Algarve: Meeresfrüchte aus dem Watt?

Liebe Konsodalen,

eigentlich passt das nicht in diese Subkategorie, aber das Problem der völlig beliebig und willkürlich eingerichteten Kategorien ist Euch allen ja bekannt, bitte daher um Nachsicht.

  • Ich habe jedes Mal beim Übersetzen von Olhão auf die Insel Culatra von der Fähre aus ziemlich viele Leute im Watt gesehen, die dort in einer typischen Haltung (gebückt mit geradem Rücken) irgendwas aus dem Watt puhlten. Wenn ich richtig gesehen habe, jeweils mit einer kleinen Handschaufel in der Rechten. Es kann schon sein, dass ich an der deutschen Nordseeküste, in der Bretagne und in der Charente Maritime nicht richtig hingeschaut habe, aber mir kommt es vor, als gäbe es diese Form der Gewinnung von Irgendwas zum Essen an anderen Abschnitten der Atlantikküste (die Nordsee nehme ich mal großzügig dazu) nicht.

Ich bin sicher, dass es sich um irgendwas zum Essen handelt, was da herausgepuhlt wird, und dass es kein Zufall war, dass sich so viele Leute im Watt betätigten: Genau diese Haltung und die kleine Schaufel an der Hand sieht man nämlich auch auf einer Darstellung verschiedener Tätigkeiten aus der traditionellen Küstenfischerei und Sardinenverarbeitung, mit der eine stillgelegte Sardineneindoserei in Olhão geschmückt ist, damit sie (heute Parkhaus) nicht gar so trist wirkt. A la limite könnte es auch um ein Tier gehen, das bei der Küstenfischerei als Köder verwendet wird, das halte ich aber für sehr unwahrscheinlich, weil es doch ein enormer Aufwand ist, der dafür getrieben wird.

Wer weiß, was für ein Tier die Leute aus dem Watt holen? Zur Veranschaulichung hier ein paar Bilderchen (technisch nicht besonders gut, aber ausreichend, um zu zeigen, was ich beschrieben habe):

Portugal 2018 09 189-1

Für sachdienliche Hinweise dankt

MM

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Die suchen nach der Flut nach Muscheln, Krabben oder Garnelen. Keine Ahnung welche spez. das an der Algarve sind aber bei uns ist es z.B. die Herzmuschel.


oder die eingeschleppte Schwertmuschel.

Auch Krabben und Garnelen vergraben sich im Sand.

ramses90

Servus,

Bingo! Schwertmuscheln ‚longueirões‘ findet man dort in beiden Formen (die kleinere, leicht gebogene und die amerikanische) in ziemlichen Mengen auf den Fischmärkten und auch auf den Speisekarten. Den Preisen nach gelten sie als Delikatesse.

Von der Lebensweise dieser Tiere wußte ich überhaupt nichts. Diese erklärt auch die eigenartige Haltung der Leute: Der Rücken wird gebückt gerade gehalten, damit die Füße und die von diesen für die Muschel wahrnehmbaren Erschütterungen möglichst weit von der Hand mit der Schaufel weg sind.

Schöne Grüße

MM

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:smiley: na siehste, immer wieder nett, dass man so alt wird wie…, (gilt auch für mich und das dauernd!) na Du weisst schon. ramses90

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De mat,
in der Bretagne gewiss nicht - nennt sich pêche à pied und ist dort so etwas wie hierzulande in gewissen Regionen das Pilzesammeln. Man macht nicht allzuviel Aufhebens drum und die besten Fundorte werden ohnehin als Familiengeheimnis gehütet. Über diese Sammler an der Algarve gab es erst kürzlich eine Reisereportage im TV - mal schauen, ob ich mein verwittertes Gedächtnis heute noch hinreichend auf Trab bekomme. Zumindest in der Hinsicht, was genau die da sammeln. Als Meeresfrüchteverächter schon zu Nicht-Vegetarier-Zeiten ist aufgrund mangelnder Kompatibilität zum Beuteschema meine Aufmerksamskeitsspanne da etwas begrenzt.
Kenavo,
Ralf

Demat,

in der Bretagne habe ich solche Meeresfrüchtesammler bloß an eher felsigen Abschnitten an der Nordküste gesehen; die waren da - meistens aufrecht - mit einer Art stabiler Spachtel an Spatenstielen unterwegs und haben schätzungsweise Miesmuscheln oder sonst Muscheln, die sich an Steine und Felsen anheften, abgetrennt und in klassischen Handkörben wie beim Pilzesammeln oder auch profanen Kunststoffeimern gesammelt.

Muss allerdings sagen, dass ich an flacheren, sandigen Abschnitten, wo eine Art Watt herausgebildet ist wie bei Lorient, nicht sehr ausführlich am Meer unterwegs war.

Schöne Grüße

MM

Sieht aus wie die Suche nach Wattwürmern zum angeln. Eventuell auch Herzmuscheln zum essen. Dann müsste man aber auch Schalen von toten Herzmuscheln am Strand finden. Herzmuscheln finden sich im sandigen Schlamm des Watts.
Udo Becker

Hallo Udo,

für die Gewinnung von Angelködern ist der Aufwand, der hier systematisch getrieben wird, zu groß, und auch die Darstellung der Tätigkeit auf der früheren Sardinenfabrik als eine Form der ‚Bewirtschaftung‘ der Küstengewässer im weitesten Sinn des Wortes passt dazu nicht so gut.

Herzmuscheln gibt es da relativ viele - zumindest auf der Atlantikseite der Inseln, die der Lagune vorgelagert sind, an der die Wattflächen liegen. Die sitzen doch aber (glaube ich) nicht sehr tief im Schlamm? In Italien habe ich gesehen, wie diese mit einer Art Sieb-Schippe im Stehen „ausgegraben“ werden.

Du kennst die einzelnen Tiere im Wasser aber besser. Was spricht gegen Schwertmuscheln?

Schöne Grüße

MM

Kenne ich unter dem Namen Messermuscheln (auf dem Fischmarkt in Oléron als couteau verkauft). Sie sind etwa 10 cm lang und 2 cm dick, also stabförmig. Man braucht einen Spaten mit verlängerter Schaufel. Man schleicht sich an die unscheinbar aussehenden Löcher an, vermeidet fest aufzutreten und sticht dann blitzschnell tief zu. Wenn man zu langsam ist, sind die Muscheln tief abgetaucht und gerettet.
Vielleicht ist das des Rätsels Lösung, weil Du sagst, man treibt mehr Aufwand als es für Angelwürmer rational wäre. Aber Du kennst eventuell die Angler nicht.
Udo