Allergie-Vorbeugungsstudie beim Baby - ja/nein?

Hallo Medizin-Experten,

Ich melde mich mal kurz aus dem Mutterschutz *gg*. Und habe eine Frage bzw. freue mich über eure Einschätzungen und Meinungen. Ich habe ja in der Charité entbunden, dem Universitätsklinikum. Dort kamen dann auch prompt diverse Mediziner und brauchten jemand für ihre Studien. Ich bin jetzt also Probandin für Wochenbettdepressionen und Mumps-Röteln-Masern-Immunität:smile:. Da ging es aber nur um Fragebögen bzw. Blutabnahme bei mir. Mach ich ja immer gerne.

Eine weitere Studienanfrage liegt jetzt vor mir - und da ist es etwas anderes, denn es geht um mein Baby. Die Studie beschäftigt sich mit Allergie-Vorbeugung. Die Kleinen bekommen 6 Monate Pro-Symbioflor, was im Prinzip Bakterien der darmeigenen Flora in winzigen Dosen ist. Die These dahinter ist, dass immer mehr Kinder Allergien entwicklen, weil wir mittlerweile hygienischer leben - mal platt gesagt. Und diese Bakterien sollen da prophylaktisch gegenwirken.

Ich bin ja so ne ganz Allergische, mein Mann hat immer wieder Hautausschläge - es gibt also eine gewisse genetische Disposition, dass meine Kleine da anfällig sein KÖNNTE. Und zumindest laut den Informationen dieser Studienmacher liegte damit die Gefahr deutlich höher, dass unser Kind Allergien bekommt.

Das Medikament ist seit den 50er Jahren auch für Säuglinge zugelassen, Nebenwirkungen können Blähungen sein.

Vorteile sehe ich darin, dass meine Kleine (bzw. ich für sie) 3 Jahre lang Beratung und Behandlung in allen Fragen von Allergien und Neurodermitis und so bekäme - von ausgewiesenen Kinderärzten mit entsprechender Expertise. Nahrungsmittelallergien überhaupt alle Allergene werden bei ihr und bei uns getestet und man wird entsprechend beraten. Allein dass kann ja schon positiv und präventiv sein (zusätzlich könnten die Bakterien ja wirklich das tun, was man annimt, das sie tun.)

Nachteile: Es gibt eventuell Nebenwirkungen (Blähungen, sprich die Kleine hat eventuell unnötig Bauchweh!), außerdem bekommen die Hälfte der Babys nur Placebos. Und ich muss in den 3 Jahren 4 Mal zur Blutabnahme mit der Kleinen und das ist für so einen Winzling ja immer auch Stress.

Würdet ihr das überhaupt in Erwägung ziehen? Bloß nicht? Oder sinnvoll? Was meint ihr? Ich habe irgendwie nicht wirklich ein gutes Gefühl dabei meine Kleine zum Versuchkaninnchen zu machen, sehe aber auch, dass es Vorteile haben könnte. Wie sehen das Mediziner?

Viele Grüße,

Barbara

Hallo Barbara

Würdet ihr das überhaupt in Erwägung ziehen? Bloß nicht? Oder
sinnvoll? Was meint ihr? Ich habe irgendwie nicht wirklich ein
gutes Gefühl dabei meine Kleine zum Versuchkaninnchen zu
machen, sehe aber auch, dass es Vorteile haben könnte. Wie
sehen das Mediziner?

Da muss man in der Tat sehr abwägen zwischen den Vorteilen und den Belastungen.
Als Arzt sehe ich natürlich einen großen Vorteil in der Möglichkeit, Allergien schon früh an der Enstehung oder zumindest Ausuferung zu bremsen, insbesondere durch biologisch verträgliche Mittel wie Symbioflor o.ä.
Als Psychotherapeut sehe ich wiederum den Stress, der einem Säugling und Kleinkind durch Blutentnahmen und ähnlichem (was es ja nicht als hilfreich begreift) zugemutet wird, ähnlich problematisch wie Du.
Es dürften keine allzu häufigen Stress-Treffen werden und Dein Baby sollte dabei immer in Deiner Nähe, besser noch Deinem körperkontakt verbleiben dürfen. So könntest Du durch die gewohnte und liebvolle Atmosphäre den Stress mildern.
Gruß,
Branden

Hallo,
ganz allgemein: der Pro-Symbioflor Ansatz ist nicht ganz unumstritten. Klarheit kann aber nur eine Studie bringen.

Wenn Du ein ungutes Gefühl hast, dann lass die Finger davon. Du solltest als Mutter 100%ig hinter der Studie stehen, wenn Du mit Deinem Kind daran teilnimmst.

Wenn Du unsicher bist, weil Dir Informationen fehlen kann ein Blick in das Studienprotokoll helfen. Lass Dir ein detailliertes Studienprotokoll vor Zusage zur Studienteilnahme zeigen und zeig es ggf. einem weiteren, unbeteiligten Kinderarzt. So dürften sich am ehesten Zeifel ausräumen lassen und eine fundierte Entscheidung treffen lassen.
Lass Dich bei Deiner Entscheidung nicht unter Druck setzen denn Du und nur Du musst diese Entscheidung und evtl. Folgen vertreten.

Viele Grüße,
Oliver

Hallo Barbara,
du bist Allergiker, dein Mann wies aussieht auch, also ist davon auszugehen, dass eure Kleine zumindest gefährdet ist.
Meine Bedenken:
stell dir vor, du sollst dich pieken lassen, ohne dass dir jemand garantiert, dass es dir gut tuen wird. Was ist, wenn deine Kleine schon geschädigt ist und durch den Test erst recht ne Allergiker-Karriere begonnen wird?
Bei Allergien kann die Psyche ne große Rolle spielen. Keine Angst = keine Symptome. Was ist, wenn deine Kleine, vor lauter Panik, irgendwann auf Metall (Spritze) oder einer der Stoffe reagiert? Dann hast du mehr schlecht gemacht, als notwenig (Lerneffekt: piekst, tut weh, immer dann der gleiche Mist in mich rein, … nix gut; Folge kann eine Abwehrreaktion=Allergie sein).
Zu unhygienisch oder nicht: Deine Kleine wird sich ihre Welt selbst erkunden (dazu gehört auch Sand-futtern oder sonstiges -für Erwachsene Ekelerregendes-) -> Bildung von Abwehrstoffen. Ein In-Watte-Packen halte ich für falsch. Sollte deine Kleine ne Allergie entwickeln wird sie noch früh genug genervt (weißt du, wie das mit dem Lebensmittel-Test abläuft? Normalerweise unter stationären -in dem Alter- also Klinik-Bedingungen; man muss ja genau wissen, was die Kleine in sich rein stopft, was zu Hause kaum möglich ist).
Allergien kann man heute, früh genug erkannt, behandeln; entweder mittels Hyposensibilisierung oder aber Dauermedikamentation.
Ich selbst bin Allergiker, meine Kids auch. Ich war erstaunt darüber, auf was der Mensch alles reagieren kann. Und was mich halt noch mehr stutzig machte ist, wie groß der psychische Aspekt sein kann. Gerade unter diesen Aspekten würde ich, als Mutter, NIE zustimmen, dass solch ein Test an meinen Mädels gemacht würde. Obwohl meine Kleine „Musterkandidatin für Medikamentetests“ ist, ist, in ihrem Fall, eine nachträgliche Behandlung die schonendere Methode.
Eine Frage, die du dir stellen solltest: Was würdest du davon halten, wenn man an dir Tests macht, gegen deinen Willen?
LG D

Hallo Branden,

die Blutuntersuchung soll durch ein Spezialpflaster angeblich schmerzlos sein. Wobei ich mittlerweile das Thema Blutabnahme auch als am kritischsten ansehe. Ich werde absagen. Auch der Aspekt Self Fullfilling Prophecy war etwas, was ich nicht bedacht habe. (ich selbst wäre auch gar nicht auf das Thema "mein Kind hat ein Allergierisiko gekommen, wenn ich nicht wegen der Studie angesprochen worden wäre).

Also sobald es wärmer wird geht’s ab in den Dreck auf den Spielplatz zwecks Hygienevermeidung :wink:…und wenn ich mir meine hausfraulichen Fähigkeiten und vor allem meinen diesbezüglichen Ehrgeiz anschaue, habe ich wenig Befürchtugen, dass das problematisch hygienisch bei uns sein könnte *hüstel*:smile:)…

grüßlis + Danke für eure Meinungen und Erfahrungen - und deine Einschätzung als Experte!,

barbara

Hallo Barbara

Ich würde es mit Freuden an Deiner Stelle machen, den die seltenen wenn auch nicht ganz ausgeschlossenen Nebenwirkungen sind doch minim, aber der Nutzen könnte gross sein.
Ausserdem rate ich Dir, das Kind zu Stllen so lange wie es geht und dabei keine selber Milch zu trinken. Nochmals selber keine Milch trinken, das dies ein Hauptallergen ist.

Gruss
beat

Die Entscheidung kann Dir niemand abnehmen.
Aber inzwischen ist bekannt, daß die Hauptallergene bei Neurodermitis Weizen- und Kuhmilchprodukte sind. Manchmal kann auch Hühnereiweiß, wenn es zu früh gegeben wird, Auslöser sein > Aufpassen bei Keksen!!!
Zweitens kannst Du Dein Kind auch ohne den Streß durch die Studie mit Symbioflor behandeln. So lange wie Du stillst, ist es jedoch gar nicht notwendig.
Wenn eine vererbte Veranlagung besteht, wird diese auch durch Symbioflor nicht beseitigt.