Hallo Herr Vedder,
ich kann das alles verstehen. Auch dass er Sie als eher als Feind sieht – aber wie sie erkannten liegt das an der Erkrankung.
Es bleibt Ihnen nur die offene, freundliche aber konsequente Kommunikation.
Kündigen Sie ein Gespräch an, machen sie deutlich dass Sie als „Freund“ kommen und helfen wollen. Bestehen sie auf ein Gespräch.
Konfrontieren Sie ihn im Gespräch offen aber höflich mit der Realität. Es ist für Sie sicher schwer das Thema Alkohol offen anzusprechen – aber Sie müssen es. Es ist der enzige Weg.
Bei Ihrem AN werden Sie hier sicher den Wunden Punkt treffen – da muss er durch – um seiner selbst willen.
Bleiben sie im Gespräch höflich aber unbedingt konsequent. Bleiben sie bei Fakten, lassen sie sich nicht „um den Finger wickeln“.
Sagen Sie ihm klipp und klar, was Sie erwarten (sofortiges Beenden des Trinkens, Durchführung einer Therapie, das mindeste ist auf einen Besuch beim Hausarzt zu bestehen (was sie nicht kontrollieren können) oder irgendeiner handfesten Sache.
Zeigen sie ihm Konsequenzen auf die eintreten wenn er nicht „kooperativ“ ist und ziehen sie diese dann durch.
Das mag (muss aber nicht) bis zur Kündigung gehen – vielleicht ist es genau das was er braucht um den „nötigen Tritt in den H…“ zu bekommen, etwas gegen seinen Alkoholismus zu tun.
Ob Sie ihn ggf. wieder einstellen ist eine andere Frage.
Es ist eine Tatsache, dass alles Schönreden nichts hilft: Der Alki muss vor die Wahl gestellt werden: Entweder – oder. (In meinem Fall war das nach einem wohlwollenden Gespräch schließlich die Kündigung – doch das reichte nicht – erst musste meine Frau noch die Koffer packen. DANN bin ich aufgewacht – zum Glück kam sie zurück, das ist jetzt 13 Jahre her)
Was immer Ihnen der AG verspricht: Fragen sie ihn, wie er das beweisen will,. Wie ich erwähnte: Aussagen wie „Ich hab das jetzt im Griff“ sind unrealistisch – er hat es nicht im Griff. Das geht gar nicht. Er braucht „Stützräder“.
Nehmen sie ihm die verbindliche Zusage ab, professionelle Hilfe zu suchen (Suchtberatung vor Ort, Therapie, Selbsthilfegruppe [das ist das mindeste] ).
Das sind drastische Maßnahmen. Aber das einzige was hilft. (Ich gehe davon aus dass er wirklich Alkoholkrank ist).
Zum Schluss ein Einblick in die Gemütswelt des Alkis:
Er will nicht trinken, er MUSS. Sein Körper und seine Gefühlswelt brüllen nach Alkohol. Man meint, es zerreißt einen ohne Alkohol. Also trinkt man – und es geht wieder.
Dieses Gefühl ist so heftig, dass man buchstäblich meint, ohne Alkohol nicht leben zu KÖNNEN. Man will aufhören zu trinken aber man kann nicht. Man funktioniert sonst nicht.
Dem muss konsequent etwas entgegengesetzt werden was noch schlimmer ist (und das ist kaum zu toppen): Kündigung, Scheidung oder sonst etwas.
NUR DANN wird der Alki kapieren wie es um ihn steht. Das ist für ihn eine hammerharte Zeit aber das einzige Mittel um buchstäblich zu überleben. Andernfalls wird er am Alkohol vollends zugrunde gehen.
Und ein Lichtblick. Man KANN davon loskommen. Die ersten 3 Tage beim Entzug sind die schlimmsten, dann hat man das gröbste geschafft.
Dann kommt aber der seelische Aspekt :Man wird Depressionen bekommen. Und das Schlimme: Ma meint, sie würden mit Trinken aufhören. Und das würden sie auch tun. Hat ja in der Vergangenheit immer funktioniert. Und hier muss man den Teufelskreis unterbrechen – MIT PROFESIONELLER HILFE.
Ich finde es toll, dass Sie seine langjährige Firmentreue zu würdigen wissen und dass es ihm um den Menschen geht. Solche Chefs gibt es nicht all zu viele. Und: Respekt vor Ihrer Mühe, hier wirklich Hilfe für Ihren AN zu suchen.
Mit dieser Haltung wird Ihnen sich rein konstruktives Gespräch gelingen.
Aber letztlich dürfen Sie das Trinken in keiner Weise tolerieren. Um Ihrer Selbst willen, um Ihrer Firma willen und nicht zuletzt um Ihres AN Willen.
Bei Fragen: Gerne mailen. WENN ICH KANN helfe ich gerne.
Herzliche Grüße,
sony