Alternative zu Goldinlay?

hallo ins Forum,

einer meiner Zähne (der 24er, also oben links der 4.) ist kariös. Vor
einem Jahr hatte meine Zahnärztin schon etwas gesehen dort, meinte
aber es wäre noch zu klein, dass es eine Behandlung rechtfertigen
würde. Diesmal bin ich aber „dran“ (oh je :-/
Ich überlege ein Goldinlay als Füllung zu wählen (zum einen wg. der
Verträglichkeit von Gold aber vor allem wg. der langen Haltbarkeit,
da mich Zahnarztbesuche sehr stressen). Der Kostenvoranschlag liegt
bei knapp 750 Euro inkl. Honorarleistung für meinen doc von knapp 250
Euro und Material- u Laborkosten von knapp 500.

Meine Fragen:
Ist der Preis angemessen, d.h. liegt er im allgemeinen Durchschnitt?

Gibt es eine gute, haltbare Alternative zum Goldinlay (Amalgam
ausgenommen) für diese Stelle ?

vielen Dank vorab und liebe Grüße
Irmi

Hallo Irmi,
der 24 liegt bei den meisten Menschen voll im sichtbaren Bereich, weshalb zahnfarbene Alternativen interessant wären.
Wenn das Loch gerade eben behandlungswürdig ist, gehe ich von geringen Abmessungen aus. Bei kleinen Defekten kann man bei einer korrekt verklebten Kunststofffüllung eine gute Haltbarkeit erwarten. Kostet bei Kassenpatienten je nach Größe der Füllung und Zahnarzt ca. 10%-20% des Inlaypreises als Aufpreis zur Kassenleistung.

Für konkretere Aussagen müsste man den Zahn sehen…
Grüße,
Wepster

Servus Irmi,

der 24 liegt ja, außer bei sehr sauertöpfischen Menschen :wink: , im sichtbaren Bereich. Wenn die Vorderfläche (also die zum Eckzahn hin) die betroffene ist, hättest Du von jetzt ab ein vergoldetes Lächeln. Manche mögen das ja (meine Inlays habe ich schon von der Bühne der Kammerspiele blitzen sehen), aber die meisten haben es heute lieber ‚natürlich‘. Was gibt es da für Alternativen?

Am schnellsten (und billigsten) geht es mit der Compositefüllung. Sie ist IMO geradezu ideal zur Versorgung des 24, wenn die Kavität (das Loch) nicht allzu groß ist. Sehr instruktiv sind die Bilder da:

http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.drh…

Das gebondete CEREC-Inlay kenne ich nur in der Theorie, weil ich immer zu faul war, Arbeiten zu machen, die der Zahntechniker auch (und meistens besser) kann.
Aber da gibt es durchaus, neben den unvermeidlichen Schnellhoblern, auch Meister ihres Faches.

Das Inlay aus Circondioxid (z.B. LAVA) halte ich für Übertherapie, auch andere Keramiken (EMPRESS) halte ich bei einer simplen Karies am oberen Vierer für grenzwertig, weil zu aufwändig. Wie es bei Deinem 24 aussehen könnte, siehst Du z.B. da:
http://www.geiger-dentaltechnik.de/images/inonlays08…

Zuletzt noch eine grundsätzliche Überlegung:

Ich war bei der Inlaytherapie immer versucht, gleich dreiflächige Inlays zu machen, das heißt, die (noch) nicht kariöse Fläche im anderen Zahnzwischenraum gleich mit zu versorgen. Das ist natürlich eigentlich nicht indiziert, wenn so eine Fläche völlig kariesfrei sein sollte! Nur habe ich oft eine Schmelzkaries vorgefunden, wenn im anderen Zwischenraum schon eine Füllung nötig war. Es ist nämlich nicht leicht, Patienten zwei Jahre später zu erklären, daß das neue zweiflächige Inlay durch ein weiteres dreiflächiges ersetzt werden muß, weil die unbehandelte Fläche inzwischen kariös geworden ist.

Hope that helps!

Kai

Hallo Webster und Servus Kai,

vielen Dank für Eure umfassenden und wirklich sehr hilfreichen
Anmerkungen! Dank Eurer Inputs habe ich mich nach Rücksprache mit
meiner Zahnärztin jetzt für eine Compositefüllung entschieden, da das
Loch ganz klein ist und sie meinte, dass es bestimmt auch 10 jahre
oder mehr hält. Das Goldinlay wäre vorne nicht zu sehen gewesen, da
das Loch „nach hinten“ raus geht, aber zum einen ist die
Preisdifferenz natürlich enorm und vor allem ist dann nach einer
Sitzung (und vor allem nur einmal Spritzen!) alles ok. Das freut mich
sehr.

Ich habe noch eine weitere Frage:
Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen / Erfahrungswerte darüber,
dass längerer Antibiotika-Einsatz in frühester Kindheit (in meinem
Fall wg. starker Lungenentzündung direkt nach der Geburt) Einfluss
auf die Zahnsubstanz / Kariesneigung im Erwachsenenalter hat? Das
interessiert mich sehr, da ich trotz sehr guter (also richtig
ausgeführt dank meiner super Prophylaxefrachfrau), konsequenter
Zahnpflege zu Karies neige. Ein befreundeter Arzt erwähnte mal so
einen möglichen Zusammenhang, aber wusste ad hoc auch nicht mehr.
Vielleicht gibt es hier noch etwas Interessantes dazu zu sagen?

Noch einmal vielen Dank für die kompetenten inputs! Indeed, it did
help :o)

Grüße aus dem kalten, aber heute sehr sonnigen Hannover
Irmi

Ich habe noch eine weitere Frage:
Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen / Erfahrungswerte
darüber,
dass längerer Antibiotika-Einsatz in frühester Kindheit (in
meinem
Fall wg. starker Lungenentzündung direkt nach der Geburt)
Einfluss
auf die Zahnsubstanz / Kariesneigung im Erwachsenenalter hat?
Das
interessiert mich sehr, da ich trotz sehr guter (also richtig
ausgeführt dank meiner super Prophylaxefrachfrau),
konsequenter
Zahnpflege zu Karies neige. Ein befreundeter Arzt erwähnte mal
so
einen möglichen Zusammenhang, aber wusste ad hoc auch nicht
mehr.
Vielleicht gibt es hier noch etwas Interessantes dazu zu
sagen?

Noch einmal vielen Dank für die kompetenten inputs! Indeed, it
did
help :o)

Grüße aus dem kalten, aber heute sehr sonnigen Hannover
Irmi

Hallo Irmi,
von einem Zusammenhang mit der Antibiotikaanwendung habe ich noch nichts gehört - ausschließen will ich es aber nicht.

Was aber erwiesesen ist: durch schwere Erkrankungen (lag wohl vor!) wird der Gesamtorganismus so sehr beeinträchtigt, dass auch der Stoffwechsel der Zellen, die den Zahnschmelzaufbau leisten, gestört ist. Manchmal reicht auch die Stoffwechselumstellung bei der Geburt aus, um an den vordersten bleibenden Backenzähnen, die erst im sechsten Lebensjahr erscheinen, (harmlose!) weiße Streifen zu hinterlassen.

Wenn also direkt nach der Geburt eine schwere Erkrankung vorlag, kann es durchaus sein, dass der IN DIESER ZEIT gebildete Zahnschmelz „nicht richtig ausgehärtet“ ist und somit eher für Karies anfällig ist.

Das dürfte aber nur einige wenige Zähne betreffen und erklärt keine generelle Anfälligkeit. Probier es mal mit Elmex Gelee oder Ähnlichem. Der erhöhte Fluoridanteil mildert die Säureempfindlichkeit in der Schmelzoberfläche.

Grüße aus dem nebligen und kalten Zell (über dem Nebel scheint sicher die Sonne!),
Wepster

Hallo Wepster,

Wenn also direkt nach der Geburt eine schwere Erkrankung
vorlag, kann es durchaus sein, dass der IN DIESER ZEIT
gebildete Zahnschmelz „nicht richtig ausgehärtet“ ist und
somit eher für Karies anfällig ist.

d.h. Wenn es nur den gebildeten Zahnschmelz der jeweiligen Zeit betrifft, wären dann auch nur die Milchzähne betroffen…
Hmmm, spannend, der Rest meiner (ziemlich großen) Familie hat ausserordentlich gute Zahnsubstanz, also vom genetischen background her sehr gute Karten :o) Hab ich wohl einfach Pech gehabt :frowning:

Probier es mal mit Elmex Gelee
oder Ähnlichem. Der erhöhte Fluoridanteil mildert die
Säureempfindlichkeit in der Schmelzoberfläche.

Danke für den Tip und auch das feedback!

liebe grüße, wieder sonnig, wenn auch crispy kalt
Irmi

Hallo Irmi,
das hätte die bleibenden Schneidezähne und die vordersten bleibenden Backenzähne betroffen, da deren Kronen schon vor Ende des ersten Lebensjahrs gebildet werden.
Grüße,
Wepster