Alles was Räder drunter hat, bringt Nichts ein

Hallo Gemeinde,

mir hat mal Jemand gesagt, „Alles was Räder drunter hat, bringt Nichts ein“.
Ich bin in den letzten 20 Jahren insgesamt über ein Jahr für drei verschiedene Kurierdienste mit eigenem Auto gefahren.
Irgendwie war das immer ein Verlustgeschäft.

Beispiel-Berechnung:

Der Kurierdienst berechnet seinen Kunden für die ich Fahrten mache z.B. 1,00 Euro pro Kilometer.

Ich bekomme davon z.B. 60 % gutgeschrieben, der Rest wird für Transportversicherung, Haftpflichtversicherung, Vermittlungsgebühren etc. einbehalten.

Nun kostet mich mein Auto z.B. (ALLES berechnet!) 0,30 Euro pro Kilometer.

So weit so gut - ich hätte also 0,30 Euro pro Kilometer Gewinn.

Es werden aber von den Kunden nur die Lastkilometer bezahlt!
Die Anfahrt zum Kunden und die sonstigen Fahrten zwischen den Kunden (nennen wir sie Leerkilometer) werden nicht bezahlt.

Daher schrumpft bei 50% Leerkilometer mein Gewinn auf NULL.

Nur wenn ich möglichst viele Kilometer bezahlt bekomme - z.B. durch Übernahme mehrerer Aufträge in einer Richtung -
bessert sich das etwas, insgesamt aber sind mit einem Zeitaufwand von z.B. 200 Stunden pro Monat und z.B. 5000 insgesamt gefahrenen km nicht mehr als ein paar hundert Euro im Monat zu verdienen!

Ich habe den Verdacht, dass alle Kurierdienste bei der Beschreibung der Verdienstmöglichkeiten stillschweigend davon aus gehen, dass „das Auto ja sowieso schon da ist“ (und daher Anschaffung, Versicherung und Steuer nicht als Kosten angesetzt werden können), Wartungs- und Verschleißreparatur-Kosten zu niedrig oder gar nicht berücksichtigt werden, und praktisch nur die Benzin- resp. Diesel-Kosten voll anerkannt werden.
Die Fahrer werden also dazu genötigt sich selbst in die Tasche zu lügen: Monats-Auszahlungen von 3000,00 Euro werden fast als Einnahmen-Überschuß angesehen!

Hinzu kommt noch, dass die Abrechnung eines Monats frühestens am Ende der ersten Woche des ÜBERnächsten Monats erfolgt.
Bezahlt wird NUR per Scheck, den man frühestens am ENDE der zweiten Woche des ÜBERnächsten Monats erhält.
Somit muss ich Alle Kosten (Auto, Telefon und Sonstiges) DREI Monate lang vorfinanzieren, erhalte beispielsweise die Zahlung für August erst Ende November.

Wer hat Ähnliches erlebt?
Wer möchte bei einer Warnung für potentielle Kurierdienstfahrer mitmachen?

Michael

Hallo Michael!

Wer hat Ähnliches erlebt?

Mit eigenem Erleben in der Kurierszene kann ich nicht dienen. Weil hier aber schon mehrmals Kurierfahrer und solche, die er werden woll(t)en schrieben, ist die Situation in dem Gewerbe bekannt.

Wer möchte bei einer Warnung für potentielle
Kurierdienstfahrer mitmachen?

Die Grundrechenarten reichen, um zu bemerken, was da los ist. Außerdem fehlen wesentliche Merkmale einer selbständigen Tätigkeit. Kurierfahrer sind die typischen Scheinselbständigen, genau so abhängig wie jeder Angestellte, nur muß er selbst für sein Arbeitsgerät sorgen und genießt keinerlei soziale Absicherung.

Statt Aufwand für vermutlich sinnlose Warnungen zu treiben, halte ich Überlegungen für sinnvoller, wie sich die Tätigkeit in Richtung wirtschaftlicher Tragfähigkeit und Eigenständigkeit umgestalten läßt. Einer von vielen Abhängigen zu bleiben, dem eine Zentrale Touren und irgendwann auch ein bißchen Geld zuweist, kann es nicht sein. Wenn man Preise und Dienstleistung selbst gestalten will, braucht man eine eigene Zentrale und eigene Akquisition. Zu überlegen ist, ob es klug ist, sich auf dem Massenmarkt zu bewegen, den jeder Kurierfahrer bedient, wo man kein Know-how braucht, sondern einfach nur billig sein muß. Vielleicht lassen sich Marktsegmente erschließen, in denen nicht besonders billig gefragt ist, in denen besonders groß, besonders klein, besonders heiß, besonders kalt, besonders vorsichtig gefragt ist. Marktsegmente, in denen spezielle Fähigkeiten und Ausrüstungen erforderlich sind, lassen sich zumeist auskömmlich bedienen. Das gilt überall und ich sehe keinen Grund, weshalb es in der Kurierbranche anders sein soll. Jetzt ist Kreativität gefragt.

Gruß
Wolfgang

so Hinzu kommt

Michael

hallo,

was glaubst du wohl, warum die auftraggeber sich nicht selbst fahrzeuge kaufen und fahrer einstellen…

hatte unlängst an meinem stammkiosk ein nette diskussion mit einem dpd-fahrer, der mir klarmachen wollte wie selbständig er doch sei - hab ihm dann die merkmale der scheinselbständigkeit mal vor augen geführt - aber den klassiker schlechthin finde ich immer noch die eismann und bofrost knechte, die sich ihr arbeitsgerät auch noch vom auftraggeber abkaufen müssen…

gruß vom inder

Hallo Wolfgang,

so scheint es doch ein allgemeines Problem zu sein.

Einen der angestellten Disponenten habe ich neulich gefragt, wie er früher da gearbeitet hat. Der hat gesagt, dass er von Anfang an bei denen angestellt tätig war, auch als Fahrer. Auf meine Frage wie er das geschafft hatte, sagte er das wäre damals (vor 10 Jahren) noch so üblich gewesen. Heutzutage wäre das aber nicht mehr möglich.

Michael

Hallo inder,

so scheint es doch ein allgemeines Problem zu sein.

Einen der angestellten Disponenten habe ich neulich gefragt, wie er früher da gearbeitet hat. Der hat gesagt, dass er von Anfang an bei denen angestellt tätig war, auch als Fahrer. Auf meine Frage wie er das geschafft hatte, sagte er das wäre damals (vor 10 Jahren) noch so üblich gewesen. Heutzutage wäre das aber nicht mehr möglich.

Michael