Woher kommt dieser Ausdruck „alles alle“ für aufgegessen, leergetrunken, ausverkauft etc?
DaF (Deutsch als Fremdsprache)- Lerner lachen immer wieder über den Ausdruck. „Alles leer“ (gekauft) oder „alles fertig“ (aufgegessen) sind Ausdrücke, die die Lerner von sich aus bilden. „Alles alle“ entbehrt imo jeder Logik. Bestimmt aber gibt es eine Hintergrund dafür.
Welchen?
neugierig, dalga
Hallo Dalga,
Konrad D sagt:
all: …Die in Nord-und Mitteldeutschland übliche Verwendung von
´alleim sinne von "nicht mehr vorhanden, zuende - wie inalle
sein, werden, machen´ beruht wahrscheinlich auf Ellipse, d.h. alle seinsteht für alle verbraucht, verzehrt oder dgl. sein.
(Duden Band 7, Herkunfstswörterbuch, 1963:wink:
Hallo Dalga, hallo Jakob
Konrad D sagt:
So auch Kluge:
_ all
std.Standardwortschatz (8. Jh.), mhd. al(l), ahd. al(l), as. al(l) Stammwort. Daneben als Vorderglied von Komposita auch g. *ala- „alles, ganz“. Lautlich ist vermutlich von *alna- neben *ala- auszugehen. Am ehesten vergleichen sich osk. allo „ganz“ (*al-no-?), air. uile „ganz, jeder“ (lautlich mehrdeutig: *ol-jo-, *sol-jo-, beide mit guten Vergleichsmöglichkeiten), mit weiterem Zubehör; lit. aliái „jeder, ganz“ hat andere Anschlußmöglichkeiten und ist wohl abzutrennen. Zugrunde liegt offenbar ein Pronominalstamm ig. (weur.) *ol-(/al-) „jener, jenseits“, der sicher nur im Italischen, Keltischen und (falls die vorliegende Sippe zugehörig ist) Germanischen bezeugt ist. Zu ihm gehört die Bedeutung „extrem, in höchstem Maße, vollständig, ganz“ (vgl. die Bedeutungsentwicklung des zugehörigen l. ultra; ultra-) und damit die germanische Sippe *al(l)- „alles, ganz“. Semantisch naheliegend ist ein Anschluß von ig. *al- „anderer, zweiter“ (sicher gemeinindogermanisch), doch sind die lautlichen Verhältnisse und die Abgrenzung von ig. *an- „anderer“ nicht ausreichend geklärt. - Das Substantiv All n. wird im 17. Jh. als Lehnübersetzung aus l. Universum gewonnen.
Die regionale Bedeutung „leer, ausgegangen“ (alle werden usw.,
Ebenso nndl. al, ne. all, nschw. all, nisl. allur; als2, also, Overall.
Kuhberg (1933), 35;
Untermann, J. IF 63 (1958), 241-245;
Vendryes (1959ff.), U 17f.;
Fraenkel, E.: Die baltische Sprachwissenschaft in den Jahren 1938-1940 (Helsinki 1943), 58f.;
Lloyd/Springer 1 (1988), 129-131;
DWA IV (1955) (zur Verbreitung von alle „leer“). _
alleine,…
lieber Jakob, aziz Dalga, lieber Fritz, alleine auch Wasserzieher („Woher“, Deutsche Etymologie) sagt "wahrscheinlich …es verbraucht´", das heißt, im Prinzip unbekannten Ursprungs. Kluge und Pfeifer habe ich grade nicht zur Hand, aber erinnere mich, daß ich auch dort nur den "omni-"Aspekt gelesen habe früher. Und "alleine"? eine´ leuchtet ein, aber hier all´? Durch die in meinem Titel genutzte zweite Bedeutung des Wortes komme ich gerade drauf: "alleine, daß..´" = "nur daß..." mit der aber´-Bedeutung von nur´(?); erinnert sofort an English: "He was all alone": "GANZ alleine", "not happy at ALL": GAR nicht. oder "überhaupt"? Mir scheint "after all": alle´ „stammt nicht von"mehr als mehrere´, sondern von gesamt/total´, „allüberall“ auf den Tantenspitzen“ (pardon, ersetzt bitte das t durch das n!)
Kann vielleicht englisch: out´/gone´ ein Hinweis sein?
Tolle Entdeckung, Dalga!
Pst: oder Plattdütsch: „Ick bün all door!“? Eindeutig ja verwandt
mit dem englischen „already“
Unnu bünnick all wech!
Lieber Krüßße, Moin, Manni
(Komm mit Tee zum Schutze der Pflege des Esszett)
Drück bitte ein Auge zu, lieber Fritze! Ich wollte eben eigentlich nur zwecks Korrektur `löschen und Neuposten´und finde da deinen lehrreichen Text. Meinst du nicht auch, daß ich denn noch weitere Informationen liefere? Naja, bis auf die Kieferwesen.
Froindschaft! (mit mir gibtb es NUR solche! Denn was ist schon „Freundschaft“?! Meinst Du nicht auch? In der Not, maine ich.
Hallo Dalga, hallo Jakob
da fällt mir noch ein, dass ein Spekulatius die Herkunft vom französischen Verb „aller“ in Betracht zog.
Also „Alles alle®“ = Alles weggegangen.
Halte ich aber aus phonetischen Gründen für unwahrscheinlich.
Fritz
allé (und mutterseelenallein, offtopic)
hallo Fritz und generell hallo an alle deutschsprachigen.
in dem kleinen lesenswerten buch „französisch im berliner jargon“ war zu lesen, dass eine bäckersfrau in berlin ihre kunden folgendermaßen etwas vornehm informierte, wenn keine schrippen mehr zu kaufen waren: „die schrippen sind allé(es)“ - eben vom französischen aller/gehen; allé ist dabei das partizip perfekt, im plural wäre im französischen ein s anzuhängen, bei weiblichen substantiven im franzsöischen noch ein zusatz-e (allées). und das hätte sich schnell verbreitet mit dem „allé“, dann auch anders ausgesprochen als „alle“ ohne betonung auf der zweiten silbe…
ob das eine legende ist oder wahr…eine wahre legende…weiß ich nicht. ich kann, wenn ich heute am späten abend zu hause bin, auch gern noch mal genau die geschichte und erklärung nachschlagen.
spekulatiusgruß
ute
ps: sehr schön auch die erklärung zum wort mutterseelenallein, was nichts mit dem verlassensgefühl zu tun hat, wenn mami weg ist, sondern eine verballhornung (auch ein schönes wort…) von „moi tout seul“ darstellt - „ich ganz allein“. und weil die bedeutung des „moi tout seul“ schon irgendwie bekannt war, aber nicht alle französisch konnten, kams zu verdoppelter formulierung: „moi tout seul allein“, zusammengezogen zu mutterseelenallein, was ja ein schönes bild ist…
fällt mir nur ein, weil es im selben büchlein zu lesen war. und ob das genau so wahr ist, weiß ich nicht, finds aber schön, weil „poetisch“. mist, kein herkunftswörterbuch hier.