Hi!
Ich hatte jetzt einen Anwortartikel geschrieben. Angenommen
ich wäre tatsächlich ein direkter Nachkomme der Cherusker,
dann hätte ichs im Blut und meine Vermutungen wären totsicher.
Das Gelände an der Herlingsburg war sehr gut geeignet um mit
nur wenigen vielleicht 1000 Germanen 10000 oder mehr Römer in
kurzer Zeit fertig zu machen. Das war ein reiner Buschkrieg,
die Germanen tauchten plötzlich auf, die Römer bekamen einen
auf den Deckel und verschwanden mit ihrem schweren Brustpanzer
im moorastigen Fließsand. Die schwere Bekleidung zog sie in
die Tiefe. Alles was von der Schlacht übrig ist würde man
heute nur in großer Tiefe finden.
Das dort Fließsand ist steht fest, die Staumauer vom
Emmerstausee mußte mit großen Stahlpfeilern befestigt werden,
da sonst die gesamte Staumauer in voller länge weggerutscht
wäre.
Was mich an deiner Argumentation irritiert, ist der Gedanke, dass 1000 Germanen in einer Fluchtburg hocken, von 10.000 oder mehr Römern belagert werden, laufend irgendwelche Ausfälle machen, den Römern „auf den Deckel“ klopfen und so drei Legionen samt Tross niedermachen.
Funktioniert irgendwie nicht.
Bekanntlich sind vom Bündnis des Arminius (es waren neben den Cheruskern auch die Marser, Chatten und Brukterer beteiligt) drei römische Legionen vernichtet worden. Drei Legionen - das sind so etwa 18.000 bis 20.000 Mann. Plus begleitender Ziviltross von 3.000 oder 4.000 Menschen. Da musste also reichlich „auf den Deckel“ geklopft werden.
Die Gegend war für eine offene Feldschlacht denkbar ungeeignet, daher gehe ich von einer Abnutzungsschlacht über Tage, wenn nicht Wochen aus. Außerdem dürfte es eine Kette von Bewegungsgefechten gewesen sein, die sich über -zig Kilometer hinzog. Von einer bestimmten Örtlichkeit zu sprechen, wo die Schlacht stattgefunden hat, halte ich für unglaubwürdig (in Kalkriese hat vermutlich ein größeres Teilgefecht oder das abschließende Gefecht stattgefunden, aber ich glaube nicht, dass in Kalkriese ein einziger großer Angriff stattfand, der die drei Legionen ratzfatz vernichtete - ebensowenig wie an der Grotenburg oder der Herlingsburg). Die Varusschlacht war Guerrillakrieg pur.
Ein anderes Problem ist die Benennung des Schlachtortes in den römischen Berichten. Tacitus benutzte den Begriff „saltus teutoburgensis“. Der heutige Teutoburger Wald bekam seinen Namen aber erst viel später. Vermutlich hat Tacitus die Höhenzüge des heutigen Teutoburger Waldes und des Wiehengebirges durcheinander geworfen.
Deinen massiven Einsatz hier „und es war doch die Herlingsburg“ interpretiere ich als verzweifelten Versuch des Lokalpatriotismus’, die Wegnahme einer jahrhundertealten Legende zu verhindern. Immer war es Ostwestfalen-Lippe, die als Ort der Varus-Schlacht bekannt war. Dann kamen so ein paar Archäologen, und Peng liegt die Varusschlacht plötzlich in Niedersachsen. Nix mehr Detmold, Grotenburg, Herlingsburg.
Wenn du unbedingt beweisen willst, dass die Herlingsburg der Ort der Varusschlacht ist, beschaff dir Geld (such dir z.B. einen spinnerten Millionär, der unbedingt in die Archäologie-Geschichte eingehen will wie einst Lord Canarvan und sein Grabmal des Tut-anch-amun) und lass selbst graben. Wer weiss - vielleicht widerlegst du ja alle Wissenschaftler.
Grüße
Heinrich