Als Atheist Reisender in islamischen Ländern?

Hallo und Guten Tag,

ich habe demnächst vor, nach Ägpten zu reisen. Nun bin ich aber Atheist und wollte wissen, ob ich, nach meiner Religion gefragt, dazu stehen kann, oder ob ich sagen muss, „Christ“ zu sein, obwohl ich das gar nicht bin?

Und wie ist das grundsätzlich als Atheist, bzw. Nicht-Monotheist in islamischen Ländern? Ich weiss, dass Juden und Christen eine „geschützte Minderheit“ sind, aber wie ist das mit anderen Weltanschauungen?

Vielen Dank im Voraus für die Antworten.

Ungläubiger
Hallo Jasper,

warum sollte dich jemand fragen. Und wenn, Ungläubiger bist du so oder so, weil du nicht an IHN glaubst.

Was für ein Atheist bist du denn überhaupt?

  • Agnostiker
  • Ignostiker
  • Humanist
  • Pastafari
  • Selbstdenker
  • einfach IKBA
  • Kommunist
  • Kapputalist
  • Ase (Gläubiger, aber vom falschen Gott)
  • Odin-Anhänger (dito)
  • uvam.

Die Antwort will ich nicht wissen, … nur du

Und wie ist das grundsätzlich als Atheist, bzw.
Nicht-Monotheist in islamischen Ländern? Ich weiss, dass Juden
und Christen eine „geschützte Minderheit“ sind, aber wie ist
das mit anderen Weltanschauungen?

Geschütze Minderheit? Also weil die Amis (die Öldollars) die Hand drauf haben? Ein befreundetes Päärchen war vor kurzem da unten. Die hat NIEMAND gefragt und beide sind Ungläubige.

Besorg dir lieber einen 2. Reisepass, damit du im Notfall wenigstens wieder nach Hause kommst. Das hatten wir gerade mit einem Mitarbeiter …

Gruß

Stefan

Hallo,

aber Atheist und wollte wissen, ob ich, nach meiner Religion
gefragt, dazu stehen kann, oder ob ich sagen muss, „Christ“ zu
sein, obwohl ich das gar nicht bin?

Wenn du damit meinst, wie du in einer normalen Unterhaltung reagieren sollst, so kommt das auf die Leute an, mit denen du dich unterhälst. Auf dem Land bei einfachen Leuten würde ich dazu raten, Christ zu sagen. Atheismus wird da nicht verstanden. Wenn du dich mit Studenten der Universität Kairo unterhälst, sieht das anders aus.

Offiziell kann ich dir es für Saudi Arabien sagen: als Atheist kommst du so schwer ins Land.
Zwar dürfen Christen in Saudi Arabien ihren Glauben nur im begrenzten Raum der eigenen vier Wände ausüben und bereits der Import von Bibeln und Kreuzen oder Bildern mit Kreuzen drauf ist nicht erlaubt, aber dennoch wird man als Christ irgendwie akzeptiert. Juden dürfen in Saudi Arabien nicht einreisen. Buddhisten bedingt. Hindus als Vielgötterreligion ist im höchsten Grade suspekt, genauso wie Atheismus. Das wird nachgeprüft und nachgefragt und ich kenne Fälle, in denen Atheisten die Einreise nach Saudi Arabien verweigert wurde.

Gruß
Elke

Hi Jasper,
ich kann mich meinem Vorredner Elastic nur anschließen, was die Notwendigkeit zur Unterscheidung betrifft. Auch wenn ich nicht so weit gehen würde, Saudi Arabien mit Ägypten zu vergleichen.

Die Ägypter sind schon an die westlichen Besucher und dessen seltsamen Ansichten gewöhnt und wissen halbwegs damit umzugehen.

Ich kann dir allerdings versichern, dass du in jedem ernsthafteren Gespräch nach deiner Religion gefragt wirst. Ich habe auf meiner Reise durch Marokko und Ägypten je nach Laune die Wahrheit gesagt, oder christlichen Glauben vorgeflunkert. Christentum wird zumindest toleriert, während Atheismus einfach nicht verstanden wird. Irgendwann bin ich dazu übergegangen, immer Christ zu sein, da ich keine Lust mehr auf die verwirrte Reaktion und endlosen Diskussionen hatte: „Wie, an irgendetwas musst du doch glauben?" Das stößt schon auf großes Unverständnis, auch wenn ich dadurch nie in ernsthafte Konflikte geraten bin.

Probier‘s einfach aus.
Mehr als Unverständnis wirst du nicht ertragen müssen.
Gruß,
Chris

Vielen Dank an alle.Und Länder wie Pakistan, Iran?
Lieber eklastic,

vielen Dank für Deine Antwort. Noch eine Frage, der Vollständigkeit halber: Ist es auch in Ländern wie Pakistan oder Iran möglich, sich als Atheist zu bekennen, wenn man nach seiner Religion gefragt wird? Ist das dort eher so wie in Ägypten oder eher so wie in Saudi-Arabien?

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Hallo,
ich würde mit auch nicht so viele Gedanken darüber machen. Es sei denn,
Du suchts bewusst die Diskussion über Religion. Was ich aber vermeiden
würde, dann eine Diskussion ist das in der Regel nicht. Die meisten
„normalen“ Menschen diskutieren über ihre islamische Religion nicht,
weil es da nichts zu diskutieren gibt. Es ist einfach so!
Iran und Pakistan ist mit Sicherheit noch ein wenig
„fundamentalistischer“. Ich würde der Empfehlung folgen, für die Zeit
des Aufenthalts dort ein Christ zu sein. Das wird mehr oder weniger
auch von von den Fremden aus Europa erwartet und dementsprechend
verstanden und toleriert.
vS
Richard

moin,
ich war mal auf einer streng islamischen hochzeit. maenner und frauen feierten getrennt - wir maenner in der wohnung des braeutigams.

diese „feier“ bestand daraus, dass sich korankundige gegenseitig mit auslegungen uebertrumpften…

als meine position hinterfragt wurde und ich erklaerungen fuer meine atheismus vorbringen wollte, stiess ich auf heftigsten widerstand und unverstaendnis.

atheismus ist im verstaendnis bei den muslims offensichtlich noch eine groessere blasphemie, als den „falschen“ gott anzubeten - muslims sind durchaus bereit, gemeinsame urspruenge , gleiche ethiken und andere verbindene sachen in der religion zu suchen…
aber ganz ohne einen „gott“, das ist denen einen nummer zu gross.

bezeichne dich also ruhig als christ: du wirst selbst wesentliche aussagen der 10 gebote und der bergpredigt in deinem persoenlichem wertesystem verankert haben, ohne in die kirche zu rennen - du liegst dann also mit der selbstbezeichnung nicht ganz falsch und gehst ungewollten provokationen aus dem wege.
gruss
khs

Hallo,

was für eine Reise hast Du vor? Willst Du mit nem Schild rumlaufen: „Ich glaube nichts und Du solltest das auch nicht tun“

Oder den Islam verunglimpfende Parolen munter auf der Zunge tragen?

Wenn Du eine normale Reise machst, vermeide einfach, eine Diskussion über Religion zu führen. Laß Dich - soweit es die Reise betrifft - über Religion informieren von Deinem Reiseleiter.

Die Höflichkeit gebietet es doch, über Religion nach Möglichkeit keine kontroversen Diskussionen außer im Freundeskreis zu führen.

Dann wirst Du keine Probleme haben.

Was Du in Deutschland glaubst oder nicht, interessiert die Ägypter nicht so viel wie der Sand in der Wüste. Respekt und Höflichkeit gegenüber dem Gastgeberland finde ich allerdings nötig - also auch Schuhe aus in einer Moschee usw.

Wendy

Hallo!

Also als Christ tut man sich in der Regel nicht so schwer, da Christen entgegen vielverbreiteter Vorstellungen im Islam nicht als Ungläubige gelten. Auch Christen und Juden wurde nach islamischer Auffassung die Schrift offenbart, diese wurde aber verfälscht und falsch interpretiert.

Ein Ungläubiger zu sein, ist da schwieriger. Grundsätzlich kann man schon diskutieren, man muss aber Fingerspitzengefühl zeigen und vor allem Respekt. Dann kann man eigentlich über vieles diskutieren. Ich habe entgegen dem Ratschlag in so manchem Reiseführer durchaus Diskussionen über die Religion und auch über die Vorstellung der westlichen Demokratie geführt und das war durchaus möglich. Ich war da natürlich vorsichtig mit wem ich rede und außerdem habe ich mich immer sehr gut über das Land und die Kultur informiert, um auf deren Vorstellungen eingehen zu können. Umgekehrt muss man bedenken, dass die Menschen in diesen Ländern oft eine völlig falsche Vorstellung davon haben, wie es in Europa zugeht, da hat man vielfach Erklärungsbedarf. Weiters muss man immer die politische Situation im Land beachten, nämlich inwieweit eine freie Meinungsäußerung politisch akzeptiert wird (der Gesprächspartner könnte ja auch von der Geheimpolizei sein oder so, darf man auch nicht vergessen).

Was Pakistan anlangt habe ich jedenfalls persönliche Erfahrungen. Auch hier muss man bedenken, dass die meisten Menschen von dort keine Ahnung von Europa haben. Umgekehrt ist das aber genauso. Es gibt nicht einfach so Pakistan, sondern Pakistan ist wie Indien (dessen Bestandteil es ja bis 1947 war) ein Vielvölkerstaat. Es gibt verschiedene Völker, mehrere Religionen, die wiederum in mehrere Konfessionen geteilt sind. Dann gibt es aber auch Gebiete, die der Kontrolle der pakistanischen Zentralregierung faktisch entzogen sind (darf man auch nicht vergessen, ich habe diese Gebiete gemieden). Wenn mam also z.B. von Rawalpindi den KKH an die chinesische Grenze fährt, hört man, wenn man nicht in Seitentäler fährt, sieben verschiedene Muttersprachen und trifft auf drei islamische Konfessionen (Sunniten, Schiiten und Ismaili) und ob konservativ oder nicht ist ziemlich unterschiedlich, z.B. sind die Menschen im Hunzatal sehr liberal, in Indus-Kohistan aber eher konservativ.

D.h. in Pakistan ist man den Umgang mit der Unterschiedlichkeit im Alltag relativ gut gewöhnt und ich habe überhaupt nicht den Eindruck gehabt, dass es dort einen allgemein verwurzelten und generellen westfeindlichen Fundamentalismus gäbe. Es gibt sicherlich solche Strömungen, aber es ist keinesfalls so, wie das in westlichen Medien dargestellt wird. Außerdem hat Pakistan eine westlich orientierte Regierung, somit ist die staatliche Polizei nicht so gefährlich. Ich habe in Pakistan einmal mit einem Offizier und einmal mit einem Grenzpolizisten zwar sehr vorsichtig, aber doch eine politische Diskussion geführt, wobei ich von diesen darauf angesprochen wurde (das kam quasi automatisch, als ich sagte, dass ich Jurist bin).

Einen Vorteil hat man auch noch, wenn man Österreicher oder Deutscher ist: die ehemaligen Mittelmächte der beiden Weltkriege werden in diesen Ländern vor allem unter dem Blickwinkel als Gegner der Kolonialmächte wahrgenommen. Es ist daher auch nicht ungewöhnlich, wenn einem über Heldentaten der deutschen Wehrmacht berichtet wird oder Hitler als Befreier von Kolonialmächten angesehen wird. Das mag für uns befremdlich sein, ist aber so. Wenn also etwa die Politik der USA als feindlich aufgefasst wird, dann wird der Deutsche nicht etwa als NATO Verbündeter gesehen, sondern als Kriegsgegner der USA in den Weltkriegen. Als Deutscher oder Österreicher wird man daher politisch als Freund gesehen, der es gut meint, selbst wenn man eine andere Sichtweise vertritt. So jedenfalls meine (und nicht nur meine) Erfahrung.

Gruß
Tom

Nein, um das noch mal klarzustellen: Ich will weder mit einem Schild „Ich bin Atheist“ rumlaufen noch irgendwen provozieren bzw. das Gespräch über Religion überhaupt nur suchen.
Es ist nur so, dass für mich Atheismus eine legitime, gleichberechtigte Option innerhalb der Glaubensfreiheit ist, eben so wie „katholisch“ oder „evangelisch“. Ich möchte nicht heucheln müssen, „Christ“ zu sein, obwohl ich das gar nicht bin.

Nun lese ich aber:

Peter Scholl-Latour: „Bei uns weigern sich ja schon die meisten Minister, das Wort Gott in den Mund zu nehmen, wenn sie ihren Eid leisten. Dieses Ruhen in einer gewissen Religiosität gibt natürlich Amerika eine Kraft, die die Europäer nicht mehr haben. Wir wären eher in der Lage, mit dem Islam, der ja nun mal unser Nachbar ist, zu diskutieren, wenn wir selber noch religiöse Überzeugungen hätten, nämlich dann könnten wir auf dem gleichen Niveau sprechen. Aber ein Mensch, der auf die Religion verzichtet hat, der ein Atheist ist, ist für einen Moslem ein Tier. Und es ist wohl wahr: Wir sind schwächer als die Muslime, weil wir nicht mehr glauben.“
( http://www.g26.ch/texte_peter_scholl_latour.html )

Michael Lüders: „Als Atheist zu erkennen geben sollte man sich in islamischen Ländern unter keinen Umständen. Das wird nicht akzeptiert. Ein Atheist hat in den Staaten des Maghreb oder Maschrek den gleichen Status wie hierzulande, wenn Sie mir den Vergleich gestatten, ein Kinderschänder. Atheismus gilt als Ausdruck sozialer und kultureller Verkommenheit. Hingegen ist es völlig problemlos, sich im Gespräch mit Arabern zu einer anderen Religion zu bekennen. Eine Ausnahme stellte der Irak unter Saddam Hussein dar, hier war es alles andere als ratsam, sich als gläubiger Jude zu offenbaren.“
( http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=… )

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hallo jasper,

ich kenne das problem indirekt, da ich katholisch bin, mein freund aber überzeugter atheist und wir reisen gern und viel im näheren und nahöstlichen ausland herum.

die frage, ob man christ ist, ist häufig und wenn man nickt, ist das thema normalerweise gegessen (da mein freund ja mal getauft wurde, ist es auch nicht mal eine lüge, weitere details werden sowieso nicht gefragt). es ist „normal“ das europäer christen sind, ich wüsste nicht, wie die reaktion ist bei jude (jude wird in ägypten inzwischen mit israel gleichgesetzt) oder buddhist.

in manchen teilen ägyptens gibt es recht viele kopten, die sind hoch erfreut, wenn man sagt, das man christ ist und erzählen einem etwas über ihre religion und ihren stand in der ägyptischen gesellschaft.

ein einziges mal hat uns ein busfahrer zur seite genommen und die vorzüge des islam gepredigt, aber das war eher so etwas wie „heute muss ich als gute tat versuchen, jemanden zu bekehren“ und er hat es ganz schnell auch wieder sein lassen ohen das wir unhöflich werden mussten.

also: christ ist das, was man erwartet und als was du auch gesehen wirst, ob du willst oder nicht. es ist kein thema, da man sich ein bild vom christentum gemacht hat und glaubt zu wissen, was das ist, wird auch nicht weiter danach gefragt. atheist müsstest du vermutlich erklären und würdest wohl auf unverständnis stossen und vielleicht sogar bekehrungsversuche erhalten. du musst dich einfach entscheiden, ob du religionstechnisch deine ruhe möchtest.

viel spass in ägypten (reist du pauschal oder individuell?)
Gruss, sama

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Hallo Sama,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ich bin allerdings, im Gegensatz zu Deinem Freund, noch nicht mal getauft. Ich habe eine Individualreise vor.

Gruß, Jasper.

Hallo Jasper,

Individuell haben wir auch gemacht. da wirst du jede menge kontakt mit einheimischen bekommen und die frage wird sich deshalb sicher häufiger stellen.

in ägypten gibt es übrigesn sperrgebiete, in die westler, auch wenn sie schon lange im land leben, nicht betreten dürfen, das sind ganze regionen. ich habe nie rausgefunden, ob es die angst ist, das westler entführt werden und es deshalb eine skandal gibt oder ob man nicht möchte, das westler überall ihre nase reinstecken. und auch sonst ist man oft in bewachten konvois unterwegs (damit die terroristen auch wissen, wohin sie schiessen müssen…:wink:.

ansonsten kann ich nur empfehlen, sich durchzusetzen, das du nicht für jeden meter einen bewacher brauchst.

reisetipp wenn du gut zu fuss bist: bei luxor im tal der könige gibts ein seitental mit nur einem grab ganz am ende, der grabwächter wohnt auf halber strecke, wir hatten recht mühe, den soldaten, der hinter uns herrannte und von sicherheit redete und uns bewachen wollte, abzuschütteln. die wanderung von dort über die hügel zum haupttal ist übrigens sehr schön und ziemlich einsam, wenn man mal von ein paar soldaten, die im schatten herumliegen, da oben absieht. frag den grabwächter, er zeigt die stelle, wo der weg in den hügel führt.

und suche dir in luxor ein hotel auf der westbank, also westliche nilseite, da sind viiieel weniger touristen. die offizielle fähre tut es auch und mit einem gemieteten fahrrad kommt man bis zu den sehenswürdigkeiten.

der schlafwagenzug Kairo nach Assuan ist übrigens auch empfehlenswert.

viel spass
Sama

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Vielen Dank für die Tipps.
Das waren aber viele Tipps. Vielen lieben Dank dafür.

Gruß, Jasper.

Hallo,

ich kann nur sagen: ich bin nicht mehr in der Kirche - was mich natürlich nicht unbedingt als Atheist definiert (was ich auch nicht bin).

Ich bin bei mehreren Reisen nach Ägypten niemals in die Verlegenheit gekommen, mich dafür rechtfertigen zu müssen.

Solltest Du das aber befürchten, dann sag halt wirklich Christ und gut ist. Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß Dir jemand eine Glaubensdiskussion aufhängen wird.

Wendy