Hallo Fritz,
Auch ich stockte beim Lesen ganz kurz bis mir meine
Grammatikkentnis sagte: Susi kann Dativ und Akkusativ sein.
Ja, das kann „Susi“ zwar sein, aber der Satzteil muss sich hier schon entscheiden, ob er Dativ oder Akkusativ sein möchte, beides gleichzeitig geht in diesem Fall nicht, weil Susi als Akkusativ eine obligatorische Ergänzung des Verbs „auslachen“ ist, hingegen nur eine fakultative des Verbs „kriechen“.
(vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Valenz_%28Linguistik%29 )
Die einzig möglichen Varianten sind also, wie dein Sprachgeühl dir schon richtig sagt, diejenigen mit Wiederaufnahme von Susi als Pronomen (oder nochmals als Nomen) im richtigen Kasus:
„Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du Susi auslachen oder ihr/Susi in den Hintern kriechen willst“
oder
„Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du Susi in den Hintern kriechen willst oder sie/Susi auslachen willst“.
Selbst bei einer passenden Subjekt-Prädikatskongruenz wird diese Notwendigkeit der Wiederaufnahme von den meisten Sprechern empfunden, auch wenn zwei mit „und“ verkettete (Pro-)Nominalformen im Nominativ grammatisch als _ein_ Subjekt im Plural analysiert werden können.
Du und Petra, _ihr_ geht jetzt nach Hause, Heinz und ich(, wir) gehen noch einen Absacker trinken.
Nach meinem Sprachempfinden könnte man das „wir“ für „Heinz und ich“ zwar weglassen, nicht aber das „ihr“, das „du und Petra“ wieder aufnimmt, da die Form „geht“ formal nicht nur die 2.Person Singular, sondern auch die 3.Person Singular sein könnte und es mit Du" dann anders als mit „Petra“ nicht mehr kongruent klingt.
Den Satz „*Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du Susi auslachen oder in den Hintern kriechen willst“ kann man auch nicht als Syllepse (eine Spezialform der Ellipse) analysieren, an der dann stilistisch nichts auszusetzen wäre:
„Ihr sucht euren Vorteil, wir unseren.“
(vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Syllepse )
Auch hier wird ein inhaltlich identischer, nur formal verschiedener Satzteil (das Verb „suchen“ im Plural) weggelassen, was dazu führt, dass das Subjekt „wir“ im zweiten Hauptsatz kein explizit passendes Verb mehr hat.
Bei dem Satz mit Susi führt das Weglassen der fakultativen Dativergänzung aber zu unfreiwilliger Komik, ähnlich wie bei der Stilblüte
„Vor ihm gähnte der Abgrund und hinter ihm der Feind!“
Das Weglassen von „war“ als Prädikat des Subjekts „Feind“ ist hier nicht möglich, weil die üblicherweise auch ohne vorherige explizite Nennung legitime Ellipse des Verbs „sein“ hier dazu führt, dass der Satz als Zeugma interpretiert wird.
(vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Zeugma_%28Sprache%29 )
Man ergänzt also hier unbabsichtigt nicht „war“ sondern „gähnte“ nach seinem ersten Gebrauch in übertragener Bedeutung (der Abgrund gähnte [klaffte]) an der fehlenden Prädikatsstelle nochmals in konkreter Bedeutung. [Der Feind war müde.]
Gruß Gernot