Hallo!
Als Laie bin ich ja den Fachleuten ziemlich ausgeliefert. Je
nach persönlicher Einstellung wird einem dann doch zu einer
Therapieform geraten, die vielleicht gar nichts bringt.
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Gerade im Bereich Psychotherapie, wo es alles gibt zwischen „Nackt-im-Wald-herum-Springen“ bis zu der „Königin der Therapie“ (PA), sind Laien mit ihrem Latein sehr bald am Ende. Antworten auf die Frage, was wirkt und was bei welcher Problematik wirkt, versucht die Psychotherapieforschung zu geben. Viele in der Psychotherapieszene wollen solche Antworten aber nicht hören, weil sonst das eine oder andere Ausbildungsinstitut und die eine oder andere Praxis zumachen könnte.
Wenn
ich lese, dass sich Fachleute streiten, dann wird ein Anhänger
der VT mir ja kaum zu einer anderen Form raten und umgekehrt.
Doch, werden sie, wenn sie ihren Job professsionell machen. Es ist aus meiner Sicht eine verkürzte Darstellung, wenn behauptet wird, daß manche Leute hier im Forum nur eine Therapieform empfehlen. Ich persönlich bin Anhänger dessen, was wirkt. Das ist ein pragmatischer Standpunkt. Es wirken nach einschlägigen wissenschaftlichen Untersuchungen
- kognitiv-behaviorale Therapiemethoden (kurz: VT),
- psychoanalystische Therapie (jedoch nicht Langzeitpsychoanalyse),
- Gesprächspsychotherapie.
Von diesen drei Therapierichtungen sind die kognitiv-behavioralen Therapiemethoden (VT) am häufigsten auf eine wissenschaftlich vertretbare Weise untersucht worden. In der Häufigkeit folgen Gesprächspsychotherapie, dann erst die psychoanalytischen Therapien.
Für welche Problematik (z.B. psychische Störung) welche Therapie angemessen ist, zeigen weitere Studien, die ich schon einige Male hier zitiert habe. Nach allgemeiner Kenntnislage haben kognitiv-behaviorale Methoden (VT) bei fast allen psychischen Störungen andere Therapiemethoden als Mittel der Wahl verdrängt. Die Psychoanalyse hält sich als Mittel der Wahl noch auf dem Gebiet der Persönlichkeitsstörungen, ist dort aber z.Z. durch neuere Entwicklungen (z.B. Dialektisch-Behaviorale Therapie bei Borderline-Störung; Kognitive Therapie nach Beck) ebenfalls stärkerer Konkurrenz als früher ausgesetzt. Diese Informationen kannst Du einschlägigen Fachbüchern der Klinischen Psychologie und der Psychiatrie entnehmen, die die Mehrheitsmeinung widerspiegeln (natürlich gibt es auch Bücher, in denen „Nackt-im-Wald-herum-Springen“ als wirksam angepriesen wird).
Im harmlosen Fall verliere ich nur Zeit, im schlimmsten Fall -
ja was denn ? Ich meine das jetzt nicht provokativ !
Im schlimmsten Fall - und auch dafür gibt es Belege! - verschlechtert sich der Zustand der PatientInnen, die eine unangemessene Therapie durchführen. Oft bleibt die Problematik auch unverändert bestehen. So gibt es ein Beispiel, nach dem eine Frau, die an Agoraphobie litt, 2 Jahre lang Gesprächspsychotherapie erhielt und danach eine homöopathische Behandlung wegen ihres „gestörten Silberprozesses“ durchgeführt wurde. Dieser Fall wurde in einer Fachzeitschrift für Gesprächspsychotherapie publiziert: Nach einer „ca. zweijährigen personenzentrierten Psychotherapie … stellten die beschriebenen Ängste [Agoraphobie] immer noch eine wesentliche Beeinträchtigung ihres Gesamtbefindens dar.“ Das ist ein Beispiel dafür, was u.U. passieren kann, wenn eine unangemessene Therapie durchgeführt wird. Andere Beispiele haben einige User aus ihrer eigenen Leidensgeschichte hier im Forum beschrieben.
Bemerke ich dann, dass es mir nur nicht besser geht, oder
verstärken sich die Probleme ?
Wie oben gesagt, können sich die Probleme verschlimmern. Es kann aber auch sein, daß sie gleich bleiben. Übrigens ist Patientenzufriedenheit mit der Therapieform kein ausreichendes Kriterium, um festzustellen, ob die Therapie wirkte. Wenn Du mit einer Bekannten jeden Mittwoch Kaffee trinken gehst, dann gefällt Dir das bestimmt. Aber ist diese „Therapie“ wirksam?
Was kann denn im schlimmsten Fall schiefgehen ?
Schlimm sind:
- vergeudete Zeit
- herausgeworfenes Geld
- Verschlechterung der Problematik
- Verschlechterungen im beruflichen, sozialen und Freitzeitbereich aufgrund einer andauernden psychischen Störung
- Verfestigung der Problematik.
Freundliche Grüße,
Oliver