Hallo Maschi,
Also habe gerade nochmal etwas nachgelesen und bei meinem
Werkstoff handelt es sich um eine aushärtbare Knetlegierung,
die warmausgehärtet wurde. Was genau bedeutet warmausgehärtet?
Die meisten Metalle können in ihrem Gitter nur eine begrenzte Menge an Fremdatomen aufnehmen (lösen). Das Lösungsvermögen steigt aber im allgemeinen mit steigender Temperatur. Wenn Du nun Alu erzeugst und ein anderes Metall als Legierungszusatz dazukippst, das in Alu nur ein geringes Lösungsvermögen hat, wird sich das Fremdmetall beim langsamen Abkühlen der Schmelze zusammenfinden und Ausscheidungen bilden, um die Gesamtenergie des Systems zu verringern. Diese Ausscheidungen sind aber recht groß und daher wenig hilfreich (siehe unten).
Daher wird die Alulegierung wieder langsam erwärmt, bis das Fremdmetall vollständig in Lösung gegangen ist, die Ausscheidungen sich also aufgelöst haben. Dann schreckt man das Material so schnell ab, dass die in Lösung gegangenen Fremdatome keine Zeit haben, durch Diffusion wieder zusammenzufinden und neue Ausscheidungen zu bilden - sie sind dann im Alugitter zwangsgelöst. Dann erwärmt man das Material wieder vorsichtig und erlaubt durch die Energiezufuhr den Fremdatomen zu diffundieren. Sie finden sich zusammen und bilden wieder Ausscheidungen. Das nennt man dann Warmaushärtung. Warum nun aber dieser komplizierte Prozess mit mehrfachem Aufheizen und Abkühlen?
Der Grund ist der, dass die Festigkeitssteigerung von der Größe der Ausscheidungen abhängt: wenn sie zu klein sind, stellen sie kein nennenswertes Hindernis für die Versetzungen dar, sind sie zu groß, gibt es nur wenige (weil nur eine begrenzte Menge an Fremdatomen habe) und die Versetzungen, die es aufzuhalten gilt, werden nur selten gepinnt und können sich zwischen den wenigen Ausscheidungen durchlavieren. Daher ist eine bestimmte Größe der Ausscheidungen optimal (viele, kleine, feinverteilte Ausscheidungen, die aber schon so groß sind, dass sie die Versetzungsbewegung nennenswert behindern). Und um diese Größe einstellen zu können, geht man diesen umständlichen Weg: durch das langsame Erwärmen kann man die Größe der Ausscheidungen sehr gut kontrollieren (man kennt durch sehr viele Versuche den Zusammenhang zwischen Warmauslagerungstemperatur, Haltezeit und Ausscheidungsgröße) und bricht dann bei der gewünschten, weil optimalen Größe ab.
Das war’s auf die Schnelle, ich bin ja kein Werkstoffkundler. Wenn Du es genauer wissen willst, kannst Du in Wikipedia mal Aluminiumlegierung eingeben. Dort findest Du eine Übersicht über die verschiedenen Alulegierungen. Wenn Du unter Weblinks den letzten Link anklickst, findest Du eine ausführlichere Erklärung, als ich sie Dir hier liefern kann.
Das mit dem Auflösen der Ausscheidungen und den dadurch
einhergehenden Härteverlust klingt plausibel.
In Ergänzung zu meinem letzten Posting: Es kommt auf die Temperatur beim Warmumformen an, ob die auf optimale Größe eingestellten Ausscheidungen sich auflösen und unwirksam werden (höhere Temperatur), oder sich nur vergrößern und dann auch an Wirksamkeit verlieren (niedrigere Temperatur), weil es nur noch wenige von ihnen gibt.
Aber wie kommt
dann das feine Korn zustande? Ist das auf die
Rekristallisation zurückzuführen?
Wie geschrieben: ich bin kein Experte. Ich vermute mal so: durch das Warmumformen entstehen sehr viele Versetzungen, Körner werden geschnitten, es gibt viele Defekte. Beim Abkühlen versucht das Gitter, sich zu reparieren (Energieminimierung) und ich nehme an, dass die Versetzungen sich wieder auflösen und/oder sozusagen als Korngrenzen eingebaut werden. Es findet also eine Rekristallisation statt, aber durch die vielen Defekte (Kristallisationskeime) entsteht erst mal ein sehr feines Korn. Würde man nach dem Warmumformen sehr langsam abkühlen oder warmauslagern, würden die Körner vermutlich wieder wachsen. Da aber bei diesen warmaushärtenden Knetlegierungen der Härtemechanismus über Ausscheidungen funktioniert, ist die Korngröße für Härte und Festigkeit wohl eher von untergeordneter Bedeutung.
Grüße, Thomas