Ärger mit der Schule

Am 13. Januar verstarb mein, von mir getrennt lebender, Ehemann. Er lebte nicht mehr in unserer Stadt aber hatte trotzdem ein gutes Verhältnis zu unseren Kindern. Natürlich saß der Schock sehr tief weil es völlig unerwartet kam. Meine jüngste Tochter fehlte am Tag des Todes bereits zwei Tage in der Schule weil sie krank war. Sie ist 12 Jahre alt und besucht seit einem halben Jahr das Gymnasium. Die Lehrerin teilte mir telefonisch mit dass sie das Probehalbjahr nicht bestanden hätte, aber trotzdem eine Verlängerung bekommt weil die Fachlehrer ein großes Potenzial bei meiner Tochter sehen. Durch den Tod des Vaters behielt ich sie noch den Rest der Woche zu Hause. Am Freitag den 16. Januar rief die Lehrerin wieder an und meckerte darüber das mein Kind nicht in der Schule war, obwohl ich sie entschuldigt hatte. Sie wollte dann auch wissen welches Verhältnis meine Tochter zum Vater hatte…diese Frage habe ich überhört weil es niemanden etwas angeht. Gleichzeitig wollte sie mich in die Schule bestellen. Habe erstmal abgelehnt weil ich momentan einfach nicht weiß wo mir der Kopf steht. Die Beerdigung muß organisiert werden. Ich musste in seine Wohnung fahren (400km von meinem Wohnort entfernt), muß für die Kinder da sein und, und, und.
Am Wochenende ist meine Tochter dann wieder erkrankt. Habe sie am Montag auch gleich wieder entschuldigt. Am Nachmittag rief die Lehrerin wieder an um mich zur Schule zu bestellen. Leider konnte ich nicht. Sie zeigt keinerlei Verständnis für die momentane Situation. Ich muss die Wohnung dort auflösen, was bestimmt nicht per Telefon zu erledigen ist.Als meine Tochter dann wieder zur Schule ging wurde sie gleich von der Lehrerin zur Seite genommen. Die Frage nach dem Verhältnis zum Vater scheint sehr brennend zu sein???
Meine Tochter sagte ihr dass sie nicht über den Tod ihres Vaters reden möchte. Daraufhin wurde ihr angeboten mit der Schulpsychologin zu reden. Das wollte meine Tochter natürlich auch nicht. Sie wird hier in der Familie gut aufgefangen.
Nun kommts noch besser. Am Freitag nahm sie der Direktor beiseite und sagte ihr er würde das Jugendamt einschalten!!!
Mein Kind ist nun völlig verunsichert. Die Geschichte mit ihrem Vater nimmt sie schon sehr mit und nun noch der Streß in der Schule. Ich weiß nicht wo mir der Kopf steht. Würdet ihr selber Kontakt zum Jugendamt aufnehmen? Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Inzwischen ist es soweit das meine Tochter die Schule wechseln möchte. In dieser Woche sind Ferien. Am nächsten Montag wollte ich mit zur Schule, bin aber derzeit selber nervlich ziemlich angegriffen und kaum in der Lage vernünftig zu reagieren. Würde gern mal eure Meinung hören.

Ruhe bewahren. Auch wenns schwer fällt
Hallo!
Du steckst eben grade in einer belasteten Situation. Mancher hat Verständnis dafür, andere offensichtlich nicht. Versuch kurz zur Ruhe zu kommen und die Fakten zu betrachten.

Folgendes ist mir aufgefallen: Du schreibst, Deine Tochter wäre „krank“. Hat sie was konkretes? Warst du beim Arzt, der dies bestätigen könnte? Oder geht es ihr einfach nicht gut, weil sie trauert? Was hast du auf die Entschuldigung geschrieben?

Die Lehrerin macht sich offensichtlich Sorgen, weil Deine Tochter nicht zur Schule kommt. Aus Deiner Sicht mag der Grund offensichtlich sein, aus Ihrer ist es das vielleicht nicht. Die Frage nach dem Verhältnis zum Vater sehe ich jetzt nicht als unverschämt an, sondern als den Versuch einzuschätzen, wie sehr Deine Tochter um den Vater trauert. Um ein Gespräch mit der Lehrerin wirst Du kaum rumkommen. Sprich mit ihr, sag ihr was los ist und bitte um Verständnis.

Das ist natürlich unterschiedlich, aber es kann sich auch recht positiv auswirken, wenn Deine Tochter wieder am Alltag teilnimmt und die Schule besucht. Ein wenig Ablenkung ist vielleicht gar nicht so verkehrt, im Sinne von: „Das Leben geht weiter“, was nicht heißt, dass nicht angemessen getrauert werden muss, aber nicht 24h rund um die Uhr. Nur meine Sicht der Dinge.

Durch den Tod des Vaters behielt ich sie noch den Rest der
Woche zu Hause.

Nochmal die Frage: War sie krank? Nicht in der Lage, die Schule zu besuchen? Was stand auf der Entschuldigung?

Am Freitag den 16. Januar rief die Lehrerin
wieder an und meckerte darüber das mein Kind nicht in der
Schule war, obwohl ich sie entschuldigt hatte.

Der Hintergrund der „Meckerei“ der Lehrerin ist, dass nicht unbedingt die Eltern darüber zu entscheiden haben, ob ihr Kind in die Schule geht oder nicht, von wegen Schulpflicht. Also eine Entschuldigung reicht nicht in jedem Fall. Muss schon einen triftigen Grund geben.

Sie wollte dann
auch wissen welches Verhältnis meine Tochter zum Vater
hatte…diese Frage habe ich überhört weil es niemanden
etwas angeht.

Sie wollte wahrscheinlich nur einschätzen, wie es Deiner Tochter geht.

Gleichzeitig wollte sie mich in die Schule
bestellen. Habe erstmal abgelehnt weil ich momentan einfach
nicht weiß wo mir der Kopf steht.

Hm, versuche das doch vielleicht in Ruhe telefonisch mit ihr zu besprechen. Sag ihr auch warum Du nicht in die Schule kommen kannst, das ist doch plausibel. Frage sie, was sie für Befürchtungen hat? (Die sind mir nicht ganz klar)

Die Beerdigung muß
organisiert werden. Ich musste in seine Wohnung fahren (400km
von meinem Wohnort entfernt), muß für die Kinder da sein und,
und, und.

Versuche doch, das anders zu organisieren. kannst Du das eine oder andere Kind bei guten Freunden oder Verwandten unterbringen? Das entlastet Dich und kommt schlussendlich dann auch wieder den Kindern zugute.

Am Wochenende ist meine Tochter dann wieder erkrankt. Habe sie
am Montag auch gleich wieder entschuldigt.

Da die Lehrerin anscheinend nicht glaubt, dass Deine Tochter wirklcih krank ist, geh zum Arzt und lass es Dir beim nächsten mal bestätigen. Kündige das auch der Lehrerin an.

Evtl. kannst Du Kontakt mit dem Elternbeirat aufnehmen, der Dich unterstützen kann oder einem Vertrauenslehrer oder sowas.

Meine Tochter sagte ihr dass sie nicht über den Tod ihres
Vaters reden möchte. Daraufhin wurde ihr angeboten mit der
Schulpsychologin zu reden.
Das wollte meine Tochter natürlich
auch nicht.

Wobei ich das Angebot gar nicht für abwegig halte.

Nun kommts noch besser. Am Freitag nahm sie der Direktor
beiseite und sagte ihr er würde das Jugendamt einschalten!!!

Naja, wenn von Dir gar nichts kam, dann müssen die doch denken, Du bist völlig überfordert (Was ja teilweise evtl. auch zutrifft). Und dann muss die Schule handeln, das halte ich schon für richtig. Es scheint einerseits an der Kommunikation zu hapern und andererseits ein wenig am Augenmaß seitens der Schule.

Also nochmal mein Appell: Sprich mit der Schule, nimm Dir die Zeit. Du sparst Dir dafür wahrscheinlich jede Menge Nerven, wenn Du das jetzt ordentlich klärst. Wenn du mit der Lehrerin nicht klarkommst, suche Dir Begleitung für das Gespräch und/oder einen anderen Ansprechpartner auf Schulseite. Aber Du musst das klären, sonst zieht das noch weitere Kreise.

Ich wünsch Dir alles Gute und ein paar Extra-Nerven.

kernig

Moin Gabi!
Es tut mir für dich und deine Kinder leid das dein Ex-Mann verstorben ist. Ein schwerer Schlag. Fühlt euch von mir tröstend in die Arme genommen zu werden.
Und nun zu deinem Schulproblem:
Das was Kernig geschrieben hat… 100% richtig.
In der Schule hast du folgende Möglichkeiten:
In der Klasse gibt es Elternsprecher. Die übergeordnete Organisation ist der Elternrat. Als Elternteil hast du die Möglichkeit diese Institutionen um Hilfe zu bitten. Ebenso kannst du die Lehrer, Klassenlehrer und die Direktoren um Gespräche bitten. Und du kannst darauf bestehen das die Schulpsychologin dabei ist, evtl. sogar deine Tochter. Das solltest du dann aber mit ihr besprechen.
Ich hoffe dir damit geholfen zu haben.
Gruß
Martin

Hallo

Für mich klingt deine Schilderung auch so, als habest du dich der Lehrerin gegenüber sehr abweisend verhalten, und zum Beispiel ohne Begründung zweimal das Gespräch mit ihr abgelehnt (für mich klingt es so, als habest du uns hier zwar den Grund für die Ablehnung erklärt, der Lehrerin aber nicht. Stimmt das?).

Wenn Lehrer sich Sorgen um eine Schülerin machen, die Eltern aber das Gespräch ablehnen, dann fangen bei denen immer die Alarmglocken an zu bimmeln.

Ich an deiner Stelle würde es auf jeden Fall bevorzugen, mit den Lehrern zu sprechen, als das Jugendamt da noch mit drin zu haben. Dann hättest du letzten Endes bestimmt weniger Aufwand, als wenn du die Gespräche wegen zu viel Arbeit immer ablehnst. Du könntest sie ja auch verschieben, auf später, wenn es jetzt gar nicht geht.

Oder hat es noch einen anderen Grund außer Zeitmangel, dass du nicht mit der Lehrerin sprechen willst?

Von Jugendämtern habe ich die Vorstellung, dass die so überlastet sind, dass sie sich mit den einzelnen Fällen sowieso nur ziemlich am Rande beschäftigen können, und deswegen viel zu schnell aufgrund viel zu weniger Informationen Entscheidungen treffen (müssen). Wenn jedoch eine Schulpsychologin bei dem Gespräch o.ä. dabei sein könnte, das hielte ich für keinen Fehler. Sie könnte evtl. sehr gut zwischen den Parteien vermitteln. Sie ist immerhin ausgebildete Psychologin, das heißt schon was.

Viele Grüße

noch eine kleine (ganz allgemeine) Anmerkung
Ich kann auch dem, was Kernig schreibt, zu 100.000% zustimmen.
Nun noch eine kleine allgemeine Anmerkung bzw. Ergänzung:

Das Verhältnis Eltern-Schule und die damit verbundene Kommunikation ähnelt oft eher einem Kampf, als einem Miteinander.
Lehrer sowohl Eltern scheinen oft nicht zu wissen, dass sie doch eigentlich beide das gleiche wollen:
Dass das Kind sich (auch in der Schule) wohlfühlt und (geistig) wachsen und reifen kann!

LG
Stefan

Hallo,

das ist mal wieder tpyisch, Lehrkörper die sich nicht beherrschen können. Natürlich geht die Lehrerin das Verhältnis zu einem Elternteil nicht die Spur an. Das ein Kind nach dem Tod eines Elternteil, neben der Spur ist ja wohl normal, schlimm wär, wenn das Gegenteil war wär. Wenn sich die Lehrerin nicht beruhigen will, würde ich mich an denVertrauenslehrer, oder die Schulleitung wenden.
Des weiteren ist es normal, das ein Kind im Todesfall, bis zu einer Woche Zuhause bleiben kann, mit Entschuldigung natürlich.
Sowas ist mir aber, durch meine Arbeit (Kinder und Elterntelefon)schon öffter zu OHren gekommen.
Viele Lehrer meinen, das an ihnen ein Pychologe verloren gegangen ist!
Da bleibt nur wundern und die Ruhe bewaren, auch wenns schwer fällt.

Joel

Hi,

das ist doch schön, dass Du Dich so gut auskennst. DEswegen hast du sicherlich auch mitbekommen, dass es nicht klar ist., ob die Lehrerin überhaupt weiß, was in der Familie vorgefallen sind.

Die Franzi

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Hallo,

ich meine, ihr solltet das Angebot mit der Schulpsychologin unbedingt annehmen. Die paar, die ich bislang kennengelernt habe, waren Gold wert und verstehen sich keineswegs als Vertreter der Schule, sondern haben das Wohl des Kindes und der Familie im Sinn.

Gruß
Marion

Vielen Dank für eure Unterstützung. Viele Hinweise und Tipps haben mir weiter geholfen. Nochmals erwähnen möchte ich das meine Tochter wirklich krank war. Erst einen grippalen Infekt und danach eine Angina. Ich habe sie auch mündlich entschuldigt, also täglich in der Schule angerufen. Leider konnte ich auch nicht zum Arzt mit ihr um ein Attest zu besorgen. Die Familienversicherung endete mit dem Tod des Vaters. Ich musste jetzt eine eigene Versicherung beantragen aber das ist eine andere Geschichte.
Meine Tochter wollte in der Schule nicht über das Verhältnis zum Vater sprechen weil sie immer noch angegriffen ist und oft in Tränen ausbricht.
Es ist soviel auf uns eingestürzt und ich finde die Schule sollte in dem Moment etwas verständnisvoller reagieren. Ich lehne ein Gespräch nicht grundsätzlich ab, aber aber hätte es gern auf die Zeit bis nach der Beerdigung verschoben. Genau so habe ich es der Lehrerin gesagt aber sie bleibt eben auf ihrem Standpunkt.

Danke Martin,
am kommenden Montag werde ich einen Termin vereinbaren. Ich habe mir schon vorgenommen zu verlangen dass die Schulpsychologin bei dem Gespräch anwesend ist. Ich denke mir dass es hilfreich ist eine Frau vom Fach, vielleicht, als Unterstützung dabei zu haben.
Gruß
Gabi

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Hallo

Ich lehne ein Gespräch nicht grundsätzlich ab, aber aber hätte es gern auf die Zeit bis nach der Beerdigung verschoben. Genau so habe ich es der Lehrerin gesagt aber sie bleibt eben auf ihrem Standpunkt.

Ach so, sie wollte unbedingt sofort und am gleichen Tag mit dir reden?
Hm, das kam nicht so deutlich zum Ausdruck. Dann stellt sich für mich die Sache völlig anders dar …

Viele Grüße