Alkohol und psyche

hallo,

ich möchte mal wissen, ob es eine psychologische erklärung dafür gibt, dass manche leute sich im betrunkenen zustand noch sehr gut unter kontrolle haben, während dies bei anderen nicht der fall ist.
oder liegt die beobachtung, dass z.b. der eine schon nach einem bier lallt, während man dem anderen noch nach 5 bier nichts anmerkt, ganz simpel an der menge, die vertragen wird?

gruß
wega

Alles eine Frage der Konditionierung…
Gruß,
Anja

Hi Wega,

da spielen viele Faktoren eine Rolle: Gewicht, Gewöhnung an den Alkohol, Wetter, Essen und sogar die Tagesform (mir ist es nicht nur einmal passiert, daß mir nach einer durchgearbeiteten Nacht schon nach einem halben Glas Weinschorle hundeelend ging).

Aber weil es weniger ein psychologisches Problem ist: horch mal vielleicht ein paar Etagen tiefer im Sucht-Brett nach…

Grüße

Renee

Hallo,

Anja hat das Stichwort „Konditionierung“ genannt. Ich will das noch etwas ausführen.

Bei Alkohol ist der Zusammenhang zwischen Konzentration der Droge im Blut und den körperlichen sowie den Verhaltensveränderungen gut untersucht. Alkohol führt im menschlichen Körper zu einer Vergiftung („Rausch“). Während dieser Vergiftung beginnen aber auch Prozesse, die der Alkoholwirkung entgegenwirken. Wenn man nun regelmäßig Alkohol zu sich nimmt, dann lernt der Körper, in welchen Situationen, zu welcher Zeit, in welcher Stimmung, in welcher Gesellschaft usw. der Alkohol konsumiert wird und beginnt schon mit seinen Gegenmaßnahmen, bevor etwas getrunken wird. Der Körper „erwartet“ also die Droge und ihren Effekt und schützt sich, indem er gegen die Effekt steuert. Das nennt man eine kompensatorische Klassische Konditionierung. Sie ist umso stärker, je häufiger die Droge konsumiert, also je häufiger getrunken wurde.

Der Prozeß der kompensatorischen Klassischen Konditionierung ist z.B. im Tierexperiment mit Ratten untersucht worden. Ratten, denen man regelmäßig eine geringe Menge Heroin verabreichte, entwickelten kompensatorische klassisch konditionerte Reaktionen und überlebten zu 32,4% eine am Ende des Experimentes gegebene tödliche Heroin-Dosis im Gegensatz zu Ratten, die vorher keinen Kontakt zu Heroin hatten (Todesrate: 96,4%).

Hinsichtlich dessen, welche Menge an Alkohol Menschen „vertragen“, muß man außerdem den Effekt von Körpergewicht und Geschlecht beachten. Frauen vertragen weniger Alkohol als Männer. Schwerere Menschen vertragen mehr Alkohol als leichtere. Der Effekt der Gewöhnung durch regelmäßiges Trinken ist bei dem von Dir genannten Beispiel jedoch häufiger die Hauptursache.

Gruß,

Oliver Walter

PS: Dieses Thema ist selbstverständlich ein psychologisches Thema.

Hallo Wega,

ich kann mich grundsätzlich den bisherigen Postings anschliessen. Zudem habe ich noch die Erfahrung gemacht, daß es ein Großteil Veranlagung ist. Manche Organismen zeigen eher körperliche (lallen, schwanken, erbrechen), manche eher psychische Symptome (Agressionen, Gleichgültigkeit, Überheblichkeit). Eine Veranlagung ist sicherlich auch verantwortlich für die Suchtanfälligkeit. Das zeigt nicht nur meine Umgebung, auch wenn ich es nicht statistisch untermauern kann.

Gruß, AndyM

Hallo,
keine „psychologische“ eher eine biochemische. Neben den bereits erwähnten Punkten, spielt der Level an Neurotransmittern wie (Nor-)Adrenalin eine wesentliche Rolle, wie schnell man zum „lallen“ neigt oder andere Formen von Koordinationsstörungen ersichtlich werden. Unter z.B. Ephedrin, (Meth)amphetamin oder Koks zeigt Alkohol eine geringere bzw. keine Wirkung, egal welche Menge man „intus“ hat.

Gruss
Enno

Sternchen OwT
Gruß, AndyM

Hallo ihr,

Also ich denke mir je länger man über die Jahre das Teufelszeug (Alkohol) konsumiert desto weniger verträgt man weil ja die Leber und sämtliche andere Organe in Mitleidenschaft geogen worden sind…

Das heisst wenn die Leber einen Schaden hat verträgt man auch nicht mehr so viel…

Das Problem an der ganzen Sache ist das es immer weniger reine Alkoholiker gibt sondern die Betroffenen nach allem gieren was süchtig machen kann…

Gruss Zitronenfalter