Akkusativ/Dativ-Verbindung mit/ohne Pronomen

Hallo,
ich habe gerade in einem anderen Forum etwas geschrieben, das mir irgendwie fragwürdig vorkam (Namen natürlich geändert und Formulierung auch leicht entschärft *g*):

Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du Susi auslachen oder in den Hintern kriechen willst (…)

jmd. auslachen -> Akkusativ
jmd. in den Hintern kriechen -> Dativ

mit Pronomen also:
Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du sie auslachen oder ihr den Hintern kriechen willst (…>

Kann man im ersten Fall nur einmal „Susi“ stehen lassen? Grammatikalisch sind das ja trotz gleicher Form irgendwie zwei verschiedene Susis…

Wer weiß was?

Danke,
#.

Hallo,

Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du Susi
auslachen oder in den Hintern kriechen willst (…)

Kann man im ersten Fall nur einmal „Susi“ stehen lassen?

Ja, da die Susi im Dativ und im Akkusativ gleich lautet nämlich Susi! :wink:

Ich tät aber trotzdem so formulieren:

Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du Susi auslachen oder ihr in den Hintern kriechen willst (…)

So wird diese Unsicherheit, die du bei deiner Formulierung spürst, vermieden.

Auch ich stockte beim Lesen ganz kurz bis mir meine Grammatikkentnis sagte: Susi kann Dativ und Akkusativ sein.

Gruß Fritz

Hallo Fritz,
Schön, wieder von dir zu lesen!
Ich benütze die Gelegenheit, eine Frage anzubringen, die ich schon lange „mit mir herumtrage“:
Bei mir geht immer ein Warnlämpchen an, wenn ich deutsche Pluralformen mit einem -s lese, wie hier: „zwei Susis“
Das dünkt mich einfach gleich falsch wie „zwei Kinders“ (bis jetzt noch nicht gelesen).
Kannst du mir bitte sagen, wie/was/warum richtig/falsch ist?
vielen Dank
Erich

Plural-s
Hallo, Erich!

Bei mir geht immer ein Warnlämpchen an, wenn ich deutsche
Pluralformen mit einem -s lese,

Nun, davon gibt es inzwischen die Menge; „Jungs“, „Kerls“, und „Mädels“ gabs schon im Kaiserreich

wie hier: „zwei Susis“

Dieses Plural-s ist nicht zu beanstanden. So wie Omas und Opas, Autos und Machos, Tommys und Babys, Ossis und Wessis etc.

Die Regel sagt, dass Kurzwörter - Omas, Autos - und Kunstwörter - Ossis, Wessis- den Plural mit -s bilden.

Gruß Fritz

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Hallo Fritz
Vielen Dank. Ich habe die Verdrahtung in meiner Warnlampenschaltung entsprechend angepasst.
Erich

Hallo Fritz,

Auch ich stockte beim Lesen ganz kurz bis mir meine
Grammatikkentnis sagte: Susi kann Dativ und Akkusativ sein.

Ja, das kann „Susi“ zwar sein, aber der Satzteil muss sich hier schon entscheiden, ob er Dativ oder Akkusativ sein möchte, beides gleichzeitig geht in diesem Fall nicht, weil Susi als Akkusativ eine obligatorische Ergänzung des Verbs „auslachen“ ist, hingegen nur eine fakultative des Verbs „kriechen“.

(vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Valenz_%28Linguistik%29 )

Die einzig möglichen Varianten sind also, wie dein Sprachgeühl dir schon richtig sagt, diejenigen mit Wiederaufnahme von Susi als Pronomen (oder nochmals als Nomen) im richtigen Kasus:

„Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du Susi auslachen oder ihr/Susi in den Hintern kriechen willst“

oder

„Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du Susi in den Hintern kriechen willst oder sie/Susi auslachen willst“.

Selbst bei einer passenden Subjekt-Prädikatskongruenz wird diese Notwendigkeit der Wiederaufnahme von den meisten Sprechern empfunden, auch wenn zwei mit „und“ verkettete (Pro-)Nominalformen im Nominativ grammatisch als _ein_ Subjekt im Plural analysiert werden können.

Du und Petra, _ihr_ geht jetzt nach Hause, Heinz und ich(, wir) gehen noch einen Absacker trinken.

Nach meinem Sprachempfinden könnte man das „wir“ für „Heinz und ich“ zwar weglassen, nicht aber das „ihr“, das „du und Petra“ wieder aufnimmt, da die Form „geht“ formal nicht nur die 2.Person Singular, sondern auch die 3.Person Singular sein könnte und es mit Du" dann anders als mit „Petra“ nicht mehr kongruent klingt.

Den Satz „*Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du Susi auslachen oder in den Hintern kriechen willst“ kann man auch nicht als Syllepse (eine Spezialform der Ellipse) analysieren, an der dann stilistisch nichts auszusetzen wäre:

„Ihr sucht euren Vorteil, wir unseren.“
(vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Syllepse )

Auch hier wird ein inhaltlich identischer, nur formal verschiedener Satzteil (das Verb „suchen“ im Plural) weggelassen, was dazu führt, dass das Subjekt „wir“ im zweiten Hauptsatz kein explizit passendes Verb mehr hat.

Bei dem Satz mit Susi führt das Weglassen der fakultativen Dativergänzung aber zu unfreiwilliger Komik, ähnlich wie bei der Stilblüte

„Vor ihm gähnte der Abgrund und hinter ihm der Feind!“

Das Weglassen von „war“ als Prädikat des Subjekts „Feind“ ist hier nicht möglich, weil die üblicherweise auch ohne vorherige explizite Nennung legitime Ellipse des Verbs „sein“ hier dazu führt, dass der Satz als Zeugma interpretiert wird.

(vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Zeugma_%28Sprache%29 )

Man ergänzt also hier unbabsichtigt nicht „war“ sondern „gähnte“ nach seinem ersten Gebrauch in übertragener Bedeutung (der Abgrund gähnte [klaffte]) an der fehlenden Prädikatsstelle nochmals in konkreter Bedeutung. [Der Feind war müde.]

Gruß Gernot

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Hallo Fritz,

Die Regel sagt, dass Kurzwörter - Omas, Autos - und
Kunstwörter - Ossis, Wessis- den Plural mit -s bilden.

Nein, so einfach ist die Regel nicht: ob das Wort kurz oder künstlich ist, ist weniger von Belang als vielmehr, ob es sich um einen Eigennamen oder um ein Nomen mit betimmtem Silben- und Akzentmuster und langem volkalischem Auslaut handelt.

(Vgl.: http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Inflecti… )

(vgl.: http://www.linguistik-online.de/3_99/wegener.html )

Gruß Gernot

Hallo, Gernot,

da wird sich Erich aber freuen, dass er es nun so genau nachlesen, es so genau verstehen und es sich so genau merken kann.

Tolle Links! Vor allem der zweite!

(Vgl.:
http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Inflecti…
)
(vgl.: http://www.linguistik-online.de/3_99/wegener.html )

Gruß
Fritz

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Auch hier, lieber Gernot,

freue ich mich sehr über deine Ausführungen. Ich gestehe aber, dass ich weitaus lässlicher bin als du.

„Vor ihm gähnte der Abgrund und hinter ihm der Feind!“

Erinnert an:

„Meine Damen und Herren, ich heiße Heinz Erhard und sie recht herzlich willkommen!“

Gruß Fritz

Hallo Fritz,

freue ich mich sehr über deine Ausführungen. Ich gestehe aber,
dass ich weitaus lässlicher bin als du.

Ich wusste gleich, dass du jetzt meine Ausführungen goutieren würdest, ich bin aber nicht weniger lässlich als du. Ich hatte nur „im Moment“ den Vorteil, dass ich mir meine Antwort zwangsweise 24 Stunden lang überlegen musste, bevor ich sie als Neu-Angemeldeter abschicken durfte. :wink:

Gruß Gernot

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Nun dann herzlich willkomen hier, lieber Gernot!

Du scheinst ein Gewinn zu sein! Und auch aus der Ecke „Deutsch als Fremdsprache“!

Auf gute Zusammenarbeit! Deinen zweiten Link habe ich zu meinen Favoriten getan.

Beste Grüße
Fritz

Hallo Gernot und Fritz

da wird sich Erich aber freuen, dass er es nun so genau
nachlesen, es so genau verstehen und es sich so genau merken
kann.
Tolle Links! Vor allem der zweite!

Ja, da kann ich nur voll zustimmen. Aber getraut sich da noch jemand, einen Plural anzuwenden?
Ich habe gelernt: Die deutsche Sprache ist in stetiger Bewegung; das ist schön, aber auch mühsam!
Ich werde dennoch die mir sehr „nordisch“ erscheinenden Wörter eher meiden, und bevorzuge z.B. Knabe/Knaben vor Junge/Jungs.
Vielen Dank für die Anregungen
Erich

Ich tät aber trotzdem so formulieren:

Du kannst Dich gerade auch nicht entscheiden, ob Du Susi
auslachen oder ihr in den Hintern kriechen willst (…)

So wird diese Unsicherheit, die du bei deiner Formulierung
spürst, vermieden.

Ja, wenn ich noch könnte, würde ich es auch so schreiben. Aber ist ja zum Glück nur Internet und sicherlich eh niemandem außer mir aufgefallen. :wink:

Gruß,
#.