Hallo Lea!
Vielleicht ist Euch ja meine Antwort eine kleine Hilfe.
- Teil:
Den Proömien von Ilias, Odyssee und Äneis gemeinsam:
- der Anruf an die Muse mit der Bitte um Inspiration;
- eine weitere Gemeinsamkeit: die Nennung des wichtigsten Themen.
Beides sind verpflichtende Gattungsmerkmale des antiken Epos, so wie auch
- der Hexameter als Vers.
(Alle drei finden sich auch im Proöm der Metamorphosen von Ovid)
Zu
Proöm bei Vergils Änäis, 1. Buch 1-33:
[Angabe von Verszahlen am Anfang ist problematisch, weil die Handschriften die Anfangszeilen in verschiedener Reihenfolge bringen.]
Arma virumque cano:
Heldentaten, Parallele zur Ilias und Vorverweis auf Verg. Aen. 2. Hälfte: Kämpfe um die Landnahme in Italien und die (außerhalb der Äneis liegende) Gründung der Städtekette Lavinium (Äneas: „dum conderet urbem”), Alba Longa (Ascanius: „Albanique patres”; am Albaner See gelegen, etwa beim heutigen Castel Gandolfo) und Rom (Romulus; „altae moenia Romae”).
Für diese „Ahnenreihe” Roms gilt: Es mussten verschiedene schon vorhandene mythische Überlieferungen in Einklang gebracht werden: das indogermanische Zwillingsmotiv (Romulus und Remus) bei Städtegründern; das weltweit vorhandene Märchenmotiv vom Königssohn, der bei den Hirten aufwächst und dann doch seine wahre Berufung findet (Romulus); die historische Tatsache, dass die Gründung Roms (ca. 750) nicht schon zehn Jahre nach den Trojanischen Krieg stattgefunden haben kann; ich möchte noch anfügen das „Aaron-Motiv”, dass der Held der Wanderzeit (Äneas) das Gelobte Land - hier: das zu gründende Rom - nicht selbst betreten kann; u. Ä.
multum ille et terris iactatus est alto] Irrfahrten, Parallele zur Odyssee und Vorverweis auf die erste Hälfte der Äneis: Irrfahrten (errores).
Iunonis ob iram:
Zorn-Motiv (vgl. Zorn des Achilles in der Ilias als Agens der Handlung);
genannte Gründe für Junos Zorn:
Schmach des Parisurteils (Paris war ja ein Trojaner),
im Trojanischen Krieg auf der Seite der Griechen,
in der Äneis: Die Gegnerschaft von Rom und Karthago als eine Art Erbfeindschaft; Juno, auf der Seite der Karthager, will die Gründung Romes verhindern, weil die Römer die „Thyrias arces” (v. 20: die tyrischen [= karthagischen] Burgen) vernichten werden. Deshalb bringt sie; noch in B. I, Äolus dazu, einen Seesturm zu verursachen, in dem die Schiffe des Äneas untergehen und er mit den letzten Getreuen in Afrika angeschwemmt wird - wo gerade Karthago gegründet wird! Dort verliebt sich die Königin Dido in Äneas; weil er, getreu seinem Auftrag, schließlich weiterfährt, bringt sich Dido um: der Beginn der Feindschaft der beiden beginnenden Völker, nun nun auf Erden, gemäß dem Willen der Götter (der hier nicht recht deutlich wird; V. 20: Junio „hatte gehört“ von dieser zukünftigen Feindschaft).
Das Gegenmotiv zum Zorn Junos: Venus ist die Beschützerin der Trojaner (sie war die vom Paris-Urteil Begünstigte), und noch in B. I bringt sie (V. 229 ff) Iupiter dazu, ihr die große Zukunft des von Äneas abstammenden Volks der Römer zu verkünden (V. 257 ff; ab V. 265 die „Ahnenreihe“ der drei Städte, wie oben!), gipfelnd in den Worten „imperium sine fine dedi“ V. 279, mit der Verheißung der Friedenszeit unter Augustus (V. 294: claudentur Belli portae" Die Tore des Kriegstempels werden geschlossen werden).
Das heißt: Alles, was Äneas passiert, ist im Olymp beschlossen; aber der Zorn der Juno wird nicht das letzte Wort haben; denn das, was Jupiter sagt (fari sprechen!) ist nun „fatum“/Götterspruch, der in Erfüllung gehen wird. Äneas’ Verhalten ist von dieser Schicksalsfrömmigkeit geprägt. Siehe:
V. 5 f: dum … inferrret deos Latio, und V. 10 insignem pietate virum: der „pius Aeneas” ist eines der Leitmotive für die Äneis; im Hören auf die Zeichen der Götter und im Gehorchen findet er das Ziel. Denn:
Hauptunterschied zu Homer, Od.:
Odysseus weiß, wohin er will: heim nach Ithaka.
Äneas weiß nur eines: Er kann nicht heim, Troja gibt es nicht mehr.
Allmählich entsteht durch Weissagungen und deren (nach falscher Auslegung dann) richtige Deutung ein geographisches Ziel und, nach dem Gang in die Unterwelt in Begleitung der Sibylle (Buch VI) durch die Prophezeiung der Vaters konkretisiert sich auch das ideelle Ziel (V. 851-853: tu regere imperio populos, Romane, memento - / haec tibi erunt artes - pacique imponere morem, / parcere subiectis et debellare superbos)
Proöm von Homers Odyssee 1. Buch 1-21 im Bezug auf Inhalt, Aufbau, Gliederung und Gesamtfunktion und Einfluss des Proöms auf das Werk.
Dazu empfehle ich:
Hölscher, Uvo: Die Odyssee. Epos zwischen Märchen und Roman. München (Beck) 1989. (S. 42 ff.: III. Der Anfang) [ein Standardwerk, müsste die Schule haben!]
- Teil:
Proöm der Odyssee, 16-21 Vorübersetzen und präzise Kenntnisse
zur Syntax, Metrik und Besonderheiten der Homerischen Sprache.
In der Schulbibliothek wird ja ein Kommentar zur Odyssee vorhanden sein. Das wäre das erste.
Wenn Ihr dann noch konkrete Fragen habt - bitte sehr.
Viel Erfolg!
H.