Guten Morgen!
Hast Du die Zeit einmel mitgestoppt, die zwischen Bemerken des Angriffs und letztem Tritt vergangen ist? Es handelt sich um weniger als drei Sekunden.
Als der Angreifer am Boden lag, war der Angriff definitiv beendet und objektiv keine Notwehrlage mehr gegeben. Ich finde es daher auch gar nicht so schwierig, zu entscheiden, ob die Tritte durch Notwehr gedeckt waren oder nicht: Sie waren es nicht. Und wenn der Torwart sagt, er hätte geglaubt, dass der Typ bewaffnet gewesen sei, halte ich das für taktisch extrem unklug. Da hätte er am besten mal gar nichts gesagt. Es ist nicht ersichtlich, inwieweit es erforderlich ist, nicht davon zu rennen, sondern in der unmittelbaren Nähe des Opfers zu verweilen, wenn man glaubt, dass dieses eine Waffe in der Hand hält.
Aber wie gesagt: Drei Sekunden. Wenn man beim Betrachten des Videos die beiden Wörter „Schrecksekunde“ und „Reflexhandlung“ murmelt, dann ist die Szene auch schon vorbei. Ich sehe auch nicht, dass der Torwart von den MItspielern weggedrängt werden musste. Er hat von sich aus aufgehört mit dem Treten und nicht versucht, sich loszureißen und erneut anzugreifen. Ich habe 100% Verständnis für sein Verhalten. Aus 95% der Leute, die großspurig daherreden, als Fußballprofi müsse man sich besser im Griff haben, spricht nach meiner Überzeugung der reine Sozialneid.
Zurück zum Rechtlichen: Notwehr scheidet aus, mit dem Erlaubnistatbestandsirrtum kann ich mich gerade noch so anfreunden, wobei ich die oben geäußerten Bedenken hege: Wenn jemand bewaffnet ist und ich kann abhauen, ist es nicht erforderlich, auf ihn einzutreten, denn das würde ja eine gefährliche Reaktion des Bewaffneten nur provozieren.
Für mich ist es ein klarer Fall des „nachzeitigen extensiven Notwehrexzesses“. Damit ist das Verhalten des Torwarts nicht nach § 32 StGB gerechtfertigt, aber nach § 33 StGB entschuldigt.
Aufgrund der Rechtswidrigkeit geht übrigens auch die rote Karte vollkommen in Ordnung. Auch dass die Mannschaft im Anschluss das Stadion geschlossen verlassen hat, genießt meinen hohen Respekt.