Hallo,
vielen Dank für Deine Antwort. Eigentlich möchte ich auf folgendes hinaus : Der Staat, der Privathaushalt, und auch die Firmen (so denn diese drei Begriffe es weitestgehend abdeken) verschulden sich zunehmend. Beim Staat ist es offensichtlich, beim privaten Bereich wohl ebenso. Die Sparquote mag hoch sein, aber am unteren Ende säuft alles ab. Und auch wer spart, kann sich verschulden. Mein Eindruck ist, dass es den Firmen nicht viel besser geht. Inzwischen habe ich hier gehört, dass dem wohl nicht so sei. Glauben kann ich das nicht so ganz. Firmen aus der heumatlichen Region sehen bei https://www.ebundesanzeiger.de/ebanzwww/wexsservlet? nicht so gesund aus, kann natürlich auch an der Region liegen. Aber wieso haben die grossen Autobauer durchweg erstmal 45 Mrd. Kredite an der Waffel ? Pro gebautes Auto zahlen die durchschnittlich 1.800€ zu. Wie wollen die da nach „cash is king“ kommen ? Irgendwie falsch abgebogen, denke ich. Also mal zu Deinen Zeilen,
… was kein Wunder ist. Wirtschaft will Geld und Banken
(gleich dem gebrannten Kind, das das Feuer scheut) wollen
nicht so rasend gern welches verborgen.
Verbrennen sich an der Herdplatte und greifen desjaöb nicht mehr in den Kühlschrank ?
Dazu kommt die
Tatsache, dass nicht so gern Geld verborgt wird, wenn die
Wirtschaftserwartung schlecht ist.
Schätze eher, die machen mit anderen Sachen (inzwischen und immer noch) mehr Profit (siehe enorme existierenden Geldmengen, die einfach nicht in Firma oder Privat kommen)
Ich kenn die historische Entwicklung der deutschen MWSt.-Sätze
nicht genau genug. Ausschaun tuts aber nach einer
schrittweisen Entwicklung, vielleicht folgend der Tatsache,
dass unter Umständen auch ein Staat ein lernendes Unternehmen
ist. Vielleicht auch ein Hinweis auf die Ansicht, dass der
Staatssektor per se immer größer wird (vgl.
Leviathan-Hypothese bei Hobbes).
Sollte diese Ansicht stimmen, dann bedeutet das doch, dass wir alle den Astrid Lindgrin Tod sterben werden: Mehr Steuern bezahlen, als wir verdienen.
Hast Du es nicht ein wenig genauer ? Wäre hilfreich.
Der Staat ein lernendes Unternehmen, indem er den Bürgern die Luft und die Freiheit und das Geld nimmt ?
- Was wäre passiert, hätte die Politik relativ früh die 19%
MWSt. eingeführt ?
Das hängt von der Inzidenz ab. Soll heißen, in wie weit können
Wirtschaftsbetriebe Steuerlasten auf Endverbraucher
überwälzen. Das ist von Produkt zu Produkt (oder je nach
Sparte) unterschiedlich. Die Diskussion hat unter anderem
etwas mit Substitutionseffekten zu tun (führt aber hier zu
weit).
Mit verlaub, absoluter Quatsch. Mehrwertsteuer wird durch die Betriebe durchgereicht und kommt in voller Wucht beim Endverbraucher an. Wirtschaftsbetriebe haben damit überhaupt keine (ausser dem zeitlichen Verzögerungseffekt) Lasten oder Kosten. Bin weder BWLer noch VWLer, habe nur eine kleine Klitsche und die soll halt überleben. Daher das Interesse. Harakiri kann ich auch ohne äussere Hilfe machen.
Nochmal : Warum wurde die MWST in Stufen angehoben, belastet dass nicht die Bevölkerung (VWL) zunehmend so stark, dass das Gesamtsystem so geschwächt wird, dass die Dynamik vollends flöten geht ?
Nochmal : Warum machen wir das heute mit, und nicht am Anfang, als es das Wirtschaftswunder gab, wo man es doch hätte verkraften können ?
Nochmal : D zahlt heute 25% der Steuern nur, um die bestehenden Schuldlasten (ohne Tilgung) zu bezahlen. Sprich : 1/4 weniger Steuern wären möglich, hätten wir schon früher die heutige MWSt bezahlt.
- Die Wirtschaft hätte man damit abgewürdt (und warum heute
nicht ?)
Das - siehe oben - hängt von dieser Überwälzbarkeit ab. Wenn
die gegeben ist, zahlen du und ich die Rechnung (die 19%).
Wenn nicht, hätte es in der noch eher geschlossenen Wirtschaft
BRD einen Verdrängungswettbewerb gegeben. Ausgang spekulativ.
Ja, Staat oder Privatleute, schätze ich mal. Siehe oben.
- Die Staatsverschuldung findet systembedingt immer statt.
Naja, wenn du Neoklassiker (aka Wirtschaftsliberaler) bist,
dann nicht. Dort steckt die Annahme dahinter, dass sich der
Markt am besten selber reguliert. Staatsverschuldung gibts nur
dann, wenn Staat Geld in die Hand nimmt und was-auch-immer
finanziert. Allerdings gibts historische Überschneidungen.
Deshalb mein Hinweis auf das Mittelalter, inzwischen haben wir es dunkel, blühend, und feucht.
Zudem ist die Verschuldungsdiskussion innerhalb der VWL quasi
eine ewige.
So genau wollte ich es eigenlich nicht wissen.
- Kann es sein, dass das System die Firmen immer weiter dazu
drängt, Ergebnisse aus der Firma zu nehmen und diese damit
anfällig für finanzielle Probleme zu machen (kein Polster) ?
Wenn du mit ‚System‘ ‚Marktwirtschaft‘ meinst, dann sehe ich
den Trend eher nicht.
Kannst Du das untermauern ? 56% mehr Firmenpleiten, Kreditklemme, Massenentlassungen, unsichtbar ?
- Was sind die fundamentellen Ursachen, weshalb sich gesunde
Firmen zusehends in kranke Firmen wandeln ?
Auch diesen Trend sehe ich so nicht. Problematisch wegen
internationaler Wirtschaftsverflechtungen sind aufgrund der
Wirtschaftskrise wegbrechende Nachfragemärkte. Es lässt sich
aber nicht alles auf die Wirtschaftskrise schieben (wiewohl
das versucht wird).
Das ist eigentlich mein Thema. In D schleicht die Seuche und bekommt von aussen noch eins auf den Deckel. Und innen merkts keiner. Irgendwie komisch, oder ?
Und ein Unternehmen, das seit Jahren keine
Produktpolitik betreibt, würde ich sowieso nur sehr
eingeschränkt als ‚gesund‘ bezeichnen. Diesbezüglich geht mir
dann immer Steve McQueen (vgl. ‚Die Glorreichen Sieben‘) durch
den Kopf, der sagte: „Ich hatte mal einen Freund, der sprang
aus einem Hochhaus. Bei jedem Stockwerk, wo er vorbeikam,
sagte er zu sich: ‚Bis hierher gings gut.‘“
Danke für den Tip, werde ich gleich mal ausprobieren. Mal im Ernst, Denkst Du nicht, das da etwas gewaltig schief läuft, wenn jeder Bäcker (genau von dem sprichst Du) jede Woche ein neues Produkt erfinden muss, damit er überlebensfähig ist. Denkst Du nicht viel mehr, dass das „System“ so wie es ist, nicht überlebensfähig ist ? Und Dein Beispiel ist sehr gut. Wirkich. Jede Dekade (statt Stockwerk) ging es bisher gut. Aber der Druck erhöht sich so langsam. Irgend etwas läuft schief.
Es kann doch nicht Dein Ernst sein zu behaupten, ohne Innovation ist eine Firma tot. Das war Jahrzente lang, Jahrhunderte lang gesund. WIESO auf einmal nicht mehr ?
Hätte gerne eine Antwort, was hat sich geändert (und zu wessen Vorteil).
Vielen Dank,
Grüße
Uwe P.