Ich habe ein zusammenfassendes Buch von Augustinus gelesen. Ich bin sehr beeindruckt von seinen noologischen Gottesbeweisen… doch wurde mir gesagt, dass thomas von aquin auf andere weise das Dasein von gott begründet.
Könntet ihr mir ev. helfen deren kontrast oder besser gesagt deren versschiedenen Ansichten zu definieren…
mein Versuch:
Augustinus: Die liebe zu gott beinhaltet die gesamtheit dieser Transzendenz. (subjektive meinung dass liebe eine Transzendenz sei.) Wie z.b.: die liebe des kindes zur mutter, später die liebe zur Freundin/ Ehefrau,…
Thomas von Aquin: er denkt, dass man auch in der liebe zu seinem kind die liebe zu gott finden kann.
es hat in der Philosophiegeschichte mehrere sogenannte „Gottesbeweise“ gegeben. Deren Ziel war aber weniger, Argumente gegen den Zweifel an der „Existenz“ Gottes zu finden, als vielmehr die Möglichkeiten des Verstandes auszuloten: Wieweit kann man Inhalte des Gottesglaubens mit Vernunftgründen rekonstruieren? Unter „Transzendenz“ (das Übersteigen) verstand man die unzweifelbare Fähigkeit der Verstandes, etwas zum Denkinhalt zu machen, das ihn selbst übersteigt. Beispiel dafür ist die Bestimmung zu einem Gottesbegriff „deus semper maior“ (Gott immer größer … ergänze: als alles was man denken kann): Da dies wiederum ein Gedanke ist, kann der Verstand also etwas größeres als sich selbst denken (da er ja darüber eine Aussage macht) …
Der Gottesbeweis des Thomas v. Aquin geht dabei nur einen anderen Weg als Augustinus. Augustinus geht vom Wesen des Menschen aus. Aus der Tatsache, daß der Mensch von Natur aus in seinem Denken und Sehnen ein höchstes Ziel anstrebe, schließt er, daß diese Ziel auch existieren müsse. Thomas geht jedoch von der Beobachtung der Realität aus und schließt sich dabei an einen Gedanken des Aristoteles an: Weil alles, was ist, von anderem bewegt wird (ens ab alio, seiend durch anderes), muß es einen Beweger geben, der selbst nicht mehr von anderem bewegt wird, bzw. sein eigener Beweger ist (ens a se, seiend aus sich).
Diese beiden Gedankengänge schließen sich keineswegs gegenseitig aus.
Literatur dazu, gibt es viel. Empfehlenswert und lesbar finde ich
Konrad Cramer: Die Gottesbeweise und ihre Kritik (1967, gegen Gottesbeweise, merkwürdigerweise ohne ISBN, aber in jeder guten Bibliothek als Standardwerk ausleihbar), ein Buch das sehr verständlich geschrieben ist.
Weiter empfehlenswert finde ich
William J. Hoye: Gotteserfahrung? (1993, eher pro Gottesbeweise, sehr am Erleben orientiert) -
ISBN: 3-545-24111-4 Buch anschauen .
Und anscheinend gibt es inzwischen auch neuere Versuche, wie
Reinhard Löw: Die neuen Gottesbeweise (1994 bzw. 1998)
zeigt - ISBN: 3-86047-465-0 Buch anschauen .
Das letztere Buch habe ich nicht gelesen, aber Löw ist auch ein klar strukturierter Schreiber.
zum thomistischen Gottesbeweis und den Wegen des Glaubens empfehle ich (und jetzt wirds haarig) Dir die Bücher von Jean-Pierre Torrell, O.P. Sind allerdings auf Französisch und die einzige Übersetzung ist bei Amazon aus… ich verlinke sie trotzdem: [Torrell, Magister Thomas]
Und ganz spezifisch für Deine Frage (neu aufgelegt und bei Vestigia in Fribourg erschienen ): [Torrell, Maître spirituel]
Viel Spass
Unser ‚speculum universaliter‘…
Danke für den Verweis, das wusste ich wirklich nicht und ich bin auch gar nicht drauf gekommen danach zu suchen…
Ich bin immer wieder erstaunt, was Du so alles aus dem Ärmel zauberst…
*Hut zieh*
Ich bin immer wieder erstaunt, was Du so alles aus dem Ärmel
zauberst… *Hut zieh*
nein, das ist kein Grund, den Hut zu ziehen. Lehmanns gehört seit langem zu meinen Favoriten, weil sich dort manches bestellen lässt, was sich anderswo nicht einmal aufgelistet findet - eine großartige Buchhandlung, z. B. mit einem großen Angebot an amerikanischen Dissertationen, deren Bestellung zwar oft länger dauert, sonst aber eben nirgendwo bestellbar ist.