Hallo Methapher,
zunächst eínmal ein Kompliment an dich, denn du stellst dieses
für dich problematische Verhalten mit solcher Gelassenheit und
mit einer solchen Fähigkeit zur Selbstdistanz dar, wie man sie
sonst bei Menschen mit diesen Eigenschaften sehr selten
findet.
Naja, das zeigt doch aber nur, dass an dem Spruch „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“ nix dran ist, oder?
denn es ist vermutlich doch eher so, daß deine Umwelt darunter
leidet, und nicht du selbst - oder?
Ich finde schon, dass ich (auch) leide. Zwar erst hinterher, wenn mir das dann voll leid tut, dass ich wieder so ausgerastet bin oder ich mich dafür schäme, aber leiden tu ich auch! Sonst würd ich ja hier nichts schreiben und um Hilfe fragen.
(wobei bei dem letzteren sicher noch zu ergänzen wäre: extrem
ungeduldig, vor allem mit anderen, die langsamer sind als du,
oder die nicht so wollen, wie du… stimmts?)
Ja, das stimmt tatsächlich. Woher weißt du das nur??
Die Theorie mit der Frustrationstoleranz klingt gut und treffend. Es ist, glaube ich, schon so, dass ich mich durch viele Äußerungen oder das Verhalten anderer Menschen angegriffen fühle, wo andere Leute sich gar nichts bei denken würden. Nur was kann ich tun, um das zu ändern? Wenn so eine Situation da ist, hab ich einfach „nicht mehr die Zeit“, mir noch was vernünftiges einzureden und mich dazu zu bringen, nicht auszurasten.
Ich habe mir ja schon länger Gedanken gemacht und glaube, dass es bei mir irgendwas mit meinem Selbstbewusstsein zu tun haben könnte. Ich reagiere nämlich „unnormal“ in Situationen, in denen ich mir in irgendeiner Weise unterdrückt (Chef kommandiert mich rum) oder abgelehnt (Freund hat keine Lust, was mit mir zu unternehmen) oder hilflos (Autofahrer ist stärker als Fahrradfahrer) vorkomme. Da könnte es doch sein, dass ich ein fehlendes Selbstwertgefühl habe und immer wieder Bestätigung von außen brauche, in jeder Hinsicht. Und wenn ich die nicht bekomme bzw. sogar noch das Gegenteil, dann isses aus.
Klingt doch gut, oder? Bringt mich aber bei der Lösung immer noch nicht weiter…
… könnte sein, daß mal irgendwer in deiner Vergangenheit dir
gegenüber Grenzen überschritten hat… dir zu nahe getreten
ist, ohne vorher anzuklopfen… dich verletzt hat und
vergessen hat, dich um Verzeihung zu bitten… ?
Hab ich auch schon überlegt, aber da fällt mir nix ein. Ich hatte 'ne schöne Kindheit, 'ne schöne Jugendzeit, und eigentlich hat immer alles geklappt oder is mir sozusagen in den Schoß gefallen.
Vielleicht hast du ja Lust, erstmal ein feedback zu geben, ob
die „Umdeutung“ (siehe oben) auf das, was du empfindest, paßt
oder nicht…
Hab ich ja jetzt gemacht. Und? Hast du jetzt 'nen Tipp?
Das hört sich so an, als ob du bei Bauchschmerzen sagst, „muß
ich jetzt gleich operiert werden?“
Naja, ich meinte nur, ob mein „Zustand“ schon so besorgniserregend ist, dass ich eben professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muss, oder ob evtl. die Chance besteht, dass ich es allein schaffen könnte.
Wenn du was dran tun willst,
ja, es ist möglich, aber es geht nicht von jetzt auf gleich
durch einen sogenanten „Tip“… es ist auf jedenfall „Arbeit“
- und Geduld - notwendig.
Und wie sähe diese Art von „Arbeit“ aus?
Bin schon gespannt auf Deine Antwort!
Es grüßt
Pustepluhme