Was könnte passieren, wenn alle privaten Haushalte (oder ein grosser Teil davon) für 5 Minuten sämtliche elektrischen Geräte vom Netz nehmen? Totaler Stromausfall? Die Leitungen brennen durch? Absolute Notfallsituation? Oder GAR NICHTS?
Hintergrund meiner Frage:
Gestern bekam ich eine Kettenmail mit einer Aktion, die für den 1.2. angekündigt ist:
„Verschiedene Naturschutz-Organisationen senden eine Aufforderung
an alle Bewohner unseres Planten, die 5 „Schweigeminuten“:
Jeder soll Licht, Strom und sonstiges ausschalten, zwischen
19h55 und 20h00.“
Die Hoaxseite der TU Berlin (http://www.tu-berlin.de/www/software/weblog.shtml) warnt gar nicht, konstatiert nur und verweist auf die offizielle Webseite des BUND (einer der großen staatlich anerkannten Umweltverbände Deutschlands), auf dessen Webseite der Aufruf ebenfalls steht.
Im Techniker-Forum (http://www.techniker-forum.de/smalltalk-9/strom-auss…) wird erst gesagt, wie furchtbar gefährlich das ist, dass dann der Strom ganz ausfällt usw., allerdings sagt keiner was dazu, was denn konkret so gefährlich ist, wenn alle ihre privaten Geräte abschalten. In den letzten drei Posts dann Entwarnung, dass eigentlich gar nichts passieren KANN.
Können Kraftwerke genau dafür (keine Stromabnahme vom Netz => keine Last auf Generator) für kurze Zeit auf „Eigenbetrieb“ umschalten und den lastlosen Betrieb, bei dem sonst die unbelasteten Turbinen „durchdrehen“ würden überleben.
Lastloser Betrieb ist durchaus häufiger der Fall, wenn Sicherheitseinrichtungen ein Kraftwerk „vom Netz nehmen“.
Was könnte passieren, wenn alle privaten Haushalte (oder ein
grosser Teil davon) für 5 Minuten sämtliche elektrischen
Geräte vom Netz nehmen? Totaler Stromausfall? Die Leitungen
brennen durch? Absolute Notfallsituation? Oder GAR NICHTS?
Vor jahren gab es mal eine Fernsehsendung, in der das Publikum mitentscheiden konnte, indem es den Stromverbrauch kurzfristig erhöhte - der Gesamtverbrauch im Land wurde gemessen und in eine „Entscheidung“ umgerechnet.
Angeblich wäre ein derartiges Vorgehen heutzutage gefährlich für die Netze, da der Durchschnittshaushalt wesentlich mehr potentielle Verbraucher besitzt als damals (gut, dafür hat heute kaum eine Sendung die Quoten von damals…).
Der umgekehrte Fall dürfte eher harmlos sein, bei Lastabwürfen bleibt die Netzfrequenz ja auch weitgehend stabil. Außerdem kann der Durchschnittshaushalt durch Abschalten kaum so viel Einfluß nehmen, wie durch Einschalten - die Leistung der potentiellen Verbraucher beträgt meist ein Vielfaches der durchschnittlich bezogenen Leistung.
Gestern bekam ich eine Kettenmail mit einer Aktion, die für
den 1.2. angekündigt ist:
Hi,
können AKW nicht auch einfach ihre Kühltürme in Betrieb
nehmen? Die verbrauchen doch unglaubliche Energiemengen…
Die sind ja schon in Betrieb. Sie nehmen aber keine elektrische Leistung auf, sondern dienen dazu, den Dampf am Ende der Turbine zu kondensieren, um so den Wirkungsgrad zu erhöhen.
Können Kraftwerke genau dafür (keine Stromabnahme vom Netz
=> keine Last auf Generator) für kurze Zeit auf
„Eigenbetrieb“ umschalten und den lastlosen Betrieb, bei dem
sonst die unbelasteten Turbinen „durchdrehen“ würden
überleben.
Das genau vermag ich nicht zu glauben. Ich erhielt mal eine Art von Privatführung vom Betriebsleiter des Kraftwerkes Tiefstack in Hamburg.
Von einem lastlosen Betrieb hat er nie gesprochen. Wenn der Generator hochzudrehen beginnt, dann wird er IIRC abgeschaltet, was im September 2003 beinahe auch in Hamburg geschehen wäre. Denn denen fehlte ein Teil der Last.
Tiefstack hat eine Leistung von 500 MW, davon sind 50 MW Eigenverbrauch. Aber im Kessel befindet sich noch jede Menge Dampf(energie) für die angeforderte Leistung.
Damals wurde von einer möglichen Laständerung von ca. 5MW pro Minute gesprochen, und das wäre dann der Grenzfall.
Lastloser Betrieb ist durchaus häufiger der Fall, wenn
Sicherheitseinrichtungen ein Kraftwerk „vom Netz nehmen“.
Darüber konnte ich im Netz nichts finden. Hast du mal Links parat?
Lastloser Betrieb ist durchaus häufiger der Fall, wenn
Sicherheitseinrichtungen ein Kraftwerk „vom Netz nehmen“.
Darüber konnte ich im Netz nichts finden. Hast du mal Links
parat?
Überall sind Überlastsicherungen eingebaut, die erste kommt schon mal hinter dem Generator. Trafos können ja auch mal durchbrennen und Überlandleitungen umfallen. Führt dann alles zu Kurzschlüssen und eine Überlastsicherung trennt einfach wie ein Schalter den Stromkreis auf.
Und da auch einmal ein Kurzschluss direkt hinter den Generator auftreten kann, gibt es entsprechende Notfallabschaltungen für diesen Fall.
Werden nicht alle Europaweit mitmachen (Ich habe die Mail z.B. nicht bekommen).
Die ganze Industrie, wird auch nicht dabei sein, somit bleibt eine Grundlast.
Da nicht alle Funkuhren und einen zentralen Schalter im Haus haben, wird das runterfahren auch so seine 5 Minuten dauern. Wie lange denkst du, dass du benötigst um in deiner Wohnung alles auszuschalten ??
Und da auch einmal ein Kurzschluss direkt hinter den Generator
auftreten kann, gibt es entsprechende Notfallabschaltungen für
diesen Fall.
Es ging nicht um Notabschaltungen. Die Behauptung war:
Können Kraftwerke genau dafür (keine Stromabnahme vom Netz => keine :Last auf Generator) für kurze Zeit auf „Eigenbetrieb“ umschalten
Ohne jedwede Last wird der Generator seine Drehzahl sofort mehr als deutlich erhöhen. Das kann der Generator IMHO nicht überleben und wird IIRC sofort abgeschaltet.
Ohne jedwede Last wird der Generator seine Drehzahl sofort
mehr als deutlich erhöhen. Das kann der Generator IMHO nicht
überleben und wird IIRC sofort abgeschaltet.
Kannst du sofort bei der Generatorgrösse eines AKWs einmal in Sekunden ausdrücken ?
Da nicht alle Funkuhren und einen zentralen Schalter im
Haus haben, wird das runterfahren auch so seine 5 Minuten
dauern. Wie lange denkst du, dass du benötigst um in deiner
Wohnung alles auszuschalten ??
Meine Schätzung: wenige Sekunden…
Ich brauch nur zum Sicherungskasten gehen und bei beiden FI-Schaltern auf den Testknopf zu drücken.
Kannst du sofort bei der Generatorgrösse eines AKWs
einmal in Sekunden ausdrücken ?
Gerne, wenn du vorher für kurze Zeit definierst:wink:
Im Ernst, ich kann nur vermuten, daß solche Dinge in einigen Sekunden ablaufen. Der Betriebsleiter erklärte mir damals, daß Hamburg ca. 10 Sekunden vor Abschaltung Tieftstack gestanden habe (IIRC um 2003, als der große Stromausfall in Italien war). Die Generatordrehzahl (bzw. die Netzfrequenz) ging hoch und in Schweden hat ein Techniker darauf geistesgegenwärtig reagiert, indem er ein Pumpspeicherwerk hochfuhr.
Was aber der Kessel mit seiner im Dampf gespeicherten Energie macht, kann ich dir nicht sagen. Das sollten die Maschinenbauer besser beantworten können.
Generator vom Dampf wegnehmen, sollte innerhalb weniger Sekunden klappen, aber das, was danach folgt, scheint den Kraftwerkstechnikern doch die weitaus größeren Kopfschmerzen zu bereiten.
Irgendwas war da noch mit Kondensation im Kessel und/oder den Leitungen. Aber so genau bekomme ich das nicht mehr zusammen. Es klang jedenfalls nicht gut.
Kleines Schmankerl am Rande:
Tiefstack ließ sich (jedenfalls damals) nicht schwarz anfahren. Heißt: ohne externen Strom kannst du das Kraftwerk nicht neu anfahren. Mit Bordmitteln geht das nicht.
und in Schweden hat ein Techniker darauf geistesgegenwärtig
reagiert, indem er ein Pumpspeicherwerk hochfuhr.
Naja, das wird wohl eher automatisch ablaufen als mit Geistesgegenwart=Zufall.
Was aber der Kessel mit seiner im Dampf gespeicherten Energie
macht, kann ich dir nicht sagen. Das sollten die
Maschinenbauer besser beantworten können.
Ganz einfach: Ventil auf, Dampf raus.
Gruß
loderunner
Was könnte passieren, wenn alle privaten Haushalte (oder ein
grosser Teil davon) für 5 Minuten sämtliche elektrischen
Geräte vom Netz nehmen? Totaler Stromausfall? Die Leitungen
brennen durch? Absolute Notfallsituation? Oder GAR NICHTS?
Also
Wenn tatsächlich zeitgleich mehrere 1000 MW vom Netz gehen würden, dann wäre das schon ein Problem.
Allerdings ein lösbares.
Wenn die Netzbetreiber dieses Rundmail Ernst nehmen…dann stehen die großen Pumpspeichersätze sicher bereit die Last sofort zu übernehmen und damit die 50 Hz zu halten.
Ähnliche Situationen verursacht schliesslich auch die Windenergie.
Hier hat die Einspeisung auch mitunter recht große Lastsprünge.
Ob diese Rundmails dies erreichen, wage ich anzuzweifeln.
Habe mir mal alle bisherigen Antworten angeschaut und da viel mir auf, das sich alle Gedanken gemacht haben wie man die zuviel produzierte Energie möglichst „effektiv“ verbraten kann.
Wenn man man den unwahrscheinlichen Fall annähme das es zu einer solchen Aktion käme und die leute tatsächlich ihren Strom abschalten würden und die Energieversorger darauf geschickt reagieren würden,
was würde dann passieren wenn auf einen Schlag zig Millionen Kühl- und Gefrierschränke, Herde, Fernseher, Backöfen, Durchlauferhitzer und Elektroöfen wieder ihren Dienst antreten wollten???
Auch ich habe diese Mail bekommen, weil einer meiner Kunden ein sehr umwelt-eifriger Mensch ist.
Auch beim Einschalten wird das zwar nicht exakt auf die Sekunde zur gleichen Zeit sein, aber trotzdem einen sprunghaften Lastanstieg bringen.
Da sehe ich im wahrsten Sinne des Wortes schwarz.
Die EU hat ja gerade E.ON abgemahnt, dass sie nicht über ausreichende Messmittel und Leitungskapazitäten verfügt, um einen Fehler wie das Abschalten der Überlandleitung wegen Schiffsdurchfahrt aufzufangen.