Hallo Deutschsprachige und Deutschsprachiginnen! ;o)
Abgesehen von Wörtern wie „voll“ und „echt“, die sich in Aussagen wie „voll schön“ oder „echt prima“ vereint finden, stösst mir seit geraumer Zeit besonders ein Wort auf: „super“.
Da lässt der Busfahrer noch eine Person zusteigen, und diese bedankt sich mit: „Das ist ja superfreundlich!“ Oder jemand (oder gar etwas) ist supernett, superempfindlich oder superlieb. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis man „echt supervoll“ zu hören bekommt.
Zuerst dachte ich, es wäre eben typisch Jugendsprache, aber als ich das nun von Leuten jenseits der 25 hörte, wunderte ich mich schon. Woher kommt diese plötzliche (?) Inflation des Wortes „super“?
Hallo Marco,
ich bin kein Experte, aber mir ist dieser
„super“ Zusatz schon seit mehreren Jahren
geläufig. Das war oder ist aber bei den Fällen
die ich kenne regional abhängig. Ich komme
eigentlich eher aus Bayern, festgestellt habe
ich dieses Phänomen bei Leuten aus der Nähe
von Ulm und in BW generell.
Vielleicht ist das aber auch nur ein Zufall
gewesen? Keine Ahnung…
Spätesten seit 1966, als ich das erste „Supermann“-Heft in die Hand bekam, ist „super“ ein Wort meines aktiven täglichen Wortschatzes. Bisweilen habe ich das Wort selbst abundant gebraucht.
Als „subber“ ist es schon lange in allen Dialekten Süddeutschlands verbreitet und ich nehme an als „suupa“ auch im Norden.
Den folgenden Artikel habe ich vor drei Jahren aus der hiesigen Regionalzeitung abgeschrieben.
Aufgefallen …Alles klarle
Deutsche Sprache: Tief und innig, klar und deutlich. Goethe, Schiller und alle anderen Dichter wussten es genau: Zum Beschreiben von Gefühlen und Veränderungen, von Gutem wie Bösem gibt es nichts Besseres als diese gewaltige Menge an Wörtern.
Weshalb alle versuchen, diesem erdrückenden Erbe zu entkommen. Und nicht erst seit der Rechtschreibreform. Moderne Ausdrucksmöglichkeiten werden bevorzugt. Wie das „Okay“, das je nach Betonung und Melodie alles bedeuten kann - bereits zum Klassiker geadeltes Vorbild für das Globaldeutsch der „Generation Golf“: Auf Kernbegriffe verminderte Verständigung, Zeit sparend, weil auf die Fantasie der Zuhörer bauend?
U>Schlechtes aller Schattierungen ist „Scheiße“, Gutes jeglichen Grades ist „Subber“ — wobei die Anzahl der „b“ in SUPER den Grad der Zustimmung ausdrückt. Ist es einem sch … nurzegal, was der andere will, beziehungsweise hat man/frau null Ahnung, heißt es: „Alles klar!“
Damit bestreiten Könner Gespräche von beeindruckender Dauer. Gelingt es ihnen noch, ab und zu mit hängendem Unterkiefer ein ungläubiges „eeeeecht?“ sowie ein von Augenaufreißen begleitetes „Wouww!“ einzuflechten, gelten sie bereits als Weltbürger und werden immer wieder eingeladen.
Doch in der Fächerstadt stemmt sich die urtümliche Kraft unseres Dialektes solchem Verflachen der Sprache entgegen. Die Neigung zum Verbindlichen, das freundliche Stimmung schaffende Verniedlichen durch Verkleinerungsformen wie „le“ bilden das Gegengewicht zum seelenlosen Neudeutsch. Weshalb sich die Antwort auf eine x-beliebige Frage hier ändert in ein allerliebstes „Alles klarle, Karle!“ Ach ja: Karlsruhe kennen, Karlsruhe lieben! Subbbber, gell?
nur weil Du „echt“ und „voll“ auch erwähnst - neulich hörte ich vor der Kinokasse, wie ein Jugendlicher zum anderen sagte: „Ist ja echt voll leer hier…“
Gruß
Aia
P.S. Kann es sein, daß der Trend jetzt zu „ober-“ statt „super-“ geht? Oberkuhl? Oberprima? Obersekunda?
Gefällt mir persönlich besser. „Super“ käme mir nie über die Lippen.
Super, Hyper, Mega, Giga, Turbo und was weiss ich nicht alles kenne ich schon seit ca. 20 Jahren.
Damals haben nur KInder und Jugendliche so geredet, heute sind sie eben weit jenseits der 25.
Gruss,
Lieber Marco,
habe kürzlich geschäftlich mit der Vorzimmerdame eines Direktors eines nicht ganz unbedeutenden Unternehmens telefoniert, die krisch ständig: "Suuupiiee!, „Das ist ja Suuupiee“ etc. (dachte, die kriegt gleich einen Orgasmus… *g), also selbst „super“ ist noch zu „toppen“.
Gruß, Anja
Hallo N.,
(zwengs dem Google und deinem Einwand im ALK-Brett
ich kann bestaetigen, was du gesagt hast: bei Freunden
aus Augschburg ist ‚super‘ schon mindestens seit Ende
der 80er Jahre ganz normal im Gebrauch. Ich tippe auf
noch aelter.
Hi!
Etwas Ähnliches ist mir in meiner Klasse (12. Klasse Gymnasium, Leipzig) aufgefallen, wo die Nachsilbe -sen immer öfter verwendet wird. Hab da neulich sogar einen Eintrag in mein LiveJournal (i.e.: Online-Tagebuch) geschrieben. Kannst du dir ja mal durchlesen, ist vielleicht auch ganz interessant.
(zwengs dem Google und deinem Einwand im ALK-Brett
Hallo E.
Das ist ja nett gemeint, aber es stört mich eigentlich
nicht so. War ja eigentlich nur eine Feststellung.
Wenn ich bei bestimmten Sachen nicht gefunden werden
will, dann kann ich ja das Unterzeichnen sein lassen *g*
Neuester Sprachterror: „Tschü“
statt „Tschüß“ (als wenn letzteres nicht bescheuert genug
wäre).
Warum ist ‚tschüß‘ bescheuert? So heisst das bei uns schon immer
(okay, mindestens seit ich mit-rede )
Und Tschü hab ich noch nicht gehoert (was nichts heissen will),
aber koennte das eventuell auch „tschö“ sein? - das sagen bei
uns naemlich die alten Leute anstatt ‚tschüß‘ und es kommt
vom ‚adieu‘ ueber ‚adjö‘ und ‚adschö‘.
Zeitweilig (wir hatten in den 50ern und 60ern viel italienische
Gastarbeiter war auch „tschau“ (logo, von ‚ciao‘) in.
Neuester Sprachterror: „Tschü“
statt „Tschüß“ (als wenn letzteres nicht bescheuert genug
wäre).
Warum ist ‚tschüß‘ bescheuert? So heisst das bei uns schon
immer
bei uns auch, aber ich mags halt nicht so sehr. Insofern meine Korrektur: es ist nicht bescheuert, nur mag ich es nicht.
Und Tschü hab ich noch nicht gehoert (was nichts heissen
will),
aber koennte das eventuell auch „tschö“ sein?
Nein, ich mußte es in den letzten 10 Monaten oft genug hören. Tschö kenne ich natürlich auch, aber das klingt eben anders
vom ‚adieu‘ ueber ‚adjö‘ und ‚adschö‘.
Zeitweilig (wir hatten in den 50ern und 60ern viel
italienische
Gastarbeiter war auch „tschau“ (logo, von ‚ciao‘) in.
habe es mir durchgelesen. Das -sen ist bis zu mir (Frankfurt/M.) noch nicht vorgedrungen, aber wenn demnächst ein Besuch bei meiner jugendlichen Kusine - einer „Slang-Gratmesserin“ - ansteht, werde ich mal genauer darauf achten. ;o)
also dieses „Supieee!“ ist mir schon geläufig, nur fände ich es schon ein wenig, hmm, befremdend, wenn mir dies von einer Vorzimmerdame entgegenschallen würde. Entweder verkauft dieses Unternehmen Aufputschmittel oder ist in der Werbung tätig. ;o)
das kannte ich bisher auch noch nicht. Worüber ich mich im Zusammenhang mit „Tschüss“ jedoch immer wieder wundere, ist die Verwendung im nichtprivaten Bereich. So erhielt ich heute einen Drohanruf - also vom Finanzamt ;o) -, und diese Dame meldete sich nicht mit „Hallo“, sondern in gepflegtem Hochdeutsch mit „Guten Tag“ und ihren Namen. Als die Angelegenheit geklärt war, ich mich mit einem „Auf Wiederhören“ verabschiedete, entgegnete sie lässig: „Tschüss!“
Für meine Ohren klingt das etwas seltsam - oder muss ich mich demnächst auch auf ein „Tschö“, „Tschü“ oder gar „Tschüssikowski“ einstellen!? ;o)
Marco
PS: Ebenso seltsam empfinde ich es, wenn ich in geschäftlichen Schreiben - zugegeben: dort überwiegend in E-Mails - heute vermehrt mit „Guten Tag, Herr Müller!“ (mal mit, mal ohne Komma) angesprochen werde, statt mit einem „Sehr geehrter …“, während abschliessend jedoch ein „Mit freundlichen Grüssen“ und kein „Grüsse“, „Gruss“ oder „Tschüss“ folgt.
also dieses „Supieee!“ ist mir schon geläufig, nur fände ich
es schon ein wenig, hmm, befremdend, wenn mir dies von einer
Vorzimmerdame entgegenschallen würde. Entweder verkauft dieses
Unternehmen Aufputschmittel
liegst gar nicht so falsch: Pharmaindustrie… *g
oder ist in der Werbung tätig. ;o)
Marco
lese gerade, dass Du auch Frankfurter bist, hi Nachbar!
Gruß von Haus zu Haus,
Anja
Ja und nein. Das „Ist ja super“, ob nun mit P oder zweifachem B geschrieben, ist mir selbstverständlich geläufig. Ich spielte auf den Gebrauch als Präfix an; somit gäbe es im Westen nix Neues, aber dafür nix „Superneues“.
Nein, so gravierend ist es (noch) nicht. Bis jetzt treffe ich es in direkter Verbindung mit Adjektiven an.
Mit superfreundlichen Grüssen
Marco
PS: Die Endung -le begegnet mir auch im Tirolerischen: z. B. Katzele, Löffele … Aber vielleicht hat auch jedes Talele sein eigenes Dialektele.
nur weil Du „echt“ und „voll“ auch erwähnst - neulich hörte
ich vor der Kinokasse, wie ein Jugendlicher zum anderen sagte:
„Ist ja echt voll leer hier…“
Was hätten sie wohl gesagt, wenn das Kino vollbesetzt gewesen wäre: „Ist ja echt voll voll“?! Oder vielleicht: „Ist ja echt supervoll“?
Angesichts solcher Steigerungen könnte ich mir vorstellen, dass bisherige Beschreibungen zu gebräuchlich und abgenutzt geworden und nach neuen Steigerungsformen gesucht wird. Dann ist etwas nicht mehr „cool“, sondern „obercool“ oder eben „supercool“.