'Agressionen' wenn sie nicht beachtet wird

Guten Abend,

ich habe mal eine Frage und hoffe Ihr könnt mir ein par Tips geben.
Ich lebe mit meiner Mutter alleine im gleichen Haushalt (d.h. ich habe eine kleine Kellerwohnung, das Schlafzimmer ist aber in ihrer Wohnung).
Nun kommt sie immermal runter um „guten Tag zu sagen“ bzw. „nach dem Rechten zu sehen“, schenke ich Ihr dann nicht die nötige Aufmerksamkeit, weil ich einen interessanten Film schaue, oder am PC beschäftigt bin, wird sie bockig und findet auch direkt etwas, was ihr nicht passt (Ventilator an, obwohl es Ihrer Meinung nach nicht warm ist (verbraucht ja Strom) und ähnliche Sachen), man merkt direkt, dass sie etwas sucht, um mir einen „reinzudrücken“. Da ich psychisch krank bin und die Zeit geniesen will, in der es mir gut geht, nervt das natürlich tierisch und zieht mich mit runter. Ich habe ihr schon oft gesagt, was ich davon halte, aber sie ist als Mutter ja typischer weise im Recht.
Wie geht man mit so einer Person um und was kann man dagegen machen?

Hallo,

eine psychische Erkrankung ist keine Generalabsolution für schlechtes Benehmen - auch wenn Betroffene das manchmal so betrachten. Die Welt dreht sich - Überraschung! - nicht ausschließlich um die eigene Befindlichkeit.

Heißt: Es ist nicht nur der Job deiner Mutter, Rücksicht auf dich zu nehmen, sondern auch deiner, angemessen freundlich mit ihr umzugehen. Wenn du das nicht willst, solltest du auch nicht in Anspruch nehmen, bei ihr zu wohnen und sonstige Serviceleistungen (die ich jetzt nur unterstelle) anzunehmen.

Grundsätzlich würden euch beiden vielleicht entsprechende Absprachen in Bezug auf „Besuchszeiten“, Finanzierung deines Lebensunterhaltes etc. helfen. Möglicherweise ließe sich dann auch dein Bedürfnis nach Privatsphäre mit dem Bedürfnis (oder der Notwendigkeit?) mütterlicherseits nach Kontrolle regeln.

Was tust du, um deine Erkrankung in den Griff zu kriegen?

Schöne Grüße,
Jule

Hallo,

ich glaube du schließt etwas voreilig, ich denk nicht, dass ich mich rechtfertigen muss, ich arbeite Vollzeit in einer WfbM und erledige alle arbeiten im Haus die für sie zu schwer sind, bin hilfsbereit (sofern es in meiner Macht steht) und beteilige mich an allen Kosten, ausserdem gehört mir 1/4 des Hauses, soviel zu meiner „Inaspruchnahme“. Im Normalfall schenke ich ihr auch die volle Aufmerksamkeit, nur ab und zu will man auch mal abschalten und seine Ruhe haben, das versteht sie halt nicht. Wenn das evtl. falsch rüber gekommen ist, entschuldige ich mich.

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Hallo,

das liest sich für mich tatsächlich anders, als dein erster Artikel :smile:.

Dann fahre ich mal den Sarkasmus zurück und bleibe beim zweiten Teil meiner Antwort: Absprachen treffen. Möglichst in einer entspannten Situation. Das wird sicher nicht zwingend bedeuten, dass diese Absprachen seitens deiner Mutter auch immer eingehalten werden. Ihr habt aber zumindest eine Verhandlungsbasis, auf die ihr euch berufen könnt.

Ganz ohne Reibereien funktionieren zwischenmenschliche Beziehungen nie. Hilfreich ist, wenn man eine sachliche Ebene als Ergänzung zur persönlichen hat.

Schöne Grüße,
Jule

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Dann fahre ich mal … zurück und bleibe beim
zweiten Teil meiner Antwort: Absprachen treffen.

Ich bin ehrlich gesagt ein wenig überrascht, wie schnell du erst in die eine und dann in eine andere Richtung fährst.

Selbst die nachgeschobenen Erklärungen lassen ausreichend Spielraum für Spekulationen über (auch wirtschaftliche) Abhängigkeiten. Auch das Alter ist nicht bekannt.

Beim Lesen deiner ersten Antwort habe ich doch schon reichlich geschluckt, weil ich für den Angriff ohne weitere Informationen keinen Spielraum gesehen habe. Selbst mit deinem Zurückrudern sind da aus meiner Sicht noch zu viele Fragezeichen.

Mir fällt zum Beispiel spontan die ein oder andere psychische Erkrankung ein, in der es durchaus eine relevante Rolle spielt, ob im direkten Umfeld persönliche Grenzen respektiert werden oder nicht, bei der es für die Stabilität des Betroffenen sehr relevant ist, ob „gute Momente“ einem regelmäßigen Störfeuer unterliegen und sich erst erkämpft werden müssen oder nicht. Immerhin sind in der Ausgangsfrage ja bereits Abgrenzungsversuche formuliert, die anscheinend ignoriert wurden.

Was ich zum Beispiel vermisse, ist die klare Feststellung, dass ein erwachsener Mensch (davon gehe ich jetzt mal aus), völlig egal, ob psychisch krank oder nicht, grundsätzlich das Recht hat, seine Privatsphäre abzugrenzen!

Davon ist in deinen beiden Antworten nichts zu lesen. Zunächst attestierst du ohne Anlass, dass sich jemand hinter seiner Krankheit verstecken will. In der zweiten Antwort ruderst du zwar zurück und sprichst von Absprachen, die werden aber gleich wieder dadurch relativiert, dass Mutter sich nicht dran hält (und das hinzunehmen ist - denn eine Lösung für den Fall bietest du nicht an).

Ich halte es für eine Antwort wirklich wichtig zu wissen, was die Rahmenbedingungen sind und welche Abhängigkeiten bestehen.

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Hallo,
brauchst du deine Mutter weil du krank bist?
Mütter sind von Natur aus sehr oft anstengend. Für viele Menschen ist es deshalb besser weiter entfernt zu wohnen! Sie haben einmal die helfende Rolle für den kleinen Säugling und später für das Kind übernommen und werden diese Rolle oft nicht mehr los. Das ist das Gesetz der Dinge. Also alles völlig normal und hat mit der Überschrift an sich nicht viel zu tun.
Sei also kreativ, wie du deine Mutter bei so kurzer Distanz vom Laibe berkommst. Was für Gefühle bei deiner Mutter dabei entstehen spielt überhaupt keine Rolle, damit muss nur sie klar kommen. Wenn du klar weist was du willst und das auch umsetzt, nützt das interessanterweise auch deiner Mutter. So kann sie sich vielleicht erst weiter entwickeln, auch wenn das für sie schmerzhaft werden könnte.

Es bringt doch nichts sich in den Antworten gegenseitig anzugreifen! Und wenn du helfen willst Janina is deine Formulieriung genauso ungünstig, auch wenn du an sich Recht hast. Ausserdem ist Jules Antwort allgemein und gut genug auch ohne spezielles Hintergrundwissen.
Daher back to topic

Wie alt seid ihr ca? (du und deine Mutter)
Wie äussert sich deine Erkrankung? (in Attacken, Phasen, ect)
Seit ihr vllt. gegenseitig abhängig?
…das alleine um ein paar Hintergründe zu klären. Du musst natürlich selbst wissen wieviel du von dir preisgeben möchtest. :wink:
Und an sonsten ist ne klare Aussprache wie Jule sie vorgeschlagen hat niemals verkehrt. Vielleicht sieht deine Mutter auch einfach nicht das du deine Freiräume brauchst/ Ruhe haben willst.
Und wenn deine Erkrankung schwerer ist, dann hast du evtl auch nen Therapeuten mit dem du das Problem parallel besprechen kannst.

Beziehungsweise… gibt es in deiner WfbM vielleicht Betreuer denen du dich anvertraunen kannst oder möchtest und der/die die Möglichkeit haben persönlich mit deiner Mutter zu sprechen?
Eine aussenstehende Person hat in so einem Gespräch noch eine ganz andere Wirkung als wenn du dich unter vier Augen mit deiner Mutter unterhälst.

freundlich grüßend
Dorgar

Es bringt doch nichts sich in den Antworten gegenseitig
anzugreifen!

Stimmt. Nur ist mein Beitrag kein Angriff. Und bevor es gegenseitig wäre, müsste sie ja auch „zurück schießen“. Da ich Jule aber nicht so einschätze, dass sie das als Angriff wertet, wird der Gegenangriff auch ausbleiben. Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.

Und wenn du helfen willst Janina is deine
Formulieriung genauso ungünstig, auch wenn du an sich Recht
hast. Ausserdem ist Jules Antwort allgemein und gut genug auch
ohne spezielles Hintergrundwissen.

Mit Verlaub, das hätte ein Politiker schreiben können. Ich bleibe im Übrigen bei meiner Einschätzung, dass in dem Fall ich die Antwort Jules für nicht Ziel gerichtet halte. Falls es dir entgangen sein sollte vorsichtshalber der Hinweis: Der Einwand bezieht sich weder auf die Person Jule und noch auf sonstige Beiträge von ihr. Beides schätze ich im Übrigen.

Wie alt seid ihr ca? (du und deine Mutter)
Wie äussert sich deine Erkrankung? (in Attacken, Phasen, ect)
Seit ihr vllt. gegenseitig abhängig?

Das ist jetzt aber nett, dass du exakt die Fragen, die ich aufgeworfen habe, noch einmal formulierst. Ich hatte allerdings nach den beiden Beiträgen des UP nicht den Eindruck, dass das erforderlich ist. Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

Und an sonsten ist ne klare Aussprache wie Jule sie
vorgeschlagen hat niemals verkehrt. Vielleicht sieht deine
Mutter auch einfach nicht das du deine Freiräume brauchst/
Ruhe haben willst.

Richtig, genau das scheint der Fall zu sein, obwohl sich der UP schon artikuliert hat. Insofern müsste man bei der Grenzziehung einen Schritt weiter gehen. Aber genau dafür braucht man Hintergrundinfos.

Und wenn deine Erkrankung schwerer ist, dann hast du evtl auch
nen Therapeuten mit dem du das Problem parallel besprechen
kannst.

Beziehungsweise… gibt es in deiner WfbM vielleicht Betreuer
denen du dich anvertraunen kannst oder möchtest und der/die
die Möglichkeit haben persönlich mit deiner Mutter zu
sprechen?

Das sind dagegen sehr zweckmäßige Vorschläge, die auch ausreichend Spielraum für die individuelle Situation geben.

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Hallo Janina,

Ich halte es für eine Antwort wirklich wichtig zu wissen, was die Rahmenbedingungen sind und welche Abhängigkeiten bestehen.

Du hast völlig Recht mit dem, was du schreibst. War ganz offensichtlich nicht mein bester Tag. Danke fürs Kopfzurechtrücken.

Schöne Grüße,
Jule

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Guten Morgen,

Wie geht man mit so einer Person um und was kann man dagegen
machen?

Ich bin mir nicht sicher, ob man etwas „dagegen“ tun muss.

Hilfreich ist es, wenn man sich Gedanken zu Ursachen und Motivation des Gegenüber für dessen Verhalten macht. Nur als Beispiel: Es könnte sein, dass deine Mutter eine gewisse Einsamkeit verspürt. Während du in Vollzeit beschäftigt bist und sie zuhause alleine verbringt? Sie sucht Ansprache, Kontakt, will einfach nur mit ein wenig reden. Ihre Einsamkeit (du bist ihre einzige wirkliche Bezugsperson?) mildern.

Oder sie macht sich tatsächlich Sorgen. Wegen dir, wie es dir momentan geht (sie hat doch Erfahrung mit und wegen dir). Wegen der PC-Beschäftigung. Oder wegen der von dir angesprochenen Kosten, auch dass ist kein verwerfliches Verhalten (sie will schon jetzt mit Sparen für deine Zukunft sorgen, wenn sie einmal nicht mehr da ist). Ihr Verständnis zur „richtigen Art“ des Lebens unterscheidet sich einfach deutlich von deinem. Das ist normal.

Dass ihre Versuche dir kläglich erscheinen und du es als Aggression empfindest, liegt vermutlich auch daran, dass du mit Genervtheit reagierst. Ein mittlerweile eingespieltes gegenseitiges Geben und Nehmen, mit entsprechenden Erwartungen. Mein erster Ansatz wäre, ihre Besuche vorerst einmal bewusst gelassener hinzunehmen, dir ein paar Minuten bewusst Zeit zu nehmen, freundlich anstelle abweisend zu begegnen. Beide Seiten müssen in irgendeiner Form mit ihren eigenen Interessen zurückstecken, wenn sie die Situationen ändern möchten. Du könntest den Anfang machen. Und wenn du dir hinsichtlich ihrer Motivationen im Klaren bist, dann findest du auch eher Ansätze etwas zu verändern.

Dem Alltagstrott kann man immer wieder entgehen, wenn man aufeinander zugeht und spontan etwas gemeinsam unternimmt. Vielleicht kannst du die Atmosphäre dahingehend auflockern, wenn du sie mit gelegentlichen gemeinsamen Aktivitäten überraschst.

Franz