Aktueller Bezug zum Text über WK1/WK2

Ich habe eine Geschichtsaufgabe, mit der komme ich nicht ganz zurecht.
Hier erst mal die Aufgabenstellung, der Text von Sebastian Haffner und unten meine Ansätze.

Nehmen Sie unter aktuellem Bezug (Ausländerfeindlichkeit, Rechtsradikalismus, Neonazismus) Stellung zur Kernaussage Haffners.

„Wir wollen nicht richten, wir wollen lernen - aus harten, schweren, teuer bezahlten Erfahrungen endlich lernen. Wer das will, darf den Einwand nicht scheuen, dass man natürlich klüger ist, wenn man vom Rathaus kommt. Wäre man das doch nur! Nachträgliche Weisheit mag billig sein, aber besser als Verharren im Irrtum ist sie allemal. Das Dümmste, was man tun kann, ist sicherlich, absichtlich wieder zu vergessen, was man auf dem Rathaus erfahren hat, und schließlich ebenso unbelehrt herauszubekommen, wie man hineinging.“
(1964, aus „Die sieben Totsünden des Deutschen Reiches“)

Haffners Buch bezieht sich eigentlich auf WK1 ("Die sieben Totsünden des Deutschen Reiches >im ersten Weltkrieg

Hallo nochmal,

ich wiederhole mal mein posting aus e-hausaufgaben:

Deine These klingt doch schon mal ganz in Ordnung. darüber, dass sich Haffner auf WWI bezieht und die frage sich auf das „Dritte Reich“, würde ich mir keinen allzu großen Kopf machen. Es geht ja gerade darum, dass du das überträgst.

Den Einwand wegen „nachträglicher Weisheit“ kann ich nur schwer auf die aktuelle Politik (weder heute, noch zu Haffners Zeit) beziehen. Vielleicht kann man das als Gegenargument zu „Bonn ist nicht Weimar“ werten. Wenn man heute erforscht, wie das „Dritte Reich“ entstehen konnte, dann geht es nicht darum, Politikern und Wählern von damals Fehlverhalten vorzuwerfen, sondern heute den Anfängen zu wehren. Aber so ganz und gar bin ich mit dieser Deutung auch nicht zufrieden.

Naja, ich schreibs jetzt auch einfach mal doppelt :wink:

Vielen Dank für deine Antwort!

Also soll ich das alles eher pessimistisch sehen und den Aspekt, dass die Menschen daraus nichts gelernt haben hervorheben?
Ich meine so ist es ja nicht, so groß ist das Problem ja eigentlich nicht mehr, bis auf die Ausländerfeindlichkeit vielleicht.
Hm, ich meine er sagt ja auch, dass die Menschen nach dem 1. Weltkrieg nichts gelernt haben, aber kann man das heute wirklich noch sagen? Ich finde eigentlich, dass die Jugend zumindest heute ziemlich aufgeklärt wird was das betrifft, zwar noch nicht gut genug. Vielleicht liegts auch an meinem Umfeld, da ist es kein Thema „Ausländer“ zu sein.
Noch eine Idee hast du nicht oder?

Was du schreiben sollst, kann ich dir natürlich nicht sagen, aber ich glaube auch, dass Haffners Einwände nicht den Kern der heutigen politischen Debatte treffen, eher schon die in der geschichtswissenschaft. Aber das ist ja auch eine Aussage.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Falls es noch interessiert …
Hallo

Nehmen Sie unter aktuellem Bezug (Ausländerfeindlichkeit,
Rechtsradikalismus, Neonazismus) Stellung zur Kernaussage
Haffners.

Wir wissen zwar was passieren kann, wenn Rasssismus in die
Gesellschaft kommt (Rassismus hatte in WK1 allerdings eine
geringere Bedeutung als in WK2 wo ich wieder beim
Quellenproblem bin), aber trotzdem gibt es Rassismus weiterhin
noch.

Wesentlich am Rassismus in der Nazizeit und auch jetzt bei den Neonazis ist nicht irgendeine Abneigung gegen Ausländer, sondern dass die gesellschaftlichen Probleme mit der Anwesenheit von Ausländern (bzw. Juden; das waren ja keine Ausländer) erklärt werden.

(Z. B. Arbeitslosigkeit: Nehmen uns die Arbeitsplätze weg.
Staatsschulden: Kriegen Sozialhilfe u. ä. ohne Ende, ohne die hätten wir mehr Geld. Usw.)

Daraus folgt dann: Die Ausländer müssen weg, dann haben wir keine Probleme mehr. -

Vielleicht auch noch der Aspekt, dass Neonazis nicht richtig
wissen was sie da vertreten und wie schlimm der Krieg damals
war (ein gesunder Menschenverstand kann so eine Diskrimination
und dann auch noch so einen Krieg meiner Meinung nach nicht
unterstützen).

Wollen denn die Neonazis einen Krieg anfangen? Also so bekloppt kann doch nun wirklich keiner sein. - Ich hab zwar schon mal von einem gehört, dass der was von den Grenzen von 39 gefaselt hat (aber mit den Juden habe er natürlich nichts zu tun, damals habe er doch noch gar nicht gelebt), aber von Krieg anfangen habe ich noch nie was gehört.

Ich weiß nur, dass die teilweise versuchen, Städte oder Stadtgebiete ausländerfrei zu machen. So als hätten sie dann keine Probleme mehr.

Da findet eine Verlagerung statt
von Problemen
mit einem übermächtigen, nicht klar erkennbaren Gegner
und mit komplizierten, nicht durchschaubaren Ursachen
auf eine schwächere, übersichtliche, leicht erkennbare und verprügelbare Gruppe,
die mit diesen Problemen nicht das geringste zu tun hat.

Viele Grüße
Simsy

Wollen denn die Neonazis einen Krieg anfangen? Also so
bekloppt kann doch nun wirklich keiner sein.

Das habe ich nirgends behauptet.
Ich habe mich nur gefragt wie Mensch das nationalsozialistische Denken einfach so übernehmen kann, obwohl man weiß wohin Rassismus in der Gesellschaft führen kann.
So was finde ich bekloppt.