Alternative Mitfahrbörse

Hallo Nina,

ich kann Deinen Ärger verstehen.

Ich fahre auch in unregelmäßigen Abständen beruflich von Wien (meist) nach Vorarlberg und retour und inseriere diese Fahrten in diversen Mitfahrbörsen, auch in der von Dir genannten.

Ich stelle wie Du auch fest, dass in letzter Zeit zunehmend gewerbliche Angebote überhand nehmen, die zudem in ihrer Seriösität sehr dubios erscheinen: Stichwort: alte u. überfüllte Fahrzeuge mit Fahrern südosteuropäischer Herkunft. Allerdings geht das doch auch aus den Inseraten hervor, zumindest gibts immer Indizien dafür (zB angegebenen Kfz-Typ, oder Fahrtbeschreibungen a la „A nach B, jeden Montag 14Uhr Abfahrt am Hbf von A, Fixpreis xy Euro“). Man kann diese Angebote also meiden, was nicht heißt, dass ich nicht der Meinung wäre, dass die Börsen diese Offerte gänzlich unterbinden sollten. Leider interessiert die das genau null.

Du schreibst, dass Du Dir diese Mitfahrbörsen Geld kosten lässt. Verstehe ich nicht, ich muss bei keiner etwas bezahlen. Interessenten sehen meine Telefonnummer und rufen mich einfach an und fragen nochmal zu den Details nach. Wagentyp und Baujahr sehen sie auch schon online. Wofür genau bezahlst Du die Börsen?

Ach ja, Bewertungen hab ich auf der von Dir genannten Seite auch noch nie gefunden, ich wurde auch noch nie bewertet, trotz etwa ~10 Mitfahrern von der Seite. Ich hab sie aber auch nie darauf angesprochen, weil ich das Feature, da es eben keiner verwendet, für nutzlos halte. Letzendlich informiert sich ohnehin jeder per Telefon über den Fahrer, dazu brauchts kein bewertungssystem.

Zu den Kosten: Was Du schilderst ist klar ein Geschäft mit Gewinninteressen und somit bedingt es a) eine Personenbeförderungserlaubnis und b) ein Gewerbe. Also: Solche, wie Du schreibst klapprigen Busse und ihre Betreiber, würde ich ganz einfach anzeigen. Im konkreten Fall, wenn Du an so einen gerätst, solltest Du zumindest damit drohen und damit das unfaire Beförderungsentgelt ganz rasch senken können.
Auf einer Mitfahrbörse, weiß leider nicht grad welcher, steht explizit, dass dem Anbietenden kein Gewinn aus den Einnahmen der Mitfahrenden entstehen darf, sonst unterliegt er eben oben genannten Bedingungen. Dort stand auch ein entsprechender Paragraph dabei.

Ich halte es selbst so: Ich nehme meine Spritkosten und teile sie durch die Mitfahrer inklusive meiner Person. Sprich, je mehr mitfahren, desto günstiger wird es für alle Beteiligten. In jedem Fall bleiben meine anteiligen Spritkosten so hoch wie für die anderen.
Beispiel: 300 km bedeuten bei mir etwa 25 Euro Spritkosten, bei einem Mitfahrer verlange ich von ihm daher 12,50, sind es zwei Mitfahrer, von beiden jeweils 8 Euro. Auch diese Zahlungsmodalitäten kann man ja bereits vorher telefonisch erfragen und somit unliebsame Überraschungen ausschließen.
Ich fände es übrigens auch unfair, meine Fixkosten wie Versicherung, Steuern, Reifen und was weiß ich noch alles miteinzurechnen, ich nehme nur die variablen Benzinkosten als Grundlage des Kostenbeitrags für die Mitfahrenden.

Generell finde ich es wie Du schade, dass man mittlerweile vorsichtig sein muss, weil sich auf den Börsen mehr und mehr zwielichtige Typen herumtreiben. Ich merke auch, dass am Telefon viele Interessenten sehr genau in diese Richtung nachfragen, bedauerlich, weil einfach anfangs immer ein von Misstrauen geprägtes Klima im Raum steht, wobei der Grundgedanke einer Mitfahrbörse ja sehr positiv ist.

Den Rat, den ich Dir also geben kann, ist Dich vorab bei Deinen potentiellen Fahrern zu informieren und Dich nicht blind mit ihnen treffen solltest, dann lassen sich wohl schon im Vorfeld böse Überraschungen vermeiden. Die verschiedenen Mitfahrbörsen nehmen sich leider alle nicht viel, also ein Ausweichen auf andere macht allein keinen Sinn, schwarze Schafe wirst Du überall finden und um die Möglichkeit, einen Treffer zu finden, zu maximieren, würde ich weiterhin möglichst breit die Suche anlegen.

Ach ja, zur Suche: Bei mitfahrzentrale.de ist ein sagenhaft schlechtes Suchsystem implementiert. Wenn ich von Wien nach Feldkirch fahre, komme ich an einer Reihe von Groß- und Kleinstädten (und somit vielen potentiellen Interessenten) vorbei. Ein Interessent, der etwa eine Fahrt von Innsbruck nach Feldkirch sucht, findet mich nicht, weil im System von mitfahrzentrale.de explizit die Fahrt von Wien nach Feldkirch hinterlegt ist und keine Zwischenstops angebbar sind, zb das System meine Fahrt selbstständig in die Teilstrecken Wien-Innsbruck und Innsbruck-Feldkirch aufteilt und verknüpft. Innsbruck läge direkt an der Strecke, aber diese Mitfahrbörse ist nicht fähig an der Strecke gelegene Orte mit einzubinden. Ich müsste daher jede Teilstrecke als extra Fahrt angeben, was mir schlicht zu mühsam ist.
Rat an Dich: Wenn Du von A nach B willst, und weißt, dass in der Steckenverlängerung eine weitere Destination C liegt, suche auch die Strecke A nach C und erkundige Dich beim Fahrer, ob er in B stehenbleiben kann. So kommst Du viel eher auf einen grünen Zweig.

Viele Grüße

Jerry