Als Kind mißbraucht, jetzt Mutter

Hallo,

ich wurde als Kind über 10 Jahre von meinem Erzeuger mißbraucht. Jetzt hab ich eine 2 jährige Tochter. Wie und wann kann ich mit ihr darüber sprechen.
Ich will auf keinen Fall eine Glucke sein und sie soll auch keine Angst bekommen, aber ein bißchen vorsichtig soll sie ja auch sein.
Wie stelle ich das am besten an? Ich habe wahnsinnige Angst davor, aber viel schlimmer wäre es für mich, wenn ich mein Kind nicht beschützen könnte.

Danke und Gruß
alexx

Hallo Alexx,

Wie und wann kann ich mit ihr darüber sprechen.

Auch wenn es dir schwer fallen mag: Am besten gar nicht. Man kann Kindern nichts Besseres mitgeben, als ein grundsätzliches Vertrauen ins Leben. Warnungen und Tipps in Bezug auf die Verhinderung von sexuellen Übergriffen beruhigen primär das Gewissen der Erwachsenen. Bewirken tun sie nichts, Ängste auslösen aber durchaus.

Da du selbst die leidvolle Erfahrung gemacht hast, weißt du, dass ein Kind einem Erwachsenen gegenüber machtlos ist. Es kann sich nicht wehren - weder gegen die physische Überlegenheit noch gegen die psychische Macht, über die dieser verfügt. Und das gelingt dem Kind auch dann nicht, wenn es theoretisch weiß, dass es sich wehren soll und darf. Schlimmstenfalls bewirkt es bei einem missbrauchten Kind sogar noch, dass es sich selbst die Schuld gibt, weil es sich offenbar nicht ausreichend gewehrt hat, obwohl ihm das doch gesagt wurde.

Deswegen: Hilf deinem Kind, selbstbewusst, offen und mutig auf die Welt zuzugehen. Du wirst es nicht schützen, indem du es ängstlich und misstrauisch machst.

Du kannst sexuelle Übergriffe nicht verhindern, so gerne du das auch tun möchtest. Du kannst auch Unfälle nicht verhindern oder Krankheiten. Aber du solltest bei aller Sorge nicht davon ausgehen, dass derartige Dinge unausweichlich sind. Die Chancen, dass dein Mädchen völlig ohne diesbezügliche Gefährdungen aufwächst sind groß. Auch du brauchst aber ein wenig mehr Vertrauen ins Leben. Vielleicht kann dir eine Therapie dabei helfen.

Hab Mut!
Schöne Grüße,
Jule

Hi,
ich finde es wichtig Kindern zu vermitteln dass sie „nein“ sagen können und auch müssen. Man muss sich nicht anfassen lassen wenn man das nicht will - weder von anderen Kindern noch von Erwachsenen. Dieses „Recht am eigenen Körper“ kann man Kindern schon sehr früh vermitteln. Dann sollte ein Kind immer altersgerecht aufgeklärt werden. Der menschliche Körper und Sexualität sind ja per se etwas schönes und je weniger Geheimnisse man darum macht um so besser.
Ein Kind muss aber auch wissen dass es verbrecherische Menschen gibt die ihre kindliche Art ausnützen würden. Und das sind nicht nur die geheimnisvollen fremden Männer sondern leider oft die in nächster Umgebung. Darüber muss man mit Kinder sprechen und versuchen soviel Vertrauen aufzubauen dass das Kind mit einem spricht wenn ihm etwas „komisch“ vorkommt.

In vielen Städten gibt es auch „Sag nein“ Kurse die ich sehr empfehlenswert finde.
Zum Beispiel in dieser Art
http://www.schule-gessertshausen.de/archiv/archiv_20…

viele Grüße
Susanne

Hallo Susanne,

ich finde es wichtig Kindern zu vermitteln dass sie „nein“ sagen können und auch müssen.

Das klingt prima, allerdings ist es eine Illusion zu glauben, dass man ein Kind dadurch wirksam vor sexuellen Übergriffen schützen kann. Ich kenne eine Menge Missbrauchsopfer, die sehr wohl „Nein“ gesagt haben - genützt hat es ihnen aber nichts. Ein Kind ist gegen einen Erwachsenen machtlos.

Die einzige Chance, die es hat ist, soviel Vertrauen zu den Eltern (oder einem anderern Erwachsenen) zu haben, dass es sich mitteilen kann. Und selbst dann kann es ihm passieren, dass ihm keiner glaubt.

Man muss sich nicht anfassen lassen wenn man das nicht will - weder von anderen Kindern noch von Erwachsenen.

Auch das ist richtig - und in Bezug auf einen sexuellen Übergriff durch einen Erwachsenen ebenso wirkungslos.

Dann sollte ein Kind immer altersgerecht aufgeklärt werden.

Dies trägt ganz sicher dazu bei, dass es einem Kind leichter fällt, über einen eventuellen Übergriff zu reden.

Ein Kind muss aber auch wissen dass es verbrecherische Menschen gibt die ihre kindliche Art ausnützen würden. Und das sind nicht nur die geheimnisvollen fremden Männer sondern leider oft die in nächster Umgebung.

Und was bewirkt man damit? Dass das Kind ängstlich und misstrauisch durch die Welt geht. Davor beschützen, dass ihm nichts passiert, kann man auch dadurch nicht.

In vielen Städten gibt es auch „Sag nein“ Kurse die ich sehr empfehlenswert finde.

Nette Idee. Aber in Bezug auf Übergriffe leider ebenso sinnlos. Ich habe bei mehreren dieser Projekte als Kamerafrau bei den Testläufen mitgearbeitet. Wir haben zur Überprüfung des Gelernten Kinder nach Beendigung eines Kurses in verschiedenen Situationen angesprochen.

Die Ergebnisse waren ziemlich ernüchternd. Von den 6 bis 10-Jährigen Kindern sind unmittelbar nach dem Ende des Kurses 6 von 10 Kindern mitgekommen, von den 11- und 12-Jährigen immerhin noch 4 von 10. Bei einem wiederholten Test 12 Wochen nach Kursende gingen von den 6-10-Jährigen 9 von 10, von den 11- und 12-Jährigen 6 von 10 mit.

Dabei wurde auf die Anwendung von wirklich angstmachenden Aussagen wie „Deine Mami liegt im Krankenhaus und sie hat mich geschickt, damit ich dich zu ihr bringen kann“ bewusst verzichtet, um die Kinder nicht unnötig zu verschrecken. Alle Kinder konnten zu diesem Zeitpunkt übrigens noch sehr gut das im Kurs Gelernte verbal wiedergeben. Die Umsetzung funktionierte nicht.

Man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass das, was mit Fremden nicht klappt, mit Bekannten erst recht nicht funktioniert. Kinder können sich dem machtvollen Einfluss eines Erwachsenen nicht entziehen - und spätestens die Drohung, man würde den Eltern oder Geschwistern etwas antun funktioniert bei jedem Kind.

Ich halte es aber nicht nur für unmöglich, sondern auch für unmenschlich, ein Kind auf solche möglichen Geschehnisse und Aussagen vorbereiten zu wollen.

So gut all diese Präventionsgeschichten gemeint sein mögen: Sie unterschätzen das Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern. Gleichzeitig gaukeln sie eine trügerische Sicherheit vor. Am schlimmsten dabei finde ich aber, dass unterschwellig vermittelt wird, dass man sich durch Neinsagen schützen kann. Wenn ein Kind aber erleben muss, dass ihm Neinsagen nicht hilft, dann wird es in seinen eigenen Augen zum (Mit-)Schuldigen. Und das finde ich ziemlich schrecklich.

Schöne Grüße,
Jule

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Das beste, was Du tuen kannst ist, dem Kind von Anfang an beizubringen, dass es das Recht hat „nein“ zu sagen, wenn es etwas nicht möchte. Das gilt auch für nasse Küsse von Omas etc.

Wenn Dein Kind drei oder vier ist, kannst Du AM RANDE auch mal Kinderbücher zeigen, die sich um das Thema „nein sagen“ drehen.

Vorher nicht. Und lass Dein Kind nur bei Menschen, denen Du absolut vertraust. Denn die meisten Täter sind im Bekanntenkreis, wie Du ja weißt.

LG

Hallo,

Das beste, was Du tuen kannst ist, dem Kind von Anfang an beizubringen, dass es das Recht hat „nein“ zu sagen, wenn es etwas nicht möchte.

Dagegen ist nichts zu sagen. Bewahren wird es ein Kind vor Übergriffen nicht.

Und lass Dein Kind nur bei Menschen, denen Du absolut vertraust. Denn die meisten Täter sind im Bekanntenkreis, wie Du ja weißt.

Und wenn es sich nur um Menschen handeln würde, denen man nicht absolut vertraut, wäre das zum einen recht einfach und zum anderen möglicherweise ein Schutz. Das tut es aber mitnichten.

Schöne Grüße,
Jule