. Er kann doch nicht nur Pläne zeichnen, er muss doch auch einen über die Kosten beraten. Oder hätten wir das als Bauanfänger wissen müssen?
Wir haben ihn dann noch einmal um ein Gespräch gebeten, um gemeinsam zu überlegen was wir noch ändern können um billiger zu werden. Er hat versprochen sich bis dahin Gedanken zu machen, dass sei schließlich sein Job, sagte er. Beim Gespräch aber meinte er nur, er sehe keine anderen Möglichkeiten. Außerdem sei der Zinssatz der Banken derzeit so günstig, wäre alles doch nicht so dramatisch.
Was raten Sie? Ich will keinen Ärger und werde noch einmal um ein Gespräch bitten. Aber was können wir jetzt noch tun. Muss er uns helfen, einen Plan für ein Haus zu entwickeln, das kleiner ist oder muss ich das auch wieder bezahlen?
Wäre sehr dankbar für einen Tipp
Hallo Frau Bauer,
es läuft wohl darauf hinaus, dass nicht klar erkennbar war wo das Limit für die Finanzierbarkeit des Neubaus war. Für eine einfache Schätzung reicht es für das erste Gespräch meines Erachtens aus (auch für den Bauherrn!)wenn man weiß, dass eine „Schuhschachtel“ von 10x15x3m bei einem Ansatz von 300Euro/cbm annähernd 135000 Euro kostet.
Ich glaube, es ist eine juristische Frage, in wie weit der Architekt entgegen seines Auftrag geplant hat.
Sie werden sicher verstehen, dass ich hierzu nichts sagen kann und mich mich nicht an Spekulationen beteilige.
Tut mir Leid, wenn ich Ihnen nicht weiter helfen kann. Mein Vorschlag: nochmal mit dem Architekten reden - falls nicht das Vertrauen ganz zerstört ist, oder alternativ lassen Sie sich von einem Juristen (Baurecht) beraten.
Mit freundlichem Gruß Bertram Vogt
Versuchen Sie sich zu einigen oder konsultieren Sie einen Anwalt