Alte Menschen

Hallo,
man weiß ja, dass ältere Menschen manchmal zu eigenartigen Verhalten tendieren
aber wie geht man damit eigentlich am besten damit um?

Ich helfe einer älteren Dame im Haushalt, da sie nicht mehr so gut sieht und dadurch vieles nicht mehr alleine erledigen kann!
Sie ist mir auch sehr dankbar für die helfende Hand und meine Gesellschaft aber von Zeit zu Zeit, wird sie auch schon mal recht angriffslustig.

Ich weiß, dass sie seit dem Tod ihres Mannes unter Angststörungen leidet.
Sie möchte aber keine psychologische Hilfe in Anspruch nehmen und hat von ihrem Hausarzt Bromazepam bekommen.
Sie ist der Meinung das das reicht und will nichts anderes unternehmen.
Ich möchte sie auch nicht weiter unter Druck setzen und habe ihr einfach nur gesagt, dass diese Medikamente nicht die Ursachen ihrer Angst heilen und man sie nicht auf Dauer nehmen sollte.

Inzwischen finde ich ihre Sticheleien aber äüßerst anstrengend und mag mich auch nicht darauf einlassen.
Ich helfe ihr gerne im Haushalt, da ich aber meine eigenen Problemchen habe (ADS)
kann ich mir das nicht mehr allzu lange zumuten.
Meine Grenzen sind auch irgendwann erreicht und im Moment habe ich das Gefühl sie will diese unbedingt austesten…

Sie hat keine Kinder und ich frage mich wie sehr diese fehlenden sozialen Kontakte, sie belasten.
kann es sein, dass ihr Streiten fehlt?
Das ist ja auch ein wichtiger Punkt bei sozialen Kontakten und ich frage mich ob ihr das fehlt, sich selbst und ihr Wirken auf andere auszuleben.
Muss sie ihre sozialen Grenzen an mir testen oder ist das einfach nur ein zeichen von Misstrauen?
Ich habe mir schon so meine Gedanken gemacht, weiß aber nicht ob diese mich nicht in eine völlig falsche Richtung lenken.

Ich bin erst 27 und kann mich nur schwer mit einer 76 jährigen indentifizieren.
Ich kann leider nur erahnen was in dieser Frau vor sich geht…
Ich bin auch der Meinung, dass sie dringend psychologische Hilfe braucht, aber was kann ich tun?
Ich bin im Moment die einzige, die näheren Kontakt zu ihr hat (außer ein paar gleichaltrigen Damen…die sieht sie einmal in der Woche beim Yoga)!

Naja und dazu kommt, dass ich in wenigen Wochen umziehe in eine andere Stadt.
Ich werde sie besuchen und eine andere Dame wird ihr beim Putzen helfen aber ich frage mich ernsthaft, wohin das alles noch führt.
Sie ist körperlich fit aber…

Weiß jemand Rat oder hat eine Idee, wo ich mich gegebenenfalls für diese
Situation beraten lassen könnte?

Liebe Grüße
Marah

Hallo Marah,

ich bin als ich Anfang 20 war zu einer recht fitten 90 jährigen gezogen, das erste halbe Jahr war FURCHBAR. Ich hab geheult wie ein Schlosshund, weil sie mich nur "geärgert " hat.
Ältere Menschen haben nun mal ihre Macken, sie sind oft alleine, einsam und „tüttelig“.
Meine Oma, seit knapp nem halben Jahr Witwe, ende 80…nur am Motzen!
Dann trinken sie zu wenig, werden vergesslich und pochen aber auf ihr Recht!!!
Entweder schaust du drüber oder du suchst dir etwas ganz anderes.
Viel Glück…ich kann es nachvollziehen.

Ältere Menschen haben nun mal ihre Macken, sie sind oft
alleine, einsam und „tüttelig“.
Meine Oma, seit knapp nem halben Jahr Witwe, ende 80…nur am
Motzen!
Dann trinken sie zu wenig, werden vergesslich und pochen aber
auf ihr Recht!!!
Entweder schaust du drüber oder du suchst dir etwas ganz
anderes.
Viel Glück…ich kann es nachvollziehen.

Hallo Manou, danke für Deine Antwort!
Das Problem ist ja, dass ich mich gerne ein bißchen von ihr lösen möchte.
Je besser wir uns kennen, desto mehr Mecker bekomme ich!
Zum größten Teil für Dinge, die ich nicht getan habe und aus heiterem Himmel!
Ich weiß aber nicht was bei ihr Tütteligkeit und was Angststörung ist und ich
möchte sie eigentlich nicht ganz alleine lassen…
Ich ziehe ja sowieso weg…habe aber Angst, dass was Ernsthaftes passiert…
Sie ist ganz allein, hat keine Kinder und ihr Bruder wohnt ziemlich weit weg.
Keine kümmert sich in näherer Umgebung um sie und ihr hat das immmer geholfen,
dass ich direkt nebenan wohne!
Komplexe blöde Situation und ein Zwiespalt vom aller Feinsten!!!
Ich schau mal, dass sie sich ein Hausnotruf anschafft und speicher meine neue Nummer in ihr Telefon… Mehr geht nich!

Ich hoffe, dass ich im Alter nicht so einsam sein werde!!!
Das ist einfach nur grausam und ihre Angst wird sicherlich noch größer werden…

Schön wäre es für sie in so einem Generationshaus aber sie will ja nicht weg.
Manchmal habe ich ein sehr starkes Gefühl, dass sie nicht mehr möchte und im
nächsten Moment, klammert sie sich mit aller Kraft ans Leben.
Super grausam…

Aber Danke für Deine tröstenden Worte! :smile:
Hab jetzt schon bessere Laune!
Du hast immerhin die einzige Antwort geschrieben!!!

Liebe Grüße
Marah

Moin,

Ich weiß, dass sie seit dem Tod ihres Mannes unter
Angststörungen leidet.

Was genau meinst du denn mit Angststörung? Kannst du das mal genauer beschreiben? Und was befürchtest du konkret, wenn du wegziehst?

Gruß
Marion

Hallo!

Es funktioniert nicht mal immer mit den eigenen Verwandten, manchmal sogar noch schlechter als mit nur Bekannten wie in Deinem Fall.

Meine Mutter hat es nervlich nicht geschafft, sich um ihre Mutter (meine Großmutter) zu kümmern. Sie war immer zu wenig distanziert.

Deshalb ist es oft einfacher, professionelles Pflegepersonal mit der nötigen inneren Distanz (und Abwesenheit zwischen den Betreuungszeiten oder bei 24-Stunden-Betreuung regelmäßiger Tausch der Betreuuer), wenn es wirklich nicht klappt mit innerfamiliärer Hilfe (die natürlich zumindest für die alten Menschen meist das Schönste wäre).

Das heißt, Du brauchst eine innere Distanz („so weit, und nicht weiter“), sonst verzweifelst Du. Das hat nichts mit Kälte zu tun, sondern mit einem Mindestmaß an Selbstschutz.

Gruß, Artefakt

Hallo Marion!

Ich weiß, dass sie seit dem Tod ihres Mannes unter
Angststörungen leidet.

Was genau meinst du denn mit Angststörung?

Sie hat massive Angst vor einem Herzanfall- das ist ja auch verständlich und ich würde das als Furcht vor… bezeichnen.
Aber sie hat gerade in den Abendstunden Angst vor allem nur Möglichen und kann nicht einschlafen.
Der Besuch eines Telekommitarbeiters, wird da zu einem echten Problem, da sie schon Tage vorher durch irgendwelche absurden Gedanken und Befürchtungen, nicht mehr zur Ruhe kommt.Diese Sorgen sind auch nicht durch das hohe Alter erklärbar.
Eine nervöse Grundstimmung ist ja erklärbar (wer hilft mir- ich kann das nicht mehr alleine) aber sie bekommt wirklich körperliche Symptome einer Panikattacke!
Wenn eine Glünbirne kaputt geht, steht sie kurz vorm Nervenzusammenbruch!
Sie lässt sich von mir dann beruhigen und ich kaufe ihr dann eine neue und baue diese ein.
Aber bei vielen Ängsten, kann ich einfach nicht mehr helfen und ich habe das Gefühl, dass hier nur noch eine Gesprächstherapie helfen könnte…

Und was befürchtest du konkret, wenn du
wegziehst?

Ich befürchte, dass sie in ihrer Angst untergeht und sie keinen mehr hat, der sie auch nur ein bißchen beruhigen kann. Emotionale Vereinsamung und dadurch körperlicher Verfall…

Bei einer kaputten Glühbirne kann ein Nachbar helfen aber ich habe regelmäßig mit ihr gefrühstückt und mir stundenlang ihre Sorgen angehört und konnte mit meinen Antworten, ihre Ängste lindern.
Einfach nur der Satz: „Das Gefühl kenne ich auch und ich bin 27. Das hat nichts mit Ihrem Alter zutun, sondern ist ein allgemeines Problem…“;
hat ihr sooft geholfen!
Wer macht das dann? Ich kann noch anrufen und alle zwei Wochen vorbeikommen,
aber das ist ja nicht das Gleiche!
Sie braucht auch mal eine Umarmung und einen Händedruck und natürlich das Wissen:
Die Marah ist nur eine Wand entferntund ich kann sie jederzeit rufen…

Ein Hausnotrufsystem kann für ein besseres Gefühl sorgen aber ersetzt nicht einen
Freund.

Liebe Grüße
Marah

Hallo!

Es funktioniert nicht mal immer mit den eigenen Verwandten,
manchmal sogar noch schlechter als mit nur Bekannten wie in
Deinem Fall.

Meine Mutter hat es nervlich nicht geschafft, sich um ihre
Mutter (meine Großmutter) zu kümmern. Sie war immer zu wenig
distanziert.
Deshalb ist es oft einfacher, professionelles Pflegepersonal
mit der nötigen inneren Distanz (und Abwesenheit zwischen den
Betreuungszeiten oder bei 24-Stunden-Betreuung regelmäßiger
Tausch der Betreuuer), wenn es wirklich nicht klappt mit
innerfamiliärer Hilfe (die natürlich zumindest für die alten
Menschen meist das Schönste wäre).

Wie kann man einen alten Menschen überreden, sich Hilfe zuholen, wenn dieser das mit Aufgeben der Eigenständigkeit gleichsetzt?
Sie meint, dass sie sich so aufgibt…

Das heißt, Du brauchst eine innere Distanz („so weit, und
nicht weiter“), sonst verzweifelst Du. Das hat nichts mit
Kälte zu tun, sondern mit einem Mindestmaß an Selbstschutz.

Ja, das habe ich auch gemerkt! Ich bin im Moment wirklich ein bißchen verzweifelt… :frowning:
Es ist aber im Moment niemand da, der meine Gedanken teilt und die Verwandten wohnen weiter weg.
Wenn man diese darauf ansprechen würde, würden diese bestimmt direkt ein Pflegeheim in Betracht ziehen und das halte ich momentan für nicht sinnvoll.
Sie braucht ihr Zuhause und bemüht sich, trotz ihrer Sehbehinderung, den Haushalt zu pflegen. Das klappt auch noch einigermaßen gut und eine Haushaltshilfe würde erstmal für das leibliche Wohl reichen!
Wenn aber sonst niemand da ist. kann auch keiner merken, wann das nicht mehr klappt. Diese Fau ist komplett auf sich allein gestellt.

Ich muss wegziehen- ich habe einen Partner und wir wohnen in einer 30 m Wohnung.
Ausserdem kommt für mich nur ein Wechsel aufs Land in Frage.
Ich habe ADS und muss aus der Stadt raus- in sofern vertrete ich meine eigenen Wünsche.
Ich kann aber nicht einfach die Augen verschließen und die arme Frau, sich selbst überlassen!
Eine verzwickte Situation!!!

Danke für Eure Antworten!
Liebe Grüße
Marah

Hallo nochmal!

Es kann auch, wenn die Angebote, Hilfe für gewisse Dinge zu organisieren (auch psychologische bzw. Gespräche), abgelehnt werden, helfen, wenn man ihr einfach sagt: „Du brauchst Hilfe. Ich habe organisiert, dass ein Arzt vorbeikommt und Dich anschaut.“ Das kann natürlich Zoff bedeuten, aber dem Argument, dass sie „nicht mehr die Jüngste ist, und jeder Mensch mal Hilfe benötigt“ kann sie sich wohl schwer entziehen. Dein Hinweis, dass sie Dich immer mehr anmeckert, je besser sie Dich kennt, ist auch ein Hinweis, dass da vielleicht schon eine „fremde Instanz“, also eine Respektperson in Form eines Arztes oder so, ihr den Kopf ein wenig „zurechtrücken“ muss - es dreht sich sonst nur alles in Ihrer Welt, ohne Abstimmung mit der Außenwelt.

Gruß, Artefakt