Aggressionen

Highspeed-Bewußtsein
Hi Pustepluhme

so - jetzt endlich, damit du eine Antwort hast, wenn du wieder da bist…

…das zeigt doch aber nur, dass an dem Spruch „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“ nix dran ist, oder?

*smile* - es heißt ja: „der erste Weg“ und nicht „der ganze Weg“

Ich finde schon, dass ich (auch) leide. Zwar erst hinterher…

Das ist schon klar, aber - wie du ja sagst - ist das ein zusätzliches Problem der späteren Folge dieser von dir beschriebenen Reaktionen. Die unittelbaren Attacken kriegen ja erstmal die anderen ab (aber es ist eh klar, was du meinst…)

Sonst würd ich ja hier nichts schreiben und um Hilfe fragen.

Das wäre gleich mal ein Anstoß für eine Rückfrage an dich:
Wenn du dich selbst nach deinem Motiv befragst, weshalb du diese Reaktionen ändern möchtest - was steht dabei für dich im Vordergrund:

  1. daß du anderen nicht auf die Nerven gehst, bzw. sie angreifst
  • und dies dir dann - hinterher - leid tut, oder
  1. daß du dich in dem Augenblick, wo du ausrastest, nicht leiden kannst, bzw. daß du dich selbst nicht magst, wie du dann bist.

Das 1. betrifft also die Wirkung auf deine Umwelt und die Rückwirkung auf dich, das 2. betrifft dich ganz allein selbst.

(wobei bei dem letzteren sicher noch zu ergänzen wäre: extrem
ungeduldig, vor allem mit anderen, die langsamer sind als du,
oder die nicht so wollen, wie du… stimmts?)

Ja, das stimmt tatsächlich. Woher weißt du das nur??

Nun ja… wenn man viele viele Menschen kennt… und soooo verschieden sind Menschen nun auch wieder nicht… :smile:
Außerdem ist das eine der Eigenschaften des Menschen, weshalb überhaupt Psychologie möglich ist: Eigenschaften finden sich fast immer gemeinsam mit Gruppen anderer Eigenschaften (ähnlich: ein Bergsteiger hat nicht nur guten Gleichgewichtssinn, sondern meist auch ausdauernde Muskulatur - ein Auto mit leistungsstarkem Motor hat meist auch extrabreite Reifen)

… Nur was kann ich tun, um das zu ändern? Wenn so eine
Situation da ist, hab ich einfach „nicht mehr die Zeit“, mir
noch was vernünftiges einzureden und mich dazu zu bringen,
nicht auszurasten.

Wenn es dir wirklich ausschließlich um dieses blitzschnelle „Ausrasten“ geht… ich gebe nicht gerne bei solchen Dingen, die ja doch irgendwie mit einer kompletten Persönlichkeit verknüpft sind, einfach einen „Tip“ (zumal dann nicht, wenn ich die-/denjenigen nicht weiter kenne), denn das könnte den Eindruck erwecken, daß es damit getan sei, einen Tip zu befolgen - da hat meist bloß die Konsequenz, daß der Tip für sh** gehalten wird oder daß man enttäuscht ist, das er nicht geholfen hat…

Trotzdem also ein Tip: Halte dir vor Augen, daß es sich in der Situation des Ausrastens ganz ähnlich verhält, wie in sog. traumatischen Situationen (z.B. ein Autocrash): die subjektive Zeitwahrnehmung verändert sich - alles wird in Zeitlupe - und überdeutlich - erlebt, was für einen Außenstehenden in Sekundenbruchteilen abläuft. Aber nachher erinnert man sich selbst nicht mehr daran (hängt mit dem Mechanismus des Gedächtnisses zusammen).

Ebenso verhält es sich mit der gesteigerten Sensibilität überhaupt: Du hast Feinheiten, Argumente, Urteile, Erinnerungen und Konsequenzenabschätzungen vor Augen, die ein Außenstehender für Bagatellen hält (womit wir bei deinen Erlebnissen wären. D.h. die Feinstruktur deiner Argumente, die du in der Situation blitzschnell entwickelst und auch deine ebenso blitzschnelle Reaktion ist dir hinterher nicht mehr nachvollziehbar. Aber (!): das heißt nicht, daß du innerhalb der kurzen Szene nicht doch triftige Gründe für deine Reaktion vor Augen hattest - und diese erinnerst du nachher (oder überhaupt im „normalen“ Alltag) nicht… Die Psychoanalyse hat dafür die Begriffe des „Unbewußten“ bzw. „Vorbewußten“ eingeführt.

Da es dir aber nicht um eine Erhellung unbewußter Gedankengänge geht (d.h. ums Aufdecken der Gründe, wesahlb du so reagierst), sondern lediglich um eine Verhaltensänderung, würde es für dich genügen, zu lernen, den Zeitverlauf deiner Reaktion zu steuern:

Damit kommen wir zum eigentlichen „Tip“ (aber bitte nicht lachen, er ist ernstgemeint und bewährt): versuche, bevor zu ausrastest, eine Kleinigkeit zusätzlich zu tun: warte einfach 3 Sekunden (indem du „einunzwanzig zweiundzwanzig dreiundzwanzig“ zählst) - und dann raste aus, wie du es gewohnt bist.

Zusatztip 1: Frag nicht warum… :smile:
Zusatztip 2: Rechne nicht damit, daß das schon alles wäre… :smile:

… dass es bei mir irgendwas mit meinem Selbstbewusstsein zu tun haben könnte.

Selbstbewußtsein… (hat jeder, der sich selbst meint, wenn er „ich“ sagt…) du meinst Selbstsicherheit, Selbstvertrauen… wenn es dir daran fehlen würde, wüßtest du das :smile:
Was du weiter beschreibst, besagt eigentlich genau das, was wir vorher auch schon besprachen: daß du dich innerhalb dieser „traumatischen“ Situation massiv bedroht fühlst (aus Gründen, die dir hinterher nicht mehr präsent sind)

… und immer wieder Bestätigung von außen brauche…

Bestätigung von außen braucht jeder Mensch… und jeder leidet, wenns ihm daran fehlt… ganz besonders aber Menschen mit einem gut ausgebildeten Selbstwertgefühl. Fehlende Bestätigung (wie auch suchtartiges Suchen nach Bestätigung) von Selbstwert führt auch zu bestimmtem Verhalten (nörgeln, quängeln, meckern z.B…), aber zum „Ausrasten“ führt eher, wenn ein gut bestätigter Selbstwert plötzlich (!) in Frage gestellt wird…

Ich hatte 'ne schöne Kindheit, 'ne schöne Jugendzeit, und
eigentlich hat immer alles geklappt oder is mir sozusagen in
den Schoß gefallen.

Die Erinnerung an eine schöne Kindheit ist nicht immer ein Beweis für eine schöne Kindheit… außerdem (metaphorisch): wenn jemand ausschließlich gutverdauliche Speisen bekommt, kann sein Stoffwechsel ganz schön durcheinandergeraten: wir brauchen Krisen, um lebensfähig zu werden… aber das sei nur nebenbei erwähnt…

Naja, ich meinte nur, ob mein „Zustand“ schon so
besorgniserregend ist, dass ich eben professionelle Hilfe in
Anspruch nehmen muss, oder ob evtl. die Chance besteht, dass
ich es allein schaffen könnte.

Der Maßstab für den Grad von Besorgnis liegt zuallererst bei dir. Wenn deine gesamte Umgebung dich mit den besagten Eigenarten unerträglich findet - oder du dich selbst, dann wäre sicher ein Gesprächspartner, der dir urteilsfrei begegnet, und bei dem du dich selbst zum Thema machen kannst, nicht ganz überflüssig…

ja, es ist möglich, aber es geht nicht von jetzt auf gleich
durch einen sogenanten „Tip“… es ist auf jedenfall „Arbeit“

  • und Geduld - notwendig.

Und wie sähe diese Art von „Arbeit“ aus?

Vielleicht hast du Lust, es trotzdem mit dem „Tip“ oben zu versuchen… und dann schaumermal - ok?

Liebe Grüße
Metapher

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