Altbausanierung

Grüß Gott liebe Experten,

ich hoffe Sie können mir bei meinem Anliegen weiterhelfen.
Wir spielen mit dem Gedanken, uns ein renovierungsbedürftiges Haus anzuschaffen. Gestern waren wir bei der Besichtigung.

Zunächst zum Objekt:

Das Haus wurde ca. 1900 in Ziegelbauweise erbaut und wurde bis vor einem Jahr noch bewohnt. Es ist nicht unterkellert und wurde mit Holzöfen beheizt. Da der jetzige Eigentümer (ein Bauunternehmer) es ersteigert hat, sind keinerlei Unterlagen vorhanden.

Grundsätzlich hat das Gebäude sehr viel potenzial und wir können vieles selber machen. Das einzige was uns Kopfzerbrechen bereitet sind die vielen Risse im Mauerwerk. Diese sind stellenweise bis zu einem Zentimeter breit und verlaufen meist vertikal über eine Länge bis ca. einem Meter. Die Risse beginnen meist an der Decke und ziehen sich von dort aus nach unten. Man konnte allerdings leider nicht sehen, wie tief die Risse wirklich sind, da noch sehr viel alter Putz darüber war den wir bei der Besichtigung nicht einfach abklopfen konnten.

Auf Nachfragen gab der Makler (eine Bank) an, dass die Risse wohl laut Angabe des Eigentümers (eben dieser Bauunternehmer der sich ja eigentlich auskennen sollte)nicht so „dramatisch“ sein sollen. Angeblich kann man die irgendwie ausspritzen. Leider kennen mein Mann und ich in dieser Materie überhaupt nicht aus. Aber das Haus steht ja nun auch schon über hundert Jahre, da ist es doch unwarscheinlich, dass es uns jetzt entgegenkommt, oder?

Was ich mich nun frage ist:

  • Sind solche Risse bei einem derart alten Gebäude normal?

  • Woher können sie kommen?

  • Reicht es wenn man die Risse „kosmetisch“ behandelt, oder müssen die Ursachen beseitigt werde?

Wir haben auch einige Fotos gefertigt, die ich hier aber anscheinend nicht einstellen kann.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen im voraus.

Mit freundlichen Grüßen,

Alexandra Lößner

Sehr geehrte Frau Lößner,

es ist schon ungewöhnlich, dass an so einem alten Haus plötzlich Risse entstehen. Es muss schon ein, außerhalb des Hauses liegendes, Ereignis stattgefunden haben und die Ursache für die Risse sein.

Ursachen können sein:

  • Straßenbaumaßnahmen
  • Baumaßnahmen und Ausschachtungen an Nachbargrundstück
  • Freilegen der Fundamente uns Haus (z.B.: zu Abdichten)

Mir stellt sich die Frage warum der Vorbesitzer jetzt verkaufen will. Das die Risse nach seiner Meinung nicht dramatisch sein sollen ist verständlich. Schließlich redet man das Objekt nicht schlecht, das man verkaufen möchte.
Bevor Sie ich hier in Unsicherheiten begeben lassen Sie sich die Aussagen vom Vorbesitzer schriftlich bestätigen. Zusätzlich nehmen Sie einen Architekt, oder noch besser einen Vertreter Ihrer Bank, der den Kaufkredit für Sie bearbeitet, mit zum Objekt, damit diese die Risse bewerten sollen. Ihr Bankmensch bekommt evebtuell von seinem Kollegen Infos, die Sie nicht bekommen und rät Ihnen vom Verkauf dann ab. Der Verkäufer der Bank hat wenig Ahnung von Bautechnik, den interessiert nur der Umsatz.

Gruß

Josef Erhardt

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Hallo,

die Rißursache kann sehr unterschiedlich sein.

Sind die Risse in den Außenwänden oder Innenwänden? Sind sie lokal beschränkt, z.B. an einer Außenwandecke, oder verteilen sie sich gleichbleibend im ganzen Gebäude? Gehen die Risse durch die gesamte Wandstärke?
Gab es während den 100 Jahren Umnutzungen in dem Gebäude (gewerbliche Nutzung - höhere Deckenlasten)?
Also, so aus der Ferne auf eine Ursache zu tippen ist eher schwierig.
Was aber herauszubekommen ist, sind die Risse neueren Datums oder älter. Sind die Rissbruchkanten frisch oder hat sich schon Staub und Dreck in den Riss reingesetzt. Sollten die Risse älteren Datums sein, sind wahrscheinlich die Bewegungen /Setzungen / Zwängungen usw.im Gebäude zum Stillstand gekommen. Eine Sanierung der Risse kann erfolgen.
Wenn noch Zeit ist, dann mal auf einen Riss eine Gipsmarke setzen und das Datum daneben schreiben. Nach 2 Wochen schauen ist der Gips aufgerissen ist die Rissursache noch vorhanden?

Bevor die Risse saniert werden, sollte geprüft werden, wie tief diese in das Mauerwerk gehen. Sind Sie durchläufig, ist die Wand statisch geschwächt. Die Sanierung sollte fachmännisch erfolgen, d.h., Packer setzen und Risse auspressen.
Sind die Risse nur Oberflächlich im Putzbereich, dann reicht eine kosmetische Reparatur.

Ich hoffe, Ihnen ein wenig geholfen zu haben.
Wenn die Unsicherheit noch größer geworden ist, dann holen Sie sich doch fachlichen Rat Vorort von einem Statiker. Der kostet sicherlich Geld, welches aber gut angelegt ist, sollte sich hinterher der Sachverhalt als schwerwiegend herausstellen.

Mit freundlichen Grüßen

R. Hirsch

Sehr geehrter Herr Erhardt,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.
Ob die Risse plötzlich aufgetreten sind oder schon „immer“ da waren kann leider nicht gesagt werden.

Zum Thema Umsatz hätte ich warscheinlich dazu schreiben sollen, dass sich der Kaufpreis bereits aus Grundstückspreis minus Abrisskosten zusammensetzt. Sprich eigentlich wird das Objekt als Baugrundstück mit Altbestand verkauft. Der Makler meinte aber man könnte es eben auch wieder herrichten. Für uns wäre nur diese Option finanziell attraktiv.

Trotzdem haben Sie vermutlich vollkommen recht. Es wird wohl das Beste sein wir holen uns die Meinung eines Fachmannes ein der sich die Risse vor Ort ansehen kann.

Nochmals vielen Dank, Sie haben mir sehr weitergeholfen.

Gruß,

Alexandra Lößner

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Sehr geehrter Herr Hirsch,

ich danke Ihnen vielmals für die schnelle und kompetente Antwort. Sie haben uns sehr weitergeholfen. Wir werden warscheinlich Ihrem Rat folge leisten und einen Fachmann hinzuziehen.

Mit freundlichen Grüßen,

Alexandra Lößner

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von Fritz an Alexandra
Liebe Alexandra,
ich habe gestern das Absenden meiner Antwort irgendwie verfälscht, es war wohl die Hektik, weil ich so lange nicht geantwortet hatte, wollte ich nun auf der Stelle schreiben, hatte aber eigentlich gar keine Zeit… Nun mein zweiter Versuch.
Risse treten also auf, wenn Bauteile oder der Baugrund der Spannung (Zug oder Druck), der sie ausgesetzt sind im Verbund des Bauwerks, nicht standhalten.
Aus der Rißgestalt kann man auf die Lage der nachgebenden Bauteile bzw auf die Stelle des nachgebenden Baugrundes schließen und evtl auf die Ursache. Auch ein evtl Gang der Rißbreite mit der Jahreszeit ist aufschlußreich, also wenn die Risse manchmal breiter, manchmal schmäler sind…
In diesem Fall laufen die Risse in den Wänden von der Decke, wo sie, WIE ICH MAL ANNEHME, BREITER SIND, senkrecht nach unten und schließen sich allmählich. Ist diese Annahme richtig?
Wenn sonst keine Tatsachen zu berücksichtigen sind, iost zu schließen, daß die Umfassungswände im Bereich der Deckenauflager nach außen nachgegeben haben. Dies deshalb, weil die Deckenbalken (dem Baualter nach handelt es sich hier um Holzbalkendecken) wegen ihrer Durchbiegung unter Eigenlast zzgl. Verkehrslast auf die Wände eine Kraft nach außen ausüben.
Evtl handelt es sich aber auch um ein Pfettendach und die Pfette hat nachgegeben… Ist dasGebäude mehrgeschossig, in welchem Geschoss treten die Risse auf?
Wenn diese Ursachenermittlung richtig ist, sind an den Wänden in Streichrichtung der Deckenbalken die Risse zu sehen. Man kann die Richtung der Deckenbalken evtl aus der Richtung der Fußbodendielung erschließen, Stragulabeläge oder ähnliches müssen dazu abgehoben werden, falls sich die Fugen nicht durchdrücken. Allerdings würde ich die Risse dann im Bereich der Ecken vermuten und nicht über die ganze Wand. Vielleicht hat sich zusätzlich der Baugrund unter den Wänden mit der Balkenauflage gesenkt?
Vielleicht ist auch die Wölbung der Wand zu sehen, die die Balken trägt, wenn man von außen den Blick streichen läßt?
Nun ist seit dem Frühmittelalter bekannt, daß der durch innere Gebäudeteile erzeugte Schub nach außen (Karlskapelle in Aachen) abgefangen werden kann durch ein in der Wand umlaufendes Zugfestes Bauteil, genannt Ringanker.
Auch bei einem Ziegelsteinhaus mit Holzbalkendecke sind irgendwelche Bauteile vorhanden, die diesen Schub aufnehmen. Ich vernmute zunächst nicht, daß bei der Errichtung der Hauses das vergessen worden ist oder daß der Planer geschludert hat. (Ein Bauwerk jedoch kenne ich, wo keine Schubsicherung zu erkennen war, das war eine Scheuer in Hohenlohe, und tatsächlich ist sie auch vor 5 Jahren teilweise eingestürtzt, das war ein echter Pfusch bei der Planung) Möglicherweise sind die Decken überlastet gewesen, Bücher und Akten sind sehr schwer und erfordern verstärkte Decken. Falls die Risse im Traufbereich sind, sollte die Lage der Pfettenn und Sparren, falls es sich um ein Pfettendach handelt, überprüft werden.

Du willst wissen, was Du tun sollst.
Als erstes würde ich einen sehr deutlichen Preisnachlaß verlangen, in der Größenordnung der zu erwartenden Rep.kosten, also sagen wir mal, 50TEuro (ich hatte mal so einen Fall bei einem Haus eines Freundes in Eßlingen mit sich bewegender Fuge in Eßlingen, extreme Hanglage, da mußte man kubikmeterweise Beton in den Untergrund pumpen, riesiger Machinenaufwand… Ich selbst hab nur zugeschaut, ich liebe einfachere Lösungen…). Du kannst dem Bauunternehmer meine bescheidene Ferndiagnose mitteilen und ihn warnen, bei anderweitigem Verkauf ohne darauf hinzuweisen sei Arglist im Spiel.
An technischen Maßnahmen gibt es natürlich einiges, etwa Stahlseile, Schlaudern, Pfettenanker… Ich weiß auch nicht, weil ich ja die Ursache nicht kenne. Ich halte es für keine Lösung, die Risse nur zuzuschmieren und sich nicht um ihre Entstehung zu kümmern, da die geschilderten Rissbilder doch ungewöhnlich sind.

Ich bin von meiner Ausbildung her kein Bautiger, sondern habe Mathematik und Philologie studiert, bin dann aber unter die Sanierungsmafia in Eßlingen gefallen, wo ich bekannt geworden bin als letzte Hoffnung für hoffnungslose Fälle. Naturgemäß habe ich gelegentlich eine abweichende Meinung…
Aus besonderen Gründen bin ich aber in den Schwarzwald ausgewandert, wo ich mitten im Wald ein ehemaliges Bauernhaus bewohne und mich hauptsächlich mit der Bachfauna beschäftige, will heißen, ich arbeite nicht mehr, jedenfalls nicht mehr für diese Art Kundschaft wie in Eßlingen. Es hat einen eigenen Reiz, dieser Gesellschaft zuzusehen, wie sie im Vollbesitz aller wissenschaftlichen Errungenschaften mit Karacho an die Wand fährt…

Ich weiß, ich kann Dein Problem aus der Ferne nicht lösen.
Schreibe bitte für weitere Fragen an [email protected]
Gruß einstweilen Fritz

Hallo Herr Lößner,

sorry für die späte Antwort. Ich war eine Zeitlang nicht online.
Anhand Ihrer Angaben kann ich nicht viel Sagen. Man müsste es sehen. Es könnten nur Putzschäden sein. Wie alt ist der Putz? Ist es nur der Putz, ist es nicht tragisch. Vielleicht sind es aber auch Setzrisse. Da ist es wichtig zu schauen, ob irgendwelche Tragenden Wände oder Das Fundament einen Schaden hat. Um ganz sicher zu gehen, sollten Sie wirklich dort bei Ihnen einen Fachmann zu rate ziehen, der sich das Vorort auch anschaut. Nur so ist gewährleistet, die Ursache heraus zu finden.

Mit freundlichen Grüßen

Burhaneddin Orhan