Allgemeinheit als Subjekt: man sagt

Hallo verehrte Germanisten und Sprachgelehrten,
Gibt es im Deutschen einen Fachbegriff für die Satz- oder Konjugationsform 3. P. sing. meist im Neutrum, die als Subjekt etwas Allgemeines angibt, wie z.B.:
es bedeutet,
es gilt,
dies besagt,
man sagt,
man weiß,

???
ganz herzlich
Friedhelm

Hallo Friedhelm,

es wird gesagt, dass man solcherlei Ausdrücke als „unpersönliche Wendungen“ bezeichnet.
Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 87 für „unpersönliche Wendungen“, http://www.google.de/search?as_q=&hl=de&num=10&btnG=…
Es gibt aber sicher auch wissenschaftlichere Bezeichnungen.

Es verabschiedet sich
Pit

hi,

es bedeutet,
es gilt,
dies besagt,
man sagt,
man weiß,

das sind verschiedene dinge.

es gilt, dass die summe der kathetenquadrate gleich dem hypotenusenquadrat ist
hier ist „es“ ein sog. „korrelat“; das wirkliche subjekt ist der nebensatz (subjektsatz)

es bedeutet,
dies besagt

in sätzen, die so beginnen, wird das pronomen meistens ganz normale referenz auf etwas zuvor gesagtes sein. ein sachverhalt wird durch ein referenzierendes pronomen zusammengefasst und zum subjekt gemacht. business as usual.

die beiden man-sätze würden wohl sätze mit einem sehr allgemein gehaltenen (verallgemeinerndem) subjekt werden. dafür hab ich keinen grammatischen fachterminus parat; ich denke, es braucht auch keinen.

hth
m.

Hallo Michael,
Danke für die sorgfältige Antwort. Wahrscheinlich gibt es keinen expliziten Fachterminus im Deutschen für das, was ich meine.

Wir brauchen uns dann auch nicht zu streiten über die mögliche andere Auffassung von:

es bedeutet,
dies besagt …

natürlich kann Deine Deutung stimmen:

in sätzen, die so beginnen, wird das pronomen meistens ganz
normale referenz auf etwas zuvor gesagtes sein. ein
sachverhalt wird durch ein referenzierendes pronomen
zusammengefasst und zum subjekt gemacht.

aber „es bedeutet“ kann auch wie in den „man“-Sätzen im Sinne eines Bezuges auf eine anonyme Allgemeinheit oder Allgemeingültigkeit benutzt werden und gemeint sein. Manchmal beides zugleich. Man müßte vielleicht in der englischen Grammatik suchen.

herzlichen Gruß
Friedhelm

Hallo Pit,
Danke für den Link. Irgendwo bezüglich der spanischen Grammatik spricht man von einem „indefiniten Subjekt mit neutralem Pronomen“.

schöne Feiertage
Friedhelm

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo, Friedhelm,

„es“ ist ein Personalpronomen,
„dies“ ein Demonstrativpronomen,
„man“ ein Indefinitpronomen.

Alle drei können in einem Satz die Rolle des im deutschen Satz unverzichtbaren Subjekts einnehmen, wenn dies nicht bekannt ist oder in einem anderen Satz steht.

Nun weiß man - also alle möglichen Leute wissen es -, wie Regen zustande kommt. Man - schon wieder eine ganze Menge unbekannter und ungenannter Leute - kann aber nicht angeben, wer genau den Regen verursacht, also behilft man - s. o. - sich mit dem sächlichen Personalpronomen und sagt: ES regnet.

Dies - also das, was ich im vorherigen Satz sagte - bedeutet, dass wir, nach der Meinung Nietzsches, schon aufgrund unserer Grammatik Gott nicht loswerden, weil man im Deutschen in jedem Satz immer ein Subjekt, also einen Täter, angeben muss, damit er richtig konstruiert ist. Und seien diese Täter auch noch so inhaltsleere, unbekannte, verblasene Etwasse wie „es“, „dies“, „man“ oder „Gott“.

Es gibt Sptachen, die können eine Tätigkeit, eine Aktion, ein Geschehen ausdrücken, ohne einen Täter, also ohne Subjekt im Satz, ausdrücken.

Statt „ES“ regnet, heißt es da einfach: Regnen! oder Da regnen!

Solche Kulturgemeinschaften kommen oft auch ohne persönlichen Schöpfergott aus; sie haben bloß ein Schaffensprinzip oder deren zwei.

Das Dao und Yin und Yang zum Beispiel.

Gruß Fritz

Hallo Fritz,
Ja, Danke für die schöne Antwort.
Du hältst Dich wahrscheinlich bewußt an die Ressortregeln von „wer-weiß-was.de“ und meidest wohl deswegen die hier anstehende Thematik, die vom Formalen der Sprache und der Grammatik weg zur eher philosophischen Ansicht der Problematik verführen würde, wenn man umgekehrt nicht – wie Nietzsche hier – von der Grammatik auf die Bedeutung, statt dessen vom Inhalt auf die Form schließt.
Ich riskiere aber mal den Verweis der Moderation.
Daß der Mensch hinter jedem Ereignis eine Ursache annimmt, ist nach Kant sicher Veranlagung und liegt weniger an der jeweiligen Grammatik, die eher Folge solcher Erkenntnisstruktur ist, wie ich meine, und ist auch nicht nur Ursache unserer animistischen Veranlagung, sondern ist schließlich Basis des wissenschaftlichen Denkens.
Daß solche Abduktion gelegentlich „abenteuerlich“ ausfällt, ist wieder ein anderes Thema.

ganz herzlich
Friedhelm

Hallo Friedhelm,

Irgendwo bezüglich der spanischen
Grammatik spricht man von einem „indefiniten Subjekt mit
neutralem Pronomen“.

Meinst du so etwas wie das „Reflexive Passiv“, aus dem ja auch das „Se impersonal“ entstanden ist?

http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Grammatik…
http://mimosa.cnice.mecd.es/~ajuan3/lengua/usosdese.htm

Passiv und sämliche Passiversatzformen sind ja auch im Deutschen eine Möglichkeit, die explizite Nennung des Agenten (als Tiefenkasus) an der Oberfläche zu vermeiden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kasusgrammatik

Reflexive Konstruktionen wie „Es lebt sich gut hier“ gibt es im Deutschen ebenfalls, um etwas Allgemeingültiges auszudrücken

Gruß Gernot