vor über 25 Jahren war ich das letzte Mal in meiner Heimat und sprach dann auch zuletzt in dieser Sprache. Damals war ich 12 Jahre und meine Heimat besuchten wir bis dahin nur in den Ferien, das war 3 mal im Jahr, für einige Wochen.
Zu hause wurde nur Deutsch gesprochen da beide Eltern aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Sprachen stammen. Dann zogen wir in die Türkei und ich lernte türkisch und verlernte deutsch. Nach 5 Jahren wieder zurück nach Deutschland und nach einigen Monaten war der Akzent weg und die deutsche Sprache wieder die die ich auch in Gedanken spreche.
Nun habe ich vor einigen Monaten wieder Kontakt zur arabischen Herkunft und nach einigen sprachholprigen Versuchen spreche ich aufeinmal wieder arabisch. Das mit der deutschen Sprache kann ich noch nachvollziehen, aber aufeinmal wieder meine ursprüngliche Sprache sprechen zu können ist irgendwie phantastisch. Wie kommt das?
Letztens im Radio behauptete jemand, dass unser Gedächnis quasi unendlich Platz hat. Ab einem gewissen Alter (Achtung, eventuell Spekulation) speichern wir also fast alles im Langzeitgedächnis, nur haben wir eben nicht zu allem Anknüpfungspunkte um wieder zu diesen Gedanken zu finden. So ist das vielleicht auch mit der Sprache. Du hast sie nie verlernt, dir sind nur die Verknüpfungen dazu verloreren gegangen.
ich denke nicht dass das Mist ist. Mir geht es ähnlich, allerdings mit Dialekten. Den Dialekt meiner Großeltern kann ich nur nach einer gewissen Zeit der „Eingewöhnung“ wieder Original sprechen. Kommt von alleine, wenn ich mich einige Zeit mit jemanden aus dieser Region unterhalte.
In Amerika habe ich vor einigen Jahren eine Frau kennengelernt, die im Krieg im Alter von etwa 5 Jahren vor den Nazis nach England geflohen ist. Sie erzählte, dass sie ab dann nur noch englisch sprach.
Jahre nach dem Krieg lernte sie einen amerikanischen Soldaten kennen und ging mit ihm nach Amerika. Sie sprach danach also auch nur noch englisch.
In der Stadt in Amerika, wo ich damals wohnte, gab es einen Deutschen „Stammtisch“. Alles nach Amerika (oft schon nach dem Krieg) ausgewanderte Deutsche. Sie lernte eine Frau aus diesem Stammtisch kennen.
Bei den Treffen, wo nur Deutsch gesprochen wird, kann sie sich, zwar mit Akzent, aber sehr fließend am Gespräch beteiligen. Ich finde das fantastisch.
Wenn ich nachstehendes bedenke: eine Tante von mir ist ca. 1957 nach Kanada mit ihrem deutschen Ehemann ausgewandert. Vor einigen Jahren kam sie mal wieder nach Deutschland. Sie konnte weder Deutsch noch Englisch ordentlich sprechen.
Gruß
Ingrid
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das ist gar nicht verwunderlich.
Du hast als Kind, als das Sprachfenster weit offen stand, eine Sprache gelernt. Durch Nichtanwendung, bzw. Verwendung einer anderen Sprache wurde diese in den Hintergrund geschoben, aber nicht vergessen.
Bei Bedarf kommt sie wieder aus der Mottenkiste zurück.
Das ist in etwa so wie Radfahren oder Schwimmen.
Wenn man das einmal gelernt hat, kann man das ein Leben lang, auch wenn man es Jahrzehnte lang nicht macht.