Hallo!
Also als Christ tut man sich in der Regel nicht so schwer, da Christen entgegen vielverbreiteter Vorstellungen im Islam nicht als Ungläubige gelten. Auch Christen und Juden wurde nach islamischer Auffassung die Schrift offenbart, diese wurde aber verfälscht und falsch interpretiert.
Ein Ungläubiger zu sein, ist da schwieriger. Grundsätzlich kann man schon diskutieren, man muss aber Fingerspitzengefühl zeigen und vor allem Respekt. Dann kann man eigentlich über vieles diskutieren. Ich habe entgegen dem Ratschlag in so manchem Reiseführer durchaus Diskussionen über die Religion und auch über die Vorstellung der westlichen Demokratie geführt und das war durchaus möglich. Ich war da natürlich vorsichtig mit wem ich rede und außerdem habe ich mich immer sehr gut über das Land und die Kultur informiert, um auf deren Vorstellungen eingehen zu können. Umgekehrt muss man bedenken, dass die Menschen in diesen Ländern oft eine völlig falsche Vorstellung davon haben, wie es in Europa zugeht, da hat man vielfach Erklärungsbedarf. Weiters muss man immer die politische Situation im Land beachten, nämlich inwieweit eine freie Meinungsäußerung politisch akzeptiert wird (der Gesprächspartner könnte ja auch von der Geheimpolizei sein oder so, darf man auch nicht vergessen).
Was Pakistan anlangt habe ich jedenfalls persönliche Erfahrungen. Auch hier muss man bedenken, dass die meisten Menschen von dort keine Ahnung von Europa haben. Umgekehrt ist das aber genauso. Es gibt nicht einfach so Pakistan, sondern Pakistan ist wie Indien (dessen Bestandteil es ja bis 1947 war) ein Vielvölkerstaat. Es gibt verschiedene Völker, mehrere Religionen, die wiederum in mehrere Konfessionen geteilt sind. Dann gibt es aber auch Gebiete, die der Kontrolle der pakistanischen Zentralregierung faktisch entzogen sind (darf man auch nicht vergessen, ich habe diese Gebiete gemieden). Wenn mam also z.B. von Rawalpindi den KKH an die chinesische Grenze fährt, hört man, wenn man nicht in Seitentäler fährt, sieben verschiedene Muttersprachen und trifft auf drei islamische Konfessionen (Sunniten, Schiiten und Ismaili) und ob konservativ oder nicht ist ziemlich unterschiedlich, z.B. sind die Menschen im Hunzatal sehr liberal, in Indus-Kohistan aber eher konservativ.
D.h. in Pakistan ist man den Umgang mit der Unterschiedlichkeit im Alltag relativ gut gewöhnt und ich habe überhaupt nicht den Eindruck gehabt, dass es dort einen allgemein verwurzelten und generellen westfeindlichen Fundamentalismus gäbe. Es gibt sicherlich solche Strömungen, aber es ist keinesfalls so, wie das in westlichen Medien dargestellt wird. Außerdem hat Pakistan eine westlich orientierte Regierung, somit ist die staatliche Polizei nicht so gefährlich. Ich habe in Pakistan einmal mit einem Offizier und einmal mit einem Grenzpolizisten zwar sehr vorsichtig, aber doch eine politische Diskussion geführt, wobei ich von diesen darauf angesprochen wurde (das kam quasi automatisch, als ich sagte, dass ich Jurist bin).
Einen Vorteil hat man auch noch, wenn man Österreicher oder Deutscher ist: die ehemaligen Mittelmächte der beiden Weltkriege werden in diesen Ländern vor allem unter dem Blickwinkel als Gegner der Kolonialmächte wahrgenommen. Es ist daher auch nicht ungewöhnlich, wenn einem über Heldentaten der deutschen Wehrmacht berichtet wird oder Hitler als Befreier von Kolonialmächten angesehen wird. Das mag für uns befremdlich sein, ist aber so. Wenn also etwa die Politik der USA als feindlich aufgefasst wird, dann wird der Deutsche nicht etwa als NATO Verbündeter gesehen, sondern als Kriegsgegner der USA in den Weltkriegen. Als Deutscher oder Österreicher wird man daher politisch als Freund gesehen, der es gut meint, selbst wenn man eine andere Sichtweise vertritt. So jedenfalls meine (und nicht nur meine) Erfahrung.
Gruß
Tom