Alternative Wirtschaftsformen

Hi Gemeinde,

als wirtschaftswissenschaftlich eher unbedarfter, naturwissenschaftlich/ingenieurwissenschaftlich schon eher bedarfter stelle ich mit des öfteren die Frage, ob die WiWis mit Mathe eher nichts anfangen können.
Wenn man ein Wirtschaftssystem betrachtet, daß nur ab ca. 1,5 % Wachstum p.a. stabil ist, kann man doch mit simpelsten Grundlagen der Mathematik darlegen, daß irgendwann die Luft raus ist (wegen begrenzter Recourcen etc.), aber ich sehe keinerlei Tendenz, auch nicht bei den Hochschulleuten, mittelfristig eine Alternative zu diesem System vorzustellen.

Andere, inzwischen gescheiterte Systeme waren prinzipiell auch auf Wachstum angewiesen.

Nun meine Frage:
Gibt es Modelle/Vorstellungen von Wirtschaftssystemen, die langfristig oder zumindestens mittelfristig (sagen wir mal 25 Jahre) stabil sind, ohne daß ein nennenswertes Wachstum in dieser Zeit stattfindet?

Gandalf

Du bist dem Trugschluss aufgesessen, dass die Begrenztheit von Ressourcen einen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hat.
Gerade als naturwissenschaftlich gebildeter Menschen sollte man wissen, dass technischer Fortschrittin seiner Gänze auf lange Sicht nicht abzuschätzen ist.
Wenn man dies z.B. auf die Ressource Öl bezieht, ist es durchaus möglich noch etliches länger als den prognostizierten Zeitraum mit Öl zu wirschaften, da die Gewinnung und der Verbrauch effizient gestaltet werden können.
Mit den 1,5 % spielst du sicherlich auf die theoretische Beschäftigungsschwelle an, welche aber nur aussagt, dass die Beschäftigung ab dieser Wachstumsschwelle zunimmt.
Über die Stabilität eines Wirtschaftssystem wird keine Aussage gemacht.
Es ist unklar, wie du dies definierst.
Es handelt sich wahrscheinlich eher um eine soziale Komponente auf die du anzuspielen versuchst.
Darüber kann ich aber keine Aussage machen, mich würde aber brennend der mathematische Beweis interessieren.
Vielleicht führst du ihn einmal näher aus, dann kann sich eher damit auseinandersetzen.

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Hi Markus,

Du bist dem Trugschluss aufgesessen, dass die Begrenztheit von
Ressourcen einen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hat.

nun, eine endliche Ressource kann doch sicher nicht für ewig oder zumindestens langfristig für Wachstum sorgen?

Gerade als naturwissenschaftlich gebildeter Menschen sollte
man wissen, dass technischer Fortschrittin seiner Gänze auf
lange Sicht nicht abzuschätzen ist.

Wie gesagt, Wachstumsmodelle, die mit endlichen Faktoren arbeiten, laufen üblicherweise gegen einen Grenzwert und fallen dann üblicherweise ab.

Wenn man dies z.B. auf die Ressource Öl bezieht, ist es
durchaus möglich noch etliches länger als den prognostizierten
Zeitraum mit Öl zu wirschaften, da die Gewinnung und der
Verbrauch effizient gestaltet werden können.

Ich beziehe mich nicht auf eine Ressource, sondern auf das Gesamtsystem.

Mit den 1,5 % spielst du sicherlich auf die theoretische
Beschäftigungsschwelle an, welche aber nur aussagt, dass die
Beschäftigung ab dieser Wachstumsschwelle zunimmt.
Über die Stabilität eines Wirtschaftssystem wird keine Aussage
gemacht.

Wenn es immer mehr Arbeitslose gibt, der Wohlstand immer stärker mißverteilt, kann doch langfristig ein sozialer Frieden nicht gegeben sein! Dann wird das System irgendwann instabil.

Es handelt sich wahrscheinlich eher um eine soziale Komponente
auf die du anzuspielen versuchst.

Exakt! Oder wird so was bei WiWi-Szenarien bezüglich Stabilität ausgeklammert?!

Darüber kann ich aber keine Aussage machen, mich würde aber
brennend der mathematische Beweis interessieren.
Vielleicht führst du ihn einmal näher aus, dann kann sich eher
damit auseinandersetzen.

Nun eine Wachstumsfunktion ist (fast) immer von der Form:
Faktor * e-x2*Konstante(n)

Sie wächst anfangs langsam, steigert sich bis zu einem Maximum und wird dann wieder langsamer. Wird auch Sigma-Funktion genannt. Die Ableitung dieser Funktion hat ein Aussehen wie eine Gaus-Kurve.

In der Bilogie bricht dann meist irgendwann die Population ein, die Kurve fällt nach dem Maximum mehr oder weniger schnell wieder ab. In einer Formel läßt sich dieses Verhalten nicht mehr beschreiben, daher wird dann gestückelt.

Meines Wissens gilt dieses Verhalten für alle Wachstumsvorgänge mit begrenzten Faktoren. Irgendwann stoppt das Wachstum und bricht sogar weg, weil ein Faktor fehtl oder im deutlichen Unterschuß vorhanden ist. Da helfen keine Technologien.

Gandalf

Hallo,

ich kann mich Markus nur anschließen: Wenn die Sachlage so wäre, wie Du schriebst, dann wäre die Wirtschaft schon gekippt, als alle ihre Steinaxt hatten, um es leicht zu übertreiben.

Gibt es Modelle/Vorstellungen von Wirtschaftssystemen, die
langfristig oder zumindestens mittelfristig (sagen wir mal 25
Jahre) stabil sind, ohne daß ein nennenswertes Wachstum in
dieser Zeit stattfindet?

Ja, Tauschhandel. Inwieweit der in unserer Welt umsetzbar ist, kannst Du Dir ja vorstellen.

Gruß,
Christian

Hallo Christian,

ich kann mich Markus nur anschließen: Wenn die Sachlage so
wäre, wie Du schriebst, dann wäre die Wirtschaft schon
gekippt, als alle ihre Steinaxt hatten, um es leicht zu
übertreiben.

nun, so einfach ist die Sache nunmal nicht. Es gab/gibt genug Kriesen, weil Faktoren fehlten (als da sind Hungersnöte). Bisher waren diese Kriesen aber mehr oder weniger lokal begrenzt. Wenn man aber einige Jahre (20 - 30 Jahre) in die Zukunft schaut, ist die Sachlage bei weiterem Wachstum (das nun mal exponential ist) nicht mehr lokal begrenzt und Ausweichmöglichkeiten (Auswanderung) ist nicht mehr möglich, ohne massive kriegerische Auseinandersetzungen.

Daher die Idee, das weitsichtige Geister vielleicht Alternativen zum jetzigen System überdacht haben.

Gandalf

Hallo nochmal,

ich kann mich Markus nur anschließen: Wenn die Sachlage so
wäre, wie Du schriebst, dann wäre die Wirtschaft schon
gekippt, als alle ihre Steinaxt hatten, um es leicht zu
übertreiben.

nun, so einfach ist die Sache nunmal nicht. Es gab/gibt genug
Kriesen, weil Faktoren fehlten (als da sind Hungersnöte).

diese Krisen gab es immer nur da, wo noch die Realwirtschaft vorherrschte, die Menschen also mehrheitlich von der Scholle in den Mund lebten. Gerade die Möglichkeit, sich mit anderen Fertigkeiten Geld zu verdienen, um dann dieses (und eben nicht die eigene Körperkraft) in Nahrung umzusetzen, hält uns den Hunger vom Hals.

Bisher waren diese Kriesen aber mehr oder weniger lokal
begrenzt. Wenn man aber einige Jahre (20 - 30 Jahre) in die
Zukunft schaut, ist die Sachlage bei weiterem Wachstum (das
nun mal exponential ist)

Das Wachstum ist mehr oder minder konstant, was sich exponentiell erhöht ist etwas, das ich mal als Wachstumsfaktor bezeichnen möchte, also meintewegen BSP * Wachstumsfaktor ^Jahre. Scheint mir als Nichtmathematiker ein durchaus nicht unerheblicher Unterschied zus ein.

nicht mehr lokal begrenzt und
Ausweichmöglichkeiten (Auswanderung) ist nicht mehr möglich,
ohne massive kriegerische Auseinandersetzungen.

Die von Dir aus der Biologie übertragene Wachstumstheorie hat doch wunderbar funktioniert. Solange sich ein Wachstum der Population in der Gesamtbetachtung lohnte, fand sie statt. In Mitteleuropa lohnt es sich nicht mehr, also evölkerungswachstum gleich null (mehr oder weniger). Ähnliche Tendenzen sind in den Schwellenländern vorhanden. Ich bin mir relativ sicher, daß das weltweite Bevölkerungswachstum ein Ende gefunden hat, bevor landwirtschaftliche Fläche=Gesamterdoberfläche.

Allein schon aus den bereits erwähnten Fortschrittsüberlegungen heraus. In diesem Zusammenhang sollte man mal die Getreideerträge von heute mit denen früherer Epochen vergleichen. Hier sind durchaus Steigerungen möglich, wenn auch vielleicht nicht mehr in nenneswertem Umfang in Mitteleuropa, wohl aber in der Dritten Welt.

Bei anderen Ressourcen gilt ähnliches. Früher brauchte man Wasser, um Mühlsteine zu drehen, heute wird Elektrizität verwendet, die man teilweise aus Wasserkraft gewinnt. Früher haben die Kohlekraftwerke die Landschaft verseucht, heute könnte man das Kondenswasser trinken.

Was spricht gegen Kernfusion, Sonnensegel und Aufwindkraftwerke als Energiequellen. Du hast sicherlich recht, wenn Du sagst, daß das nicht ewig so weitergehen kann. Aber einerseits ist eine Ewigkeit eine recht lange Zeit und ich sehe das Ende noch nicht am Horizont und andererseits ändert sich ja auch die Wirtschaft im Zeitverlauf.

An beiden Seiten ist also noch etwas offen, da sehe ich keine Veranlassung, mir große Sorgen zu machen.

Gruß,
Christian

Ich denke, in der Theorie ist unser jetziges System ideal. Aber nur theoretisch.
Sogar in Einführungen zu BWL steht’s, dass es viele „objektive“ Faktoren gibt (Klimaänderung - langfristig, demographische Entwicklung…), sowie „subjektive“ wie die Menschliche „Schwäche“ je nach Lust und Laune etwas zu kaufen oder nicht zu kaufen.
Als Laie finde ich diese „Schmetterlings-Effekte“ dahingehend plausibel, dass sie unsere gute wirtschaftliche Theorie (Modell) verwässern.

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Hi Christian,

Die von Dir aus der Biologie übertragene Wachstumstheorie hat
doch wunderbar funktioniert. Solange sich ein Wachstum der
Population in der Gesamtbetachtung lohnte, fand sie statt. In
Mitteleuropa lohnt es sich nicht mehr, also
evölkerungswachstum gleich null (mehr oder weniger).

Nun ja, da tut sich dann schon wieder ein klitzekleines Problemchen auf, siehe momentane Rentendebatte.
Ich für meinen Teil fürchte gar nicht mal soooo langfristig einen ziemlichen Einbruch in unserm Wohlstandniveau, zumindestens für einen recht großen Teil der Bevölkerung. Mit allen negativen Folgen (soziale Konflikte).

Gandalf

nun, eine endliche Ressource kann doch sicher nicht für ewig

oder zumindestens langfristig für Wachstum sorgen?

sicher wenn du so argumentierst, gebe ich zu dass unser Wirtschaftssystem spätestens dann zusammenbricht, wenn uns die Sonne als Roter Riese absorbiert.

Deine Theorie ist doch mehr als hahnebüchen.
Soll man Wirtschaftspolitik betreiben, um den Wohlstand auf absehbare Zeit (bsp. weniger als 100) zu steigern oder weil uns „irgenwann“ sämtliche Ressourcen der Erde ausgehen, wobei dabei noch gar nicht gesagt ist, dass man diese nicht durch Recycling etc wiedergewinnen kann.
Wir können unser Wirtschaftssystem, welcher sich über die Zeit der Menschheitsentwicklung nunmehr als das leistungsfähigste und gerade deshalb auch als das gerechteste erwiesen hat, doch nicht deshalb über Bord werfen.
Ebenfalls ist es unmöglich ein Wirtschaftssystem zu schaffen, welches nicht der Ressourcenknappheit begrenztheit unterliegt.

Hi Markus,

Ebenfalls ist es unmöglich ein Wirtschaftssystem zu schaffen,
welches nicht der Ressourcenknappheit begrenztheit unterliegt.

immer schön vorsichtig mit dem Gebrauch des Wortes ‚unmöglich‘, aber das nur am Rande

Meine Ursprungsfrage war eigentlich

Gibt es Modelle/Vorstellungen von Wirtschaftssystemen, die langfristig oder zumindestens mittelfristig (sagen wir mal 25 Jahre) stabil sind, ohne daß ein nennenswertes Wachstum in dieser Zeit stattfindet?

Das bedeutet nicht unbedingt, daß dazu eine ökonomische, allerdings aber eine ökologische Notwendigkeit besteht, bzw. bestehen könnte.

Gandalf

Hi Gemeinde,

Hallo Gandalf !

als wirtschaftswissenschaftlich eher unbedarfter, naturwissenschaft-:lich/ingenieurwissenschaftlich schon eher bedarfter stelle ich mit
des öfteren die Frage, ob die WiWis mit Mathe eher nichts anfangen
können.

Für die gesamte WiWi kann ich natürlich nicht sprechen, für VWL und BWL schon.
VWL besteht zu einem erheblichen Teil aus Mathematik. Ein Problem dabei ist, dass gewisse Bedingungen axiomatisch einfach gesetzt werden. Ausgehend von einer falschen Annahme ergibt sich dann nach einigen logischen oder mathematischen Verfahrensschritten ein falsches Ergebnis. Die Probleme in den Grundannahmen werden oft verschleiert. Eine der zentralen Annahmen der Mikrotheorie innerhalb der VWL ist die Nichtsättigungsannahme - „Mehr ist besser“. Jedem einigermaßen vernünftig denkenden Biologen müssen angesichts des Wissens um die Begrenztheit natürlicher Systeme die Haare zu Berge stehn.
Mich erinnert es ein bißchen an den Frosch, dem Du das Wasser langsam heiß machst. Bis er drauf kommt, ists zu spät. Mein Finanzwissenschaftsprofessor hat mal gemeint, er hätte noch keinen Biologen getroffen, der ihm den Wert der Artenvielfalt plausibel hätte erklären können. Und: der gute Mann ist Professor der Mathematik und der Volkswirtschaft und leider (!) kein Einzelfall. Du siehst: da ist ein gewaltiges Maß an Ablehnung seitens der VWLer da; leider ! Daher funktioniert der Wissenstransfer auch so schleppend.

Wenn man ein Wirtschaftssystem betrachtet, daß nur ab ca. 1,5
% Wachstum p.a. stabil ist, kann man doch mit simpelsten Grundlagen
der Mathematik darlegen, daß irgendwann die Luft raus ist (wegen
begrenzter Recourcen etc.), aber ich sehe keinerlei Tendenz, auch
nicht bei den Hochschulleuten, mittelfristig eine Alternative zu
diesem System vorzustellen.

Doch, es gibt Leute, die sich mit alternativen Ansätzen befassen. Aber innerhalb der VWL ist das schwierig, weil Du von den mainstream-Verfechtern sofort angefeindet wirst.

Andere, inzwischen gescheiterte Systeme waren prinzipiell auch
auf Wachstum angewiesen.

Eins der Probleme liegt darin, dass „Wachstum per se“ gepredigt wird und nicht nachhaltiges Wachstum. Ich hab ein Beispiel aus meiner Umgebung: Momentan wird massiv der Straßenausbau gefordert, um die Standortqualität zu verbessern. Den Gedanken, dass die Förderung lokaler Angebote und lokaler Nachfrage das lokale Arbeitslosen- und Wirtschaftsproblem viel besser und langfristig stabiler lösen könnte, machen sich wenige.

Nun meine Frage:
Gibt es Modelle/Vorstellungen von Wirtschaftssystemen, die
langfristig oder zumindestens mittelfristig (sagen wir mal 25
Jahre) stabil sind, ohne daß ein nennenswertes Wachstum in dieser
Zeit stattfindet?

Nur in Teilbereichen wegen der oben erwähnten Taktik, Andersdenkenden wissenschaftliche und zwischenmenschliche Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Ein Beispiel aus meiner Diplomarbeit: Esther Vilar und ihr Ansatz der 25-Stunden-Woche.

Gandalf

Grüße
Wolkenstein

Hallo Harry !

Ich denke, in der Theorie ist unser jetziges System ideal.
Aber nur theoretisch.

Bei den vielen, teilweise haarsträubenden Grundannahmen des Angebot-Nachfrage-Schemas, auf dem unser gegenwärtiges Wirtschaftsystem maßgeblich beruht, stell ich mir langsam, aber sicher die Frage, ob nicht ein ehemaliger Studienkollege mit seiner Einschätzung recht hat. Der bezeichnete das Grundmodell als „Hirnwichserei“.

Sogar in Einführungen zu BWL steht’s, dass es viele
„objektive“ Faktoren gibt (Klimaänderung - langfristig,
demographische Entwicklung…), sowie „subjektive“ wie die
Menschliche „Schwäche“ je nach Lust und Laune etwas zu kaufen
oder nicht zu kaufen.

Was heißt die Trennung ? Dass wir die einen Faktoren beeinflussen, die anderen aber nicht ? Realistisch gesehn trifft der Vernetztheitsgedanke eher zu.

Als Laie finde ich diese „Schmetterlings-Effekte“ dahingehend
plausibel, dass sie unsere gute wirtschaftliche Theorie
(Modell) verwässern.

*grins* Die haben eine Aufdeckerfunktion und legen den Finger genau auf den wunden Punkt der mainstream-VWL.

Grüße
Wolkenstein

In the long run we are all dead
Hallo MArkus !

Du bist dem Trugschluss aufgesessen, dass die Begrenztheit von
Ressourcen einen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hat.

Dem bist Du aufgesessen; sie hat einen Einfluss.

Gerade als naturwissenschaftlich gebildeter Menschen sollte
man wissen, dass technischer Fortschrittin seiner Gänze auf
lange Sicht nicht abzuschätzen ist.

Das verzögert das Ganze doch nur. Und: siehe Titel.

Wenn man dies z.B. auf die Ressource Öl bezieht, ist es
durchaus möglich noch etliches länger als den prognostizierten
Zeitraum mit Öl zu wirschaften, da die Gewinnung und der
Verbrauch effizient gestaltet werden können.

Jetzt hast Du an einer Variablen gedreht und nimmst an - ganz Chicagoer Schule - dass eine Ursache eine Wirkung hat. Oh, Ihr Monokausalisten !

Du kannst auch Öl durch Gas ersetzen. Denk Dir mal die Atmosphäre als Badewanne. Das Öl entspricht einem 10-Liter-Eimer, das Gas einem - Hausnummer - Zwei-Liter-Einmer. Voll wird die Wanne sowieso, mit dem Gas halt ein bißchen später.

Grüße
Wolkenstein

Hi Gandalf,

Nun meine Frage:
Gibt es Modelle/Vorstellungen von Wirtschaftssystemen, die
langfristig oder zumindestens mittelfristig (sagen wir mal 25
Jahre) stabil sind, ohne daß ein nennenswertes Wachstum in
dieser Zeit stattfindet?

Für 25 Jahre vielleicht, länger wird schwierig, was rein menschlich ist.
Warum? Menschliches Streben hat viel mit Machterwerb zu tun.
Hat man nun einen Kuchen definierter Größe, der zur Verteilung ansteht, dann ist es ein Streben vieler unserer Zeitgenossen, ein größeres Stück als der Durchschnitt zu bekommen. Nun bedeutet aber eine Vergrößerung des Stückes bei konstantem Kuchen sofort die Verkleinerung des Stückes eines anderen, was nicht eben auf Gegenliebe stoßen dürfte. Werden diese Verteilungsunterschiede zu groß, droht Aufruhr…
Wenn aber der Kuchen ebenfalls wächst, dann können alle (scheinbare) Zuwächse verspüren und Ruhe ist…

Also: Solange der Mensch weitgehend egoistisch ist und aus Machtgier, für höheren Fortpflanzungserfolg oder ähnliches Zuwächse sehen will, muss wohl zwangsläufig die Wirtschaft wachsen. Und ist sie genug gewachsen, findet sich schon ein Anlass für einen netten kleinen Krieg…

Nebenbei: Ich denke, dass das Wirtschaften von einfachen Stammesgemeinschaften aber auch von „Diktaturen“ in sich entwickelnden Ländern aus verschiedenen Gründen ohne Wachstum bemerkenswert stabil sein kann…

Grüße
Jürgen

Hallo,

zufällig beschäftige ich mich im Moment ein wenig mit dem Thema Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit (rein privat). Dabei ist mir folgendes aufgefallen: Wirtschaftswachstum ist NICHT notwendig. Die Welt würde nicht zusammenfallen, wenn es ein Nullwachstum gäbe. Voraussetzung ist, daß das Bevölkerungswachstum gestoppt wird und alle gleichzeitig mitmachen. Dann würde jeder mit auf dem Niveau weiterleben, auf dem er sich jetzt befindet. Trotzdem würde damit der weitere Schwund der Ressourcen nicht aufgehalten, nur verzögert werden. Um praktisch die Ressourcen zu erhalten müsste man zurück in die Steinzeit, zumindest in die vorindustrielle Zeit, in denen man hauptsächlich erneuerbare Energiequellen (Holz, Wasserkraft, Windkraft) benutzt hat.

Dies ist aber nur theoretisch möglich, was ich im Folgenden darlege.

Der Mensch ist egoistisch veranlagt (deswegen hat auch der Kommunismus nicht funktioniert). Folglich wird er versuchen, auch auf Kosten der anderen seinen Vorteil zu suchen. Wenn man nun das Wirtschaftswachstum (quantitativ) stoppen würde (zum Beispiel in Deutschland), würden andere Staaten, die weiter auf Wirtschaftswachstum setzen, Arbeitskräfte und Investoren anlocken, da ja dort die Lebensbedingungen, technologischen Voraussetzungen usw besser wären (siehe Stadtflucht aus den Anfängen der Industriezeit: Jeder ging in die Stadt, wo es Arbeit gab). Das Land mit Nullwachstum geht auf lange Sicht zugrunde, da es seine Arbeitskräfte und Arbeitgeber verliert.

Es ist ein wenig wie mit Wettrüsten: Wenn ich kein Wirtschaftswachstum habe, dann hat es der andere, folglich muß ich mich am Weltmarkt anstrengen und wachsen.

Noch etwas zum Problem mit den Ressourcen. Die Kosten für Ressourcen werden nicht beachtet. Ebenso die (Folge)kosten von Atommüll, Klimaänderung usw. Es ist wie ein Kredit, den ein Todkranker aufnimmt: Warum soll ich mich um meine Schulden kümmern, bis ich die zurückzahlen muß bin ich sowieso tot. Übertragen auf die Welt: Heute kann ich Müll machen, bis der sich wirklich auswirkt bin ich nicht mehr da. Ganz im Sinne der Grundmaxime der BWL, der Mensch sei ein Egoist (was ja der Wahrheit entspricht). Folglich wird das Wirtschaftswachstum auf Kosten der Natur vorangetrieben. Es wäre also sinnvoll, sich rein auf qualitatives und umweltverträgliches Wachstum zu konzentrieren. Also keine Autos bauen, die noch schneller sind, sondern die noch weniger Treibstoffe verbrauchen. Es gibt da haufenweise Beispiele.

Ich würde mir aber keine Sorgen machen. Meiner Meinung nach wird sich alles von selbst regeln. Die Ressourcen werden immer knapper und somit teuerer. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, aber allmählich. Die Bevölkerung wird reduziert, da sie nicht mehr genügend mit Ressourcen (Nahrungsmittel, sauberes Wasser,…) versorgt werden kann. Nur die Reichen werden sich Ressourcen leisten können. Kriege um diese Ressourcen werden ihr Übriges dazu beitragen. Durch die geringere Bevölkerung wird sich die Natur allmählich wieder erholen und die Menschheit wird auf einem etwas niedrigeren Niveau weiterleben.

Tja, eine Möglichkeit das zu verhindern sehe ich nicht. Das sieht man ja schon daran, was diese ganzen Umweltkonferenzen bringen: nix.

Und eine alternative Wirtschaftsform: Weltweite Planwirtschaft unter einer einzigen weltweiten Diktatur, welche den Umweltschutz und Nachhaltigkeit über die Bedürfnisse ihrer Bürger stellt, was aber a)keiner möchte und b)nicht von Dauer wäre (Diktaturen haben es so an sich gestürzt zu werden oder irgendwann zu zerfallen, umso schneller, desto komplexer und weiträumiger das kontrollierte Gebiet ist).

Nun ja, bin wohl teilweise etwas vom Thema abgekommen, hoffe aber trotzdem, dass ich auf ein wenig Interesse gestoßen bin.

Gruß

Josef

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Gibt es nur theoretisch

Nun meine Frage:
Gibt es Modelle/Vorstellungen von Wirtschaftssystemen, die
langfristig oder zumindestens mittelfristig (sagen wir mal 25
Jahre) stabil sind, ohne daß ein nennenswertes Wachstum in
dieser Zeit stattfindet?

Hallo Gandalf,

theoretisch: ja, praktisch: nein! Warum es praktisch nicht geht, erklärt sich, wenn man die theoretische Machbarkeit mit der Praxis abgleicht:

In einem theroetischen Modell darf es keine Nationalstaaten geben, die in einer Form von Wettbewerb stehen. Es darf keine nationalen Eigentumsverhältnisse an Bodenschätzen oder Produktionsmitteln bestehen. Alle Ressourcen auf der Welt gehören allen Menschen. Es muss eine zentrale Weltverwaltung geben, die alle Ressourcen gerecht auf alle Menschen verteilt. Die Raumfahrt und mögliche Suche nach anderen Planeten und Bodenschätzen wird eingestampft. Die Zentralverwaltung kontrolliert die Geburtenraten. Die Grösse der Weltbevölkerung muss definiert werden. Die Bedürfnisse der Individuen werden von der Zentralverwaltung festgelegt und gleichgeschaltet. Es wird soviel produziert, wie von den gleichgeschalteten Weltbürgern konsumiert werden soll. Es werden Drogen ins Wasser geleitet, die die Menschen glücklich machen und sie davon abhalten, individuelle Bedürfnisse zu erleben. Alternativ gibt es eine allumfassende Weltpolizei, die Tendenzen zur persönlichen Bereicherung sofort sanktioniert.

Kurz gesagt, ein Wirtschaftssystem, welches ohne Wachstum stabil ist, funktioniert nur mit allumfassender Kontrolle. Ohne eine solche Kontrolle ist Stabilität mit Nullwachstum immer nur ein Zufall.

Gruss,
Klaus