Guten Abend!
Seit einiger Zeit beschäftigt mich ein Thema, auf das ich gerne eine Antwort hätte, da ich selbst noch nicht zu einer Lösung gekommen bin.
Zurzeit gibt es ja eine Diskussion zu „Sterbehilfe - Ausbau der Palliativmedizin oder aktive Sterbehilfe in Extremfällen“. Momentan ist die Rechtslage ja so (ich hoffe, ich liege da richtig…), dass zumindest passive Sterbehilfe im Rahmen einer Patientenverfügung und eines willigen Mediziners durchaus erlaubt ist. Aktive Sterbehilfe ist aber nach wie vor verboten. Als Argument der Ärzte wird dabei eine Unvereinbarkeit mit dem hippokratischen Eid angeführt. Doch in anderen Ländern ist Sterbehilfe auch erlaubt und der Eid, den ein Arzt leisten muss ist auch überall gleich. Also warum haben (abgesehen von der Gesetzeslage) gerade deutsche Ärzte so ein Problem mit Sterbehilfe?
Schon mal ein herzliches Dankeschön im Voraus!
LG
chika
Du bist falsch informiert: Der hippokratische Eid wird schon lange nicht mehr geleistet. Wenn man ihn nämlich korrekt anwenden würde, dürfte kein Arzt nach Ableistung des Eides chirurgisch tätig werden noch Abtreibungen durchführen.
Du bist falsch informiert: Der hippokratische Eid wird schon
lange nicht mehr geleistet.
Aber das Genfer Gelöbnis…
Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich feierlich:
mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.
Ich werde meinen Lehrern die schuldige Achtung und Dankbarkeit erweisen.
Ich werde meinen Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben.
DIE GESUNDHEIT MEINES PATIENTEN SOLL OBERSTES GEBOT MEINES HANDELNS SEIN.
Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod des Patienten hinaus wahren.
Ich werde mit allen meinen Kräften die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten.
Meine Kolleginnen und Kollegen sollen meine Schwestern und Brüder sein.
Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung.
Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden.
Dies alles verspreche ich feierlich frei und auf meine Ehre.
Liebe Grüße,
(B)Engel
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Okay dann eben so: - hippokratischer Eid + ärztlicher Ethos
Dann habe ich wohl den (http://www.aerzteblatt.de/v4/blogs/beitrag.asp?id=42037) Artikel falsch verstanden…
Hallo,
Also warum
haben (abgesehen von der Gesetzeslage) …
Warum „abgesehen von der Gesetzeslage“? Würdest du ins Gefängnis gehen wegen so einer Sache, als Arzt meine ich?
… gerade deutsche Ärzte
so ein Problem mit Sterbehilfe?
Das mag wiederum etwas mit der deutschen Vergangenheit zu tun haben. Bei näherem Interesse an diesem Thema ist dieser Link interessant: http://www.gedenkstaette-hadamar.de/webcom/show_arti…
Schöne Grüße
Petra
Moin,
Also warum haben (abgesehen von der Gesetzeslage) gerade deutsche Ärzte so ein Problem mit Sterbehilfe?
die deutsche Vergangenheit wurde schon angesprochen. Ich denke das ist der Hauptgrund für die Vorsicht die in der Frage der Euthanasie spielt.
Ist auch ein schwieriges Thema. Ich lebe in einem Land in dem begrenzt und mit Auflagen Euthanasie möglich ist. Auch hier wird viel darüber diskutiert. Zur Zeit z.B. unter dem Motto ‚Ein vollendetes Leben‘.
Auch hier haben Ärzte oft Probleme damit und versuchen Patienten davon abzubringen. Ich kann das schon verstehen. Jemandem ein Mittel zu verabreichen, das ihn tötet ist nicht so einfach zu verkraften. Hier wird inzwischen oft der - eigentlich nicht da für gedachte Weg der ‚palliativen Sedation‘ als ‚Notlösung‘ beschritten.
Gruß…lux
Warum „abgesehen von der Gesetzeslage“? Würdest du ins
Gefängnis gehen wegen so einer Sache, als Arzt meine ich?
Nein natürlich nicht… Nehmen wir mal an, es wäre nicht so - würden sich die Ärzte dann immer noch dagegen entscheiden? Und wenn sich alle Ärzte (oder ein großer Teil) dafür aussprechen würde - würden dann vielleicht die Gesetze geändert?
Das mag wiederum etwas mit der deutschen Vergangenheit zu tun
haben.
Das stimmt. Aber ich denke, dass einfach nur das Wort „Euthanasie“ negativ belegt ist. Immerhin gibt es ja einen Unterschied zwischen „freiwillig“ und „unfreiwillig“ bzw. dem Wunsch zu sterben und der „Notwendigkeit“ zu sterben (wer auch immer an dieser „Notwendigkeit“ schuld ist)…
LG,
chika
Hallo,
ich glaube deine Wahrnehmung täuscht. Deutsche Ärzte haben kein besonders großes Problem mit Sterbehilfe. Sie wird auch z. T. unter Dehnung geltenden Rechtes tagtäglich praktiziert.
Es gibt einige wenige Länder in denen Sterbehilfe freizügiger geregelt ist. Aber auch dort sind nicht alle Ärzte davon begeistert oder nehmen überhaupt daran teil. In den meisten Ländern sind die praktischen Bedingungen nicht wesentlich anders als in Deutschland - die rechtlichen oft noch strenger.
Gruß
Werner
Ich studiere Medizin und kein Arzt hier an der Uniklinik kann sich daran erinnern, einen solchen Eid geleistet zu haben. Auch nicht das Genfer Ärztegelöbnis. Von einem Eid steht auch nichts in unserer Prüfungs- und Studienordnung bzw. der ÄAppO.
Kurzum: Arzt wird, wer sein Medizinstudium erfolgreich mit Ablegung des Staatsexamens beendet und die Approbation ausgehändigt bekommen hat. Kein Eid, kein Gelöbnis.
Der Eid wird manchmal zu Argumentationszwecken bzw. als Richtschnur für ethisches Handeln herangezogen, auch wenn kaum einer mehr den Eid ableistet, schon gar nicht verpflichtend… So ist halt die Diskussionskultur. 
Warum „abgesehen von der Gesetzeslage“? Würdest du ins
Gefängnis gehen wegen so einer Sache, als Arzt meine ich?
Nein natürlich nicht… Nehmen wir mal an, es wäre nicht so -
würden sich die Ärzte dann immer noch dagegen entscheiden? Und
wenn sich alle Ärzte (oder ein großer Teil) dafür aussprechen
würde - würden dann vielleicht die Gesetze geändert?
Das ist nun völlig hypothetisch und außerdem wohl nicht richtig im Brett Rechtsfragen angesiedelt.
Ich vermute aber, dass bei einer freizügigeren Rechtslage manches was nun im verborgenen läuft, einfach erst mal öffentlicher stattfinden würde und dass es auch eine gewisse Ausweitung der Fälle geben würde.
Die Hemmung bei aktiver Sterbehilfe ist aber sicher kein berufsspezifisches Phänomen, sondern darin kommt eine gesellschaftliche Werthaltung zum Ausdruck.
Auch wenn viele Außenstehende (in Umfragen) aktive Sterbehilfe fordern, dann sähe das in der konkreten Situation, wenn man solches von den Befragten selbst verlangen würde, m. E. ganz anders aus.
Es ist in der Diskussion nach meinem Eindruck auch ein wenig unehrlich, wenn den Ärzten hier der Schwarze Peter zugeschoben wird. Warum ist der Arzt dafür verantwortlich? Die Ärzte sind oft nicht diejenigen, die betroffene Patienten am besten kennen. Jemanden töten könnte jeder, oft sogar der betroffene sich selbst. Da muss ich entweder ein unreifes sich vor der Verantwortung drücken annehmen, oder es steckt kein ernsthafter Todeswunsch dahinter.
Aktive Sterbehilfe bei nicht Entscheidungsfähigen Menschen stellt natürlich ein besonderes Problem dar, dass aber Mediziner auch kaum aus eigener Machtvollkommenheit lösen können.
Gruß
Werner