HI,
warum kommt es bei einer akuten Pankreatitis zu einer Hypocalziämie (steht in jedem Buch ausdrücklich dabei, wird aber nicht erklärt)
Habe auch schon Ärzte im Bekanntenkreis gefragt-keiner hatte eine GENAUE Erklärung…nur Vermutungen!
Bei der Pankreatitis kommt es zum Austritt von Pankreassaft in das umliegende (Fett-)gewebe. Der Saft enthält u.a. fettspaltende Enzyme, also Lipasen, die im Verdauungstrakt normalerweise (zwecks Verdauung) die Fettsäuren vom Glycerinrückgrat abspalten. Geschieht dies im Gewebe, so komplexieren die negativ geladenen Fettsäuren mit postiv geladenen Gegenionen, die sie sich aus der Umgebung holen - und zwar bevorzugt Calcium (die genauen chemischen Ursachen müßte ein Chemiker erläutern).
Es kommt also zur „Kalkseifenbildung“, d.h. das Calcium fehlt anderswo, z.B. im Blut. Die Kalkseifen sind röntgendicht (da Calcium = Schwermetall), womit sie vor allem bei chronischen Pankreatitiden im Röntgenbild sichtbar werden.
Die Lipase tritt natürlich auch ins Blut über, wo sie als diagnostischer Pankreatitis-Parameter verwendet werden kann. Desweiteren „verdaut“ sie dort die Zellmembranen der Blutzellen, rein zahlenmäßig natürlich vor allem rote Blutkörperchen. Zerfall von roten Blutkörperchen jedweder Ursache nennt man „Hämolyse“, d.h. eine solche (in diesem Spezialfall durch die Lipase verursachte) Hämolyse ist regelmäßig Teil einer Pankreatitis.
In Anlehnung an die Diskussion unten folgende (lediglich orientierende!) Rechnung:
Ein Allgemeinmediziner sieht jeden Patient im Schnitt 7,5 Minuten.
Eine solche Erklärung wie die obige dauert leicht 2,5 Minuten. Die Zeit pro Patient verlängert sich damit um 25%.
Praxisfixkosten: 80000€/Jahr, Einnahmen: 100000€/Jahr. Letzterer Betrag minus 25% lassen den Doc 5000€/Jahr Verlust machen.
Insbesondere Biggis Beitrag zeigt m.E., wie verzweifelt (und wirklich aberwitzig!) manche Kollegen versuchen, ihre Einnahmen zu halten.
Wer von der Medizin Wirtschaftlichkeit fordert (und wer zahlt keine Krankenversicherung?), der muß damit rechnen, daß sein Hausarzt tatsächlich anfängt zu wirtschaften.
Übrigens: Erstattet werden ja Punkte. Wieviel ein Punkt wert ist, erfährt der Doc erst am Ende des Jahres. Was macht man , wenn der Punktewert für längst erbrachte Leistungen aufgrund irgendwelcher Umstände plötzlich 25% niedriger ausfällt?
(schreibe ich nur, damit das eine oder andere vielleicht verständlicher wird)
Geschieht dies im Gewebe, so
komplexieren die negativ geladenen Fettsäuren mit postiv
geladenen Gegenionen, die sie sich aus der Umgebung holen -
und zwar bevorzugt Calcium (die genauen chemischen Ursachen
müßte ein Chemiker erläutern).
also das mit der Hydrolyse ist soweit richtig, aber die Fettsäuren komplexieren keine Ionen, das ist ziemlich falsch ausgedrückt. Was die Fettsäuren mit dem Ca-Ionen machen ist schlicht ein unlösliches Salz bilden, besagte Kalkseife. Da diese Kalzseife eben unlöslixh ist, steht das Ca auch nicht mehr zur Verfügung.
Die Kalkseifen sind röntgendicht (da
Calcium = Schwermetall),
Wenn das mein Prof in Anorganik hören würde, er Dir die Ohren langziehen und wieder die alte Mär von den Medizinern und der Chemie erzählen (eines seiner Lieblingsthemen, er hat einige Jahre das Chemiepraktikum der Mediziner betreut und klasse Begebenheiten erlebt).
Nein Ca ist mitnichten ein Schwermetall!!!
Allerdings aufgrund seiner Kernladungszahl kann es Röntgenstrahlung merklich absorbieren. Zudem liegt in der ausgefällten Kalkseife das Ca in einer recht hohen Konzentration vor.
Bitte nicht persönlich nehmen, aber es passte so schön zu den Geschichten meines Profs.
Bitte nicht persönlich nehmen, aber es passte so schön zu den
Geschichten meines Profs.
*g*
Das erinnert mich wiederum an den Kollegen, der jüngstens Nachts seinen Chemiebremser mit einer Nierenkolik aufnahm. Er erklärte ihm (augenzwinkernd) ausführlich die Sache mit dem Löslickkeitsprodukt, bezüglich der Therapie könne er aber aktuell leider nicht helfen, da er vor lauter Chemielernen die Klinik im Studium etwas vernachlässigt habe *g*
Nein Ca ist mitnichten ein Schwermetall!!!
Hm. Echt nicht?
Allerdings aufgrund seiner Kernladungszahl kann es
Röntgenstrahlung merklich absorbieren.
Hat das was mit Kern_masse_ oder Kern_ladungszahl_ zu tun? Röntgenstrahlen sind ja elektrich neutral (eigentlich).
Aber die eigentliche Sache, weshalb ich nach dem Chemiker rief, war folgende: Warum komplexieren, äh, versalzen die Seifen nicht mit anderen positiven metallischen Ionen, wie z.B. Natrium, was ja eine wesentlich höhere Konzentration hat? Denkbar auch Magnesium usw…
Und Röntgenstrahlen werden von dickeren Knubbeln (Elementen mit einer größeren Masse) besser absorbiert als von kleineren (Elemente mit einer kleineren Masse).
Aber die eigentliche Sache, weshalb ich nach dem
Chemiker rief, war folgende: Warum komplexieren, äh, versalzen
die Seifen nicht mit anderen positiven metallischen Ionen, wie
z.B. Natrium, was ja eine wesentlich höhere Konzentration hat?
Denkbar auch Magnesium usw…
Der Grund ist schlicht und ergreifend, daß das Ca ‚tot‘ ist. Es ist sozusagen verschwunden, weil es schwerlöslich ist. Ähnlich wie Quarz das auch kein Silicium abgiebt. Natriumstearat (z.B.) ist einigermaßen löslich, wenn aber ein lösliches Ca-Salz daherkommt fällt das Ca-Stearat aus und das Na bleibt weiter munter in Lösung. Mg-Stearat ist zwar auch schwer löslich, aber besser als Ca-Stearat. Wenn nun Mg-Stearat mit einem löslichen Ca-Salz in Kontakt kommt löst sich das Mg-Starat langsam auf und Ca-Stearat bildet sich (Massenwirkungsgesetz, Löslichkeitsprodukt und all diese unheimlichen Sachen).