Hi Benny
Abhängigkeit führt zu Veränderungen, nicht nur beim Betroffenen, sondern in seinem gesamten sozialen Umfeld - Familie, Arbeitskollegen, Freunde.
Beim Abhängigen hat sich die Suchtmitteleinnahme von dem möglicherweise vorhandenen Problem, das als Trinkursache diente, gelöst. Sie hat eine Eigendynamik entfaltet, sie ist übermäßig wichtig im Erleben und wird als einzige Möglichkeit der Lebensbewältigung erlebt. Das Denken und die Wege der Problemlösung werden eindimensional, und ein “circulus vitiosus“ beginnt.
Wichtig ist ME, dass das Problem nicht innerhalb der Familie bleibt, sondern das jemand den Mut hat, damit nach außen zu gehen.
Das hast Du mit Deinem Artikel hier in gewisser Weise schon getan.
Sucht ist eine Systemerkrankung und wenn die Familie ein System darstellt, übernehmen die einzelnen Familienmitglieder verschiedene typische Rollen innerhalb der Familie, die teilweise dazu führen können, dass der Suchtkranke in seinem Verhalten bestärkt wird und noch mehr Gründe für sein Handeln erhält.
Systeme (denken wir an ein Mobile) sind immer in Bewegung.
Wenn wir dieses Mobile jetzt einmal auf menschliche Systeme - ein wichtiges System dabei ist die Familie - übertragen, dann heißt das z.B., daß das Verhalten von X immer Auswirkungen auch auf das System als Ganzes hat, alle sind in irgendeiner Weise mitbetroffen. Umgekehrt beeinflußt das System oder das Verhalten eines Teils des Systems, auch das Verhalten von X. Da Systeme immer in Bewegung sind, ist es folglich Unsinn, wer dafür verantwortlich ist, daß eine Person in der Familie sich so oder so verhält. ES IST EIN PROZESS GEGENSEITIGER BEEINFLUSSUNG: ES GIBT KEINE SCHULDFRAGE!!
Alle Versuche Deinen Bruder vom Suchtmittelkonsum abzubringen werden scheitern. Auf das Drängen der Familie, oder einzelner Personen des Systems, reagiert Dein Bruder immerwieder mit dem selben Verhalten- ein Teufelskreis.
Eine der wenigen Methoden die scheinbar manchmal helfen ist der berühmte Satz, den ich hier schon 250mal und öfter formuliert habe:
Ich kann keine anderen Menschen ändern und bin auch gar nicht auf dieser Welt, um dies zu tun. Ich kann nur etwas bei anderen bewirken, wenn ich mein eigenes Verhalten ändere, d.h. es ist alles erlaubt, was vom bisherigen Verhalten abweicht- alles was ANDERS ist, ist erlaubt. Du könntest ihn beispielsweise gar nicht beachten, sich gar nicht um ihn kümmern, ihn wegen illegalen Drogen anzeigen, ihm besonders viel Zuneigung und Verständnis entgegenbringen- irgendetwas wird sich dann bei ihm bewegen- in welche Richtung ist erst mal egal- hauptsache Bewegung. Das wäre ein Schritt vielleicht in Richtung Therapie.
Eine weitere Methode könnte sein, die KONZENTRATION von Deinem Bruder zu nehmen. Damit ist gemeint, dass die ganze Familie einzig und allein damit beschäftigt ist Deinen Bruder auf Schritt und Tritt zu beobachten, ja manchmal bis hin zur ÜBERWACHUNG. Schade, haben sie doch ein eigenes Leben, das dann oftmals nicht mehr gelebt wird.
Noch ein ganz kleiner Wink: Ratschläge sind vor allem SCHLÄGE und was andere Familien mit Suchtkranken erleben, muss noch lange nicht auf Deine Familie zutreffen. Nicht RAT holen bei anderen- SELBER ANDERS machen, ausprobieren, experimentieren!!
Ein lieber Gruß für Deinen Mut diese Problematik hier zu schildern
Frank