Alte Verhaltensmuster - brauche Rat (lang)

Hallo,

ich habe in der weiteren Vergangenheit einen riesen Fehler bei meiner Tochter gemacht:

Wir beide waren viele Jahre alleine, ich war Vollzeit berufstätig, der Arbeitsort war auch noch weit weg, so dass wir uns immer erst Abends zum Essen sahen. Dazu kam auch, dass mir selbst alles zu viel war und ich in der verbliebenen Zeit nicht so für sie da war, wie sie es gebraucht hätte. Äh, ja, das ist natürlich schon mal ein Fehler an sich… der, um den es geht, der kommt aber erst jetzt.

Ich hatte mir aber immer gesagt, dass egal, wie eingespannt ich bin - wenn es ihr nicht gut geht, setze ich alle Hebel in Bewegung, um da zu sein. Was hat sie zwangsläufig daraus gelernt?

Krank sein ist toll, weil ich dann nicht arbeiten ging und mich wie sonst nicht, um sie gekümmert habe.

In der Schule gehänselt werden ist natürlich doof, aber wenn sie sich nicht selber wehrt, komme ich und regel das.

Abends nicht schlafen können, wegen einem Mückenpups am dicken Zeh, den sie als Elefantentritt darlegt, bringt die Möglichkeit nochmal Zeit mit mir zu verbringen.

Die Hausaufgaben nicht verstehen, auch wenn es daran liegt, dass einfach die Aufgabenstellung nicht gelesen wurde, bedeutet, dass ich mich hinsetze, mich in die Aufgabe reindenke oder - arbeite und ihr dann nett vorkaue.

Es gibt sicherlich noch mehr Beispiele, aber das soll mal reichen.

Natürlich handhabe ich das heute alles nicht mehr so. Ich bin seit knapp 4 Jahren nun zu Hause, verbringe viel Zeit mit ihr, vieles haben wir gemeinsam auch schon in den Griff bekommen. Aber diese Verhaltensmuster bleiben. Hartnäckig.

Sie ist nun 11 und leidet unter ihrem eigenen Verhalten, weil es ihr mehr Probleme macht, als es ihr hilft. In der Schule z.B… Sie kommt in ihrer Klasse gut zurecht (6. Gymnasium), aber auch da gibt es natürlich Machtkämpfchen unter den Kindern, wer ist hier Chef, bei wem kann man sich was erlauben - und wenn es dann mal meine Tochter betrifft, kommt eine SMS mit „Mama, alle ärgern mich, ich will nach Hause“. Und ich sitz hier… weiß nicht, was ich tun soll. Nein, ich hole sie nicht ab - weglaufen ist nicht die Lösung. Ich habe schon viel mit ihr gesprochen, welche Möglichkeiten sie hat, solche Situationen zu meistern, sie hat damit auch schon Erfolgserlebnisse gehabt und ich bestätige sie dann bis in den Himmel und zurück - und dennoch fällt sie immer wieder in die alten Muster zurück.

Das Blöde bei solch einer SMS-Aktion ist immer, dass ich gar nicht einschätzen kann, wie schlimm es nun wirklich ist. Sie hat ja gelernt: Umso schlimmer, umso eher hilft Mama. Sie übertreibt dementsprechend gerne. Was mach ich dann? Ihr gar nicht antworten? Dann hab ich vor Augen wie meine Tochter grün und blau vermöbelt wird (auch wenn sowas noch nie vorgekommen ist). Ihr per SMS Tipps geben? Dann habe ich das Gefühl, ich übernehme aus der Ferne wieder zu viel Verantwortung für Dinge, die sie lernen muss, selbst in die Hand zu nehmen.

Habt Ihr einen Rat?

Mücke

Hallo Mücke,

ich habe in der weiteren Vergangenheit einen riesen Fehler bei
meiner Tochter gemacht:

Wer hat das nicht?;o)

Wir beide waren viele Jahre alleine, ich war Vollzeit
berufstätig, der Arbeitsort war auch noch weit weg, so dass
wir uns immer erst Abends zum Essen sahen. Dazu kam auch, dass
mir selbst alles zu viel war und ich in der verbliebenen Zeit
nicht so für sie da war, wie sie es gebraucht hätte. Äh, ja,
das ist natürlich schon mal ein Fehler an sich… der, um den
es geht, der kommt aber erst jetzt.

Ja,das ist ein sehr großer Fehler,den ich auch begangen habe, als ich mit meinen Sohn alleine lebte.:o(
Aber was will man machen,wenn man alleine ist,muss man halt Vollzeit arbeiten um über die Runden zu kommen.

Ich hatte mir aber immer gesagt, dass egal, wie eingespannt
ich bin - wenn es ihr nicht gut geht, setze ich alle Hebel in
Bewegung, um da zu sein. Was hat sie zwangsläufig daraus
gelernt?

Krank sein ist toll, weil ich dann nicht arbeiten ging und
mich wie sonst nicht, um sie gekümmert habe.

Nee, krank sein ist nicht toll(wenn man es auch wirklich ist),aber wie Du schon richtig erkannt hast,es war falsch,hättest Dich auch so mehr kümmern müssen,damit deine Tochter ,nicht diesen Weg gehen mußte, um Dir nah zu sein.

In der Schule gehänselt werden ist natürlich doof, aber wenn
sie sich nicht selber wehrt, komme ich und regel das.

Weißt Du warum sie gehänselt wird?

Abends nicht schlafen können, wegen einem Mückenpups am dicken
Zeh, den sie als Elefantentritt darlegt, bringt die
Möglichkeit nochmal Zeit mit mir zu verbringen.

Mein Sohn hatte Abends die Angewohnheit,immer wieder aus seinen Zimmer zu kommen mit den Worten:"Eins muss ich Dir noch erzählen…bla,bla,jabbel."So ging er keinen Tag vor 23 Uhr ins Bett.Irgendwann hab ich mir gedacht,man das kann es doch nicht sein,habe ihn dann eines Abends gesagt,wenn er jetzt wieder aufsteht,bin ich nicht da,auch wenn ich da bin…

Er kam dann raus,jabbel,jabbel…ich hatte ein Buch in der Hand und las,sah ihn nicht an,sprach nicht mit ihm,er jabbelte ca.30 min,ging dann in sein Bett.*g*
Am nächsten Tag 20 min jabbel,dann 10 min,dann kam er gar nicht mehr raus und schlief um ca.20 Uhr.;o)

Was ich damit sagen will,lass Dich nicht darauf ein,lieber Abends vor den schlafen gehen,ein schönes Spiel spielen,oder gemeinsam kuscheln…so ne halbe Stunde intensive Beschäftigung.

Die Hausaufgaben nicht verstehen, auch wenn es daran liegt,
dass einfach die Aufgabenstellung nicht gelesen wurde,
bedeutet, dass ich mich hinsetze, mich in die Aufgabe
reindenke oder - arbeite und ihr dann nett vorkaue.

Das mache ich auch,das ist doch nicht schlimm.;o)

Es gibt sicherlich noch mehr Beispiele, aber das soll mal
reichen.

Natürlich handhabe ich das heute alles nicht mehr so. Ich bin
seit knapp 4 Jahren nun zu Hause, verbringe viel Zeit mit ihr,
vieles haben wir gemeinsam auch schon in den Griff bekommen.

Das ist schön!;o)

Aber diese Verhaltensmuster bleiben. Hartnäckig.

Welche jetzt genau?

Sie ist nun 11 und leidet unter ihrem eigenen Verhalten, weil
es ihr mehr Probleme macht, als es ihr hilft.

Das verstehe ich jetzt ehrlich gesagt nicht so ganz,vielleicht magst Du das näher erklären.

In der Schule
z.B… Sie kommt in ihrer Klasse gut zurecht (6. Gymnasium),
aber auch da gibt es natürlich Machtkämpfchen unter den
Kindern, wer ist hier Chef, bei wem kann man sich was erlauben

  • und wenn es dann mal meine Tochter betrifft, kommt eine SMS
    mit „Mama, alle ärgern mich, ich will nach Hause“. Und ich
    sitz hier… weiß nicht, was ich tun soll.

Schreib zurück,da mußt Du jetzt durch mein Schatz,bis nachher,oder so.

Klingt hart,aber es gibt Dinge,wo ein Kind ab einen gewissen Alter alleine durch muss,sie ist kein Baby mehr,lass los.

Nein, ich hole sie
nicht ab - weglaufen ist nicht die Lösung. Ich habe schon viel
mit ihr gesprochen, welche Möglichkeiten sie hat, solche
Situationen zu meistern, sie hat damit auch schon
Erfolgserlebnisse gehabt und ich bestätige sie dann bis in den
Himmel und zurück - und dennoch fällt sie immer wieder in die
alten Muster zurück.

So lernt sie es aber am besten,toll wie Du ihr hilfst.;o)

Ein paar Rückfälle gibt es immer im Leben.

Das Blöde bei solch einer SMS-Aktion ist immer, dass ich gar
nicht einschätzen kann, wie schlimm es nun wirklich ist. Sie
hat ja gelernt: Umso schlimmer, umso eher hilft Mama. Sie
übertreibt dementsprechend gerne. Was mach ich dann? Ihr gar
nicht antworten? Dann hab ich vor Augen wie meine Tochter grün
und blau vermöbelt wird (auch wenn sowas noch nie vorgekommen
ist). Ihr per SMS Tipps geben? Dann habe ich das Gefühl, ich
übernehme aus der Ferne wieder zu viel Verantwortung für
Dinge, die sie lernen muss, selbst in die Hand zu nehmen.

Schreib ihr wie gesagt,das sie das selber klären soll oder Notfalls einen Lehrer um Hilfe bittet.

Sie ist alt genug,trau ihr das zu und es stärkt ihr Selbstbewußtsein.

Habt Ihr einen Rat?

LG Biene

Rat vergessen
Hallo Mücke,

Habt Ihr einen Rat?

Ja,mein Rat als auch nicht perfekte Mutter ist,denk nicht mehr darüber nach was Du alles Falsch gemacht hast(die Zeit kann man nicht zurück drehen),denk darüber nach ,wie Du es anders und besser machen kannst.;o)

Sei eine starke Mutter,rede mit Deiner Tochter darüber,was damals alles falsch lief,sag ihr das es Dir leid tut,redet über euere Gefühle,die ihr hattet.Rede über Dein schlechtes Gewissen,sie spürt es sowieso.

Rede darüber was Du ändern möchtest,gib Deiner Tochter mehr Verantwortung,auch zu Hause.

Alles wird gut,schaue nach vorne und nicht zurück.

Alles Gute

Sabine

Hallo Mücke,

Die Hausaufgaben nicht verstehen, auch wenn es daran liegt,
dass einfach die Aufgabenstellung nicht gelesen wurde,
bedeutet, dass ich mich hinsetze, mich in die Aufgabe
reindenke oder - arbeite und ihr dann nett vorkaue.

wenn meine Tochter mit solchen „das kann ich nicht“-Hausaufgaben kam, habe ich immer zu meiner Tochter folgendes gesagt: „Du, ich bin jetzt aus dem Stoff schon so lange draußen, erklär mir doch erst mal, um was es geht!“

In den meisten Fällen hat meine Tochter beim Vorlesen oder ggf. bei ein paar Nachfragen, die noch nicht mal gespielt sein mussten, die Aufgaben klangen auch ganz anders als zu unserer Zeit, hatte meine Tochter einen Aha-Effekt, während sie mit mir über die Aufgabe diskutierte.

Das hat zwei Erfolge gezeitigt: Meine Tochter hat die Aufgabe verstanden, und sie hat gelernt, dass sie selber etwas kann.

Gruß, Karin

Hi

Schreib ihr wie gesagt,das sie das selber klären soll oder
Notfalls einen Lehrer um Hilfe bittet.

Sie ist alt genug,trau ihr das zu und es stärkt ihr
Selbstbewußtsein.

´

Dann schreib ihr das bitte auch so oder ein „Du schaffst das schon!“ o.ä.
Schreib auf keinen Fall „Da musst du jetzt durch.“ oder „Wenn du sie ignorierst hören sie schon auf…“ und ähnliche abgedroschenheiten, da fühlt man sich als Kind nur abgeschoben >.

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