Alkohol und Schwangerschaft

Hallo!

Es soll Länder geben, in denen es üblich ist, dass Schwangere ein Glas Wein zum Essen trinken.
Weiß jemand, welche Länder das sind?
Welche Wirkungen haben Drogen auf den Embryo oder Fötus?

Grüße Coco

Es soll Länder geben, in denen es üblich ist, dass Schwangere
ein Glas Wein zum Essen trinken.
Weiß jemand, welche Länder das sind?

Keine Ahnung.

Welche Wirkungen haben Drogen auf den Embryo oder Fötus?

Alkohol (und sein Abbauprodukt Azetaldehyd) kann schwerste Schädigungen auslösen und zu dem polydystrophen Fehlbildungssyndrom führen. Außerdem ist er toxisch und erzeugt Hypoplasie und Hypotrophie der Zellen und Organe der Feten. Speziell die frühen Phasen der Schwangerschaft sind betroffen (Organogenese = Phase, in der die Organe ausgebildet werden). Betroffene Kinder sind meist körperlich, in Hirnfunktionen und dem Verhalten beeinträchtigt. Alkoholembryopathie nennt man die Schädigungen während der Embryozeit, fetales Alkoholsyndrom (FAS) danach - allerdings ist Alkohol in jeder Phase schädlich. Immerhin rund 0,3% aller Neugeborenen kommt alkoholbedingt mit Beeinträchtigungen zur Welt - mit Abstand also die häufigste nichtgenetisch bedingte Ursache. Die Prognose für diese Kinder ist i.d.R. negativ, die Störungen bilden sich also nicht zurück, sondern die Kinder bleiben ein Leben lang geistig und körperlich behindert. Bereits der Genuss von weniger als 50g Alkohol kann schwerst teratogen sein!
Laut der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen:
Intrauteriner Minderwuchs, Untergewicht (88 %)
Postnatale Wachstumsverzögerung (86 %)
Vermindertes subcutanes Fettgewebe(80 %)
Kraniofaciale Dysmorphie (7-95 %):
Mikrozephalie, vorgewölbte Stirn,Verkürzter Nasenrücken, Epicanthus, Ptosis, enge Lidspalten, antimongoloide Lidachsen, vorstehende Narinen, fliehendes Kinn, schmales Lippenrot, hypoplastisches Philtrum, tiefansitzende, nach hinten rotierende Ohren, Haaraufstrich im Nacken u. a.
Augenfehlbildungen (2-54 %)
Genitalfehlbildungen (31 %)
Nierenfehlbildungen (12 %)
Herzfehler (29 %)
Extremitäten- und Skelettfehlbildungen (4-38 %)
Neurologische, mentale, psychopathologische Störungen (6-89 %)
Verhaltensstörungen (3-72 %):
Hyperaktivität, Impulsivität, vermehrte Ablenkbarkeit, riskantes Verhalten, persistierende Infantilität, soziale Reifungsstörungen
Andere (12-51 %)

Zusammenfassend kann man sagen, daß vor allem in der Anfangszeit der Schwangerschaft ein extrem hohes Risiko von Fehlbildungen aller Art für das Kind besteht, die darauffolgende Zeit aber durch weitere toxischen Wirkungen der Alkohol schon bei einmaligem Rausch das Kind sehr schwer schädigen kann. Gegen einen Schluck Sekt an Sylvester ist sicherlich nicht viel zu sagen, gegen mehr aber schon. Regelmäßiger Genuss von einem Glas Wein würde ich jedenfalls sein lassen, auch wenn die schweren Mißbildungen vor allem bei Alkoholabhängigen vorkommen bzw. dokumentiert sind.

Andere Rauschmittel wirken oft ähnlich, wenngleich nicht so häufig untersucht. Nikotin kann zu Gehirnschäden des Kindes führen, andere Narkotika sind wohl nicht weniger gefährlich. Wichtig ist zu verstehen, daß ungeborene Kinder noch nicht so gut mit schädlichen Stoffen und Giften umgehen können, da ihre Organe noch nicht voll entwickelt sind. Außerdem haben viele Drogen negative Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung des Kindes mittels der Plazenta.

Hallo!

Es soll Länder geben, in denen es üblich ist, dass Schwangere
ein Glas Wein zum Essen trinken.
Weiß jemand, welche Länder das sind?

Hallo,

ich habe irgendwo gelesen, dass das in England der Fall sein soll. Quelle weiß ich leider nicht mehr. Jedenfalls wurde gesagt, dass dort eine Einheit alkoholisches Getränk (ein Glas Wein, ein Glas Bier) als o.k. gelten soll.

Es wurde allerdings nichts über den Zeitraum gesagt. (Ein Glas Bier pro Woche? Pro Schwangerschaft? Pro Stunde?) Abgesehen davon gilt England ja nicht gerade als Vorbild in Fragen gesunder Ernährung. Gerüchteweise wird ein Viertelscheibchen Garnitur-Tomate neben den fettriefenden Fish&Chips als Portion Salat interpretiert.

Grüße

Mirasol

PS: Jetzt bin ich aber neugierig, warum du das wissen willst.

Alkohol während der Schwangerschaft ist Tabu. Es schadet dem Kind, denn
es „trinkt“ mit und kann den Alkohol nicht wie ein Erwachsener abbauen.
Es kann zu Langzeitschädigungen führen - das gilt auch während des
Stillens. Der Alkohol geht direkt in die Muttermilch und wird vom Baby
aufgenommen. Es gibt mit Sicherheit Länder, wo es üblich ist auch dann
weiter Alkohol zu konusmieren, wenn eine Schwangerschaft besteht. Diese
Sitte kann aber nur auf Unwissenheit beruhen. Wenn man während der
gesamten Schwangerschaft zwei, drei Mal an einem Sekt oder Rotwein
nippt, schadet das sicherlich nicht und ich kenne auch eine Hebamme,
die als sie fast zwei Wochen über dem Geburtstermin lag sich eine halbe
Flasche Rotwein gegönnt hat, damit alles schneller geht… Während der
Schwangerschaft regelmässig Alkohol oder Nikotin zu konsumieren
schädigt die Plazenta und das kann zu einer Fehl/Frühgeburt führen.

PS: Jetzt bin ich aber neugierig, warum du das wissen willst.

Pures Interesse :wink:
Wie gesagt, ich lese das Buch von Lennart Nilsson und wenn ich über so nen Satz stolper, der nicht näher erklärt ist, dann würde ich das schon gerne herausfinden.

Danke!!

Coco

Hallo Hermann!

Bereits der Genuss von weniger als 50g Alkohol kann schwerst
teratogen sein!

Bezieht sich das auch auf Rotwein?? ich kriege beim lesen gerade richtig Panik----habe letztens zum Essen ein halbes Glas Rotwein/Lambrusco getrunken (bin in der 22 SSW)

Meine Schwiegermutter meinte noch: ach, Rotwein ist gesund für dein Blut!!

man, hoffentlich hat das meiner Kleinen nicht tatsächlich geschadet- Bitte lieber Gott!

Bezieht sich das auch auf Rotwein?? ich kriege beim lesen
gerade richtig Panik----habe letztens zum Essen ein halbes
Glas Rotwein/Lambrusco getrunken (bin in der 22 SSW)

Wein hat bis zu 12% Alkohol - je nach Sorte - und ist damit nicht gerade eine leichte Brause. Allerdings sind die beschriebenen Schädigungen wohl eher bei Dauermissbrauch und schweren Räuschen zu erwarten. In so fern mal beruhigen. Aber dennoch muss man dringend vom Genuss von Alkohol abraten.

Meine Schwiegermutter meinte noch: ach, Rotwein ist gesund für
dein Blut!!

Unsinn. Dieser Aberglaube liegt wohl eher an der Farbe als am Inhalt. Richtig ist allerdings, daß Rotwein bestimmte Inhaltsstoffe enthält, welchen man heute positive Eigenschaften zuschreibt: Antioxidantien wie Flavonoide, Phenole und Anthocyane. Allerdings ist der Alkohol definitiv kontraproduktiv darin… ^^

man, hoffentlich hat das meiner Kleinen nicht tatsächlich
geschadet- Bitte lieber Gott!

Nu mal langsam… :wink: Diese Erfahrungen beruhen vor allem auf statistischen Daten und Untersuchungen bei Alkoholkranken. Allerdings weiß man auch, daß Alkohol von Feten nur sehr schwer abgebaut werden kann und der Acetaldehyd toxischer ist als bei Erwachsenen. Ein Vollrausch während der Organogenese ist sicherlich sehr ernst zu nehmen, ein Glas Rotwein eher als „besser nicht“ zu werten. Dauerhafter Konsum von Kleinmengen ist sicherlich nicht förderlich, aber wohl auch nicht weiter tragisch. Ein Glas Rotwein am Stück (Alkoholspiegel im Blut!) ist auch ungünstiger als ein Glas über einen ganzen Abend verteilt. Vermeiden sollte man also ein Glas Whisky auf ex, ein Glas Rotwein verteilt auf einen Abend ist m.E. noch OK, da der Alkoholspiegel bzw. -gehalt im Blut sehr gering bleibt. Besser ist natürlich: gar kein Alkohol.

Und: Wenn Alkohol auch in geringerer Konzentration sofort schwere Schädigungen auslösen würde, wäre die Pfalz heute menschenleer… :wink:

1 „Gefällt mir“

Mach dir keine Sorgen,
ich habe mal einen Genetik-Prof sagen hören, dass mal ein Glas nicht schlimm sei. Trotzdem würde ich es ab jetzt lassen. Und kritisch sind vor allem die ersten 12. Wochen, da hier die Organe angelegt werden und der Embryo sehr störanfällig ist.

Grüße Coco

Hallo zusammen

Bezieht sich das auch auf Rotwein?? ich kriege beim lesen
gerade richtig Panik----habe letztens zum Essen ein halbes
Glas Rotwein/Lambrusco getrunken (bin in der 22 SSW)

Lass dich nicht irre machen. Da passiert gar nichts. Der Hinweis auf den möglichst weitgehenden Verzicht auf alkoholische Getränke ist sicher gut und richtig, weil viele Menschen mit Alkohol ein Problem haben, und das genehmigte Glas zum Essen dann gerne zum Anlass nehmen würden die Grenzen entsprechend zu verschieben. Wer aber ohnehin mit Alkohol zurückhaltend umgeht und das Glas Wein zum Essen als Genussmittel und nicht als Droge zum Volllaufen begreift, wird auch während einer Schwangerschaft keine Probleme bekommen. Es gibt schließlich genug Gegenden auf dieser Welt, wo dies so vollkommen selbstverständlicher usus ist, und die Menschen in Frankreich, Italien, Spanien oder auch in unseren heimischen Weinbaugebieten werden nicht massenhaft mit Missbildungen geboren. Und ich kenne auch genug Familien mit Kindern, wo die Schwangeren ganz normal weiter gelebt haben (Säufer finden sich in unserem Bekanntenkreis keine) und selbstverständlich alles ganz normal verlaufen ist. Wie gesagt: Das gilt alles für Leute die ohnehin mit alkoholischen Getränken vorsichtig und zurückhaltend sind.

Wer vor der Schwangerschaft sich jedes Wochenende die Kante gegeben hat und meint erst nach zwei Cocktails und sechs Bier auf Touren zu kommen, sollte sich aber schon ganz gewaltig umstellen.

Gruß vom Wiz, dessen Sohn sich prächtig entwickelt und vielleicht gerade deshalb so entspannt und pflegeleicht, weil seine Eltern schon die Schwangerschaft ganz entspannt und ohne Hektik und Panik gesehen und einfach ganz normal weitergelebt haben

1 „Gefällt mir“

alles klar- danke euch allen für die Beruhigung :smile:

Hi Coco,

hier in Irland wird schwangeren Ladies geraten ein Glas (=„glass“ - wichtig, KEIN pint!!!) Guinness zu trinken (hin und wieder, nicht jeden Tag) weil es eisenhaltig sein soll. Stimmt aber nicht ergo wird es an der Werbung „Guinness is good for you“ liegen… :smile:

liebe Gruesse,
Astrid