Allergieauslöser

Hallo,
ich habe heute Mittag die Sendung „Quarks und Co.“ gesehen. Es ging um Allergien. Mich hat dabei interessiert, wie Allergien entstehen und warum bei uns immer mehr Menschen davon betroffen sind. In der Sendung wurde gezeigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachen, so gut wie keine allergischen Probleme haben. Im Gegensatz zu Kindern, die in der Stadt aufwachsen. Man bezeichnet das als den Stalleffekt.

www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2009/0512/002…

Ich habe auch gehört, dass die Pollen in der Stadt „aggressiver“ sein sollen, als in ländlichen Gegenden, weil dort die Umweltbelastung stärker ist.
Allerdings hörte ich von auffällig vielen Fällen, in denen Leute aus der DDR ganz plötzlich heftige allergische Reaktionen zeigten, als sie mit westlicher Kultur in Berührung kamen. Da es in der DDR sicherlich auch eher stärker belastete Gegenden gab, würde ich diese These verwerfen. Schließlich gab es dort auch städtische- und ländliche Gegenden.

Gibt es keine Forschungen, die diesen Umstand berücksichtigen? Ich halte diese Beobachtung für sehr interessant, da sich damit doch Allergieauslöser eingrenzen lassen müssten. Giftig bzw. ungesund haben sich die Leute ja schon in früheren Epochen ernährt (giftige Lebensmittelfarben usw.).

Ich habe eher solche Dinge wie Konservierungsmittel und künstliche Aromen in verdacht.

Was habt Ihr für Informationen dazu?

Andre

multifaktorielles Geschehen
Hallo Andre,

wie Allergien

entstehen und warum bei uns immer mehr Menschen davon
betroffen sind. In der Sendung wurde gezeigt, dass Kinder, die
auf einem Bauernhof aufwachsen, so gut wie keine allergischen
Probleme haben. Im Gegensatz zu Kindern, die in der Stadt aufwachsen.

Das Thema ist vielschichtig und nicht in einem Satz erklärbar.

Unser Immunsystem will von Anfang an trainiert sein.
Kinder, die mit Geschwistern, bzw. in multipler Gesellschaft, auch mit Tieren, aufwachsen, setzen sich auf diese Weise früh mit den unterschiedlichsten Keimen auseinander. Dabei profitieren besonders auch jene Kinder, die sich „schmutzig machen“ dürfen, die nicht in einsamer, sauber-steriler Umgebung aufwachsen.

Vor Jahrzehnten, als Wurminfektionen noch Hochkonjunktur hatten, waren Allergien eher unbekannt, das Immunsystem hatte einen reellen Gegner und brauchte keinen virtuellen.

Heute sind wir in der glücklichen Lage, dass wir mehr wissen und daher menschenpathogene Erreger möglichst vermeiden können (z. B. durch Impfungen, keine Fäkaldüngung von Salat und Gemüse), vermeiden von Zigarettenrauch. Sehr häufig entwickeln Kinder Allergien, bei denen mindestens ein Elternteil raucht - wegen einer Vorschädigung ihrer Schleimhäute durch das Passivrauchen.
Kritisch auch, zu früh Gabe von Beikost beim Baby.

Allergie muss etwas mit dem frühen Kontakt mit potentiellen, pathogenen und nicht pathogenen Keimen (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten) zu tun haben. Es muss einen Trainingseffekt geben, für das Immunsystem, durch den Kontakt mit Erregern.

Wir sollten daher alltägliche Keime tolerieren und KEINE Desinfektionsmittel im Haushalt oder in der häuslichen Kinderpflege anwenden, ebenso sparsam-angemessener Umgang mit Antibiotika. Dadurch wird nämlich verhindert, dass das kindliche Immunsystem angemessen trainieren kann. Dadurch richtet es sich nun gegen sich selbst, + weitere Faktoren – und die Allergie entwickelt sich !!

Ich habe auch gehört, dass die Pollen in der Stadt
„aggressiver“ sein sollen, als in ländlichen Gegenden, weil
dort die Umweltbelastung stärker ist.

Das hängt vermutlich mit veränderten Umweltfaktoren, wie z.B. der Umweltverschmutzung (Abgase, Dieselruß, Ozon), zusammen. Als Reaktion auf z. B. Abgasgifte verändern sich bei den Pollen die Proteinstrukturen, die schließlich das menschliche Immunsystem so nicht kennt und als aggressivere Eiweißmoleküle identifiziert und darauf empfindlicher reagiert.

Allerdings hörte ich von auffällig vielen Fällen, in denen
Leute aus der DDR ganz plötzlich heftige allergische
Reaktionen zeigten, als sie mit westlicher Kultur in Berührung
kamen.

100%iges weiß man nicht. Es gab Allergien, aber weniger. Auch das Thema ist sehr komplex. Eine Komponente allein macht oft noch keine Allergie. Ok, Kinder hatten weniger Allergien, sie waren durchgeimpft, bekamen aber weniger Antibiotika, bzw. weniger importierte Lebensmittel und tatsächlich weniger Zusatzstoffe in der Nahrung. Letztere können Pseudoallergien auslösen.

Wenn Allergien auf bestimmte Stoffe bestehen, dann kann es in Folge auch noch zu sog. Kreuzreaktionen kommen, wenn das Allergen (z. B. Schimmelpilz) eine ähnliche Eiweißstruktur hat, wie das Keuzallergen (hier: Penicillin).
http://www.allergie-ratgeber.de/kreuzallergie/kreuza…

Giftig bzw. ungesund haben sich die Leute ja schon in früheren
Epochen ernährt (giftige Lebensmittelfarben usw.).

„Giftig“ kann krank machen ohne eine Allergie auszulösen.
Allergien werden durch Sensibilisierung des Immunsystems ausgelöst: Trigger sind neben feto-maternalem Einfluss, z. B. Vorschädigung der Lunge durch Zigarettenrauch, Autoabgase (Dieselruß!!), die Emission vom neuen Teppichboden, + eine altertümliche Industrieanlage oder umgekehrt, und eine respiratorische Allergie (Heuschnupfen mit Gefahr allerg. Asthma) bildet sich leicht aus.

Ich habe eher solche Dinge wie Konservierungsmittel und
künstliche Aromen in verdacht.

Man weiß, dass die eher „Pseudoallergien“ auslösen können, also ohne Beteiligung von IgE (Immunglobulin E -des Immunsystems).

Zur Allergieentstehung:
http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2006/0417/
http://www.purenature.de/forum/showthread.php?id=2063
sehr ausführlich: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-016.htm

Gruß, Renate

Hallo Renate,
danke für Deine schnelle Antwort. Die eingefügten Links sind zwar etwas schwer verständlich, geben aber ungefähr den aktuellen Stand der Forschung wieder.

Worauf leider nicht eingegangen wurde, ist der Unterschied zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR.

Ich behaupte einfach mal,
1.)dass die Hygiene in beiden Ländern vergleichbar war
2.)dass es in beiden Ländern Menschen gab, die in ländlichen und urbanen Gegenden aufgewachsen sind, bzw. dort lebten
3.)dass in beiden Ländern, mit vergleichbarer Genauigkeit das Auftreten von Allergien in der Bevölkerung erfasst und archiviert wurde
4.)dass die medizinische Versorgung vergleichbaren Standards entsprach
5.)dass die Belastung der Umwelt durch Industrie, Kraftfahrzeuge und Abfälle in der DDR mindestens genauso stark war, wie in der Bundesrepublik Deutschland

Trotzdem gab es in der DDR weniger Personen, die von einer Allergie betroffen waren, als in der Bundesrepublik Deutschland.
http://www.neon.de/kat/fitness/koerperfunktionen/111…

http://www.br-online.de/ratgeber/gesundheit/hausstau…

http://www.eltern.de/gesundheit_ernaehrung/allergien…

http://www.impfkritik.de/pressespiegel/2009012501.htm

Dass die Kinder der DDR bereits in frühen Jahren intensiveren Kontakt zu Gleichaltrigen in den Kinderkrippen hatten, muss sicherlich auch zu einer Verstärkung des Immunsystems geführt haben. Auffällig bleibt jedoch, dass Erwachsene und Jugendliche beinahe unmittelbar nach der Wiedervereinigung heftige allergische Reaktionen hatten.

Andre