Hallo Peter!
die Fassade ist ja noch das „harmloseste“ - aber wenn der
Denkmalschutz auch das Innere betrifft, Räume dürfen nicht
verändert werden etc. - dann ist meine Meinung: Finger weg!
Das kommt auf die Räume an. Ganz normale Grundrisse werden das Denkmalamt nicht interessieren. Hat man aber einen Saal mit kunstvollem Fußboden, Deckenmalereien und Intarsienarbeiten an den Wänden, ist es einfach das falsche Objekt für Leute, die unter allen Umständen eine abgehängte Decke aus Fertigelementen, Laminatboden und Wände aus Gipskarton haben wollen. Eine historische Eingangshalle mit prächtigen Trreppenaufgängen und metallbildnerischen Geländern ist nun mal nichts für die Leute von Portas & Co., die alles, was man nicht rechtzeitig in Sicherheit bringt, mit selbstklebender Folie verkleiden.
Es ist letztlich völlig egal, welche Gebäudeteile vom Denkmalschutz erfaßt werden. Die Elemente des gesamten Gebäudes müssen ein stimmiges Ganzes ergeben, andernfalls übt man sich in Augenkrebs erzeugendem Banausentum.
Ob es die besonders geschützte Eingangshalle ist, die Fassade oder alles zusammen einschließlich der Anlage des umgebenden Parks, ist mit Sachkenntnis und geschickter Hand immer eine zeitgemäße Nutzung möglich und man muß auf keine technischen Annehmlichkeiten verzichten.
Was heraus kommt, wenn stilloses Proletentum an die Stelle des Denkmalschutzes tritt, kannst Du in Ostdeutschland überall bewundern. Da wurden prächtige Schnitzereien in der Schloß-Eingangshalle abgebeilt, um Bretter mit 4-Zoll-Nägeln einfacher annageln zu können. Kunstvolle Fenster wurden rausgerissen und so weit zugemauert, bis DDR-Standardmaß paßte.
Ähnliches findet man überall, wo der Denkmalschutz entweder nicht zuständig ist oder nicht rechtzeitig bemerkt, wes Geistes Kind die neuen Erwerber eines Baudenkmals sind. Da wird ohne Rücksicht auf Baustil und Gesamterscheinung verbastelt, was Max Bahr und Praktiker-Märkte hergeben. Lebten wir im Mangel und die Menschen in Erdhöhlen, wäre das alles entschuldbar. Wir leben aber nicht im Mangel und wer ein Baudenkmal erwirbt, muß sich sachkundig machen und das erforderliche Fingerspitzengefühl entwickeln. Wer so gar keinen Draht für das Ambiente und die Schönheit des alten Gemäuers hat, soll die Finger davon lassen und seine Baumarktträume anderweitig ausleben.
Gruß
Wolfgang